Wann darf man einen Defibrilator (AED) anwenden?

11 Antworten

Die aktuellen Leitlinien des ERC (European Resuscitation Councel) sind da recht eindeutig:

  1. Patient ansprechen, Bewusstsein prüfen
  2. Falls nicht ansprechbar - Atmung prüfen.
  3. Falls nicht ansprechbar und Atmung nicht normal (inklusive Schnappatmung:    - a) Notruf absetzen (112), dann b) umgehend mit der Wiederbelebung beginnen und c) AED besorgen lassen.
  4. Wiederbelebung im Verhältnis 30 x Drücken, 2x Beatmen im Wechsel, AED anbringen und nutzen sobald vorhanden 

Am wichtigsten ist und bleibt die mechanische Wiederbelebung durch Herzdruckmassage. Daher auf jeden Fall das Drücken weiterführen - ja, das bedeutet, dass du keinen AED holen kannst, wenn du allein bist, außer du hast es clevererweise schon während des Notrufs erledigt, was natürlich  in Ordnung wäre.

Ein AED kann nicht zur Überwachung angebracht werden. 1. hat er keinen Monitor, den du bewerten kannst, 2. müsstest du es auch erst mal bewerten können und 3. misst er nur alle zwei Minuten den Rhythmus, nämlich, wenn er es auch ansagt. Defis sind nur für den Einsatz in einer Reanimation codiert. Deshalb wirst du bei einem Defi auch nur die Ansage "Schock empfohlen" bzw "kein Schock empfohlen" hören. Sie leiten den Helfer auch bei der Reanimation an. Einen Sinusrhythmus erkennt er zwar, geht aber trotzdem davon aus, dass der Patient pulslos ist. Er würde dann nur sagen "kein Schock empfohlen, Reanimation fortsetzen". Einen Puls sucht und entdeckt ein AED nicht.

Woher ich das weiß:
Berufserfahrung

Die Bewusstlosigkeit ist ein kritischer Zustand, der durchaus zeitnah zum Versagen von Atmung und Kreislauf führen kann (reine Makulatur was zuerst ausfällt; das andere folgt direkt nach).

Dementsprechend, wenn eine Person wirklich bewusstlos ist (die Erfahrung sagt, dass viele Laienhelfer sich nicht trauen, einen ernsthaften "aufweckversuch" zu unternehmen), kannst du meinetwegen den AED aufkleben, da passiert nichts Schlimmes, außer dass du viel Geld verbrennst.

Und das Ding heißt auch "automatisch", weil es eben selbstständig erkennt, welcher Herzrythmus vorliegt und ob dementsprechend ein Schock nötig ist. Könntest du damit einer Person mit funktionierendem Herzschlag einen Stromschlag verpassen, wären die Dinger sicherlich nicht zur Anwendung durch Laien gedacht.

Da das Gerät aber so programmiert ist, dass es nur den Zustand "Reanimation" kennt, müsstest du bei einer gesunden Person eben damit leben, dass du alle 2min gesagt bekommst: "Kein Schock empfohlen, Wiederbelebung fortsetzen". Da sollte dann das Gehirn noch halbwegs funktionieren, dass du eine Person, die anständig atmet, nicht wiederbelebst.

Das Gerät ist nicht zur Überwachung gedacht oder geeignet, es prüft nur alle 2min den Ist-Zustand.

Nein, der AED kann zwar sehr zuverlässig den Herzrhythmus erkennen, es kann aber NICHT entscheiden, ob die Person reanimationspflichtig ist, also ohne -normale- Atmung und bewusstlos. Ein AED kennt nur den Zustand Reanimation, hat die Person also einen Herzrhythmus, der nicht defibrillierbar ist, so auch ein Sinusrhythmus, würde das AED sagen "kein Schock empfohlen, Reanimationsmaßnahmen fortsetzen". Das liegt daran, das auch jemand mit einem Sinusrythmus keine Auswurfleistung, also einen Kreislaufstillstand haben kann, sogenannte pulslose elektrische Aktivität, es sind zwar elektrische Reize vorhanden, diese werden jedoch mechanisch nicht beantwortet. Zur Überwachung ist ein AED also ungeeignet, es kennt nur das "Schock empfohlen/nicht empfohlem" Programm.

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