Wann hat ein Verb ein zweites Präsens bzw. Einen zweite Partizip 2 bzw. 3. Präteritum Form?

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5 Antworten

Wie BirkeBaum richtig sagt, ist das Nebeneinander von versch. Verbformen eine Sache der Entwicklung, und Regel lässt sich da keine aufstellen.
Was nicht nach Schema F geht, wird halt von so manchem als unregelmäßig empfunden. Denk bloß ans Englische, wo alle "starken" Verba jetzt als "irregular verbs ", also als unregelmäßig eingestuft werden. Bei solcher störenden Unregelmäßigkeit wird dann gern vereinheitlicht - " schwere Fehler" nennen es die Lehrer, und die Sprachwissenschaftler nennen das "Analogiebildung" und "Formenausgleich im Paradigma".

Die Tendenz zur Vereinheitlichung in Richtung "schwache" Verben sieht man z.B. beim Verb "backen" sehr gut, wo die 2. Form "buk" praktisch verschwunden und "backte" selbstverständlich ist, während im 2. Partizip noch die alte starke Form "gebacken" herrscht.

Ähnlich ist's bei manchen zu Adjektiven gewordenen 2. Partizipien: So mancher hat sich etwas gewünscht, aber nicht bekommen und den Schenker sowie das erhaltene Geschenk heimlich verwünscht - aber Dornröschen schlief in einem verwunschenen Schloss. Auch heißt's heute: spalten- spaltete-gespaltet , aber Deutschland war lange ein gespaltenes Land.

Wenn bereits eine jüngere neben der älteren Form häufig war, hat man bei manchen Verben dann auch einen Bedeutungsunterschied hinein interpretiert, z.B. bei verwandt/ verwendet, angewandt / angewendet, gesandt / gesendet. Letztere Formen sendete-gesendet wurden etwa mit Beginn des Rundfunks häufig, und so hieß es, nur Rundfunksendungen werden "gesendet", alles andere wird "gesandt" - aber daran halten sich jetzt gar manche nicht mehr.

Feste Begriffe und feste Wendungen bleiben allerdings erhalten: Du bist mit jemandem verwandt, nie verwendet, doch fast niemand hat heutzutage einen Hammer zum Nageleinschlagen * verwandt*. - Es gibt jedoch eine angewandte Mathematik, wo man erfährt, wie das in der Schule Gelernte dann angewendet wird. Da gibt es Gesandte verschiedener Länder, von denen so manche nicht gerade sehr Geschickte sind, und der Engel Gabriel bleibt halt ein Abgesandter des Herrn und ist noch nicht ein Abgesendeter geworden.

In so manchen Fällen ist eine alte Form selten geworden, aber nicht völlig verschwunden, und wenn etwas rar ist, wird's mehr wert (Angebot und Nachfrage!), da erhält dann das seltener Gewordener eine höherwertige Bedeutung (denk z.B. an die alltägliche Wörter im Wörterbuch, aber die bedeutenden* Worte* unserer großen Denker, oder an all die gewöhnlichen Männer*, aber die Mannen Kaiser Karls oder an Lothar Mattäus und seine Mannen) .
Das ist z.B. auch der Fall beim jüngeren weben.-webte-gewebt - das war die Arbeit der Frauen , und ein Kelim ist ein gewebter Teppich -, während man das ältere und selten gewordene weben-wob-gewoben für edles Übertragenes gebrauchte ( "Wieder mit Flügeln, aus Sternen gewoben senkst du herab dich, o heilige Nacht")

Manchmal aber ist's wirklich der Fall, dass 2 verschieden Verben den gleichen Infinitiv haben: wiegen - wog-gewogen hat überhaupt nichts nichts zu tun mit wiegen-wiegte-gewiegt (in den Schlaf wiegen).

Bei den starken, "ablautenden" Verben

  • glimmen -glomm-geglommen
    und
  • (er) klimmen- (er)klomm- geklommen/erklommen

gibt es "daneben auch schon" (so die DUDEN-Grammatik) die schwachen Konjugationsformen

  • glimmte - -geglimmt
    und
  • klimmte - geklimmt
  • erklimmte - erklimmt

Die starken und älteren Formen sind stilistisch jedenfalls eine Ebene drüber.

