Vorstellungsgespräch (schwerbehindert)

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7 Antworten

Hallo Bunga33, Du musst von Dir aus Deine behinderung nicht ansprechen, wenn sie auf Dein e Arbeit keinen Einfluss hat. 80% der Behinderungen sind nicht sichtbar, aber mit einem Diabetes kann es z.B. gefährlich sein, auf einem Kran zu arbeiten oder, je nach Ausprägung der Erkrankung, Schichdienst zu verrichten. Solche Einschränkungen muss man einem zukünftigen Arbeitgeber natürlich mitteilen und dann ist es auch ratsam sich als Schwerbehinderter zu outen. Wenn Du aufgrund Deiner Behinderung abgelehnt werden würdest, könntest Du nach dem SGB IX (Schwerbehindertengesetz) und nach dem AGG (allgemeines Gleichbehandlungsgesetz) dagegen klagen. Vor dem AGG war die Rechtslage sehr einfach, wenn Du nach einer Behinderung gefragt wurdest, musstest Du wahrheitsgemäß anworten, aber brauchtest auch damals schon nicht aktiv darauf hinweisen. Heute streiten die Gelehrten, ob nicht schon die Frage nach einer Behinderung gegen das AGG verstösst. Die einen sagen man darf, wie eine Schwangere, wahrheitswidrig antworten, die anderen meinen, es bleibt wie es war. Da wird es wohl noch einige Prozesse geben, bevor diese Frage wieder eindeutig geklärt ist. Nun mal etwas zur Beruhigung aller, es gibt Statistiken, dass ein Arbeitnehmer mit Behinderung wesentlich weniger Krankenfehltage hat als einer ohne Behinderung. Außerdem sind sie beständiger, d.h., sie wechseln wesentlich seltener den Arbeitgeber. Macht Euch doch bitte endlich mal bewusst, ein Mensch mit Handicap ist nicht krank, sondern hat eine Beeinträchtigung, die das Leben etwas komplizierter macht. Ich selber habe einen GdB von 100 und bin schon seit 38 Jahren im gleichen Unternehmen vollzeit beschäftigt. Liebe Grüße und viel Erfolg Deanna

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Ehrlichkeit ist immer besser.Ich finde es sollte jeder als Pflicht sehen und es beim Gespräch mitteilen,wieviel % man hat. Zumal Ihnen ja 5Tage mehr Urlaub zustehen und die würde ich mir nicht durch die Lappen gehen lassen.

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Bei Neueinstellungen und in Bewerbungsgesprächen gilt im Prinzip Ähnliches: Von sich aus muss ein Mensch mit Diabetes den Arbeitgeber nicht über seine Erkrankung bzw. Behinderung aufklären, soweit seine Tätigkeit von der Erkrankung nicht beeinträchtigt wird. Auch hier gilt, dass dann die besonderen Schutzrechte des Schwerbehindertenstatus nicht geltend gemacht werden können. Fragt der Arbeitgeber im Einstellungsgespräch jedoch nach einer vorliegenden Behinderung, muss wahrheitsgemäß geantwortet werden. Geschieht dies nicht, gilt der Arbeitsvertrag rechtlich als nicht zustande gekommen.

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Kommentar von Anton96
04.10.2011, 20:23

Wobei es jederzeit möglich ist den Schwerbehindertenstatus nachträglich zu offenbaren, ba dann kann man alle Schutzrechte und den Sonderurlaub dann geltend machen.

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Hallo Bunga33,

so wie Sie Ihren Fall darstellen, begeben Sie sich allein schon in Bezug auf

"Treu und Glauben"

auf eine moralische

(und juristisch zumindest sehr bedenkliche)

Gratwanderung, wenn Sie Ihren zukünftigen Arbeitgeber von Ihrer Behinderung (GDB 70) nicht in Kenntnis setzen!

Am Besten können Sie diese Aussage nachvollziehen, wenn Sie sich in die Lage eines Arbeitgebers versetzen!

Stellen Sie sich bitte vor, Sie selbst sind der Arbeitgeber und Sie stellen einen Menschen ein, dem man auf den ersten Blick seine Schwerbehinderung nicht anmerkt.

Irgendwann aber, früher oder später kommt es soweit, daß der Mitarbeiter, den Sie eingestellt haben Ihnen mit Hinweis auf seine diverse Schwerbehinderung die Arbeit verweigert.

Bitte jetzt Hand aufs Herz:

Was würden Sie dann von diesem Mitarbeiter halten und wie würden Sie reagieren?

Aus meiner bescheidenen Sicht ist die Eingehung eines Arbeitsverhältnisses eine ganz besondere "Vertrauensbeziehung" zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber.

Das heißt:

Sie als Arbeitnehmer vertrauen darauf, daß Sie für Ihre Arbeitsleistung einen regelmäßigen, angemessenen Lohn erhalten, genauso wie Urlaub und darüber hinaus bei einer Arbeitsunfähigkeit wegen Krankheit bis zu 6 Wochen Lohnfortzahlung.

Der Arbeitgeber vertraut darauf, daß Sie die im Einstellungsverfahren und im Arbeitsvertrag getroffenen Abmachungen konsequent einhalten und Ihre Arbeitsleistung im gesetzlichen Rahmen uneingeschränkt zur Verfügung stellen.

