waldorfschule, pro und contra?

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4 Antworten

Ob man das Zentralabitur macht, hängt vom Bundesland ab, nicht von der Schulform (siehe den Wikipedia-Artikel zum Thema "Zentralabitur"). Nicht an jeder Waldorfschule kann man das Abitur machen. Waldorfschulen können sich sehr voneinander unterschieden.

Zum Prinzip der Waldorfschule siehe am besten den Wikipedia-Artikel zum Thema "waldorfschule".

Zum einen sind Waldorfschulen Schulen in freier Trägerschaft, dazu habe ich vor ein paar Tagen gerade meine Eindrücke aus Elternsicht notiert:
http://www.gutefrage.net/frage/warum-privatschule#answer25780111

Zum anderen sind Waldorfschulen Gesamtschulen: Die Kinder werden also nicht wie im dreigliedrigen staatlichen Schulsystem nach der 4. oder 6. Klasse auseinandersortiert in welche, aus denen was wird, welche, die man gebrauchen kann und welche, die Pech gehabt haben, sondern bleiben als Klassengemeinschaft zusammen (wie z.B. an den Skandinavischen staatlichen Schulen).

Hallo,

wir haben unsren ersten Sohn an der Waldorfschule, 2. Klasse. Unser "Kleiner" wird in 2013 an der gleichen Waldorfschule eingeschult.

Beschäftigt haben wir uns mit der Thematik "welche Schule" 3 Jahre vor Einschulung.

Das Fazit vorab: Von allen schlechten Lösungen im deutschen Schulsystem sind wir überzeugt, mit Waldorf die beste gefunden zu haben.

Wie sind wir dazu gekommen? Lange Zeit - ca. 5 Jahre vor der Einschulung - haben wir uns Gedanken gemacht, welche Schule denn für unser Kind die beste sei - beide haben wir Abitur am "normalen" Gymnasium gemacht, studiert und waren beide in leitenden Positionen tätig - seit 2 Jahren haben wir unsere eigene Firma.

Anfangs kam Waldorf auf keinen Fall in Frage (Weicheier, Namen tanzen, fehlende Ellbogenmentalität/Durchsetzungskraft, lasche Erziehung, ...), wir haben uns aber sehr schnell entschieden, dass unser Kind nicht an eine Regelschule kommt. Nachdem wir uns diese vor Ort angeschaut und mit vielen Menschen gesprochen haben waren uns einige Dinge an den staatlichen Schulen klar:

  1. Ein Großteil der Eltern ist an der Bildung ihrer Kinder - aus welchen Gründen auch immer (prinzipiell kein Interesse, keine Zeit weil Beruf zur Erlangung des Lebensunterhalts wichtiger, .... viele andere Dinge) nicht interessiert - Die Kinder werden mit Einschulung aus dem Haus gedrängt, damit die Eltern wieder Zeit für andere Dinge haben.

  2. Speziell in der Grundschule ein Vermittlungsproblem der Inhalte durch die Lehrer: Wenn man der halben Klasse erst die deutsche Sprache beibringen muss, dann hat der/die Lehrer/in eben keine Zeit für vernünftigen Unterricht.

  3. Es war dann auch die Zeit, in welcher in der Presse zu lesen war, dass Lehrer in Deutschland, welche ihrer Klasse gute Ergebnisse bescheren (also engagierte Lehrer) die Kinder künstlich schlechter benoten mussten um die Selektion zu fördern - welch Schwachsinn!!

  4. Wir haben Söhne - an den Regelschulen unterrichten aber meist weibliche Lehrerinnen - dis ist nach unserer Meinung als auch nach wissenschaftlichen Erkenntnissen für Jungs nicht gerade förderlich.

  5. An der Regelschule gibt es keinen dedizierten Unterricht durch Fachlehrer in der Grundschule.

Wir haben uns also zunächst sehr für die International School of Stuttgart interessiert, welche einen sehr guten und exklusiven Ruf hat - bald wurde uns aber klar, dass dies nichts für unser Kind ist. Wer ab dem 6. bis 7. Lebensjahr mit hohem Leistungsdruck konfrontiert wird, der kann später auch schitern oder ganz schnell die Lust am Lernen verlieren.

Also ab und über Waldorf informiert (Schnellversion, es hat natürlich lange gedauert, bis wir dieses Thema überhaupt aufgriffen, die Ressentiments waren stark vorhanden).

