Wann erfährt die Menschheit Fortschritt?

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6 Antworten

EpsilonXr,

Ungeduld führt zur Dunklen Seite, junger Padawan...

Äh - im Ernst: Zunächst müssen wir uns mal Deine Erwartungen anschauen.

wann werden die ganzen Theorien bewiesen?

Hier unterliegst Du einfach einer falschen Vorstellung, was der Begriff "Theorie" in der Naturwissenschaft meint.

Du verwendest den Begriff hier mehr so, wie in der Umgangssprache wie "Idee, Vermutung" - kurz eine Vorstellung, die nicht an der Praxis getestet ist.

Naturwissenschaftliche Theorien sind widerspruchsfreie geschlossene Erklärungsmodelle, die im Experiment strengstmöglichen Tests unterzogen werden. Besteht das Modell den Test - passiert im Experiment also das, was die Theorie vorhersagt, so sprechen wir in der Naturwissenschaft aber immer noch von einer Theorie. Einer bestätigten oder bewährten Theorie, aber immer noch von einer Theorie.

Das liegt daran, dass man in der Naturwissenschaft niemals die völlige Übereinstimmung von Objekt ("Natur") und Modell ("Theorie") beweisen kann. Einfach deshalb, weil es unmöglich ist, mit unendlicher Genauigkeit zu messen oder unendlich viele Vorhersagen zu testen. Der Naturwissenschaftler beweist niemals seine Theorien - er versucht ununterbrochen herauszufinden, welche unserer Modelle denn falsch sind.

Widerlegte Modelle können wir dann durch bessere ersetzen. Dabei beinhalten neuere Theorien dort, wo sich die alten bewährt hattten (also zur Beobachtung passten) diese im Rahmen der alten Messgenauigkeit. Bewährte Theorien werden wir also nicht mehr los, man kann sie auch nachdem wir sie als nicht die "endgültige Theorie" erkannt haben, weiter benutzen. Denke zum Beispiel an die Newtonsche Mechanik, die wir im Alltag ständig benutzen, die aber sowohl durch die Relativitätstheorien als auch durch die Quantenmechanik ersetzt wurde. 

Also lautet die Antwort auf diesen Teil Deiner Frage "wann werden die ganzen Theorien bewiesen?" - "Niemals, denn das ist nicht das Wesen der Naturwissenschaften. Wir versuchen, durch das Ausmustern von Fehlern immer besser zu werden. Das ändert nichts daran, dass sich Modelle die die Quantenphysik oder die Relativitätstheorien in der Praxis bestens bewähren.

Wann wird es soweit sein dass wir andere Planeten besiedeln können

Damit ist eigentlich realistisch so schnell nicht zu rechnen - wenn überhaupt. Das liegt an den Entfernungen im All und dem Aufwand, den dies erfordern würde.

Hallo also ich finde wir leben ja einen schon ziemlich fortgeschrittenen Zeitalter aber ich kriege langsam das Gefühl wir kommen nicht mehr voran.

Wer sich unrealistische Ziele steckt, der ist aber selbst Schuld, wenn er gefrustet feststellen muss, dass er sie schon wieder mal nicht erreicht hat.

Wenn Du das "Vorankommen" an der Besiedelung anderer Planeten festmachst oder an einer Erwartung an die Naturwissenschaften, die diese gar nicht erfüllen können, dann passiert genau das.

Tatsächlich reicht die menschliche Geschichtsschreibung rund 10 000 Jahre zurück. Naturwissenschaft betreiben wir rund 400 Jahre.

Seitdem haben wir eine Menge herausgefunden.

Wir wissen, dass die Sonne und nicht die Erde im Mittelpunkt des Sonnensystems steht seit rund 300 Jahren.

Unser Wissen über elektromagnetische Wellen ist erst rund 150 Jahre alt. Ohne das gäbe es keine elektrischen Anwendungen, kein Radio, kein Fernsehen, keine Smartphones,...

Seit etwas über 150 Jahren verstehen wir die Evolution, das Leben der Sterne und haben die Kenntnisse, das Alter der Erde zu bestimmen.

Unser Wissen über Atome ist etwa 120 Jahre alt.

Die Quantenphysik war vor rund 80 Jahren in die Gänge gekommen.

Auch etwa vor 80 Jahren haben wir überhaupt erst entdeckt, dass es andere Galaxien außer der Milchstraße gibt. Unser Universum ist damit sehr, sehr viel größer geworden.

In diese Zeiträume fallen auch die wichtigsten medizinischen Entdeckungen: Bakterien, Viren, Antibiotika, Impfungen,...

