Was ist unsere Wahrheit und woher kommen wir wirklich?

18 Antworten

Hallo NutellaNudeln.

das klingt jetzt schon ein wenig panisch, wenn ich das sagen darf.

Also der Reihe nach Ordnung schaffen, damit Du Dich wieder besser fühlst.

=D

Zunächst einmal möchte ich sagen, dass mich die Wahl Deiner Themen für diese Frage amüsiert. Denn das allerwichtigste Thema für die Frage "Was ist die Wahrheit?" hast Du ausgelassen.

Wahrheit ist ein philosophischer Begriff. Deine Frage müsstest Du also zuallererst einmal einem Philosophen stellen. (Wenn Du viel Zeit hast.)

Was ist Wahrheit? Wollten wir das mit einem Satz kurz und kompakt definieren (was ein Philosoph nie tun würde), dann käme in etwa heraus:

Wahrheit ist die perfekte Übereinstimmung von Beschreibung und beschriebenem Objekt.

Mit dieser Definition können wir uns ein paar Dinge überlegen, die in Deiner Frage vorkommen.

Zunächst einmal: Wissenschaft und Physik, die Du beide in den Themen drin hast, haben mit "Wahrheit" nichts zu tun. Naturwissenschaften beschreiben keine "Wahrheit".

Naturwissenschaften liefern uns Erklärungsmodelle, die uns erklären, warum wir in der Natur bestimmte Beobachtungen machen - und andere nicht machen. Durch nachmessen der Vorhersagen eines Modells können wir testen, ob dieses Modell die Natur beschreibt.

Ein gutes naturwissenschaftliches Modell beschreibt die Natur sehr gut  - wir haben da teilweise Übereinstimmungen von Modell und Messung bis zur 15. Nachkommastelle.

Dennoch - und deshalb nennen wir die Dinger Nach wie vor "Theorie" - weiß der Naturwissenschaftler, dass er immer noch mit einer Modellvorstellung arbeitet. Wir können nie sicher sein, dass unser Modell mit der Natur perfekt übereinstimmt - wir könnten in Zukunft in anderen Testsituationen oder in bisher ungetesteten Wertebereichen Abweichungen finden.

Deswegen sprechen wir in der Naturwissenschaft nicht von "Wahrheit". Wir sprechen von bestätigten Theorien, also Modellen, die wir trotz bester Bemühungen - schärfster experimenteller Tests - nicht als falsch erkennen konnten.

Naturwissenschaft sucht nicht nach "Wahrheit", das machen die Philosophen. Naturwissenschaftler suchen nach brauchbaren Modellen, die die Natur gut beschreiben. Und wir sind jederzeit bereit, ein gutes Modell durch ein besseres zu ersetzen.

Die Idee ist, dass wir uns durch stetige Verbesserung der Modelle an die Wahrheit der Natur annähern, diese aber nie erreichen oder ein eventuelles Erreichen nie bemerken würden.

Wahrheit ist also ein unerreichbarer Idealzustand. In der Naturwissenschaft ebenso wie im "richtigen Leben", denn wir können in jeder Betrachtung eines Themas immer nur endlich viele Aspekte des Themas betrachten. Um eine wirklich perfekte Übereinstimmung von Objekt und Beschreibung zu haben, müsste die Betrachtung vollständig erfolgt sein. Das ist in der Praxis unmöglich.

Die Philosophie lehrt uns, das jedweder menschliche Erkenntnisprozess immer fehleranfällig ist. Der Fehler ist ins menschliche Wissen unweigerlich eingebaut.

Uff.

Das ist jetzt erst einmal niederschmetternd. Ab jetzt geht es wieder bergauf. Denn wir dürfen jetzt als nächstes fragen:

Gibt es denn gar keine Kriterien, ob eine Aussage als zuverlässig einzustufen ist?

Und doch, ja, die gibt es. Auch das lehrt uns die Philosophie.

