Wären wir nicht eigentlich alles inzest Kinder?

12 Antworten

du denkst an adam und eva, die bibel ist relikt aus einer zeit in der es noch keine kommunikation, internet etc gab und die menschen in dieser Zeit nach Antworten auf Ihre Fragen suchten. Alles unerklärliche wurde Gott oder Göttern zugesprochen. Die Entwicklung der Menschheit hat einen anderen Verlauf der von keinem Gott beinflusst worden ist

Nein, die stimmen nicht. Richtig ist allerdings wohl, dass sich der heutige Mensch aus einer recht kleinen Gruppe entwickelt hat. Inzestkinder müssen nicht unbedingt behindert sein. Schwerer behinderte Kinder haben zu damaligen Zeiten nicht lange überlebt.

du darfst nicht von heute auf damals schließen. Unsere Gene sind total kaputt; sogar die einer einzigen Frau können in höherem Alter behinderte Kinder hervorbringen - da reicht eine Generation schon aus zum Kaputtrgehen des Erbguts! Ganz ohne Inzest!

0
@Hannipuepp

Ich sehe die Sache etwas anders, aber das führt hier zu weit.

0

Diese Fälle von Blutschande erscheinen nochmals im Rahmen von mit dem Tod zu ahndenden Verbrechen (Lev 20,11f; Lev 20,17-21). In Dtn 23,1; Dtn 27,22f werden erneut einzelne Fälle von sexueller Vereinigung verboten; in Ez 22,10 werden solche Fälle im Rahmen von Gerichtsworten gegen die Fürsten in Israel aufgezählt. Exogame Beziehungen sind also gemäß der in diesen Texten manifesten Sozialethik die Norm. Begründet wird dieser Standard nicht biologisch (etwa aus dem Bereich der Eugenik); er soll nach Lev 18,3 vielmehr der Abgrenzung von den Kulturen → Ägyptens und → Kanaans dienen, also von den Ländern, die Israel im Exodus hinter sich gelassen hat bzw. anschließend besiedeln soll. Tatsächlich wurde im antiken Ägypten die Geschwisterehe in der Erbmonarchie der Pharaonendynastien (und damit die sog. soziale Inzucht) praktiziert; dem entspricht, dass im ägyptischen Mythos die Brüder → Osiris und → Seth ihre Schwestern → Isis und → Nephtys heiraten. In der kanaanäischen Kultur sind inzestuöse Sexualnormen demgegenüber nicht belegt.

Einmalig oder neu sind die Vorschriften gegen Inzest in Lev 18 und Lev 20 grundsätzlich nicht. Sie ähneln – und basieren evtl. auf – Bestimmungen im Kodex des Hammurabi und in Hethitischen Gesetzen (vgl. Westbrook, 1992, 549; Rashkow, 21). Die Rezeptionsgeschichte zeigt, dass im Judentum die Bestimmungen in Lev 18 und Lev 20 und speziell die Inzestvorschriften normativ wurden (Mischna Traktat Yevamot 1,1 spezifiziert fünfzehn Grade von Blutsverwandtschaft – einschließlich der explizit genannten eigenen Tochter – die die Schwagerehe ausschließen; siehe ferner Jub 33,7-13; Josephus Antiquitates 3,274 Text gr. und lat. Autoren; Philo, De Abrahamo 98 Text Philo; Philo, De Specialibus Legibus 3,21; → Aristeasbrief 152 Text Frühjüdische Schriften; Sib 5, 387-391; Mischna Traktat Sanhedrin 7,4). Demgegenüber finden sich im Neuen Testament keine expliziten Aussagen zu Blutschande (siehe unten). Dennoch haben die alttestamentlichen Vorschriften auf die Gesetzgebung der westlichen Welt bis in das 20. Jahrhundert hinein mehr Einfluss ausgeübt als vergleichbare andere biblische Vorschriften (Carmichael, 1997, 1-3).

2.2. Ausnahmen und Verstöße gegen die Vorschriften zur Blutschande im Alten TestamentIm Alten Testament werden auch Ausnahmen von den Verboten sexuellen Kontakts mit blutsverwandten oder verschwägerten Personen gestattet. Die Schutzbestimmungen in Dtn 25,5-10 schreiben die sog. Schwagerehe (→ Levirat) mit einer Witwe vor, um die Blutlinie ihres verstorbenen Ehemannes zu erhalten (später greift Mischna Traktat Yevamot „Schwägerinnen“ 1,1 - 4,11 dieses Thema auf).

