"Verschwörung", "Verschwörungstheorie" - sind das Begriffe, mit denen eine seriöse kontroverse politische Debatte geführt werden kann, wie definiert Ihr diese?

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9 Antworten

Hallo,

Verschwörung ist ein ganz normaler Begriff der in jeder Debatte genutzt werden kann. 

Die Begriffe "Verschwörungstheorie" oder "Verschwörungstheoretiker" sind allerdings Begriffe einer der wohl erfolgreichsten CIA Kampagnen die es je gab. 

Diese wurden in den 1960er Jahren entwickelt um Leute zu diffamieren und als unglaubwürdig darzustellen. Dies wird auch heute noch extrem erfolgreich gemacht.

Heute wird sehr schnell jmd der ein kritisches Thema anspricht oder ein Thema was der vergebenen politischen Meinung widerspricht, ohne mit der Wimper zu zucken als Verschwörungstheoretiker bezeichnet und pauschal in die gleiche Ecke wie Holocaustleugner gestellt was natürlich vollkommen unpassend ist.
Ziel ist es nur die Argumente des anderen so zu brandmarken das seine Aussagen niemand Ernst nimmt und das funktioniert noch heute hervorragend. 

Leute die diese Begriffe benutzen sind die, bei denen die CIA Kampagne vollen Erfolg hatte.

In sinnvollen Debatten haben diese jedenfalls nichts zu suchen und jeder der diese benutzt ist als Diskussionspartner leider nicht Ernst zu nehmen.

Mfg

Danke für die ausführliche Antwort, hilft mir einen großen Schritt weiter!

Ist es eigentlich eine Verschwörung, wenn sich z.B. zwei Ganoven zu einem Überfall auf die Sparkasse verabreden?

Ist es eine Verschwörung, wenn in einer größeren Gemeinschaft (Verband, Partei, Großunternehmen) ein paar Personen zusammen eine Seilschaft bilden?

Ist es eine Verschwörung, wenn ein Junggeselle verkuppelt werden soll, also seine Freunde sich geheim absprechen und er davon nicht mitbekommt?

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Die Begriffe "Verschwörungstheorie" oder "Verschwörungstheoretiker" sind allerdings Begriffe einer der wohl erfolgreichsten CIA Kampagnen die es je gab. 

Der Begriff 'Verschwöungstheorie' wurde erstmals im 19. Jahrhundert verwendet, währen die CIA belanntlich erst nach 2. WK gegründet wurde.

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@PatrickLassan

Vielen Dank, da haben wir es doch:

"As a neutral term, "conspiracy" is derived from Latin con- ("with, together") and spirare ("to breathe").
According to John Ayto's 20th century words, the phrase conspiracy theory was originally a neutral term and only acquired a pejorative connotation in the mid 1960s, implying that the advocate of the theory has a paranoid tendency to imagine the influence of some powerful, malicious, covert agency in events."

Vom neutralen Begriff zum Schmähbegriff.

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@PatrickLassan

Aber schon bei der angeblichen Catilinarischen Verschwörung waren die römischen "Verschwörungstheoretiker" am Werk.

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@HolgerSchneider

Du erlaubst mir trotzdem meine Bemerkung, die darauf abzielt, dass es Spinner schon immer und überall gab?

;-)

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@earnest

Ausnahmsweise lasse ich Ihnen die Bemerkung mal durchgehen. Aber fragen Sie mich beim nächsten Mal vorher um Erlaubnis, wenn Sie einen Kommentar abschicken wollen.

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Nein, der gewandelte Begriff dient heute eher dazu, Gesponnenes als Gesponnenes und  Spinner als Spinner zu kennzeichnen.

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@earnest

und dies ist falsch und kann von jedem innerhalb von 10 Minuten widerlegt werden der sich die Mühe machen möchte. 

Jeder, abgesehen von dir natürlich, der sich mit dem Begriff und seinem Einsatz beschäftigt findet das heraus. Vielleicht sollten du und Archibaldesel einfach mal mehr lesen .. würde euch sicher nicht schaden.

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@W4hrheitsf1nder

Die Realität ist mal wieder komplizierter. Das Wort wird oft als Totschlagargument verwendet und trifft zugleich manchmal zu.

Längst nicht jeder, der als Verschwörungstheoretiker bezeichnet wird, ist in Wahrheit unschuldiges Opfer einer Kampagne. Er kann auch wirklich ein Spinner oder Schlimmeres sein, etwa ein übler Verleumder, der z.B. Gewalt gegen ethnische Minderheiten befeuern will.

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@SlowPhil

Das ist ad hominem. Gewaltaffinität kann es in den verschiedensten Gruppierungen geben. Jemand kann z.B. auch Verschwörungsleugner sein und sich an dem Überfall der USA auf Libyen ergötzen.

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Seriosität und Sachlichkeit  Ich vermute, mit „seriös“ meinst Du vor allem „sachlich“.

Natürlich beschränkt sich Seriosität nicht nur auf Sachlichkeit, etwa das Unterlassen von ad-hominem-Argumenten oder auch Autoritätsargumenten.
Sie impliziert auch, dass die Beteiligten keine rhetorischen Winkelzüge machen und so auf gleichsam betrügerische Weise einer eigentlich schlecht begründeten Position zum „Sieg“ verhelfen.

Merkmale statt „Definiton“  Ich glaube nicht, definieren zu können, was genau eine seriöse kontroverse Debatte ausmacht (sie muss nicht unbedingt politisch sein), aber es gibt gewisse Merkmale, die dafür oder dagegen sprechen, dass die Debatte seriös ist.