Die Naturwissenschaft kommt genau deshalb zu zuverlässigen Aussagen, weil sie gelernt hat, dass unser Wissen Irrtümer enthalten könnte. Sie hat den Wissensfortschritt auf den Test der bisherigen Aussagen aufgebaut. Was ihr oft als Schwäche ausgelegt wird, ist ihre eigentliche Stärke: Sie hinterfragt sich selbst.

Der Philosoph Bartley hat es sehr schön zusammengefasst: Rational ist, was kritisierbar ist.

Rationalität, das ist die Basis unserer Gesellschaft.

------------------------ Fortsetzung folgt -------------------

Und zum ersten Teil noch ein kleiner, philosophischer Beitrag von Harald Lesch

http://www.zdf.de/ZDFmediathek/kanaluebersicht/aktuellste/1901618#/beitrag/video/991908/Die-Physik-und-die-Wahrheit

--------------- Fortsetzung -------------------

Rationalität, das ist die Basis unserer Gesellschaft.

Der Physiker Florian Aigner hat es erst vor wenigen Tagen wunderbar formuliert:

""Eine aufgeklärte, demokratische Gesellschaft funktioniert nur dann, wenn man sich darauf einigt, welche Argumente für den demokratischen Diskurs akzeptabel sind. Seit der Aufklärung hat sich der Standpunkt entwickelt, dass wir basierend auf Fakten argumentieren sollen, die man im Popper‘schen Sinn überprüfen kann: Wenn ich Behauptungen aufstelle, muss ich auch angeben, unter welchen Bedingungen ich bereit wäre, diese fallen zu lassen. Wenn wir den esoterischen Parawissenschaften zu viel Platz einräumen, dann haben wir einen gesellschaftlichen Diskurs, der von Fakten vollkommen entkoppelt ist. Bauchgefühle und Eingebungen, wie sie in den Parawissenschaften als Begründungen verwendet werden, dürfen in einer aufgeklärten Gesellschaft nicht Basis der Entscheidungsfindung sein.""

Und damit bin ich an dem Punkt, auf den Deine Frage abzielt; es geht Dir ja darum: Woran erkenne ich Scharlatane? Wie kann ich falsche Behauptungen von zuverlässuígen trennen? Warum lügen wir uns alle an?

Wenn man die politische Realität betritt, wird es noch einmal erheblich schwerer als in der Naturwissenschaft.

Zunächst einmal muss man hier unterscheiden zwischen der Lüge - also der Täuschungsabsicht - und einem Vertreten einer falschen Ansicht. Und hier noch einmal zwischen dem Vertreten einer Ansicht, für die es bereits heute beste Gründe gibt, warum sie falsch ist - und einer Ansicht, die sich erst im Nachhinein als falsch herausstellen wird.

Ich denke. dass die allerwenigsten "Lügen", von denen Du da sprichst in Deiner Frage, auch echte "Lügen" mit einer echten Täuschungsabsicht sind. Manches wissen wir schlicht nicht. Wäre es besser Griechenland zu stützen - oder aus dem Euro zu entlassen? Für beide Seiten gibt es Argumente und Gegenargumente. Und ich kann jeden verstehen, der beim Vortragen der Argumunente seine Interessen wahrt.

Andere Dinge liegen klarer. Dennoch wäre es auch hier nicht richtig, bei allen Vertretern schräger Ansichten von "Lügen" zu sprechen. Ein Mondverschwörer ist möglicherweise ehrlich der Ansicht, die Amerikaner wären nie auf dem Mond gewesen. Ein Chemtrailfan beäugt jede Wolke ehrlich mit Besorgnis.

Was ist die Wahrheit?

Auch und gerade in der Komplexität der modernen Gesellschaft gilt mehr denn je, dass die Rationalität und kritisches Denken bessere Entscheidungskriterien liefern als Emotionalität oder Bauchgefühl. Unsere Meinungen und Eindrücke sind manipulierbar. Besonders, wenn wir irgendwelche Ängste haben.