Andere alttestamentliche Texte berichten von Verstößen gegen fast alle in Lev 18 und Lev 20 spezifizierten Fälle: Die beiden Töchter → Lots machen ihren Vater betrunken, um sich von ihm Söhne (→ Moab und → Ben-Ammi) zeugen zu lassen (Gen 19,30-38; Verstoß gegen Lev 18,6); Abram heiratet seine Halbschwester Sarai, die Tochter seines Vaters (Gen 20,2.12; gegen Lev 18,9; Lev 20,17; siehe dazu → Abraham; → Sara); → Jakob ist gleichzeitig mit → Lea und → Rahel, zwei Schwestern, verheiratet (Gen 29,20-30; gegen Lev 18,18); → Juda hat sexuellen Kontakt mit seiner Schwiegertochter → Tamar, die Zwillinge (→ Perez und Serach) gebärt (Gen 38,15-30; gegen Lev 18,15; Lev 20,12); Ruben hat sexuellen Kontakt mit → Bilha, der Nebenfrau seines Vaters (Gen 35,22; Gen 49,4; gegen Lev 18,8; Lev 20,11); → Amram heiratet → Jochebed, die Schwester seines Vaters, die → Aaron und → Mose gebärt (Ex 6,20; gegen Lev 18,12; Lev 20,19); → Amnon vergewaltigt seine Schwester → Tamar, die ihm vergeblich die Heirat vorschlägt, um einer solchen Schande zu entgehen (2Sam 13,11-14; gegen Lev 18,6.9); → Absalom hat sexuellen Kontakt mit den Nebenfrauen seines Vaters David (2Sam 16,22; gegen Lev 18,8; Lev 20,11). Angesichts dessen ist davon auszugehen, dass inzestuöse Beziehungen in Israel häufig vorkamen; ihre Tabuisierung durch die Gesetze in Lev 18 und Lev 20 signalisiert die Änderung sexualethischer Normen.

Zum Seitenanfang

  1. Blutschande im Neuen TestamentIm Neuen Testament finden sich weder Vorschriften noch sonstige Aussagen zum Thema Blutschande / Inzest, was evtl. darin begründet ist, dass im Christentum das Prinzip der Toraobservanz allgemein hinterfragt wurde (vgl. Mk 2,23-3,6; Mk 7,1-23; Apg 11,1-18; Apg 15,20.29; Röm 6,14; Röm 7,4.6). Gleichwohl wird in ethischen Diskursen oder in paränetischen Abschnitten der Briefliteratur verschiedentlich → „Unzucht“ (πορνεία, vgl. z.B. Mt 15,19; Gal 5,19; Eph 5,3) abgelehnt. Dieser Begriff bezeichnet im Neuen Testament zwar häufig Prostitution, umfasst aber auch sonstige sexuelle Vergehen und kann daher ein Verbot inzestuöser Sexualkontakte implizieren (Loader, 2005, 68-76).

Darüber hinaus geht aus einzelnen Texten des Neuen Testaments aber hervor, dass das Christentum Beziehungen zu verschwägerten Personen ablehnte. Johannes der Täufer kritisiert (im Sinne von Lev 18,16) den Tetrarchen Herodes Antipas wegen der Heirat mit Herodias, da sie die Frau von dessen Bruder ist; daraufhin wird Johannes festgenommen, eingekerkert und ermordet (Mk 6,17-29 par.). Paulus empört sich (auf der Grundlage von Lev 18,8) über einen Mann, der trotz Verhältnis mit seiner Stiefmutter nicht aus der Gemeinde in Korinth ausgeschlossen wurde (1Kor 5,1-13). Aufschlussreich ist, dass er im Sinne von Lev 18 oder Lev 20 nicht die Frau für ihr Verhalten kritisiert, da die alttestamentlichen Vorschriften nur die Verantwortlichkeit des Mannes thematisieren. Paulus leitet seine Bemerkungen mit einem Verweis auf andere Kulturen ein: dieses Geschehen sei „eine solche Unzucht, wie es sie nicht einmal unter den Heiden gibt“ (1Kor 5,1). In der griechisch-römischen Umwelt war derartiges Verhalten tatsächlich auch tabu, so dass der beanstandete Vorfall zu moralischer Diskriminierung der Christen in Korinth führen konnte (Schrage, 370f; Berger, 488).

Was möchtest Du wissen?