Wann ist es Zeit für meine Alte Katze zu gehen?

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7 Antworten

Hallo,

Leider liegt diese Entscheidung bei dir (bzw. euch). Ich denke, du kannst am besten abwägen, ob deine Katze noch Freude am Leben verspürt oder nicht.

Im April mussten wir unseren Kater gehen lassen. Er hatte mich fast mein ganzes Leben lang begleitet. Sein kompletter Körper war voll mit Tumoren, die teilweise schon verkalkt waren. Unter anderem hatte er einen sehr großen Tumor am Hinterbein, welcher ihm das Laufen erschwerte. Schlimmer war jedoch der Tumor an seinem Kehlkopf. Es ist davon auszugehen, dass dieser ihm Schmerzen beim Fressen bereitet hat, wodurch er kaum bis gar nichts gefressen hat. Als wir ihn haben erlösen lassen, war er schon sehr dünn geworden und schien auch schon ausgetrocknet. Das war die schwerste Entscheidung, die ich bisher hatte treffen müssen, aber es war besser so, da er sonst wohl verhungert wäre.

Seitdem muss ich ständig daran denken, ob es wirklich die richtige Entscheidung war. Ob es wirklich besser so war oder ob er vielleicht noch weiterleben wollte...

Liebe Grüße und alles Gute

I

Hallo Jessy...,
soweit ich greise Katzen erlebte, würde ich es ganz pragmatisch sehen:
Die Zeit bestimmt alleine deine Katze.

#Ein "Leiden", das jenes Miauen anzeigen könnte (so ja deine Befürchtungen) wird man wohl nach der tierärztlichen Untersuchung nicht annehmen müssen. Wohl schon eher ein greises Mitteilungsbedürfnis und Schwerhörigkeit (sie hören sich dann ja kaum mehr selbst). Das kann schon recht durchdringend tönen! Und, wer schon einmal scherhörige Katzen hatte, weiß, was ich meine ;- )) Jo, Jessy, sie wird halt a bisserl dement sein.

Deine zentrale Frage, aber - wann denn "Zeit zu gehen" für die Katze wäre...,
würde ich ganz alleine(!) nur ihr, NUR ihr... überlassen. Und sie nicht etwa dem schrecklichen Tieraztsress aussetzen und sie dann darin abtöten zu lassen. Es ist ihre Natur, dann zu sterben, wenn ihre Uhr (und bitte nicht etwa unsre Geduld!) abgelaufen ist.

Es ist mir eine heilige Verpflichtung meiner Katze gegenüber, dass sie bei mir auch im greisen Alter geschützt und behütet sein darf. Dieses "Ich werde auf dich aufpassen ...bis zum Schluss!", das ich jeder Katze zu Beginn verspreche, hat für mich keine Ausnahme.
Wir Stadtmenschen sind vielleicht von der Besonderheit des Beinbruches bei Pferden beeinflusst, Es gibt keinen Grund, eine Katze zu töten.

Das habe ich mir nicht selbst ausgedacht,
meine Katzen hatten es mir beigebracht...

Es ist keine sachliche Entscheidung von Kosten oder Genesungschancen, sondern eine der Ethik! Wer von uns wollte die Entscheidung darüber treffen, was noch lebenswert sei und was nicht? Diese griffige Beschreibung "das Tier soll nicht leiden" sorry, ist nicht nur naiv (damit kenne ich mich aus ;), sondern zumindest auch verlogen, sofern es nur uns(!) davor schützt, ein Tier langsam sterben zu sehen!
Jedes Tier, das ich zu mir nehme, bekommt von mir ein Versprechen: "Du sollst gut bei mir leben können! Bis zum Ende, bis du gehst!" Der Tod gehört dazu und dürfte mit der Geburt wohl das Größte des Lebens sein. Wie gesagt, eine ethische Frage. Ich gebe das Tier nicht zum Abspritzen weg, ich pflege es bis zum Schluss. Wann "Schluss" ist, traue ich mir nicht zu, zu entscheiden.