Wie Du Dir schon denken kannst, gibt es kein Patentrezept, Scharlatane zu entlarven. Sonst gäbe es ja nicht so viele Menschen, die auf sie hereinfallen.

Es gibt aber ein paar Kriterien, die wir an Aussagen anlegen können, um schon einmal vorzusortieren:

  • Wenn etwas zu schön klingt, um wahr zu sein, dann sollte man im Auge behalten, dass es sehr wahrscheinlich so ist
  • Verschwörungen, in denen alle Regierungen und sehr viele Menschen beteiligt sein müssten, sind Unsinn. So etwas funktioniert nicht in der Praxis.
  • Wie reagiert der Gesprächspartner, wenn man seine Aussagen hinterfragt? Wenn man fragt "woher weißt Du das?" oder "woran würdest Du merken, dass das falsch ist?" Bringt er dann seriöse Quellen oder sachliche Argumente - oder reagiert er mit den klassischen rheorischen Fehlschlüssen?
  • Überhaupt sind die klassischen Fehlschlüsse der Rhetorik sehr gute Warnsignale, um Unsinn zu erkennen. Beispiele sind z.B. das Argumentum ad Hominem, das Autoritätsargument, das Tu Quoque, der Rote Hering, das Brunnenvergiften, das Argument gegen Pappkameraden....

Ich rate Dir, Dich ein wenig mit diesen Fallstricken der Rhetorik zu beschäftigen. Wenn Du die üblichen Tricks kennst - und im Gespräch erkennen kannst - werden sie Dir in den "Argumenten" sehr vieler Verschwörungstheorien auffallen.

Hier

http://www.ratioblog.de/archive/Fehlschl%C3%BCsse

am unteren Ende der Seite findest Du eine hervorragende Liste der Fehlschlüsse.

Nein, das Leben ist keine Illusion. Eine Illusion ist es aber, dass alle Menschen Idealisten sind, die sich uneingeschränkt dem Gemeinwohl verschrieben hätten.

Darüber kann man nun verzweifeln. Oder lernen, damit umzugehen und versuchen zumindest selber die Welt nicht schlimmer zu machen.

Grüße

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Hallo NutellaNudeln,

Nein, denke so einfach ist es nicht. Denke die meisten Leute machen sich keine Gedanken und blicken deshalb nicht durch. Das nutzen natürlich viele aus und erzählen irgend einen Mist, viele glauben den Mist, den sie erzählen tatsächlich selbst. Das ist nicht so einfach. Die meisten Menschen haben einfach nicht gelernt gründlich nachzudenken.

Aus diesem Grunde ist Wahrheit relativ. Relativ zu dem, was wir erleben, relativ zu dem was wir an Informationen aufnehmen. Absolute Wahrheit kann von den Menschen nicht erfasst werden, deshalb wird auch Toleranz gefordert und die Meinung im Verhältnis zu unseren Mitmenschen geformt.

Woher kommen wir wirklich? Du kannst in der Anthropologie und Geschichte eingies finden, aber es werden immer neue Erkenntnisse zutage gefördert und damit ist das im Wandel begriffen. Absolute Erkenntnis ist leider nicht möglich. Genauso schwierig ist es unsere Aufgabe zu definieren, denn jeder hat andere Voraussetzungen. Grob würde ich sagen: „Jeder sollte aus seinen Möglichkeiten das beste machen um der Menschheit ein fortkommen zu ermöglichen!“ Aber die Voraussetzungen sind für jeden Menschen ganz unterschiedlich, deshalb hat jeder Mensch andere Möglichkeiten und Aufgaben. Genau so ist es mit dem Ziel. Jeder Mensch hat andere Ziele und Möglichkeiten. Das eröffnet aber auch die Möglichkeit, dass es für jeden Menschen einen Platz in unserer Welt gibt und Toleranz mit Leben gefüllt werden kann.