Nun direkt zur Frage

Sowohl das Wort „Verschwörung“ - oder Umschreibungen davon - im Sinne eines Vorwurfs gegen einen Diskussionsgegner einerseits als auch das Wort „Verschwörungstheorie“ in dem Sinne, dass man einen Verdacht oder Vorwurf als solche, bildlich gesprochen, „ungeöffnet in den Papierkorb wirft“, ist mit Vorsicht zu genießen und kann die Seriosität einer Debatte sowohl stören als auch zerstören.

Immerhin kann es ja sehr wohl Verschwörungen geben und können Vorwürfe und ein Verdacht - insbesondere gegenüber mächtigen Personen und Gruppen (womit ich solche meine, die zweifellos mächtig sind, nicht solche, denn man Macht zuschreibt) - durchaus auch zutreffen. 

So können Terroranschläge und Putschversuche durchaus auch schon mal das Werk von Regierungen oder Geheimdiensten sein und dazu dienen, den Abbau von Bürgerrechten zu legitimieren.

Das ist aber nicht einmal erforderlich. Es mag Fälle geben, in denen eine autoritäre Regierung sich mit echten militante Regierungsgegnern regelrecht gegen die Zivilgesellschaft verschwört. Letztere verüben Anschläge, unter denen alle möglichen Bürger zu leiden haben und die Regierung am wenigsten, erstere verübt Staatsterror - der ebenfalls vorwiegend friedliche, wenn auch oppositionelle Bürger trifft - und liefert den militanten Gruppen eine Existenzberechtigung.

Die geheimste denkbare Verschwörung  Und das muss nicht einmal eine klassische Verschwörung in dem Sinne sein, dass Vertreter der Regierung und der militanten Gruppen miteinander sprächen.Ich persönlich finde es beispielsweise ziemlich gleichgültig, ob das abgekartet ist oder nur so funktioniert, als wenn es abgekartet wäre.

Eine solche Konstellation halte ich für eine Verschwörung, die so geheim ist, dass nicht einmal die Akteure (die Terroristen auf staatlicher und antistaatlicher Seite) selbst sich darüber im Klaren sind, das sie einer angehören.

"Es mag Fälle geben, in denen eine autoritäre Regierung sich mit echten militante Regierungsgegnern regelrecht gegen die Zivilgesellschaft verschwört. Letztere verüben Anschläge, unter denen alle möglichen Bürger zu leiden haben und die Regierung am wenigsten, erstere verübt Staatsterror - der ebenfalls vorwiegend friedliche, wenn auch oppositionelle Bürger trifft - und liefert den militanten Gruppen eine Existenzberechtigung."

Mal so als Gleichnis dazu: Der Betreiber eines Restaurants bekommt Besuch von Möbelzerlegungsfachkräften, die er gar nicht bestellt hat. Einige Zeit später kommen adrett gekleidete Herren, die echtes Mitleid mit dem geplagten Wirt zeigen, ihm für die Zukunft Schutz anbieten. Sie bitten den Wirt um Spenden für eine Wohltätigkeitsorganisation.

Der geplagte Wirt gründet zusammen mit anderen Restaurantbetreibern eine Bewegung der Möbelzerlegungsfachkräftekritik. Diese wird angeführt von einem feinen eloquenten Herren, der Mitglied der Ehrenwerten Gesellschaft ist.

Der Pate selber - er gilt als großer Philanthrop - spendet großzügig an die Organisation der Möbelzerlegungsfachkräftekritiker.

Den ganzen Beitrag finde ich überaus wertvoll! Mit einer Ausnahme:

Wenn die Kräfte A und B zusammen etwas bewirken (Funktionalität), es zwischen diesen aber keine geheimen Absprachen gibt, finde ich es absurd, dann von einer Verschwörung zu reden.

Die Richter profitieren von den Ganoven. Gäbe es unter uns überhaupt keine bösen Buben, dann wären die Richter arbeitslos.

Gibt da aber keine Verschwörung, die Richter und die Ganoven haben sich nicht geheim abgesprochen.

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@HolgerSchneider

Es ist vielleicht etwas missverständlich formuliert. Natürlich gibt es keine Strafrichter-Kriminellen-Verschwörung, nur weil Strafrichter ohne die Kriminellen arbeitslos wären - schon deshalb nicht, weil die Kriminellen nicht von den Strafrichtern profitieren.

Was ich im Beispiel der - ich sag's mal etwas plakativ - Tyrannen-Terroristen-Verschwörung meine, ist so etwas wie eine „effektive Verschwörung“ aus Dummheit, aus Zynismus oder aus beidem, vielleicht auf unterschiedlicher Seite bzw. unterschiedlicher Akteure.

Der Terror der Regierung wird über die Terroranschläge militanter Oppositioneller legitimiert, trifft aber praktisch ausschließlich Bürgerrechtler, Journalisten, sachliche Oppositionelle etc., während das so einen Terroristen in seinem Unterstand gar nicht kratzt.

Dessen „bewaffneter Kampf“ wird über die Repressionen der Regierung legitimiert, trifft die aber so gut wie gar nicht, im Gegenteil, er stabilisiert sie sogar. Leidtragende sind hauptsächlich kleine Beamte und deren Angestellte.

Jede der beiden Seiten kann - zumindest bei seiner Klientel - die Handlungen der anderen nutzen, um Kritiker mundtot zu machen.

