Wann hatten Thermen im alten Rom geöffnet?

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die Sache mit dem Wochenende, ist eigentlihc eher eine Erfindung der 60er Jahre.

Das Christentum und das Judentum kennt die Sonntagsruhe.

Nur im altne Rom gab es weder Christentum, noch hatten die Juden was zu sagen.

Da auch die Römer nicht 365 Tage im Jahr arbeiten wollten, gab es eine vielzahl von "Feiertagen".

Genaue Öffnungszeiten sind weder durch literarische Werke noch durch Inschriften mit Zeitangaben überliefert.

Die römische Stundenzählung zählte 12 Tagesstunden von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang und 4 Stunden (Abschnitte) der Nacht (Nachtwachen).

http://imperium-romanum.info/wiki/index.php/Tageszeit

https://de.wikipedia.org/wiki/Temporale_Stunden

http://www.nabkal.de/tag.html#absatz0

http://www.die-roemer-online.de/index.html?/verschiedenes/kalender.html (unten)

Die Stunden waren daher nicht das ganze Jahr über gleich lang, sondern die Tagesstunden im Sommer länger und im Winter kürzer.

Die Öffnungszeiten sind nicht in jeder Therme in Rom oder gar im ganzen römischen Reich genau gleich gewesen.

Die öffentlichen Thermen in Rom sind anscheinend in den meisten Fällen ab der sechsten Tagesstunde (Mittagszeit, ungefähr 12 Uhr) oder (wohl am üblichsten) ab der achten Tagesstunde (früher Nachmittag, ungefähr 14 Uhr) geöffnet gewesen. Geschlossen wurden sie üblicherweise bei Sonnenuntergang (was je nach Jahreszeit unterschiedlich war, in einer Spanne von zwischen 16 und 17 Uhr bis zwischen 20 und 21 Uhr). Im 3. Jahrhundert n. Chr. sind die Thermen anscheinend zeitweilig noch nach Sonnenuntergang geöffnet gewesen.

Einen besonderen Wochentag als Ruhetag (wie im Judentum und im Christentum) gab es im antiken Rom vor Einführung des Christentums als Staatsreligion (in der Spätantike) nicht. Allerdings gab es viele öffentliche Festtage (feriae publicae), an denen Arbeitsruhe herrschte, wenn auch keine absolute Arbeitsruhe.  

Ernst Künzl, Die Thermen der Römer. Stuttgart : Theiss, 2013, S. 84 – 85:

S. 85: „Ein Hinweis steht bei Vitruv in seiner Anleitung zum Bäderbau (5, 10, 11), wo er rät, den Badetrakt nach Südwesten auszurichten: „Die Caldaria und Tepidaria sollten ihr Licht von Südwesten erhalten, sollte es aus örtlichen Gründen nötig sein, dann jedenfalls von Süden, denn die Badezeiten weden hauptsächlich von Mittag bis Abend festgesetzt.“ Ob Vitruv hier von Badegepflogenheiten oder von festgesetzten Öffnungszeiten spricht, kann man diskutieren; man kann aber auch davon ausgehen, dass zumindest für den Beginn der Kaiserzeit das Baden am Nachmittag die Regel war – das würde heißen, dass das Bad für einen Großtel der Römer vor der am späten Nachmittag oder frühen Abend stattfindenden Hauptmahlzeit des Tages lag.

Beim Satiriker Martial wird als eine günstige Badezeit die achte Stunde genannt (Martial 10, 48, 1 – 4); die achte Stunde ist der frühe Nachmittag (im Sommer 14 - 15 Uhr, da die sechte Stunde (sexta) der hohe Mittag war. Nach einer Stelle des Satirikers Juvenal (Juvenal 11, 204ff.) war Baden schon zur fünften Stunde, also vor zwölf Uhr mittags, nicht ungebräuchlich.

