Wäre das mit einem Messer noch Selbstverteidigung?


17.06.2021, 23:59

Bei dem Angriff bin ich dabei fast das Bewusstsein zu verlieren und Ohnmachtsgefühle haben schon lange eingetreten

10 Antworten

Wie du es schilderst eindeutig Notwehr.

NOTWEHR wird geregelt in §32StGB, www.gesetze-im-internet.de/stgb/__32.html

danach darf man alles ! tun was "erforderlich" !!! ist einen gegenwärtigen rechtswidrigen Angriff von sich oder einem anderen abzuwenden.

Das muß auch kein Angriff auf Leib & Leben sein, alle individuellen Rechtsgüter sind Notwehrfähig.

Lass dir nicht einreden du dürftest erst reagieren wenn der Angriff schon im Gange ist, 

bei einem Angriff mit Tötungsabsicht wäre das eindeutig zu spät.

Im §32StGB steht nichts von verhältnismäßig*. Es kann auch Notwehr sein einen unbewaffneten Angreifer zu töten, wenn kein milderes erfolgversprechende Mittel verfügbar ist.

Es ist zwar grundsätzlich das mildeste der zur Verfügung stehende Mittel anzuwenden aber man muss sich auch keinesfalls auf einen Kampf mit ungewissem Ausgang einlassen. 

(Von wegen Angriff nur mit gleichen Mitteln abwehren).

Selbstverständlich endet das Recht auf Notwehr sobald der Angriff beendet ist.

Andererseits wird jede Körperverletzung nachträglich durch unser Rechtssystem im Einzelfall untersucht und dann werden Unbeteiligte anhand der Fakten und Zeugenaussagen entscheiden ob die Tat "erforderlich" war oder bestraft wird. 

Es gibt kein Rezept und keinen Freibrief für eine Situation die jemand von vornherein ein Recht auf ein bestimmtes Notwehrverhalten zuspricht. 

Wenn du dir einen Überblick verschaffen möchtest was Gerichte für Urteile fällen lies hier: 

https://dejure.org/dienste/lex/StGB/32/1.html

Ein besonders interessantes Urteil weil hier zur Notwehr eine illegale Schusswaffe eingesetzt wurde:

http://www.quellengrun.de/index.php?option=com_content&view=article&id=160

Oder hier mit einer legalen Schusswaffe gegen die Polizei:

http://www.stern.de/panorama/stern-crime/polizist-erschossen-bundesgericht-spricht-hells-angel-frei-3875278.html

Ich möchte aber nicht verschweigen dass man vor Gericht auf das Wohlwollen des Richters angewiesen ist. 

Es kann auch so ausgehen:

http://www.abendzeitung-muenchen.de/inhalt.muenchen-nach-604-tagen-gefaengnis-notwehr-messerstecher-kommt-frei.fe3a5b15-1b55-4ca1-a458-c151986d6bba.html

*In Beiträgen zum Thema Notwehr/Selbstverteidigung wird oft das Wort "verhältnismäßig" benutzt, 

leider meist von Leuten die den Wortsinn missdeuten.

Verhältnismäßig (lt. Duden: 1.im Verhältnis zu etwas anderem, 

verglichen mit oder gemessen an etwas anderem, relativ --

2. einem bestimmten Verhältnis angemessen; entsprechend) würde bedeuten dass 

die Abwehr im "fairen/vergleichbaren" Verhältnis zum Angriff steht 

also wenn der Angreifer unbewaffnet wäre dürfe man nicht schiessen o.ä.

Daß das so nicht stimmen kann erklärt sich schon dadurch dass niemand 

von einer Frau verlangt sie dürfe sich gegen eine Vergewaltigung nur mit einem Penis verteidigen.

Selbstverständlich darf sie den Angreifer notfalls töten 

(sofern eine mildere Verteidigung nicht erfolgversprechend ist) und zwar mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln.

Glaubst du nicht, dass ein Stich an einer anderen Stelle (z.B. die Bauchseite) den Angriff genauso hätte verhindern können?

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@Break1

Und das analysierst Du in der geschilderten Situation?

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@DrCyanide3

Sowas muss man werten, wenn es um das Notwehrrecht geht (Stichwort: Mildestes Mittel).

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@Break1

In der geschilderten Situation ist keine andere Maßnahme erfolgversprechend. Eine Notwehrhandlung muss geeignet und erforderlich sein, was sie in diesem Fall ist.