Daten, die den Urknall bestätigen haben wir seit rund 50 Jahren.

Die Genetik wird in den 1950ern geboren.

Quantenfeldtheorie und Standardmodell der Teilchenphysik sind gerade mal 40 Jahre alt.

In den 1960ern waren wir auf dem Mond - und seitdem unbemannt praktisch überall im Sonnensystem. Wir sind auf einem Kometen gelandet, haben den Pluto passiert, sind auf dem Mars herumgefahren und Sonden aus dem Sonnensystem herausgeschickt. Wir haben Daten, von denen man vor 100 Jahren nur träumen konnte.

Noch vor 20 Jahren wussten wir nicht, ob es Exoplaneten gibt. Heute kennen wir über 2000.

Vor 20 Jahren wusste man noch nicht, ob Neutrinos Masse haben. Heute können wir ihren Gesamtbeitrag zur Masse im Universum recht gut abschätzen.

Das Higgsboson haben wir vor 3 Jahren nachgewiesen.

Die Hinweise über die Dunkle Materie verdichten sich. Am LHC sucht man nach der Supersymmetrie.

Und das alles ist "nichts" für Dich?

Es geht weiter. Die Themen nur oft so komplex, dass der Laie nicht alles versteht. Die Fragen sind komplexer, der Messaufwand größer. Die Möglichkeiten aber auch.

Grüße

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Schau Dir nur mal die Entwicklungen der letzten 200 Jahre an und vergleiche sie mit den Entwicklungen in den Jahrhunderten davor. Allein in den letzten 60 Jahren haben wir große Fortschritte gemacht. Deine Eltern oder Großeltern kannten noch Zeiten, als keiner ein Festnetztelefon zu Hause hatte und von Handys und PCs noch gar nicht die Rede war. Oder Zeiten, als es im Hausflur kein Licht gab, man nur einen Raum in der Wohnung geheizt hat (und in den anderen ggf. auch keine Heizung hatte), es in Autos keine Heizung/ Klimaanlage gab. Allein von den 90er Jahren bis heute sind wir zum Handy für alle gekommen, zu günstigen Telefonkosten (noch gar nicht so lange her sammelte man Vorwahlnummern, um die Handyrechnung nicht zu überlasten), zum Smartphone für alle (das es noch gar nicht so lange gibt), zum Tablet für alle (das es auch ncoh gar nicht so lange gibt). Schau mal, wann youtube gegründet wurde. Seit wann es Digitalkameras zu erschwinglichen Preisen und DSLR zu erschwinglichen Preisen gibt. Seit wann es Bildbearbeitung für alle zu erschwinglichen Preisen gibt (nicht Photoshop für an die 1000 €).

Das mögen größtenteils keine weltverbessernden Erfindungen sein, die aber das Leben des Einzelnen doch sehr verändert haben. In den 90ern nutzen die meisten Leute unterwegs noch Telefonzellen, die es inzwischen nur noch vereinzelt gibt (jedenfalls die alten "nur Telefon"-Modelle). In diesen Telefonzellen waren Telefonbücher angebracht. Leute hatten Straßenkarten im Auto (ebenfalls in den 90ern). Vom Navi war noch keine Rede und von Google Maps auch nicht (und mangels internetfähigen Geräten für unterwegs hätte das auch nicht geholfen).

Die Einschätzung, dass es nichts Neues mehr gibt liegt im Elektronikbereich wohl eher daran, dass es so viel Neues gibt, das uns aber häppchenweise serviert wird (jedes Jahr ein Upgrade). Früher kaufte man sich viel seltener neue Geräte; viele hatten ihre Fernseher etc. 10 bis 20 Jahre, je nachdem wie lange die gehalten haben, einige sogar 30 Jahre. Wenn man dann ein neues Gerät kaufte, war das natürlich extrem fortschrittlich. Heute kauft man alle ein bis zwei Jahre ein neues Gerät, oder versucht das zumindest, und sieht natürlich viel weniger Fortschritt. Hättest Du Dir sagen wir mal 2005 ein Handy gekauft und dieses Jahr ein neues, wärest Du begeistert von dem Fortschritt unserer Tage! Nur diese Haltung ist den meisten Konsumenten total abhanden gekommen und wird inzwischen ja nicht mehr nur von der Werbung, sondern auch von Nachbarn, Freunden, Kollegen missbilligt ("was läuft du denn noch mit dem alten Ding rum?!"). Suche mal spaßeshalber in Deinem Haushalt nach älteren Geräten und schaue, was vor 5, 10, 15 Jahren noch nicht erhältlich war. E-Book-Reader fallen mir noch ein. Vor nicht allzu langer Zeit musste man jedes Buch noch schwer schleppen...