Ausschlaggebend über Waldorf nachzudenken war eine Veranstaltung der IHK. Dort wurde über die mangelnde Ausbildungsfähigkeit heutiger Schulabgänger (nicht nur Hauptschüler, auch Abiturienten und Realschüler) gesprochen und es wurden verschiedene Schultypen vorgestellt. Gleichzeitig wurde über Zukunfsqualifikationen referiert. Ergebnis in Kurzform: Waldorfschüler besitzen eine höhere Ausbildungseignung und zudem aus den Erfahrungen der anwesenden Unternehmer heraus noch weitere Schlüsselqualifikationen: Lernwille, Kreativität, Teamfähigkeit um nur einige zu nennen.+ Eine ganz klare Absage gab es nur an schulvermittelte Management-Fähigkeiten :-)

also ganz flugs mal erkundigt, ob man denn an der Waldofschule in Baden-Württemberg auch ein normales abitur machen kann. Als ehrliche Auskunft direkt an der Schule haben wir erhalten: Ja, aber es kostet die Schüler deutlich mehr Mühe dieses zu erreichen,da die Ansprüche in den Abiturjahrgängen überproportional steigen. Man konnte uns aber eine Abiturquote von deutlich über 80% nachweisen und auch begründen: Die Schüler wollen das Abitur machen, sie bekommen an der Waldorfschule die Fähigkeiten vermittelt um eigene Entscheidungen zu treffen - Eine eigene Entscheidung der Schüler ist: Abi - Ja oder Nein? Im Gegensatz zu Regelschulen also nicht elternbestimmt, sondern aus freiem Willen.

Wir haben uns also nach fast 2 Jahren der Information entschieden unser erstes Kind "probeweise" an die "Waldi" zu geben und haben festgestellt:

  1. Unser Kind hat Lust auf Schule, was im Bekanntenkreis in der Regelschule meist in der 2. Klasse bereits nicht mehr der Fall ist.

  2. Wir haben in der ganzen Klasse mit 26 Schülern keine Eltern welche sich nicht für ihre Kinder interessieren.

  3. Im direkten Vergleich zur Regelschule im Bekanntenkreis - unser Kind ist das einzige an der Waldorfschule - stimmt das Vorurteil nicht, dass an der Waldorfschule weniger oder schlechter vermittelt wird. Im Gegenteil: Unterrichtsinhalte werden verstanden und nicht nur repetiert. So konnte unser Kind früher lesen und seine Wünsche schreiben - eben nur nicht in "Schreibschrift" - hier hinkt die Waldorfschule etwas hinterher, was wir nicht negativ sehen. - Fortsetzung folgt -

  • Anfang unten, die Antwort war zu lang und wir haben nicht alles in der ersten schreiben können -

zu Punkt 3 der Feststellungen (Fortsetzung) Natürlich muss man an der Waldorfschule durch den sogenannten Epochenunterricht manchmal etwas auf Ergebnisse warten. Der Hintergedanke des Epochenunterrichts ist, dass Kinder erst einmal von einem Thema viel lernen können und es sich anschließend setzen kann, währen die nächste Epoche stattfindet. Am Anfang einer jeden Epoche wird das gespeicherte Wissen wieder hervorgerufen und dann weiterentwickelt - unserer Erfahrung nach eine gute Lernmethode ohne erkennbare Nachteile zum Regelvorgehen.

  1. Unser Kind konnte sich - am Ende der ersten Klasse - hervorragend präsentieren und vor einem gefüllten Saal ein Theaterstück aufführen - unseres Erachtens nach deutet dies aud ie Schlüsselqualifikationen Selbstvertrauen, Selbstbewußtsein, Selbstdarstellung, Sicherheit. Aus unserer beruflichen Laufbahn heraus wissen wir, dass es daran vielen theoretisch guten Mitarbeitern mangelt. Was bringt eine gute Ausbildung wenn man diese nicht umsetzen kann?

Natürlich gibt es an der Schule auch einige Dinge die uns nicht gefallen, aber wir haben an den Regelschulen eben mehr gefunden.