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@DrCyanide3
In der geschilderten Situation ist keine andere Maßnahme erfolgversprechend

Darüber kann man streiten. Die Voraussetzungen von Paragraph 32 StGB kenne ich, danke.

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@Break1

Ok, was würdest Du tun, wenn ein Dir körperlich überlegener Angreifer Dich zu Boden gerungen hat, auf Deinen Kopf einschlägt und Du ein Messer griffbereit hast?

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@DrCyanide3

Schwer zu sagen. Vorstellung und Realität sehen oft anders aus. Ich vermute mal, dass ich nicht auf den Hals zielen würde. Ich finde die Bauchflanken sind empfindlich genug, um einen Angreifer lahm zu legen

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@Break1

Du stichst in der Situation auf das ein, was Du sehen kannst und was erfolgversprechend ist um den Angriff abzuwenden, das geht ganz instinktiv. Und in dem genannten Fall ist dies der Kopf/Hals.

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@DrCyanide3

Ich kann auch jemanden instinktiv einen Kopfschuss verpassen, obwohl ich auch auf eine andere Körperstelle hätte zielen können, die zum selben Erfolg führen würde. Das würde meine Tat nicht rechtfertigen. Man kann natürlich argumentieren, dass ein Täter möglicherweise so einen Stich an der Bauchflanke widersteht und erst Recht seinen Angriff weiterfortführt. Finde eine andere Meinung aber nicht abwegig

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@Break1

Wäre genau das gleiche. Du dürftest einen Täter in einer vergleichbaren Situation auch in den Kopf schiessen. Es wird von Personen, v. a. wenn sie keine Ausbildung im Verteidigungsschiessen haben, mit Nichten verlangt sich in Gefahr zu begeben um einen rechtswidrigen Angriff abzuwehren.

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@DrCyanide3

Man braucht nicht viel Erfahrung mit Waffen, um einen Körper zu treffen. Ein Kopfschuss ist schwerer zu erzielen. Das wäre einem "Täter" vorwerfbar

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@Break1

Man muss hier sehen, dass derjenige, der im Unrecht ist, nicht erwarten kann, von dem Recht geschützt zu werden.

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@Break1

Damit, dass der Angreifer die Wahl hatte, der angegriffene jedoch nicht.

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@pustblume2007

Doch, der Angegriffene hatte die Wahl. Entweder Hals, Brust, Bauch etc.

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@Break1

Warte mal ab, wenn Du einmal in diese Situation gerätst. Ich wünsche es Dir nicht!!!

Du wirst einen derartigen Tunnelblick haben, die Todesangst wird Dich derart übermannen, dass Du nur an eines denkst:"Wie beende ich den Alptraum hier am schnellsten??"

OK?

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@Break1

Zum Beispiel. Siehst Du, wie weise der Gesetzgeber gewesen ist??

In Österreichischem Recht sieht das ganze etwas anders aus... Naja, andere Geschichte.

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@PatrickLassan

Habe ich doch in der Diskussion hier erwähnt.

Das ist dann ein Fall für Paragraph 33 StGB
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Ja, wäre Notwehr, wenn der Messerstich in den Hals erforderlich war, um den gegenwärtigen rechtswidrigen Angriff zu beenden. Er muss zudem geboten sein.

Du musst nicht riskieren, dass er Dich vorher mit weiteren Schlägen auf den Kopf vorher evtl. tötet.

An sich: Ja, es war Notwehr.

Eine interessante Frage stellt sich aber noch:
Nehmen wir an du tötest ihn damit unabsichtlich, kommst aber rechtlich da locker raus. Kommst du denn mit einer Tötung eines Menschen klar? Viele zerbrechen an soetwas vollständig, was nicht unverständlich ist.

Das ist der Grund, warum ich ein Messer als keine gute Selbstverteidigungswaffe ansehe. Man richtet oft sehr viel Schaden an, mehr als gewollt.
Klar ist es wichtig sich wehren zu können und sich selbst zu schützen. Aber genau so wichtig ist deine Psyche zu beachten. Sie spielt eine sehr große Rolle in deinem Leben.

Woher ich das weiß:eigene Erfahrung

Du hast ihn dazu also erst provoziert hast es also auch verdient, aber leider ist es wenn du das so beweisen kannst Notwehr

Du darfst dich natürlich bei Lebensgefahr auf angemessene Art wehren.

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