Zum Leiden...
Nein, das Tier 'leidet' dann ganz sicher nicht...!
Wer sich wirklich etwas mit dem Sterben und dem Tod beschäftigte, weiß, dass das Leben leben will! Das ist eine triebgesteuerte Automatik eines jeden Tieres und Menschen - selbst schrecklich verletzte Katzen versuchen noch zu flüchten auch, wenn sogar der Unterleib herausgerissen ist...! Jedermann weiß das, der schon einmal unfallverletzt war. Das Tier leidet dann nicht, weil ein unerhört stark wirkender Cocktail von Endorphinen keinen Schmerz zulässt.
Das kranke Tier mag dann geschwächt sein und völlig fertig... Es gibt aber keinen Grund, das von uns abhängige Tier zu töten nur, weil wir den Anblick des kranken Tieres nicht mögen...!

Meine süße Katzen-Dame war erst elf Jahre alt, hatte aber ein gutartiges Geschwulst am Darm. Inoperabel, aber gleichzeitig tödlich, weil es den Darm verschloss. So etwas war vorher schon angedeutet, nun aber nach irgend so einer Ultraschall- und weiß nicht was für Untersuchungen endgültig. In meiner traurigen Niedergeschlagenheit stimmte ich der Euthanasie (Gnadentod) zu. Nebenbei; Tierärzte empfehlen gerne, das arme Tier "nicht länger quälen zu lassen" - das ist immer richtig dickes Geld für wenig Aufwand!

Ob du es glaubst oder nicht, die magere, unerhört geschwächte Katze, schoss mir aus dem Arm, 'als sie das hörte' (wir guckten uns alle in dem Untersuchungsraum betzroffen an) und sprang mit einem Satz auf den ca 2m hohen Schrank...! Ich war erstaunt über diese Energie und verstand in dem Moment ihre Angst und Hilferuf nicht: Sie wollte schlicht leben, ganz natürlich!
Da ich der Längste von allen war, konnte ich sie wieder annehmen (sie vertraute mir ja auch völlig), dann Betäubung, dann jene letzte Spritze.

weiter im neuen Posting...


ratznase51 29.06.2017, 14:11

Zum Thema "Leiden" muss ich dir wieder sprechen, weil Endorphine nur bei einem Unfall freigesetzt werden nicht aber bei einer Krankheit. Wenn ein Tier an Altersschwäche stirbt bezw. sterben kann ist es anders als wenn es durch eine Krankheit stirbt. Es kann zum Schluss sehr schmerzhaft sein was sich ein Tier nicht unbedingt anmerken lässt. Umsonst heißt es ja auch nicht "Gnadentod", damit ein Tier nicht Leiden muss.

Übrigens führt kein gewissenhafter Tierarzt eine Euthanasie ohne triftigen Grund durch. 

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Naiver 30.06.2017, 18:11

Hallo ratznase...,
danke für deinen Widerspruch und belehrenden Kommentar.
Du vermutest also, dass jene "Stresshormone" (unter diesem Begriff findest du vielleicht mehr Informationen) ausschließlich "nur bei Unfällen" zur Ausschüttung kommen? Oha, ich habe hingegen ganz andere Informationen und davon schrieb ich ja. Lies es einfach nochmal durch. Bei allem Widerspruch dagegen, es gab keinen Grund, meinen Kater vor seinem Ableben zu töten. :- )

Du bist dagegen von einer gezielten Tötung überzeugt? Und begründest sie, weil Krankheit für das Tier ja "sehr schmerzhaft sein kann"? Hm, allzu 'triftig' kann ich diesen Grund allerdings nicht nennen, zumal es durchaus sehr wirksame Schmerzmittel gibt und ein "Leiden" auch in Jessys Fall durch die durchgeführten Untersuchungen auszuschließen war. Lies die Frage, um die es geht, nochmal durch

Und, wenn du deinen Widerspruch nur so ganz allgemein auffasstest und nicht speziell zu den erwähnten Fällen..., also ich würde meinen Gnadentod bei noch so schrecklichen Kopf-, Nieren- oder Bandscheibenschmerzen nicht als 'Gnade' betrachten nur, weil es "nicht umsonst" so gnadenvoll heißt, ratznase...! 
Ich denke, eine solche Tötungsentscheidung ist eine ethische Frage, die ich jedenfalls nicht leichthin aufgrund von zwei, drei Forenzeilen treffen möchte, ...weil es ja schmerzhaft sein könnte...  Insoweit beneide ich dich um deine entschiedene Klarsicht! :- )

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II

Nach diesem Erleben und dem späteren Verarbeiten wusste ich, dass ich sie zum Sterben abgegeben hatte, um mich(!) zu schonen, nicht sie!
Es ist so, dass auch schwer verletzte Tiere nicht "leiden", dafür sorgen heftige Endorphin-Cocktails. Jeder, der schon einmal selbst verletzt war weiß, dass man dann keinen/kaum Schmerz verspürt. Auch bei schweren, hoffnungslosen Krankheiten erfuhr ich, dass Katzen gerne bis zum Letzten
leben wollen und sich dann von ganz allein verdrücken, um in Ruhe zu sterben.

