Vollzeit Urlaub wenn mann Teilzeit arbeitet?

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2 Antworten

Die Antwort aus dem Ministerium ist falsch (die sind da wohl auch nicht immer und alle up to date)!

Erstens: Höhe des Urlaubsanspruch

Für den Urlaubsanspruch kommt es nicht auf die Anzahl der Tages- oder Wochenarbeitsstunden an, sondern alleine darauf, wie viele Tage Du in der Woche arbeitest.

Da Du (so wie Du das in der Frage schilderst) bei der Teilzeitarbeit genau so viele Wochenarbeitstage hast wie bei der Vollzeitarbeit - nur eben mit weniger Tagesarbeitsstunden -, ändert sich an Deinem Urlaubsanspruch nichts.

Theoretisch könnte man aber die Urlaubstage aus der Vollzeitphase verdoppeln, wenn Du sie in der Teilzeitphase mit dem halben Stundenwert nimmst - oder es bleibt bei 10 Tagen, die dann aber auch in der Teilzeitphase mit je 8 Stunden als Urlaubsentgelt vergütet werden müssen und nicht nur mit 4. 


Zweitens: Höhe des Urlaubsentgelt

Der Urlaub, den Du während der Vollzeitarbeit erworben, aber noch nicht genommen hast, muss  - wenn Du ihn jetzt während der Teilzeitphase nimmst - entsprechend dem Vollzeitwert vergütet werden, also mit 8 Stunden und nicht mit 4.

Die Aussage

Auch im Falle der Inanspruchnahme von Resturlaub aus Vollzeit ist pro Urlaubstag die während der Teilzeit geltende Sollarbeitszeit zugrunde zu legen.

ist falsch!

Sie entspricht zwar der Praxis aus der Vergangenheit - das heißt, dass Urlaub aus der Vollzeitphase, der während der Teilzeitphase genommen wurde, nur mit dem Teilzeitwert vergütet wurde -, diese Praxis ist aber inzwischen rechtswidrig, da sie wegen eines Verstoßes gegen europäische Richtlinien einer Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs EuGH (Beschluss vom 13.6.2013, Az.: C-415/12) widerspricht.

Siehe dazu Ausführungen z.B. unter  https://www.haufe.de/oeffentlicher-dienst/personal-tarifrecht/eugh-keine-urlaubskuerzung-bei-wechsel-von-vollzeit-in-teilzeit\_144\_190014.html :

EuGH: Anteilige Berechnung ist nicht zulässig
Diese anteilige Berechnung erklärte der EuGH nun für nicht zulässig: Dem Arbeitnehmer müssten bei einem Wechsel von Voll- in Teilzeitbeschäftigung die bis dahin erdienten (Urlaubs-)Ansprüche in vollem Umfang erhalten bleiben, so die Richter. Der anteilige Berechnungsgrundsatz (Pro-rata-temporis) gelte für Ansprüche, die in der Vergangenheit entstanden, aber erst während der Phase reduzierter Arbeitszeit erfüllt werden sollen, nicht.
Eine Regelung, wonach der früher erdiente Jahresurlaubsanspruch entsprechend zu reduzieren und an den Umfang der Teilzeittätigkeit anzupassen ist, ist unwirksam, erklärte der EuGH. Sie widerspricht der EU-Richtlinie 2003/88 und § 4 Nr. 2 der Rahmenvereinbarung über Teilzeitarbeit (Verbot der Diskriminierung von Teilzeitbeschäftigten).
EuGH, Beschluss vom 13.6.2013 (C-415/12)  
Auswirkungen für die Praxis
Praktische Auswirkungen kann dies hinsichtlich der Zahl der zu gewährenden Urlaubstage haben, wenn der Umfang der Wochenarbeitstage reduziert wurde. Insbesondere aber sind das Urlaubsentgelt sowie die Urlaubsabgeltung bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses nach der Höhe des früheren Vollzeitanspruchs zu berechnen.

Oder  http://schiering.org/arhilfen/arzeit/urlaubsanspruch-vollzeit-teilzeit.pdf  :

Nach Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes (EuGH) vom 13.06.2013 (C-415/12) dürfen die noch nicht genommene Urlaubstage, der während der Vollzeitbeschäftigung erworben wurden, nicht gekürzt bzw. in Teilzeit abgegolten werden. In dem zu entscheidenden Fall ging es um eine deutsche Arbeitnehmerin, die ihre in Vollzeit erworbenen Urlaubstage während der Wiederbeschäftigung (Teilzeit) nach Ende der Elternzeit beansprucht hatte. Dieses Urteil hat unmittelbare Auswirkung auf das deutsche Urlaubsrecht, insbesondere für Mitarbeiter/-innen, die z.B. nach der Elternzeit in Teilzeit bei ihrem bisherigen Arbeitgeber weiterarbeiten. Eine Umrechnung des übertragenen Resturlaubs bei einer Verringerung der Tage-Woche ist also nach der Rechtsprechung des EuGH nicht zulässig. Das bedeutet im Ergebnis, dass der gesetzliche Urlaubsanspruch sich stets nach dem Zeitraum zu orientieren hat, in dem er auch tatsächlich erworben wurde und nicht nach dem Zeitraum, in der er beansprucht wird. Dieses EuGH-Urteil bezieht sich auf das Diskriminierungsverbot von Teilzeitbeschäftigten bei Dauer und Wert des tariflichen Urlaubes. Praktische Auswirkungen hat die Entscheidung auf die zu gewährenden Urlaubstage, insbesondere aber auch auf das Urlaubsentgelt sowie die Urlaubsabgeltung bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses. Diese sind nach der Höhe des früheren Vollzeitanspruchs zu berechnen. [Anmerk.: Hervorhebung durch mich]

Also noch einmal:

Die 10 Urlaubstage aus Deiner Vollzeitphase sind - auch wenn Du sie erst während der Teilzeitphase nimmst - entsprechend dem Stundenwert aus der Vollzeitphase zu vergüten, oder sie müssen auf 20 Tage ausgeweitet werden, wenn sie nur mit dem halben Teilzeitwert vergütet werden.

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Kommentar von AnaBTE
09.03.2017, 11:16

Vielen Dank für die schenelle und komplete Antwort. Dann habe ich das richting gedacht, Stunden sind Stunden! :-) 

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Für mich hört sich das so an, als würdest du nur 10 Tage bekommen. Ich habe damals nach meinem Erziehungsurlaub erst einmal Vollzeiturlaub gemacht und dann habe ich den Vertrag in Teilzeit umgewandelt..:)

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Kommentar von AnaBTE
08.03.2017, 16:54

Danke für Ihre schnelle Antwort!

Aber dann, wenn mann 4 Studen pro Tag nach der Elternzeit arbeitet, verliert mann die Häfte der Stunden, die mann schon hätte, oder? weil dann 10 Tage Vollzeit Urlaub (80 Stunden) = 10 Tage Teilzeit Urlaub (40 Stunden)...

Vielleicht wenn mann nach der Elternzeit 8 Studen pro tag, 3 Tage pro Woche arbeitet 1 Tag Resturlabut = 1 Tag Teilzeit Urlaub?

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