Wann hatte man in der Steinzeit und Mittelalter das erste Mal Geschlechtsverkehr?

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Nun, die Steinzeit war ungefähr tausendmal so lang wie das Mittelalter und schließt Vormenschen und Frühmenschen mit ein. Zwischen der jüngsten Steinzeit und dem Mittelalter liegen auch noch mal mindestens 5000 Jahre. Die interessieren dich nicht?

Die Aufnahme eines aktiven Sexuallebens hängt im wesentlichen von zwei Dingen ab: der körperlichen Reife und von den jeweils geltenden Sitten.

Die körperliche Reife hängt von der Ernährung ab. Der Eintritt in die Pubertät ist u. a. vom Gewicht abhängig. So gut wie heute ging es den Menschen nur selten, weshalb man davon ausgehen kann, dass die Menschen früher etwas später dran waren. Spät heißt hier, die Mädchen waren mit 16 so weit, die Jungen noch später. 

Um etwas über die Sitten zu erfahren, kann man sich die heute noch existierenden Naturvölker ansehen, die die Steinzeit zum Teil noch gar nicht verlassen haben. Es gehört zum Menschen dazu, dass er weiß, dass Sex zu Schwangerschaften führt. Geregelt ist diese Frage daher immer irgendwie. Nirgendwo wird einfach so drauflos gemacht, nur weil man Lust drauf hat. Es gibt Rituale, die den Übergang zum Erwachsenenalter markieren und die müssen erst stattgefunden haben. Es muss auch sicher gestellt sein, dass die entstehenden Kinder versorgt werden können, weshalb der Mann sich oft erst beweisen muss und daher erheblich älter ist, dass heißt schon über 20.

Es gehört ebenfalls zum Menschen dazu, dass er weiß, wie man die Verantwortung für Schwangerschaften vermeidet und trotzdem Spaß hat. Doch was in dieser Richtung gelaufen ist oder auch nur was in dieser Richtung bei den heutigen Steinzeitstämmen läuft, wird man nicht so ohne weiteres erfahren. (Es gibt da u. a. Praktiken, die in kaum einer Kultur als wirklich sauber gelten ;-)

Das Mittelalter gab es so auch nicht. Einerseits kann man es leicht beobachten, denn es schwappen gerade ständig Menschen herein, deren Ursprungskulturen noch sehr mittelalterlich sind. Hier werden die Mädchen streng bewacht, aber früh verheiratet. Abschluss der Pubertät und Aufnahme eines dann ehelichen Sexuallebens fallen mehr oder weniger zusammen. Doch es ist nicht davon auszugehen, dass es in allen anderen vergangenen mittelalterlichen Kulturen ähnlich gehandhabt wurde. Nur dass es irgendwie gehandhabt wurde, das ist klar.      

Das ist nicht so einfach zu beantworten, weil wir uns im historischen und vor allem im Frühgeschichtlichen Kontext nur auf wenige erfassbare Daten stützen können. Das sind zum Beispiel Heiratsregister. Wie heute auch, muss aber die Heirat - vor allem für die Männer - nicht der erste sexuelle Kontakt gewesen sein. Zudem gab es eine Vielzahl von Eheformen, die nicht alle in gleicher Weise festgehalten wurden. Die Praktiken der unteren Klassen sind meist nicht in der selben Weise dokumentiert wie die der oberen.

Früher hatte man auf jeden Fall ein anderes Verständnis von Kindheit und nicht die heutigen Gesetze zum Schutz von Kindern. Frühehen bei denen die Braut im frühen Teenageralter war gab es häufig. Nach römischen Verständnis waren Mädchen mit 12 Jahren und Jungen mit 14 Jahren ehefähig. Daran änderte sich auch im Mittelalter erstmal nichts, wobei das Heiratsalter mit der Zeit anstieg. In den gut dokumentierten Adelskreisen gibt es viele Beispiele von nach unserem Verständnis Kindern die miteinander oder mit deutlch älteren Partnern verheiratet wurden. Mathilde von England war beispielsweise 12 Jahre als, als sie mit Heinrich dem Löwen verheiratet wurde. Ihr erstes (überlebendes) Kind kam vier Jahre später zur Welt. Übrigens gab es Ehen mit enormen Altersunterschieden auch andersherum: der um die 16 Jahre alte Welf V wurde beispielsweise mit einer Frau von über  die 40 verheiratet.

Im 18./19.Jh hatte sich das jedoch gewandelt und das durchschnittliche Heiratsalter lag bei Frauen bei Anfang 20, bei Männern ein paar Jahre mehr. Das lag auch daran, dass die Männer ein Einkommen generieren mussten um eine Familie ernähren zu können bevor man heiratete. Ein Durchschnitt bedeutet aber immer auch, dass es natürlich Ausreißer nach oben und unten gab.

Schwierig wird es bei den vorgeschichtlichen Gesellschaften über die kaum schriftliche Aufzeichnungen vorliegen. Sexualität kann hier allenfalls aus den statistischen Auswertungen der Müttersterblichkeit interpretiert werden und ist immer Gegenstand von Unsicherheiten. Im bandkeramischen Gräberfeld Schwetzingen übersteigt beispielsweise bei der Altergruppe der 20-40 Jährigen die Frauenquote die der Männer. Das könnte jedoch theoretisch auch Ausdruck anderer gesellschaftlicher Charakteristiken sein. Da außerdem die Geschlechtsreife damals erst später erreicht wurde, lassen sich daraus kaum Rückschlüsse auf die ersten sexuellen Kontakte ziehen.

Aus der Steinzeit gibt es keinerlei Aufzeichnungen, die Aufschluss darüber geben könnten. Ich gehe aber davon aus, dass mit Beginn der Geschlechtsreife, lso in einem Alter zwischen zwölf und fünfzehn Jahren die Kindheit zu Ende war und das Erwachsenendasein begann.

Das war für die Reproduktion auch enorm wichtig, weil die Lebenserwartung wesentlich niedriger war als heute und das Zeitfenster für die Reproduktion nicht von 20 - 45 Jahren (wie in der Regel heute der Fall ist) sondern nur von 15 - 25 oder 30 Jahren ging. Bei einer hohen Säuglings- und Kindersterblichkeit musste eine Frau auch viel mehr Kinder gebären, um den Nachwuchs der Sippe zu sichern.

Dies hatte sich bis zum Mittelalter biologisch sicherlich nicht so besonders verändert, sondern lediglich kulturell. Aber auch zu dieser Zeit war die Kindheit spätestens mit 15 Jahren vorbei und junge Frauen, die nicht in einer geschützten Familie oder Gemeinschaft aufwuchsen, mussten mit ihrem ersten Geschlechtsverkehr rechnen.

Bei Männern dürfte das durchschnittliche Alter eher ein bis zwei Jahre höher gelegen haben, da die Entwicklung gegenüber Frauen verzögert ist und sie ihre Mannbarkeit in vielen Gesellschaften erst beweisen mussten, bevor sie an eine Frau randurften.

Ich vermute deshalb, dass gerade im Mittelalter viele Männer ihre ersten sexuellen Erfahrungen im Hurenhaus machen durften oder mit Tieren "übten", auch wenn das zumindest in jüdischen, christlichen und moslemischen Gesellschaften durch die Schriften verboten war.

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