Es ist ähnlich wie in „1984“, wo sich drei Superstaaten gegenseitig bekriegen und gerade dadurch - auf Kosten der Bevölkerung sowohl in den Staaten selbst als auch - natürlich - in den umkämpften Gebieten - die interne Struktur in allen drei Staaten stabilisieren.

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Bei "Verschwörungstheoretikern" untereinander kann es zu einer seriösen kontroversen Debatte werden.

Eine seriöse Debatte zwischen Verschwörungstheoretikern und denen, deren Erklärungen für eine Verschwörung gehalten werden, ist nicht möglich, weil dies bereits ein Paradoxum wären.

Wichtig ist, sich darüber klar zu sein, was man mit "Verschwörungstheorie" meint. Nicht alles, was als eine solche bezeichnet wird, ist auch eine.

Häufig werden Erklärungen zu einer Sache geliefert, die in sich selbst unschlüssig sind oder Argumente enthalten, die sich gegenseitig ausschließen oder die offensichtlich und unzweifelhaft unlogisch sind.

In solchen Fällen entstehen Gegenansichten, die dann in "Verschwörungstheorien" als Totschlagargument umgetauft werden, wenn den Urheben unsinniger Erklärungen keine weitere passende Ausrede mehr einfällt. Derartige Verschwörungstheorien haben nicht wirklich das Element "Verschwörungsvermutung" in ihrem Kern, sondern das Wesen ist das Aufdecken und Hinterfragen von Unstimmigkeiten, um ersatzweise über den Umweg "Spekulation" eventuell zu einem eher nachvollziehbaren Ergebnis zu kommen.

Daneben gibt es aber auch andere "Verschwörungstheorien", die diese Bezeichnung deshalb nicht verdient haben, weil sie schon in ihren ersten Ansätzen durch unsinnige Argumente glänzen und sich quasi schon bei ihrem Entstehen selbst neutralisieren bzw. selbst in die Bereiche "Märchen" und "dauerhaft gewarteter Schwachsinn" einordnen.

"Wichtig ist, sich darüber klar zu sein, was man mit "Verschwörungstheorie" meint. Nicht alles, was als eine solche bezeichnet wird, ist auch eine."

EIGENTLICH könnte man es so definieren:

Verschwörung: jede geheime Absprache, jede geheime Agenda.

Verschwörungstheorie: jede Theorie, die sich mit einer geheimen Absprache oder geheimen Agenda befaßt.

Beispiel: Einige Bierbrauer verschwören sich zu einem illegalen Preiskartell. Die Verschwörungstheoretiker (Wirtschaftsfahnder) kommen den Verschwörern jedoch auf die Schliche, die dann vom Bundeskartellamt verknackt werden.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/bierbrauer-affaere-die-wichtigsten-fakten-ueber-das-preiskartell-a-943254.html

UNEIGENTLICH gibt es aber keine Einigkeit, was unter diesen Begriffen zu verstehen ist.

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@HolgerSchneider

"UNEIGENTLICH gibt es aber keine Einigkeit, was unter diesen Begriffen zu verstehen ist."

Die Ursache für die fehlende Einigkeit sehe ich u. a. auch darin, daß jeder Staat innerhalb seiner Gesamtstruktur auch irgendwelche Regelungen hat, die einige solcher Verschwörungsformen mehr oder weniger zu legalisieren versuchen.

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Du hast einen widerspruch in deiner Frage... Verschwörung ist ein Totschlagargument, das eine Debatte erstickt und nicht fortführt. Ungefähr so sinnvoll wie Hittler Vergleiche. Klar gibts einigen Blödsinn wie z.B: die Chemtrail-Theorie allerdngs führt man Debatten nur mit Argumenten oder Floskeln und nicht mit Totschlagargumenten.

Bei EINIGEN Theorien - Flache Erde oder Reptiloiden - habe ich den Verdacht, daß diejenigen, die diesen Quatsch in die Umlaufbahn gesetzt haben, gar nicht daran glauben, sondern nur gezielt Desinformation betreiben.

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@rlstevenson

Da muß unterschieden werden zwischen Desinformanten, die mutwillig Unfug verbreiten und den Leuten, die auf diesen Quatsch hereinfallen.

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@HolgerSchneider

Das habe ich auch schon in Hinblick auf die Area 51 immer angenommen. Wenn man militärische Projekte verschleiern will, gibt es kaum einen besseren Weg dazu, als eine „Ersatztheorie“ zu lancieren (abgestürzte Außerirdische) und dann massiv zu dementieren und als Quatsch abzutun - was viele Menschen dazu bringt, genau diese lancierte „Theorie“ als einer vermeintlich von der Regierung unter den Deckel gehaltene zu glauben.

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…allerdngs führt man Debatten nur mit Argumenten … und nicht mit Totschlagargumenten.

Grundsätzlich richtig, aber das setzt voraus, dass der Diskussionsgegner auch Argumente akzeptiert und selbst bereit ist, welche zu bringen.

Ansonsten: Viel Spaß und vor allem viel Erfolg beim Diskutieren!

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@SlowPhil

Das war ja erstens nicht die Frage und zweitens gings mir ja darum, selbst auf Debatten Niveau zu bleiben. Wenn der "Kontrahent" dann eben sich nicht drauf einlässt und solche Argumente bringt ist das ja nicht mein Problem.

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Verschwörungstheorien sehen eine Gruppe von Tätern für ein bestimmtes Ereignis verantwortlich ohne es belegen zu können.