Beide Texte betreffen die Jahre um 100. Bei aller Vorsicht dürfen wir für die öffentlichen Bäder in Rom annehmen, dass sie ab Mittag, also ab 12 Uhr geöffnet waren oder dass dann die Öffnung vorbereitet wurde; diese konnte auch erst in der achten Stunde stattfinden.“

ff. = folgende

S. 85: „Wann die Bäder schlossen, hing sicher von den Einzelfällen ab. Es mag vorgekommen sein, wie die Inschrift vom Bergwerksdorf Vicapsa in Portugal verlautet, dass Bäder erst zur zweiten Nachtstunde schlossen (in horam secundam noctis), was im Sommer zur längsten Tageszeit gegen 22 Uhr abends hieß – und im Winter entsprechend früher, die erste Nachtstunde begann jeweils bei Sonnenuntergang. Der in der Historia Augusta im Allgemeinen gut gezeichnete Kaiser Severus Alexander, der schon für den Neubau der Nerothermen wie auch die Vollendung der Caracallathermen verantwortlich war, schrieb man einen interessanten Pluspunkt zu. Vor seiner Zeit sei bei Sonnenuntergang Badeschluss gewesen, er aber habe Lampenöl zur Verfügung gestellt, um am Abend baden zu können. Vielleicht blieb diese Sitte tatsächlich während der folgenden 50 Jahre bestehen, was deshalb bemerkenswert wäre, weil es sich um die akuten Krisenjahre des Reiches handelte. Kaiser Tacitus (275/276) hat dann angeblich wieder verfügt, die Thermen vor Einbruch der Dunkelheit zu schließen. Der wahrscheinlichste Zeitrahmen für das Baden in den öffentlichen Thermen dürfte also der Nachmittag bis Sonnenuntergang gewesen sein.“

Karl-Wilhelm Weeber, Alltag im Alten Rom : das Leben in der Stadt ; ein Lexikon. 4., verbesserte Auflage der Paperbackausgabe. Mannheim : Albatros, 2011, S. 41 – 42:

„Die meisten Badeanstalten, zumal die großen Thermen, waren nur am Nachmittag geöffnet; bei Einbruch der Nacht wurden sie i. a. geschlossen (Vitr. V 10, 11), Nächtliches Baden war, auch wenn es wenige Belege dafür gibt, die Ausnahme; ebenso vormittägliches B., das gelegentlich erwähnt wird (Juv. XI 204). Eine übliche Öffnungszeit scheint die achte → Stunde, also der frühe Nachmittag, gewesen zu sein (Hist. Aug. Hadr. 22). Im idealtypischen Tagesablauf eines wohlhabenden Römers lag das tägliche Bad zwischen der Mittagspause und der Hauptmahlzeit (cena) am Nachmittag (s. → Abendessen).“

i. a. = im Allgemeinen

B- = Baden

Juv. = Juvenal

s. = siehe

Inge Nielsen, Thermen III. Betrieb. In: Der neue Pauly (DNP) : Enzyklopädie der Antike ; Altertum. Herausgegeben von Hubert Cancik und Helmuth Schneider. Band 12/1: Tam – Vel. Stuttgart ; Weimar : Metzler, 2001, Spalte 423 – 427

Spalte 425: „Nach dem Vicapsa-Vertrag (CIL II 181, 20f.) z. B. badeten die Frauen am Vormittag (erste bis siebte Stunde), die Männer am Nachmittag und am Abend (achte Tagesstunde bis zweite Stunde der Nacht). In anderen Fällen, wie in den großen Thermen Roms, waren die Bäder vom frühen Nachmittag an geöffnet: Es war verm. zu teuer, diese riesigen Gebäude den ganzen tag genügend zu beheizen; außerdem arbeiteten viele Frauen am Vormittag und konnten darum die Bäder nicht besuchen.“

CIL = Corpus Inscriptionum Latinarum (Textkorpus der lateinischen Inschriften)

f. = folgend

verm. = vermutlich

Woher ich das weiß:Recherche

Werktags 11 - 18 Uhr, Sonntags 13 - 16 Uhr

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