Wadenverhärtungen beim Sport

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Ferndiagnosen sind natürlich immer unmöglich, aber das Problem selbst ist nicht so ungewöhnlich. Viele Läufer haben gerade zu Beginn eines Laufs Schwierigkeiten mit sich verhärtenden Waden- oder Schienbeinmuskeln, wobei es oft im Laufe der Trainingseinheit von selbst wieder abklingt.

Vermutlich hast du das alles schon ausprobiert, aber auf einige Dinge kann man durchaus achten. Erstens solltest du nicht zu schnell loslaufen, sondern lieber langsam beginnen und dann später beschleunigen. Wenn man direkt Vollgas gibt, kann es passieren, dass die Muskeln "dicht" machen. Auch Sport im übermüdeten Zustand kann diesen Effekt auslösen. Wenn man beispielsweise früh morgens vor Sonnenaufgang schon die Laufschuhe anzieht, "schlafen" die Muskeln gewissermaßen noch und weigern sich, größere Leistungen zu bringen. Du solltest also zunächst darauf achten, nur dann laufen zu gehen, wenn du dich fit und ausgeruht fühlst.

Damit die Muskeln auch vor dem Sport ausgeruht sind, kannst du darauf achten, dass sie auch im Alltag möglichst entspannt sind. Ein Beispiel: Ich hatte mal einen schlecht passenden Bürostuhl, auf dem ich ungünstig gesessen hatte und mich, ohne es wirklich zu merken, immer über Stunden hinweg relativ fest mit den Füßen abgestützt hatte, sodass die Wadenmuskeln ständig unter Spannung standen. Beim Sport hatten die Muskeln dann komplett dicht gemacht, weil sie schon vorher völlig verkrampft waren.

Ein weiterer Punkt wären die Laufschuhe. Diese sollten natürlich passen und im Fall von Fehlstellungen die richtigen Korrekturen liefern. Ein zu stark gedämpfter oder gestützter Schuh kann hier manchmal zu Schmerzen beim Laufen führen, weil man diese Hilfen vielleicht gar nicht braucht. Du kannst also mal testen, ob du das Problem in anderen Schuhen vielleicht nicht hast. Wenn du beispielsweise bisher Schuhe mit Pronationsstütze hattest, probiere mal Neutralschuhe aus. Oder notfalls kannst du auch mal ein paar Minuten versuchen, mit (vergleichsweise ungedämpften) normalen Straßenschuhen zu laufen und schauen, ob du das Problem auch hast, falls du nicht die Möglichkeit hast, andere Schuhe zu testen. Laufbandanalysen im Fachgeschäft oder Untersuchungen bezüglich Fehlstellungen oder Vorbelastungen beim Orthopäden können hier möglicherweise hilfreich sein.

Zuletzt ist es neben dem Laufsport immer sinnvoll, zumindest einmal pro Woche auch den Oberkörper zu trainieren, beispielsweise über Rumpfstabilisierungsübungen, die man ohne irgendwelche Geräte zu Hause machen kann (siehe Anleitungen im Internet). Schwimmen gehen ist auch nicht schlecht, hier insbesondere Rückenkraulen. Mit einem stabileren Oberkörper und einer besseren Körperhaltung belastet man auch die Beine weniger.

Da du schreibst, dass du schon bei verschiedenen Ärzten warst, deswegen befürchte ich, dass du das alles schonmal gehört hast und entsprechend keine neuen Tipps für dich dabei sein werden. Dennoch hoffe ich für dich, dass du für dein Problem eine Lösung findest. Ich kann nachvollziehen, wie ärgerlich das ist.

Vielleicht noch eine kleine Ergänzung: Falls du selbst ein wenig weiterrecherchieren möchtest, such mal nach Begriffen wie "Schienbeinkantensyndrom" oder "shin splints". In Läuferforen gibt es unzählige Beiträge zu dem Thema und möglicherweise findest du ein paar weitere Anreize.

Weiterhin: Die Belastung auf die Beine wird beim Laufen natürlich umso größer, je mehr Gewicht man mit sich trägt. Gerade dann, wenn man etwas kräftiger sein sollte (egal ob Fett oder dicke Muskelpakete an den Oberarmen), ist es umso wichtiger, an der Rumpfstabilität und Gelenkmuskulatur mit entsprechenden Übung zu arbeiten, um dennoch stabil zu laufen.

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