Letztendlich hatte mich ein Kater überzeugt.
Er war mit Nierenversagen in der Endphase und hatte sich schon mehrfach nachts im Wohnzimmer unter Schränken und Sofas verkrümelt. In seiner letzten Nacht hatte er sich auch Richtung Wohnzimmer verkrochen. Ich irrte mich.
Wir fanden ihn am Morgen nicht dort unter dem Möbeln, sondern am Abend erst in meinem Arbeitszimmer IM Schreibtischschrank. Er hatte abends oft bei mir auf dem Schreibtisch gesessen und wir besprachen immer, was ich
da gerade machte. So geschwächt kam er nicht mehr rauf, also hatte er sich in den offenen Seitenschrank gezwängt, darin zusammengerollt und ist offenbar ruhig gestorben...!

Meinen Katzen verspreche ich immer,
dass ich sie nicht etwa töten lasse, um MIR das
Leid zu ersparen, sondern sie bei mir sterben lasse,
egal, welche Mühen das bedeutet!
Das bin ich Ihnen mindestens schuldig. :- )

In Fällen wie dem von BrightSunrise fällt es dagegen leicht mit dem Gnadentod zu helfen. Doch das war hier nicht die Frage :- )


Ich würde an Deiner Stelle noch die Meinung eines anderen Tierarztes einholen, damit wirklich alle Zweifel beseitigt sind.

Allerdings, wenn es wirklich nicht mehr anders geht, solltest Du die Katze von ihren Leiden erlösen lassen.

Du wirst die alte Dame nicht fragen können, deswegen kommt es auf deinen Eindruck von ihrer "Lebensqualität" an. Wenn sie laufend Laute von sich gibt beim Rumlaufen und so, hat sie Schmerzen oder fühlt sich auf andere Art überhaupt nicht gut.

Sie findet ihr Fressen nicht mehr? Sieht sie überhaupt noch? Und das Gehör ist auch nicht so toll? Das Gehör und die Schnurrhaare sind das Hauptorientierungsmittel für eine Katze ....

Und nun entscheide du. Du kennst deine Katze und ihr Verhalten und ihre Stimmungen. Wenn du, wie zwischen den Zeilen herauszulesen ist, der Ansicht bist, dass sie keine tollen Tage mehr haben kann und nur noch "ablebt", dann triff die Entscheidung.

Ja, man darf Gott spielen und über das Leben des Tieres entscheiden, wenn alles gut überlegt ist. Liebe zu seinem Tier heißt auch, es zu erlösen.

Wann es Zeit wird zu gehen wirst du sehen, so wie es jeder Tierbesitzer sieht wenn er sein Tier kennt und genau beobachtet. Ich würde immer mit dem Tierarzt besprechen wie er die Sache sieht und ob man evtl. Schmerzmittel geben muss damit sie ihre letzte Zeit ohne Schmerzen verbringen kann.

Tier können auch Leiden das ist nun mal so. Endorphine werden meist nur freigesetzt wenn es durch einen Unfall zu Verletzungen kommt, nicht aber durch eine Krankheit. Das ist bei Menschen genauso. Gerade wenn es zu Ende geht klammern sich viele Tier (und auch Menschen) besonders ans Leben was aber nicht heißt das das Leben noch lebenswert ist.

Man kann nicht immer warten bis das Leben von alleine zu Ende geht. Euthanasie ist oft der letzte Ausweg, aber auch da sollte man bei seinem Tier sein. Egal wie schwer es einem fällt aber man ist es dem Tier schuldig. Wenn das Tier bei einem auf dem Arm einschlafen kann, es das letzte Streicheln spürt dann ist die ganze Situation auch entspannter. Für das Tier weil es einen bis zuletzt spürt und für einen weil man Abschied nehmen kann.

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