In extremen Fällen sind auch alle rationalen Belege gegen die Verschwörung ein Teil dieser Verschwörung. Wodurch es zu einer Art Immunisierung kommt.

Verschwörungstheorien sind umso irrationaler je größer der Aufwand für die Durchführung der Verschwörung wäre. Für die 9/11 Verschwörung bräuchte man wohl Tausende von Verschwörer von denen kein einziger als Zeuge aussagen dürfte.

Für typische Verschwörungstheorien halte ich den Abschuss des  Kaczynski-Flugzeugs durch Russland oder die Ermordung von Litvinenko wegen angeblicher Filmaufnahmen von Putins pädophilen Neigungen.

"die Ermordung von Litvinenko wegen angeblicher Filmaufnahmen von Putins pädophilen Neigungen."

Und genau da geht das Problem los! Da liegt also ein Kriminalfall vor.

Gibt z.B. die Verschwörungstheorie, daß ein Zuhälter, der sich in der Lüneburger Heide erhängt hat, von einer Zuhälterbande dazu gezwungen worden sein soll.

Es gibt eine lange Liste von Kriminalfällen, die niemals aufgeklärt werden konnten.

Daraus folgt, daß wir wohl mit Theorien leben müssen, die niemals falsifiziert und niemals verifiziert werden können.

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@HolgerSchneider

Der Putinkritiker Litvinenko wurde ja tatsächlich ermordet. Und der Fall wurde nie aufgeklärt. Außer ein Video in dem Putin einen Knaben auf den Bauch küsst hatte er aber wohl keine belastbaren Beweise.

Ich finde es deshalb etwas albern diese und ähnliche Verschwörungstheorien zu verbreiten. Wobei bestimmte Internetauftritte und YouTube ja auch nicht gerade seriöse Quellen sind.

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@Geraldianer

Mal angenommen, es liegt ein riesengroßer politischer Skandal vor. Und dieser darf nicht restlos aufgeklärt werden. Dann ist es doch nicht albern, sondern intelligent, jede Menge schwachsinnige Theorien in die Umlaufbahn zu bringen zwecks Desinformation, erstens um Nebel zu erzeugen und zweitens um alle zu diskreditieren, die hier nachforschen.

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@HolgerSchneider

Nun - in Russland, Polen, der Türkei und neuerdings in den USA bastelt die Staatsführung ja gern an den verschiedensten Verschwörungstheorien.

Damit beabsichtigt man schon Desinformation. Es scheint mir aber auch eine gewisse Gruppe von Leuten zu geben die solche Theorien begierig aufsaugen.

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Schaut man einmal auf die Kinderschänderskandale innerhalb der kath. Kirche, dann gab es da einen riesigen Kreis Mitwisser, und dennoch galt das alles so lange überwiegend als Verschwörungstheorie, bis irgendwann endlich einmal genügend klare Fakten an die Öffentlichkeit gelangten.

Sicher gibt es auch noch diverse andere Dinge, bei denen es eine sehr große Anzahl an Mitwissern gab. Die Anzahl selbst ist also längst nicht in jedem Fall ein brauchbares Kriterium dafür, ob etwas wirklich stattgefunden hat oder "nur" eine Verschwörungstheorie ist.

Ebenso würde es seltsam anmuten, eine Überlegung nur deshalb nicht in Umlauf zu bringen, weil man gegenwärtig keine weiteren erhärtenden Fakten findet. Auf diese Weise könnte dann nämlich fast kein Skandal mehr aufgedeckt werden.

Sog. Verschwörungstheorien haben also durchaus auch einen praktischen Nutzen. Und letztlich beginnen sogar jede Menge kriminalpolizeilicher Ermittlungen mit zunächst frei in den Raum gestellten Vermutungen.

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@Dxmklvw

Es wäre nett, wenn Du mal Quellen benennst, wann und wo der sexuelle Missbrauch in der katholischen Kirche als Verschwörungstheorie gehandelt wurde. Mir ist in diesem Zusammenhang der Begriff noch nicht vorgekommen.

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@Dxmklvw

"Sog. Verschwörungstheorien haben also durchaus auch einen praktischen Nutzen. Und letztlich beginnen sogar jede Menge kriminalpolizeilicher Ermittlungen mit zunächst frei in den Raum gestellten Vermutungen."

Bei echten, investigativen Journalisten und bei den Wirtschaftsfahndern sieht es ähnlich aus.

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@Dxmklvw

Eine Verschwörungstheorie zum Missbrauch in der katholischen Kirche habe auch nicht gelesen oder gehört.

Auch investigativer Journalismus, wie bei den Panama Papers oder Erfolge von Wirtschaftsfahndern haben mit typischen Verschwörungstheorien nichts zu tun.

Wobei Verschwörungstheoretiker dazu neigen, nur Einwände gegen bestehende Argumente zu liefern. Aus merkwürdigen Gründen liefern sie aber nie positive Belege.

Beispielsweise bei 9/11 wäre es sicher leicht, Überlebende von Flugzeugabstürzen oder Beteiligte an den Sprengungen zu finden.

Ebenso wie es Zeugen der Filmaufnahmen für die Mondlandung und physikalische Erklärungen für die flache Erde einfach nie geben wird.

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@Geraldianer

"Auch investigativer Journalismus, wie bei den Panama Papers oder Erfolge von Wirtschaftsfahndern haben mit typischen Verschwörungstheorien nichts zu tun."

Geht es da dann um untypische Verschwörungstheorien?

