Verurteilung wegen Mordes bei Autorennen?

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13 Antworten

Das Gericht hatte hauptsächlich über zwei Fragen zu entscheiden:

1) Haben die Angeklagten vorsätzlich gehandelt? Dazu muss man wissen, dass Vorsatz im juristischen Sinn nicht gleich Absicht ist. Auch das billigende in Kauf Nehmen des Todes eines Menschen ist Vorsatz. Die Richter haben die Indizien und Beweise des Falles so gewürdigt, dass sie einen solchen bedingten Vorsatz für gegeben gesehen haben. Die Abgrenzung ist schwierig zwischen bedingtem Vorsatz und der sogenannten bewussten Fahrlässigkeit.

Kommt das Gericht zu dem Ergebnis, dass ein Vorsatz gegeben ist (wie im Fall Berlin), dann ist die Tat zwingend als Mord oder Totschlag einzuordnen. Beim Totschlag käme man zu einer Freiheitsstrafe von 5 bis 15 Jahren, in besonders schweren Fällen auch lebenslänglich. Ein Mord wird (jedenfalls nach dem Gesetz, in der Praxis gibt es einige Einschränkungen) immer mit lebenslänglich bestraft. Dies ist die zweite Frage:

2) Liegt ein Mordmerkmal vor?

Das Gericht hat die Mordmerkmale "gemeingefährliches Tatmittel" und "niedrige Beweggründe" als gegeben gesehen. Somit liegt ein Mord vor. Das Strafmaß für einen Mord ist wie gesagt lebenslänglich.

Wird das Urteil Bestand haben?

Das kommt darauf an, wie der BGH sich in der Revision entscheidet. Er wird über die beiden oben genannten Fragen zu befinden haben, wobei er den vom Landgericht festgestellten Sachverhalt als gegeben ansehen muss und nur dir rechtliche Bewertung überprüfen kann.

Unter einer anderen Frage habe ich einen längeren Text zu dem Fall verfasst - wenn du sie lesen willst, hier ist der Link:

https://www.gutefrage.net/frage/war-das-wirklich-mord?foundIn=list-answers-by-user#answer-240097006

Dort findest du die rechtlichen Hintergründe des Falles detailliert erklärt.

Ich schätze mal, es geht um den Fall aus Berlin. Man könnte zwar sagen, dass das Strafmaß heftig ist, aber wenn man bedenkt, was dort angerichtet wurde. Ein Mensch ist gestorben, ganz viel Leid für die Hinterbliebenen wurde dadurch ausgelöst. Es wäre vermeidbar gewesen, wenn die beiden einfach nur mal nachgedacht hätten. Aus diesem Grund denke ich, dass das Strafmaß NICHT zu hart ist.

Ich habe mit dem Strafmaß kein Problem. Solche Rennen sind gemeingefährlich und müssen dementsprechend bestraft werden. 

Ich habe allerdings mit dem Mordvorwurf ein Problem. Natürlich nimmt jemand, der auf dem Ku'damm ein Autorennen fährt, den Tod Unschuldiger in Kauf. Das ist schon richtig. 

Nur, führen wir den Gedanken weiter, kommen wir sehr schnell zu einem Punkt, wo es absurd wird. Nehmen wir mal an, jemand fährt mit 70 durch eine 30-er Zone und überfährt ein spielendes Kind. Wer mit 70 durch die 30-er Zone donnert, nimmt doch auch den Tod dieses Kindes billigend in Kauf. Bei Mord ist schon der Versuch strafbar. Deswegen wäre ja dann auch die Verurteilung wegen versuchten Mordes richtig, wenn gar niemand zu Schaden kommt und der Fahrer nur geblitzt wird. 

Ich denke, hier ist der Gesetzgeber in der Pflicht, der hier endlich mal eine brauchbare Gesetzesgrundlage schaffen sollte.

Bei einer Verurteilung wegen Mordes gibt es nur ein Strafmaß, nämlich lebenslänglich (§ 211 StGB). Eine mildere Strafe ist damit grundsätzlich nicht möglich.

Wenn die Angeklagten Revision einlegen kann allenfalls darüber entschieden werden, ob ihr Verhalten als Mord gewertet werden kann.

Sollte der BGH anderer Meinung sein, käme wäre leider wieder eine fahrlässige Tötung mit einer Freiheitsstrafe von (nur) bis zu 5 Jahren auf dem Tisch.

