Von wem Stammen wir größtenteils ab?

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Die Ostdeutschen stammen nicht nur von der Germanen sondern auch von den Westslawen ab. Als deutsche Siedler im Zuge der deutschen Ostsiedlung in die dünn besiedelten Gebiete östlich der Elbe-Saale-Linie einwanderten und diese urbar machten, wurden die dort lebenden Westslawen zum Großteil auch assimiliert (Germania Slavica). Darauf deuten unzählige Ortsnamen, Begriffe und Familiennamen slawischen Ursprungs hin.

Die vorherige Siedlungsgrenze ist anhand der Ortsnamen heute noch deutlich erkennbar.


Verwechsle nicht sprachliche Verwandtschaft mit genetischer Verwandtschaft!

"Indoeuropäisch" bezieht sich auf Sprache, eine Sprachfamilie, die von Indien (Sanskrit) bis Westeuropa (Keltisch) reicht. 
Ein Volk "Indoeuropäer" gab es nicht und gibt es nicht. Das hat auch nie jemand behauptet. 

Vielleicht kann meine Familie ein Beispiel geben: Ich bin in Nordrhein-Westfalen geboren und aufgewachsen.
1. In meiner Ahnenreihe befindet sich ein Mann, der aus dem Harz (Niedersachsen) in meine Heimatstadt kam,
2. einer meiner Großväter stammt aus Pommern,
3. die Mutter meiner Kinder stammt aus Baden-Württemberg,
4. eine meiner Schwiegertöchter aus Rumänien (Siebenbürgen) mit deutlich slawischen Spuren,
5. meine andere Schwiegertochter aus Sachsen,
6. mein Schwiegersohn aus Bayern.

Trotzdem sprechen wir alle einheitlich Deutsch.
Also: Genetik ist das eine, Sprache ist das andere! Sprache kann man lernen, Genetik nicht.
Wie willst du Kinder aus europäisch-japanischen, europäisch-kamerunischen Ehen genetisch zuordnen? 

Wer weiß, wie viel von den Hunnen, die vor 1000 - 2000 Jahren in Europa eingebrochen sind, genetisch in den heutigen Magyaren (Ungarn) übrig geblieben ist? Und wie viel von ihrer Sprache?

Zunächst mal sollte man die Frage der humangenetischen Abstammung weitgehend trennen von der Frage der Abstammung der verschiedenen Sprachgruppen. Schon lange vor den Indogermanen gab es Menschen in Europa, und diese haben schon vor 10.000 Jahren und mehr die "genetische Landschaft" Europas geprägt.

https://de.wikipedia.org/wiki/Haplogruppe#/media/File:Haplo-Y-Europa.png 

Schon damals gab es Vermischungen. Die R1b Haplogruppe findet man nicht nur häufig bei Basken, sondern auch bei Bewohnern der britischen Inseln. Obwohl die sprachliche Zugehörigkeit völlig verschieden ist.

Man kann nur in wenigen Fällen gewisse Korrelationen mit Sprachgruppen aufstellen (Finnen häufiger N, in Osteuropa häufiger R1b usw.).

Die moderne Verteilung der Sprachgruppen in Europa ist deutlich jünger als die Etablierung verschiedener genetischer Gruppen in Europa. Dies ist gewissermaßen eine "sekundäre Überlagerung" über eine bereits komplexe Landschaft. D.h. bereits zu Zeiten des Urgermanischen oder Urkeltischen kann man nicht von einer einheitlichen Genetik der jeweiligen Gruppen ausgehen.

Für Deutschland muss man sicher von römischem, keltischem und germanischem Einfluss ausgehen, auch von slawischem. Für Polen ist baltischer Einfluss sicher, auch germanischer (vor allem ostgermanischer) und natürlich slawischer. 

Es gibt aber weder eine germanische noch eine slawische Haplogruppe, man sieht ja an der Karte, dass dies nicht so simpel funktioniert.

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