Wenn Sie dann plötzlich ohne Vorwarnung Ihren Arbeitgeber mit Ihrer Schwerbehinderung konfrontieren, dürfen Sie sich nicht wundern, wenn Ihnen der Arbeitgeber das in Sie und in Ihre Person gesetzte Vertrauen entzieht.

Das heißt also im Umkehrschluß und als Richtschnur:

Es ist immer besser, gleich von Anfang an die Karten auf den Tisch zu legen und den Arbeitgeber über sein Handicap in Kenntnis zu setzen.

Dann sind Sie rechtlich und moralisch immer auf der sicheren Seite und nicht angreifbar.

Außerdem können Sie dann gleich von Anfang an alle Ihnen zustehenden Rechte als Schwerbehinderter in Anspruch nehmen wie Zusatzurlaub usw.

Im Zweifelsfall fragen Sie doch bitte auch bei Ihrem zuständigen Intergrationsamt nochmals nach, was die Damen und Herren dort zu Ihrer Frage meinen.

An dieser Stelle möchte ich anregen, daß Sie sich das Büchlein "Schwerbehinderung meine Rechte" von Heinfried Tintner zulegen, dort können Sie wichtige Details nachlesen.

Derzeit finden Sie noch einige gebrauchte, sehr preiswerte Exemplare bei Amazon!

Dieses Grundwerk gehört in jedes Bücherregal eines Schwerbehinderten-Haushaltes und behandelt die wichtigsten Kriterien, die ein Schwerbehinderter beachten und wissen solte, wenn er seine Rechte richtig ausschöpfen will!

Dort heißt es unter anderem auf Seite 95 rechts unten zum Verhalten beim Einstellungsgespräch, ich zitiere:

Bei einem Einstellungsgespräch müßen Sie von sich aus nicht auf eine bei Ihnen vorliegende Schwerbehinderung verweisen.

Das Bundesarbeitsgericht ist allerdings nach wie vor der Ansicht, dass ein potentieller Arbeitgeber Sie nach einer Schwerbehinderung fragen darf und Sie darauf wahrheitsgemäß antworten müßen.

Ich denke, damit sollte Ihre Frage ganz klar und unmißverständlich beantwortet sein.

Es geht einfach nichts über Wahrheit und Klarheit, auch wenn diese gesellschftlichen Basiselemente in unserer Gesellschaft oft unter den Tisch gekehrt werden.

Dann wundern sich manche Leute, wenn es früher oder später zu unliebsamen und vor allen Dingen unnötigen Auseinandersetzungen kommt.

Es ist einfach so:

Wer von anderer Seite korrektes und moralisch einwandfreies Verhalten erwartet, der muß dies von sich auch der anderen Seite gönnen und zugestehen.

Ohne diese Basis kann ein erfolgreiches Zusammenleben auf Dauer nicht funktionieren.

In diesem Sinne entscheiden und verhalten Sie sich am Besten immer so, daß Sie niemals rechtlich und moralisch angreifbar sind!

Beste Grüße

Konrad

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Kommentar von Deanna55
05.10.2011, 08:59

Ich würde den Ratgeber für Behinderte Menschen empfehlen, da dieser ständig aktualisiert wird und außerdem noch kostenfrei über das Bundesministerium für Soziales oder die Integrationsämter zu beziehen ist. Sie haben bei Ihren Ausführungen die neuen Regelungen aus dem AGG (allgemeines Gleichbehandlungsgesetz) außer Acht gelassen. Zum Thema Moral und Arbeitswelt möchte ich mich nicht wirklich auslassen, weil diese nicht stattfindet. Deanna

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Schon alleine aus versicherungstechnischen Gründen musst Du eine Behinderung unbedingt angeben. Du tust Dir mit dem Verschweigen in keiner Hinsicht einen Gefallen!

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Kommentar von Deanna55
06.10.2011, 10:05

Ein behinderter Mitarbeiter wird nicht anders versichert als einer ohne Behinderung. Daher ist dieses Argument nicht richtig.

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Wenn Du nicht danach gefragt wirst, musst Du ihm das auch nicht sagen. Eine juristische Auskunft kann dieser Rat aber nicht ersetzen.

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du musst das angeben , sonst ist der Arbeitsvertrag ungültig

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Kommentar von Anton96
06.10.2011, 07:32

Der Arbeitsvertrag ist dann bestimmt nicht gleich Ungültig. Damit ein Arbeitsvertrag in so einem Fall angefechtet werden kann ist es schon notwendig das die Behinderung auf die Arbeitssicherheit oder Arbeitsleistung einen schwerwiegenden Einfluss hat, Epilepsie bei einem Piloten, Busfahrer oder LKW-Fahrer ist mit sichreheit ein Grund dafür das der Arbeitsvertrag angefochten werden kann. Bei einem Diabetiker ist aber ein Arbeitsvertrag als Programmierer nicht anfechtbar wenn die Behinderugn verschwiegen wurde. Es ist nicht so das eine Behinderung in jeden Fall angegeben werden muss, in wie weit es trotzdem besser ist sie auch an zu geben wenn man es nicht unbedigt muss, das kann man nur im Einzellfall entscheiden. Es ist halt unschön wenn man erst nach der Probezeit mit der Behinderung raus kommt um dann den Sonderurlaub oder den verbesserten Kündigungsschutz einfordert, aber das ist in meine Augen nicht verwerflicher, wie wenn ein Arbeitgeber nur weil eine Behinderung vorliegt auf einen Einstellung verzichtet.

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