  1. Man muss sich als Elternteil sowohl finanziell als auch zeitlich engagieren - wer dazu nicht bereit ist, der hat dort nichts verloren. Also stimmt die Aussage nicht so ganz, dass jedem Kind in Deutschland alle Möglichkeiten offen stehen. Der Zeitaufwand für Elternabende, Schulputz- und sonstige Aktionen ist auch für die Eltern sehr groß.

  2. Mit dem waldorfspezifischen Fach Eurythmie ("Namen tanzen") können wir uns bis heute nicht so richtig anfreunden - uns fehlt der Zugang und die Erkenntnis des Sinns. Waldorfspezifische Eeklärungen dazu haben wir bis heute nicht verstanden und/oder akzeptiert. Was soll´s: Es gehört eben dazu.

  3. Die "Hardcore"-Anthroposophen an der Schule stören uns ein wenig mit ihrem weltfremden Verhalten und ihren ganz absonderlichen Ansichten. Dies zu beschreiben würde jetzt leider zu weit gehen, aber diese Menschen sind an der Waldi heutzutage in der Minderheit und regen sich auch nur wenig auf, wenn man sich von ihnen nicht überzeugen lässt oder ihnen einfach nicht mehr zuhört. Man muss wohl auch mehr oder weniger akzeptieren, dass die Schule ein grundsätzlich sehr links-ökologisches Klientel anzieht (das schadet der Qualität der Ausbildung jedoch nicht).

Wenn nun jemand noch detaillierte Fragen hat, dann einfach hier posten - wir beantworten diese sehr gerne.

Bitte seht uns auch die Schreibrechtfehler nach, da wir die Antwort hier nicht nachkorrigiert haben :-)

Ganz interessant kann auch eine Recherche sein, welche bekannten Persönlichkeiten eine Waldorf-Ausbildung genossen haben - einfach mal googlen.

schöner ansatz einerseits, jeder lernt und die besonderen stärken werden gefördert. sehr naturverbunden- man lernt seinen namen tanzen..( ;keine noten, wenig druck.nachteil ist allerdings, dass viele mit dem späteren leistungsdruck nicht klarkommen. irgendwann muss es noten geben und wenn man dann "nur" gut im malen und schreiben ist, aber ne null in mathe, kann es zu bösen überraschungen kommen.

ich finde waldorf/steiner ganz gut bis zur schule.

heffenberg 17.06.2011, 16:12
  1. Man lernt Groß- und Kleinschreibung.

  2. "Namen tanzen" war vor Jahren mal ein lustiger Spruch, ist aber inzwischen nur noch ein Beleg dafür, dass jemand über die Waldorfschule spricht, ohne etwas darüber zu zu wissen.

  3. Noten gibt es ab der Oberstufe, vorher gibt es in den Zeugnissen ausführliche schriftliche Beurteilungen. "Keine Noten" heisst also nicht, dass in der Unter- und Mittelstufe jeder macht, was er will, sondern dass im Zeugnis statt "3" z.B. steht: "Leider konnte Tanja nicht an ihre guten Leistungen aus dem Vorjahr anknüpfen. Ihre schriftlichen Arbeiten benötigen mehr Sorgfalt und ihre mündliche Beteiligung sollte sich nicht auf das Tuscheln mit Mitschülerinnen beschränken."

  4. "Wenig Druck?" Da alle Punkte für das Abitur in der Prüfung erzielt werden müssen und nicht vorher gesammelt werden können, ist der Druck für Waldorf-Abiturienten wesentlich höher.

  5. Wenn man "ne null in mathe" ist, kommt es auch an staatlichen Schulen "zu bösen überraschungen".

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tanja8080 17.06.2011, 16:53
@heffenberg
  1. das freut mich
  2. dieses nennt man eurhytmie, klar ist das komplexer, als namen tanzen. aber lernt man das nicht auch?
  3. /4. na das meinte ich doch mit "späterer leistungsdruck". später gibt es eben noten und diese umstellung fällt vielen schwer. beim abi muss man genauso viel lernen wie bei anderen schulen. sage damit nur, dass es erstmal eine umstellung ist.zu 5.- das hat nichts mit staatlichen schulen zu tun, gibt auch ne menge private, zudem meinte ich damit

zudem wurde hier nach der persönlichen meinung gefragt. ich wollte weder dir noch den waldorf- schulen zu nahe treten.

ps: das ich meine buchstaben alle klein schreibe, hat auch nichts mit mangelder bildung zu tun...( ;

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