Es gibt Menschen die lügen ganz bewusst, die meisten aber wissen es nicht besser. Viele Menschen sind von dem Unsinn den sie verbreiten tatsächlich überzeugt. Damit ist es kein lügen mehr. Es gibt Menschen die machen Stimmen gegen dies oder für jenes. Aber die meisten sind davon überzeugt. Wenn Du siehst wie sich die Menschen eins in die Tasche lügen, warum suchst Du nicht einen Weg um vielen die Augen zu öffnen. Wäre das nicht ein Sinn im Leben?

Diese Fragen stellen sich die Menschen schon seit es sie gibt.

Viele suchen die Antworten in einer der vielen Religionen.

Die Naturwissenschaft sagt folgendes:

Das Leben ist real. Entstanden ist es durch Zufall und eine Verkettung vieler physikalischer, chemischer und biologischer Faktoren.

Ein besonderer Grund ist nicht erkennbar.

Die Menschheit wird irgendwann komplett vernichtet. (spätestens in einigen Milliarden Jahren)

Die Menschheit wird irgendwann komplett vernichtet. (spätestens in einigen Milliarden Jahren)

Warum sollte sie das, wenn sie sich inzwischen über die ganze Galaxis ausgebreitet hat?

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@stekum

Weil es ihr physikalisch nicht möglich ist, sich extraterrestrisch auszubreiten.

Mal abgesehen von den Entfernungen, sterben wir ja schon, wenn ein klein wenig mehr Strahlung durch die Ozonschicht dringt, oder sich die Zusammensetzung der Atmosphäre um wenige Prozente ändert ......

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Wie soll man die absolute Wahrheit finden?

Hallo gutefrage.net,

ich hoffe ich werde hier eine Antwort oder zumindest einen hilfreichen Denkanstoß finden. Ich befasse mich immer mehr mit der Suche nach der Wahrheit (über alles: Leben, Willen usw.) und ich stoße auf zahlreiche verschiedene Theorien die sich allerdings alle gegenseitig widersprechen. Die Leute die sich nur auf die Wissenschaft verlassen sagen eins, die Leute die über Spiritualität und Erleuchtung reden sagen wieder etwas anderes und die Leute die über Religionen reden wieder was komplett anderes.

Das wichtigste Beispiel für mich: Wenn man sich mit Erleuchtung und Meditation befasst hört man immer wieder, dass es darum geht sein Ego zu verlieren, dass man selbst so eine Art Gott ist und, dass alles eine Illusion ist und ich habe sogar selbst schon einige Erkenntnisse in diese Richtung gemacht. Andererseits allerdings kommen dann die meisten Christen daher und meinen, dass genau diese Weltanschauung die Versuchung Satans und seiner Dämonen ist und auch das (egal wie abgefahren das klingt) macht in irgendeiner Weise Sinn weil es doch sehr genau ähnlich klingt. Wiederum sagen die Erleuchter dass man von diesem fundamentalistischen göttlichen Denken ablassen soll.

Ich möchte hier von euch nicht noch eine Theorie oder Anschauung in diese Richtung sondern ich möchte wissen wie ich wirklich die Wahrheit herausfinden kann, denn ich glaube nicht, dass Gott (wenn es ihn gibt) will, dass ich an ihn glaube weil ich Angst vor der Hölle oder sonstigem habe. Ich möchte wissen wie ich bei so vielen logisch klingenden aber sich widersprechenden und angsteinflößenden Theorien die Wahrheit finden kann! Vor allem kann ich aber auch meinem Verstand nicht mehr genau trauen weil ich auch da schon auf so viele Illusionen und Glaubenssätze getroffen bin die ich für 100% wahr gehalten habe aber die sich dann als (zumindest scheinbarer) Irrtum erwiesen.

MfG Zetterin

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