Es kommt halt darauf an, wie "Verschwörungstheorie" definiert wird.

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@HolgerSchneider

Die Steueroasen haben doch wie die Missbräuche in der katholischen Kirche keinen Bezug zu Verschwörungen.

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@Geraldianer

Wirtschaftsfahnder müssen sich u.a. mit geheimen Absprachen wie z.B. illegalen Ausschreibungs- oder Preiskartellen befassen.

Warum sollte man das Geheimhalten von Pädokriminalität nicht unter dem Begriff Verschwörung verbuchen?

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@HolgerSchneider

Warum sollte man das Geheimhalten von Pädokriminalität nicht unter dem Begriff Verschwörung verbuchen?

Zunächst gibt es in Bezug auf Herrn Putin nur Behauptungen, keine belastbaren Hinweise. Ich finde es albern, wegen solcher vagen Gerüchte den Mann zu bezichtigen. Manche Leute scheinen ja direkt einen Drang zu haben nicht bewiesene Behauptungen als "Geheimwissen" zu erachten.

Sollte an den Gerüchten etwas dran sein, so hat er sicher Möglichkeiten die Tatsachen unter Verschluss zu halten. Das ist aber keine Verschwörung.

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@Geraldianer

Jeder kann doch beliebige Aussagen tätigen, wenn keine Einigkeit über die Begriffe "Verschwörung" und "Verschwörungstheorie" herrscht.

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Eine Verschwörungstheorie ist an sich nichts Schlechtes. Es ist schlicht eine theoretische Überlegung bezüglich einer möglichen Verschwörung.

Ein "Verschwörungstheoretiker" ist also ein Denker.

Allerdings wird "Verschwörungstheoretiker" genau wie "Gutmensch" gerne als Kampfbegriff benutzt um politische oder argumentative Gegner zu diffamieren.

Nein.

Der Begriff wird auch von "normalen Menschen" für diejenigen Zeitgenossen verwendet, die hinter jedem Busch eine Verschwörung sehen.

Mit "Gutmensch" und "diffamieren" bringst du hier einen meiner Ansicht nach falschen Zungenschlag in die Debatte.

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@Derrenfer

Gut gesehen. Stimmt.

Dort verwendete ich den Gegensatz "Fundamentalist" (im Sinne von unangenehmem Missionartum) versus "Normal(Verbraucher)".

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Der Begriff "Verschwörungstheorie" ist ein politischer Kampfbegriff, Totschlagargument und Teil der psychologischen Kriegführung. Er wurde das erste mal 1967 nach dem Kennedy-Attentat von der CIA benutzt, um Kritiker der Warren-Kommission zu verunglimpfen.

Mit politischen Kampfbegriffen und Totschlagargumenten kann man keine seriöse Debatte führen.

"Teil der psychologischen Kriegführung"

Wikipedia liefert dazu einen kleinen Artikel:

"Der Begriff „psychologische Kriegsführung“ gilt als problematisch und anstößig. Der Einsatz von Militärmacht erstreckt sich zunehmend nicht mehr auf die Ebene des lokalen kriegerischen Konfliktes, sondern er globalisiert sich durch die Massenmedien. Häufig operiert man daher mit euphemistischen Begriffen wie „Befriedung“ oder „Stabilisierung“ in Spannungs- oder Konfliktgebieten (z. B. UN-Friedensmissionen), und bemüht sich, die bislang unverhüllte Terminologie entsprechend zu wandeln."

https://de.wikipedia.org/wiki/Psychologische_Kriegsf%C3%BChrung

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@HolgerSchneider

Danke für den Link. Na da haben sich die Wikifanten ja wieder was zurechtgewurstelt. Was an dem Begriff "anstößig" also unschicklich/  obszön/ unanständig sein soll, das wissen die wahrscheinlich selber nicht.

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@Hegemon

"Wikifanten" ist ja lustig! Habe ich noch nie gehört. Politische Neutralität kann man da wohl nicht erwarten. Stimmt, "anstößig" geht gar nicht. Eine Tatsache ist einfach nur eine Tatsache.

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@HolgerSchneider

Die Benutzung des Begriffes "Wikifanten" ist doch Teil einer Verschwörungstheorie, Holger.

Die Wikifanten aus alller Welt haben sich zusammengetan, um dir und mir Elefantendung, ähm, Sand in die Augen zu streuen.

;-)

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@earnest

Ihr Verschwörungsleugner habt einen köstlichen Humor. Bin ja immer der Meinung, daß eine gelungene Scherzeinlage am Rande ein dröges Gespräch ungemein auflockern kann.

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@HolgerSchneider

Auch "Verschwörungsleugner" ist ein "eingefärbter" Begriff. 

Das meine ich jetzt zur Abwechslung mal ganz ernst.

Außerdem: Ich mag mich von dir nicht in eine Schublade packen lassen.

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@earnest

"Verschwörungsleugner" ist eine polemische Retourkutsche auf den Kampfbegriff "Verschwörungstheoretiker".

Ich habe schon jede Menge Verschwörungsleugner kennen gelernt, samt und sonders Karnevalisten, ohne Ausnahme.

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@HolgerSchneider

Hoppla, da ist ja schon wieder ein Beitrag von mir verschwunden.

Da geschätzte 95% der "Verschwörungstheorien" reine Fantasie sind, ist der Begriff "Verschwörungsleugner" ja geradezu als wertschätzendes Kompliment zu verstehen.