Ich denke allerdings, dass die Verurteilung wegen Mordes gerechtfertigt ist und begrüße sie. Es mag zwar sein, dass an den Tätern ein Exempel statuiert wird (was auf jeden Fall nicht alleiniger Zweck einer Strafe sein darf). Jedoch halte ich es für absolut vertretbar die Tat als Mord zu werten, auch wenn dies auf den ersten Blick ein wenig befremdlich wirken mag.

Wer auf öffentlichen Straßen ein Autorennen fährt nimmt von Vornherein in Kauf, dass Unbeteiligte (Fußgänger, Radfahrer, Autofahrer) dazwischen kommen können. Deshalb halte ich die Verurteilung wegen Mordes als gerechtfertigt. Aber ich denke genauso gibt es Leute, die das anders sehen oder als Unfall ansehen.

Hallo.

Wenn ich den Artikel gerade in der Zeitung richtig gelesen habe, dann ist dieses Urteil noch nicht rechtskräftig.

Ich war erstaunt ein solch hartes Urteil hätte ich nicht erwartet - finde es aber genau richtig.

Auch in anderen Verkehrsdelikten müsste eine solche harte Gangart gefahren werden, angefangen bei Alkohol oder Drogen am Steuer bis hin zu nötigen Verhaltensweise eines Fahrzeugführers.

Ich gratuliere dem LG, für dieses notwendige harte Vorgehen.

Liebe Grüße

FlyingDog

TitusPullo 27.02.2017, 22:03

Es ist schon rechtskräftig nur geht es jetzt noch vor den Bundesgerichtshof. Ich denke die Strafe wird dort, leider, milder ausfallen.

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FlyingDog 27.02.2017, 22:07
@TitusPullo

Ach so, danke dir für die Aufklärung, leider konnte man das in dem Artikel nicht erlesen.

Super... 👍

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Friedel1848 28.02.2017, 00:14
@FlyingDog

Nein, das Urteil ist nicht rechtskräftig. Rechtskräftig wird ein Urteil nämlich erst dann, wenn keine Rechtsmittel mehr eingelegt werden können. Das ist hier aber natürlich noch möglich und wird auch geschehen.

Die Angeklagten werden Revision einlegen, der Fall wird dann vom Bundesgerichtshof geprüft werden. Dabei wird es allerdings nur um die rechtliche Bewertung des Falles gehen, insbesondere um die Fragen Vorsatz/kein Vorsatz und die Frage Mordmerkmale/keine Mordmerkmale.

Der Bundesgerichtshof wird - außer in sehr wenigen Ausnahmefällen - keine eigene Strafe festlegen. Wenn das Urteil der Revision standhält, dann bestätigt der BGH das Urteil des LG. Danach ist das Urteil dann rechtskräftig.

Wenn der BGH rechtlich nicht mit dem Urteil des LG einverstanden ist, wird der Fall zurückverwiesen - entweder an eine andere Strafkammer desselben Landgerichts oder an ein anderes Landgericht. Dort wird dann der Fall noch einmal komplett neu verhandelt - mit Beweisaufnahme etc. und einem abschließenden Urteil, bei dem das vorherige Urteil des BGH natürlich berücksichtigt werden muss.

Also: Entweder bestätitgt der BGH das Urteil, dann bleibt es bei lebenslänglich. Oder der BGH legt eine eigene Strafhöhe fest (hier eigentlich nur schwer vorstellbar). Oder der BGH verweist den Fall an das LG zurück, wo er neu verhandelt werden muss.

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Wer geistig nicht in der Lage ist sein Auto so zu benutzen dass damit anderen kein Schaden entsteht, ist hart zu bestrafen.

Wenn bei einem illegalen Autorennen jemand getötet wird kann die Strafe gar nicht hoch genug sein.

Wenn es sich um ein illegales Straßenrennen von irgendwelchen PS Junkies im öffentlichen Straßenverkehr handelt, absolut die einzig richtige Strafe.

Nein absolut gerechtfertigt. Die schlimmere Strafe hatte leider das Opfer das jetzt nicht mehr leben darf.

Absolut gerechtfertigt. Ich selber liebe es schnell zu fahren und 270/280 auf der Autobahn sind keine Seltenheit. Auch der Rennsport ist eines meines Hobbys, doch dies gehört auf die Strecken an denen es erlaubt ist.

Finde ich gerechtfertigt, wenn man unbeteiligte Leute in dumme ideen reinzieht

Ist auf jeden Fall gerechtfertigt.

Ich habe, als ich das Urteil gelesen habe, laut aufgeschrien: "ENDLICH!!"

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