Wären zur Zeiten des kalten Krieges im Falle eines Konfliktes Bundeswehr und NVA aufeinander losgegangen. Oder hätte es Meuterei auf beiden Seiten gegeben?

...komplette Frage anzeigen

8 Antworten

Die Tatsache, dass dieser Konflikt unter anderem ein "Bruderkrieg" gewesen wäre, hätte ihn mit Sicherheit nicht verhindert. Das lehrt die Geschichte - denn nach dieser Logik hätte es nie einen römischen, amerikanischen oder deutschen (1866) Bruderkrieg geben können/dürfen. Gründe dafür:

  • Die beiden Staaten waren spätestens ab dem Mauerbau in der gegenseitigen allgemeinen Wahrnehmung "Ausland". Für die jungen Menschen in der BRD war die DDR genauso fremd wie Österreich, Polen oder die Sowjetunion. Erst im Rückblick der Wiedervereinigung gelangen die Bestrebungen der Einheit und der Herausarbeitung von Gemeinsamkeiten wieder in den Fokus der Wahrnehmung. Der Alltag vieler Menschen der Zeit sah anders aus. 
  • Vor allem in der DDR war die ideologische Indoktrinierung eindeutig. Die Bundeswehr und die BRD waren der "BBKF", der "bitterböse Klassenfeind", um einen etwas flapsigen DDR-Ausdruck zu bemühen. Insbesondere die Jugend wuchs mit diesem Bild auf. Das hat natürlich nicht bei jedem gleich stark oder überhaupt gezogen - aber eine entsprechende Grundhaltung war da.
  • Die beiden Armeen (Bundeswehr und NVA) waren in multinationale, bis ins letzte Detail ausgearbeitete Einsatzpläne eingefügt. Die gewaltigen Maschinerien der NATO und des Warschauer Paktes hätten - einmal gestartet - nicht gestoppt werden können, und die deutschen Teile davon wären schlicht mitgelaufen. Eine "deutsche" Generalität in diesem Sinn gab es ohnehin nicht in der Bundeswehr, die gesamte höhere Führung war im Wesentlichen in die NATO-Führung eingebunden. Auch die NVA war völlig den Anweisungen der WP-Führung unterworfen, die bis auf die Divisionsebene durch "Berater" der Sowjets wirksam war. Eine eigenständige "deutsche" Entschlussfassung im operativen bzw. strategischen Rahmen war auf beiden Seiten unmöglich.
  • Beide Armeen hatten einen ganz klaren Auftrag, das Feindbild stand unverrückbar fest und war eindeutig. Jeder, der Soldat der Bundeswehr war, wusste, wogegen sich ein Ernstfall richten würde (in den Manövern kam nicht von ungefähr der Gegner immer aus dem Osten und war rot gekennzeichnet :-)). In der NVA (s.o.) war das noch klarer und eindeutiger. Insofern war klar, was passieren würde, und zwar schon lange vor dem Ausbruch eines Krieges.
  • Dass es Dersertionen gegeben hätte, ist dennoch anzunehmen - jedoch wäre ein Krieg dieser Zeit nicht besonders lange und äußerst einsatzreich gewesen (die SU hatte in ihrer Angriffsplanung einen Vormarsch von der Elbe bis zur Atlantikküste in etwa 4 Wochen vorgesehen). Insofern hätte es kaum "Ruhepausen" bzw. Zeit zum Nachdenken für die Soldaten gegeben, und das sind die Phasen, in denen meistens der Entschluss zur Desertion fällt.

Fazit: In diesem Fall wäre definitiv aufeinander geschossen worden.   

Sagen wir mal, bei einer zunächst konventionell geführten Auseinandersetzung bin ich mir nicht sicher, ob sich nicht die Armeen beider deutschen Staaten gegen den jeweiligen Pakt aufgelehnt hätten. Ich war ende 70iger bis anfang 80iger Jahre bei der Bundeswehr. Es war damals ne heiße Zeit,und dies wurde damals von uns Soldaten diskutiert. Ich bin mir ziemlich sicher, daß die deutschen Armeen zueinander Kontakt hatten um diese Situation zu verhindern, trotz des Säbelrasselns. Danke für deine ausführliche Antwort.

0
@Misterblue75


Es war damals ne heiße Zeit,und dies wurde damals von uns Soldaten diskutiert.