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@HolgerSchneider

"Verschwörungsleugner" ist eine polemische Retourkutsche auf den Kampfbegriff "Verschwörungstheoretiker".

'Veschwöungsleugner' ist ein Begriff, der nicht zutrifft, wenn damit Skeptiker gemeint sein sollen. Er impliziiert, dass jemand die Existenz einer Verschwörung leugnet, was nicht zutrifft.

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@PatrickLassan

Aber vielleicht war es ja eine Verschwörung, dass hier mehrere meiner Beiträge verschwanden - Beiträge eines "Verschwörungsleugners"...?

;-)

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@PatrickLassan

Skeptiker ist damit nicht gemeint. Verschwörungsleugner werfen alle Theorien in einen Topf, stellen ungeniert Schwachsinn ala Flache Erde oder Reptiloiden neben Angelegenheiten wie die Ermordung von JFK oder 9/11 um so jede mißliebige, nicht hilfreiche Theorie diskreditieren zu können..

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@HolgerSchneider

Nein, das ist nicht so.

Aber es ist offensichtlich sinnlos, mit dir zu diskutieren.

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@Derrenfer

Das ist Grundlage, daß ich Yogeshwar zu den Verschwörungsleugnern zähle.

Der Aluminiumhutträger Sebastian Bartoschek fiel mir schon mit einigen älteren Vorträgen auf, so vor drei oder vier Jahren.

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@HolgerSchneider

das kann ich sogar teilweise nachvollziehen. Wenn er mal erwähnt, dass eine solche Theorie sich als wahr entpuppt hat, dann immer nur sehr kurz und ohne weitere Einordnung.
Ich finde den Beitrag auch ziemlich schwach. Aber diese Schwäche rührt aus ihrer allgemeinen Definition von Verschwörungstheorien und dass sie sie nur auf ziemlichen Unfug anwenden.
Lesch wiederum spricht in einem seiner Vorträge effektiv davon, dass das Geldsystem von einigen wenig Raffkes kontrolliert wird, die den Planeten bewusst an die Wand fahren lassen, um sich schamlos zu bereichern. Damit kann er wohl kaum Verschwörungsleugner sein.
Bei Yogeshwar klingt so ein wenig durch, dass der Angriff auf Pearl Harbor nicht von den USA bewusst zugelassen wurde.
Die gehen eben viel zu wenig auf die feinen Unterschiede zwischen vernünftigen und unvernünftigen "Verschwörungstheorien" im Sinne ihrer eigenen groben Definition ein.
Schwach von Yogeshwar, in der Tat.

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@HolgerSchneider

Zum Beispiel gibt es immer noch Leute, die glauben, vor Gericht gehe es nach rechtsstaatlichen Grundsätzen zu. Die Realität ist jedoch eher, dass die Staatsanwaltschaft und die Richter gemeinsame Sache machen, um das Recht zu beugen. Das ist durch Richterzitate viel zu gut belegt.
Das wäre zum Beispiel gemäß Bartoschek eine Verschwörungstheorie. Nur, dass sie halt stimmt.

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@Derrenfer

"Wenn er mal erwähnt, dass eine solche Theorie sich als wahr entpuppt hat, dann immer nur sehr kurz und ohne weitere Einordnung."

Der Witz ist einfach der: Wenn eine Theorie A unabhängig ist von einer anderen Theorie B, dann sind beide Theorien getrennt voneinander zu überprüfen.

Theoretisch könnte man ja auch eine Sendung machen über zehn verschiedene Verschwörungstheorien, die im Laufe der Zeit verifiziert wurden. Die Auswahl ist ein zweiter Witz.

Alle guten Dinge sind drei, noch ein Witz: Allgemein auftretende menschliche Mängel einer Gruppe zu unterstellen. Das Phänomen des Rosinenpickens findet man z.B. an allen möglichen Orten. 

"Lesch wiederum spricht in einem seiner Vorträge effektiv davon, dass das Geldsystem von einigen wenig Raffkes kontrolliert wird, die den Planeten bewusst an die Wand fahren lassen, um sich schamlos zu bereichern."

Tja, es gibt den Primat des Finanzwesens über die Wirtschaft und Politik findet nicht statt. Das ist bedauerlich und gefährlich.

In genau umgekehrter Reihenfolge wäre einiges zu retten.

"Damit kann er wohl kaum Verschwörungsleugner sein."

Lesch hat mich mal mit einem Vortrag über die Psychologie der Verschwörungstheoretiker auf die Palme gebracht, muß noch ein bißchen weitersuchen, finde es nicht auf Anhieb.

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@Derrenfer

Bei Verschwörungstheorien gibt es einen zeitlichen Verlauf.

Zeitpunkt I): Jemandem liegt etwas schräg im Magen. Hier: Mutmaßung, daß es an den Gerichten nicht ordentlich zugeht.

Zeitpunkt II): Dieser jemand stellt auf der Grundlage von Indizien seine Verschwörungstheorie (Arbeitshypothese) auf. Hier: Richter und Staatsanwaltschaft stecken unter einer Decke.

Zeitpunkt III): Möglicherweise läßt sich diese Verschwörungstheorie verifizieren.

Wenn das der Fall ist, war es das mit der Verschwörungstheorie, es läge dann eine Tatsache vor.