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Koschutnig, deine Antwort gefällt mir! Hab' viel dazugelernt! Jetzt leuchtet mir auch ein, warum der eine "gefalten" und der andere "gefaltet" sagt. Meine Theorie war immer, dass beide Wörter eine unterschiedliche Etymologie hätten und eine Verwechslung vorläge, aber irgendwie erschien mir das auch nicht logisch. Jetzt hat es "klick" gemacht, wie man so schön sagt. :)

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Das passier rein zufällig und hat damit zu tun, dass man generell dazu neigt, Sprachen mit der Zeit zu vereinfachen. Deine Beispiele verstehe ich zwar nicht so ganz, weil mir die Formen noch nie untergekommen sind, aber andere Beispiele wären versenden oder verwenden, da sind die älteren Formen versand, versandt und verwand, verwandt, es gibt aber parallel regelmäßig gebildete Formen: verwendet, versendet, die die alten nach und nach ablösen. Das ist ganz normale Sprachentwicklung

Da gibt es keine Regel, soweit ich weiß. Das hat etwas mit der Entwicklung der "deutschen" Sprache zu tun. Manche Verben werden von den Sprechern der Einfachheit halber irgendwann regelmäßig flektiert und nicht mehr unregelmäßig. Aus "molk" wird "melkte", aus "boll" wird "bellte" usw.. Da es dazu aber einen Übergang geben muss, existieren beide Formen eine Weile parallel.

Der Wandel von regelmäßig zu unregelmäßig geschieht vor allem bei weniger oft benutzten Verben. "Gehen" wird uns wohl noch lange als unregelmäßiges Verb erhalten bleiben. ^^

"Klimmte" und "geklimmt" hab ich aber noch nie gehört? Wo ist das her?

"Meine Theorie war immer, dass beide Wörter eine unterschiedliche Etymologie hätten und eine Verwechslung vorläge, aber irgendwie erschien mir das auch nicht logisch. " - Doch, BirkeBaum, auch mit dieser Theorie liegst du nicht überall daneben, denk nur an die Verwirrung bei hangen – hing – gehangen und hängen - hängte -gehängt
Oder wenn es z .B. in manchen Dialekten heißt: "Das Haus brinnt noch, aber bald ist es verbrunnen", dann sind das die lebendige Reste eines starken intransitiven Verbs brinnen - brann- gebrunnen = 'in Flammen stehn',
Das ehemalige Kausativum (oder „Faktitivum“) dazu, nämlich brennen (Bedeutung: 'anzünden, zum Brennen bringen'), hat auch die Bedeutung des alten, intransitiven, starken Verbs angenommen und hat allein in der Standardsprache überlebt.

Das Kausativum wurde wie so viele andere Kausativa vom 2. Stamm des starken Verbs gebildet und war ein schwaches Verb mit der Endung -jan , dessen -j- im Präsens - nur im Präsens! - einen Umlaut bewirkte:
bran.jan > brännen > brennen.
Ohne ein i oder j gab es im Präteritum und im 2. Partizip keinen Umlaut, daher brennen- brannte-gebrannt (So regelmäßig ging's auch bei den Vokalen anderer "unregelmäßiger" Verben zu: senden-sandte, denken-dachte, bringen-brachte. Für die diversen Konsonantenveränderungen waren andere Umstände verantwortlich)

Andere Kausativa von intransitiven starken Verben: winden - wand, schwaches Kausativ vom 2. Stamm: * wand.jan > wänden>wenden*.
Ohne j im Präteritum und im 2. Partizip, daher wenden - wandte - gewandt.
Dazu später durch Formenausgleich und Analogie die jüngeren regelmäßigen Formen wenden-wendete-gewendet

Der "Formenausgleich" fand in der Mehrzahl der Beispiele schon viel früher statt, und so kennen wir nur mehr die "regelmäßigen" schwachen Konjugationsformen bei: * sinken-sank* : sank.jan > senken - senkte -gesenkt ; trinken : tränken - tränkte - getränkt; saugen : säugen - säugte - gesäugt (mhd. sugen-sauc; saug.jan>säugen) u.a.

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Ich verstehe deine Frage nicht richtig, nein, überhaupt nicht.

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