Das wird es auch noch heute bei der Bundeswehr - und das ist ja auch gewollt im Sinne des Leitbildes vom "Bürger in Uniform". Daraus aber abzuleiten, dass die Soldaten in breiter Masse im Ernstfall nicht geschossen hätten, führt in meinen Augen zu weit und ist unrealistisch.


Ich bin mir ziemlich sicher, daß die deutschen Armeen zueinander Kontakt hatten um diese Situation zu verhindern, trotz des Säbelrasselns.

Wie kommst Du darauf? Die ersten Kontakte zwischen NVA und Bundeswehr gab es Ende der 80er, als zum ersten Mal Bundeswehrsoldaten an NVA-Manövern als Beobachter teilnehmen durften. Ansonsten wären solche Kontakte auf beiden Seiten schlicht illegal gewesen und vor allem in der DDR (vermutlich als Hochverrat) massiv bestraft worden. Was hätten solche Kontakte auch für einen Nutzen haben sollen?


ob sich nicht die Armeen beider deutschen Staaten gegen den jeweiligen Pakt aufgelehnt hätten.

Wie bereits dargelegt - das wäre schon allein aufgrund der Strukturen beider Seiten (und v.a. im Osten) schlicht in der Praxis nicht möglich gewesen. Und es wäre auch unlogisch - warum sollte sich eine Armee, die es genau für einen Zweck gab, im Ernstfall gegen diesen Zweck auflehnen, der für sie existenzbestimmend war? Jeder wusste, wofür er Soldat war.

2

Es wäre der Bündnisfall gewesen, jede Seite hätte ihre sog. "Werte" verteidigt.

Ich glaube kaum, dass es Meutereien gegeben hätte, könnte mir aber durchaus vorstellen, dass von der NVA doch etliche Soldaten zu den westlichen Streitkräften desertiert wären oder sich vllt. vorzeitig ergeben hätten. Umgekehrt wohl eher nicht, denn der Kommunismus ist letztendlich eine totalitäre Staatsform.

Da bist Du zu blauäugig. Das hätte ziemlich sicher gekracht. Wäre schön, wenn's anders gewesen wäre, aber ich glaube es kaum. Beide Armeen wären da ja schließlich auch in ihre jeweiligen Bündnisse eingebettet gewesen und hätten als Teil der Truppen von NATO bzw. WP gekämpft. Vielleicht hätte es im Kleinen einzelne Meutereien gegeben, aber insgesamt wäre das genau so abgelaufen wie es die damaligen Militärdoktrinen vorgesehen hätten.

Als ich damals zur Musterung eingezogen wurde, wurde uns von einem Offizier erklärt ( 1 Stunde lang), wer unser Feind sei und warum es die Bundeswehr geben muss.

Als Feind wurde in erster Linie die UdSSR und die DDR hervorgehoben. Dann kamen die osteuropaischen Staaten mit in den Vortrag. Es gab den sog. "eisernen Vorhang". Alles was dahinter existierte, war eben der Feind.

Uns wurde eben ein Feindbild aufgetischt, obwohl keiner von uns, der zur Musterung kommen musste, jemals mit Menschen aus den "Feindstaaten" etwas zu tun hatte, ausgenommen der Bürger, die Verwandschaft in der DDR hatten.

Wenn es zu einer Auseinandersetzung zwischen der Bundeswehr und NVA gekommen wäre, so wäre diese nicht unter den beiden Staaten ausgetragen worden. Bei der DDR hätte die UdSSR an deren Seite gestanden, bei uns eben die USA und andere Verbündete. Wäre dieser Fall eingetreten, hätte man wahrscheinlich einen 3. Weltkrieg gehabt.

Ein Teil sicher.  Weswegen sich auch eher die Alliierten beider Seiten auf die 12 gegeben hätten, denn die hätten solche Probleme nicht gehabt. 

Jedem in der Bundeswehr ist dies klar gewesen und keiner hätte gezögert zu Schießen.

Jeder Soldat hat einen Eid geschworen egal ob in der BRD oder in der damaligen DDR die auf sein Vaterland ausgerichtet war.Außerdem hatte jedes Land seine mächtigen Verbündeten im Hintergrund.

Ja sie wären aufeinander los gegangen.


Die Generalität hätte sich mehrheitlich nicht geweigert. Es war ein Kampf politischer und nicht nationalistischer Ideologien.

Was möchtest Du wissen?