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@HolgerSchneider

was mir hier beim Lesen, auch im Flat Earth Thema auffällt, ist, dass die meisten hier "Verschwörungstheorie" für Theorien verwenden, in denen außerirdische Agenten oder Geheimgesellschaften eine bösartige Absicht unterstellt wird, sich die Menschen "Untertan zu machen".
Ich glaube in diesem Sinne verwenden die meisten Leute den Begriff. Und das hat für z.B. nicht denselben Stellenwert wie z.B. die Theorie dass Kennedy aufgrund irgendwelcher politischer Entscheidungen von irgendwelchen Agenten ermordet wurde (also indrekt).
Die Frage ist halt, wo man die Grenze zieht. Und da sind Yogeshwar und Bartoschek in der Tat auf einem Holzweg, wenn sie nicht strenger differenzieren.

Die prinzipielle Offenheit, die Sie hier propagieren, ist z.B. den Physikern im Flat Earth Thread quasi in die Wiege gelegt. Sie schauen dann verwundert, wie jemand eine Gleichsetzung von solchen Theorien und abstrusen Spinnereien gewaltsam herbeiführen will - und lehnen das ab. Weil das eben, und das werden Sie an der irrigen Rezeption Ihrer Beiträge auch bemerkt haben, den Verdacht weckt, man wolle so Theorien wie die Flat Earth erhöhen.

In der Politik wird das oft als Kampfbegriff verwendet, wie z.B. die Behauptung, die USA fingiere Kriegsgründe, was historisch absolut bewiesen ist. Die USA haben es sich selbst zuzuschreiben, wenn Leute ernsthaft denken, 9/11 wäre ein Inside Job gewesen, weil sie solche Sachen eben nachweislich gemacht haben.
Wenn Yogi und Barto das auf die Ebene von Reptiloiden runterziehen bin ich auch dagegen. Sie rennen also offene Türen ein, machen das aber auf eine Art und Weise, dass Sie die anderen gleich als wasweißich labeln müssen, während diese anderen den Begriff eventuell gar nicht so verwenden wie Yogi und Barto.
Nur bevor es zu dieser Klärung kommen kann, fangen bei Ihnen schon Bezichtigung und Polemik an. Und dagegen wehren sich die Leute.
Ich würde hier mal meine Taktik überdenken. Sie setzen viel zu schnell auf Konfrontation und Projektion, anstatt den Leuten die Möglichkeit zu geben, intelligent zu sein. Und diese Chance kriegen Sie dann umgekehrt auch nicht, so dass das Ganze oft einfach so wirkt, als würden Sie es zwanghaft auf verbale Massaker anlegen. Das ist das "Wie", das ich dauernd kritisiere.

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@HolgerSchneider

https://www.youtube.com/watch?v=\_c5PvPfcdus

zum Beispiel. Wenn man ihm genau zuhört, macht er anfangs den Begriff eng, aber eben nicht eng genug. Zum Beispiel würde er mein Richter-Beispiel wahrscheinlich nicht als Verschwörungstheorie bezeichnen, sondern als eine Sauerei. Er hat eben mehr so Chemtrails und sowas vor Augen, weil solche Dödel seinen Kanal vollspammen. Zum Beispiel über die Mondlandung.

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@Derrenfer

"Und das hat für z.B. nicht denselben Stellenwert wie z.B. die Theorie dass Kennedy aufgrund irgendwelcher politischer Entscheidungen von irgendwelchen Agenten ermordet wurde (also indrekt).
Die Frage ist halt, wo man die Grenze zieht. Und da sind Yogeshwar und Bartoschek in der Tat auf einem Holzweg, wenn sie nicht strenger differenzieren."

So sehe ich das auch.

"Die prinzipielle Offenheit, die Sie hier propagieren ..."

Verstehe ich nicht. Schon aus zeitökonomischen Gründen kann ich nicht prinzipiell grenzenlos offen sein gegenüber Desinformationsdünnsinn wie Theorien über Reptiloide oder die Flache Erde.

Mal drastisch formuliert: Wenn unsere Herren und Gebieter die ganze Landschaft mit Informationen zuscheiXXen bis zum Anschlag, und wir für JEDE Nachricht offen sind, dann haben wir von vorneherein verloren.

"... das werden Sie an der irrigen Rezeption Ihrer Beiträge auch bemerkt haben, den Verdacht weckt, man wolle so Theorien wie die Flat Earth erhöhen."

Jo mei. Ich habe fünf, sechs, sieben Male geschrieben, daß ich die Flache-Erde-Theorie für böswillige Desinformation halte. Mehr kann ich da auch nicht leisten. Jeder besitzt trotzdem das Recht, anzunehmen, daß ich insgeheim anderer Meinung bin. Zur Meinungsfreiheit gehört auch, Beliebiges imaginieren zu dürfen.

"In der Politik wird das oft als Kampfbegriff verwendet, wie z.B. die Behauptung, die USA fingiere Kriegsgründe, was historisch absolut bewiesen ist."

Korrekt. Da gibt es eine längere Liste. Pars pro toto:

https://de.wikipedia.org/wiki/Tonkin-Zwischenfall

"Nur bevor es zu dieser Klärung kommen kann, fangen bei Ihnen schon Bezichtigung und Polemik an. Und dagegen wehren sich die Leute."

Es sei Ihnen unbenommen, hier die Fürsprecherin der Leute - Foristengemeinschaft in diesem Forum - zu geben.

Ich halte mich da lieber heraus. Bei mir liegt kein persönliches Interesse vor, an solchem privaten Psychokram teilzunehmen. Mein Interesse ist rein inhaltlich.

Mit den zahlreichen Antworten auf meine Frage bin ich sehr zufrieden. Ich habe hier viel darüber erfahren, wie unterschiedlich doch die Begriffe "Verschwörung" und "Verschwörungstheorie" gewertet werden.