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Du bist lustig. Du lebst in einem der aufregensten Zeitaltern seit der Neolitischen Revolution und sagst wir kämen nicht vorran.

Wir befinden uns in der Digitalen Revolution, der Sprung vom Rechner zum Smartphone war ein gigantischer und das innerhalb einer extrem kurzen Zeitspanne. Täglich werden neue bahnbrechende Erfindungen in allen Bereichen gemacht, ständig etwas neues Entwickelt.

Ich glaube was dir fehlt ist eine zuverlässige Informationsquelle, wo du diese Entdeckungen erfahren kannst. Ich rate dir zum Magazin PM, das ist sehr gut recherchiert, tolle Artikel und ich glaube es hat auch ein eigenes Wissenschaftsmagazin.

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Kommentar von EpsilonXr
26.11.2015, 17:02

Ja das kann sein ^^ danke :) aber ich hoffe mal nicht, dass das Erfindungen wie Smartphones oder so sind. Ganz nützlich wären vor  allem auch Erfindungen die man selber besitzen kann bzw sogar kaufen kann. Aber trotzdem, ich finde es verläuft trotzdem alles doch noch sehr langsam :/

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Hallo EpsilonXr,

die Menschheit ist ein ziemlich intressantes Geschöpf. In Urzeiten krochen sie als eine der ersten Säugetiere an den Füssen von Dinosauriern rum und klauten deren Eier und heute kann die Menschheit die Rohstoffe des Planeten für sich gebrauchen und dadurch die gesamte Ökonomie des Planeten verändern, leider meist zum Schlechten.

Die Menschheit hat sich seit Jahren weiterentwickelt um sowohl die Natur zu beherrschen, als auch zu verstehen. Somit hat der Mensch in der Steinzeit seine Grenzen sowohl geistlich, als auch geographisch überwunden, der Mensch breitete sich auf der ganzen Welt aus, entwickelte die Landwirtschaft usw. Die Entwicklung der Menschheit war bis heute nie statisch und wird es auch nie sein. Es liegt in der Natur des Menschen, dass er nie Ruhe gibt, dass er immer etwas neues wissen will und in immer neuere Bereiche der Existenz vordringen möchte. Dieses Grundgefühl wird niemals weggehen.

Bei deiner Frage muss man sich nun nur klar werden, was Fortschritt für einen bedeutet, ist es das neue iPhone7845 S+ oder ist es Fortschritt in geistigen Fähigkeiten oder der Naturwissenschaft ? 

Für mich persönlich ist es letzteres, aber das muss  jeder für sich entscheiden. In allen Bereichen herrscht nie vollkommene Bewegungslosigkeit. Auch in den geistigen Fähigkeiten nicht. Wenn man sich mal die 1960er Jahre anschaut, dann wird man erkennen, dass die Welt damals noch viel unfreundlicher war. Oftmals geprägt von Gewalt, Rassismus und Vorurteilen. Seither ist die Welt zumindest ein wenig sozialer geworden. 

Auch die technischen und wissenschaftlichen Errungenschaften des 20.Jahrhunderts darf man nicht ausser Acht lassen. Ende des 19.Jahrhunderts dachte man noch, Licht bewege sich durch einen Äther , heute denken wir über Dunkle Materie, Quantengravitation, Singularitäten, Urknall, usw. nach. Das ist ein gewaltiger Fortschritt.

Auch in den letzten 30 Jahren haben wir Fortschritte erlebt. Wir wurden immer technisierter, alles musste schneller gehen. Wir sind von einem Industriezeitalter in eine technisierte Welt getreten. 

Der Fortschritt ist noch nicht vorbei, nur wird er manchmal nicht so seht beachtet. Die NASA entwickelt "Asteroidenfänger", die Asteroiden einfangen und untersuchen sollen. Man entwickelt schon seit Jahren eine hypothetische Marsmission. Man hat mehrere tausend Exoplaneten auf der Suche nach möglichem Ausserirdischem Leben. Wir machen also auch heutenoch technische und wissenschaftliche Fortschritte, ausserdem bin ich überzeugt davon, dass die Ferne Zukunft der Menschen im Weltraum liegt, was eigenzlich auch ziemlich wahrscheinlich ist.

LG, Astroknoedel

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Also ich denke mal, früher ging auch nicht alles so schnell... Es kommt einem nur so schnell vor, weil man mit den Zahlen nicht wirklich so viel anfangen kann

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Schau dir nur mal die Entwicklung von Ägypten an

Damals die Fortschrittsten Menschen, heute hängen sie hinterher...

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