Vorbestraft wegen Ladendiebstahl im Gericht unter 90 Tagessätze?

... komplette Frage anzeigen

2 Antworten

Aus deiner Schilderung entnehme ich, dass du bisher gar nicht verurteilt wurdest. Weder beim ersten Mal, noch beim zweiten Mal.

Zum ersten Mal: Hier wurde das Verfahren gegen eine Auflage eingestellt. Das bedeutet, es kommt gar nicht zum Hauptverfahren, sondern die Staatsanwaltschaft stellt das Verfahren unter der Bedingung, dass du Auflagen (Sozialstunden) erfüllst, ein. Erfüllst du diese Auflagen, dann ist die Sache erledigt. Nach § 45 JGG stellt dann die Staatsanwaltschaft die Verfolgung der Sache ein.

Dadurch bist du nicht vorbestraft. Vorbestraft ist man nur, wenn die Sache nach § 32 BZRG ins Bundeszentralregister eingetragen wird - das ist bei einer Einstellung des Verfahrens aber nicht der Fall.

Zum zweiten Mal: Hier ging die Sache vor Gericht, doch anhand deiner Aussage, die Richter meinten, du sollst 30 Sozialstunden machen und die Sache wäre erledigt, denke ich, dass das kein Urteil war, was der oder die Richter ausgesprochen haben, sondern ebenfalls eine Einstellung des Verfahrens gegen Auflagen, dieses Mal nach § 47 JGG. Wenn du also deine Sozialstunden ableistest, dann ist die Sache erledigt - ohne Urteil. Auch diese Sache wird also nicht ins Bundeszentralregister eingetragen.

Du darfst dich also gemäß § 53 BZRG als nicht vorbestraft bezeichnen.

In zwei Registern bzw. Verzeichnissen tauchst du allerdings noch eine Weile auf - doch das bedeutet nicht, dass du deswegen vorbestraft bist und auch nur ein begrenzter Personenkreis hat Zugriff auf diese Verzeichnisse:

1) Nach § 60 Abs. 1 Nr. 7 BZRG werden beide Sachen in das Erziehungsregister eingetragen.

2) Nach §§ 492 - 495 StPO werden deine Verfahren auch in das staatsanwaltliche Verfahrensregister eingetragen. An das kommt aber nur die Staatsanwaltschaft heran.

Also keine Sorge, du bist nicht vorbestraft; aber du kannst damit rechnen, dass du beim nächsten Mal nicht mehr so glimpflich davon kommst. Denn auch wenn du nicht vorbestraft bist, die Staatsanwaltschaft weiß, was für Verfahren gegen dich schon anhängig waren und auch im Erziehungsregister stehen deine Verfahren noch für eine Weile drin.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Ja du bist jetzt vorbestraft.

Beim ersten mal hast du einen "Strafbefehl" erhalten, da wird man zwar auch verurteilt, aber muss nicht ins Gericht (geht bei kleineren Vergehen), weil sich für ein 7 Euro Diebstahl keine 500 Euro Gerichtskosten lohnen und dem Angeklagten die Blamage vor Gericht erspart werden soll.

Bei kleinen Vergehen darf man sich nach dem ersten noch als "nicht vorbestraft" bewerben. 

Da du nicht hören wolltest hast du jetzt einen Gerichtstermin gehabt und bist nochmals verurteilt. Das steht jetzt in deinem Führungszeugnis drin!

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von Fluffinator1
18.05.2016, 15:53

Allerdings würde ich an deiner Stelle lieber mal 50 Euro blechen und bei nem Anwalt fragen. Lass dir auch beim Meldeamt mal dein Führungszeugnis raus. Falls eine Gesamtstrafe gebildet wurde und die dann unter 90 TS war, könnte es auch sein dass nichts eingetragen wurde. Bin mir bei Jugendstrafrecht nicht mehr sicher.

0
Kommentar von Friedel1848
18.05.2016, 17:11

Alles ziemlich falsch.

1. Gegen Jugendliche ist der Strafbefehl unzulässig, § 79 Abs. 1 JGG. Das erste Mal war also auf keinen Fall ein Strafbefehl, der übrigens nach § 407 Abs. 2 StPO gar keine Sozialstunden zur Folge haben kann.

2. Was im Führungszeugnis steht, siehe meine Antwort. Auch hier liegst du ziemlich falsch mit der Annahme, jede Verurteilung (wenn es denn hier überhaupt eine war, eher wohl nicht) sei ins Führungszeugnis einzutragen.

0

Was möchtest Du wissen?