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Dass etwas als Kampfbegriff benutzt wird, bedeutet nicht, dass es nicht auch real existieren könne. 

Das kann man am Beispiel des Rassismus sehen. Den gibt es eindeutig, denn es gibt ja Leute, die ganz offen Menschen in „wertvollere“ und „weniger wertvolle“ einteilen, und zwar auf Grundlage eines Merkmals, dass sie als „Rasse“ bezeichnen (ob es so etwas biologisch gibt, ist unerheblich).

Wenn jedoch jemand, der eine bestimmte Weltanschauung ablehnt (z.B. eine Religion), deshalb als Rassist bezeichnet wird, so wird das Wort damit zum Kampfbegriff.

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@SlowPhil

Was machen wir dann mit so gut wie jedem Fernasiaten, der mit Seinesgleichen, also anderen Japanern, Chinesen, Koreanern, in seinem Land zusammenleben will?

Übrigens ist der implizite Rassismus wissenschaftlich bewiesen. Werden den Probanden Photographien von Fremden gezeigt, zeichnet sich eine negative Reaktion im Mandelkern ab. Das ist auch bei Säuglingen schon so.

Eingeführt hat den Begriff Rassismus übrigens der Massenmörder Trotzky.

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Genau das kann man mit den Begriffen nicht. Es handelt sich bei Verschwörungstheorien nämlich in 99,9% der Fälle um Hirngespinste von Paranoikern. Und das ist das Gegenteil von "seriös".

So war meine Frage nicht gestellt. Wenn eine seriöse Debatte - nehmen wir als Beispiel mal eine Auseinandersetzung zwischen Libertären und Sozialisten, die politisch ziemlich weit auseinanderliegen - geführt wird, darf innerhalb dieser der Meinungsopponent mit dem Begriff "Verschwörungstheoretiker" belegt werden?

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@HolgerSchneider

Wenn er seine vorgebrachten Fakten nicht zweifelfrei beweisen kann, sondern nur diffus in den Raum stellt, darf man.

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@archibaldesel

Verstehe ich nicht. Wenn jemand Unfug erzählt, zum Beispiel gänzlich verkehrte Angaben über unser BSP macht oder den Stand der Staatsverschuldung, was hat das dann mit "Verschwörungstheoretiker" zu tun?

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@HolgerSchneider

Archibaldesel ist auch ein Meister darin zu pauschalisieren und zu übertreiben, insofern solltest du seine Antworten einfach ignorieren.

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Nein, finde ich nicht.

Das Problem ist psychologischer Natur: Dinge, die uns ganz und gar absurd vorkommen, klassifizieren wir als Verschwörungstheorie. Im Mittelalter war die Verschwörung, dass einige Ketzer die Erde als "rund" bezeichnet haben. Und es war allen Leuten sonnenklar, dass das nur ein Irrtum sein KANN. Heute ist es genau anders herum.

Klar kann man den Anhängern anderer politischen Lagern andichten, einer Verschwörungstheorie anzugehören. Besser finde ich aber immer, sachlich zu argumentieren anstatt die geistige Gesundheit des Gegenübers anzuprangern.

Das Problem ist aber, dass Verschwörungstheoretiker genau wie manche religiöse Zeitgenossen, immer verlangen, dass man Gegenbeweise für ihre absurden Theorien bringt.

Tja, und es sprengt natürlich jede vernünftige Diskussion, wenn ich dem Diskussionspartner erst einmal beweisen muss, dass es keinen Gott gibt und dass Angela Merkel kein außerirdisches Reptil ist. Und bis ich diesen Beweis liefere, ist natürlich davon auszugehen, dass ein Gott existiert und dass Frau Merkel außerirdischen Ursprungs ist.

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@rlstevenson

Es ist eine Frage von Empathie. Du musst dich in den Geist des anderen hineinversetzen. Für ihn gibt es einen Gott. Oder Reptiloide. Da gibt es keine Zweifel - Fakten hin oder her. Und jetzt drehst du den Spieß um: du, der von sich behauptet, ein aufgeklärter Zeitgenosse zu sein, bist plötzlich ein Unterdrückter des Systems. Du bist der Manipulation verfallen, so wie viele andere auch. DU bist die Verschwörung! Und deine Beweise für die Nicht-Existenz eines Gottes sind nicht besser und nicht schlechter als seine Beweise für seine Existenz.

Du und ich, wir glauben an das gleiche. Und wir sind vermutlich beide verwirrt über so manche Aussagen. Ich will dir bloß vermitteln, dass Fakten und Wahrheiten nicht unumstößlich sind. Realität ist nichts Objektives. Und solange das so ist, wird es auch unterschiedliche Theorien zu scheinbar offensichtlichen Dingen geben.

Zurück zur Politik: wenn mein Diskussionspartner sagt, Merkel wolle gezielt Flüchtlinge ins Land holen, um Deutschland ins Chaos zu stürzen, dann würde ich mir denken: 'was für eine absurde Verschwörungstheorie'. Wenn Erdogan tausende Journalisten verhaften lässt, weil sie angeblich alle an seinem vermeintlichen Umsturz beteiligt waren, dann schrillen bei mir die Alarmglocken. Aber ich behaupte nicht, dass er lügt. Er sieht die Welt aus seiner Realität. Die Journalisten und Offiziere sind die Verschworenen. Und die wiederum denken, dass er als Staatsoberhaupt die Verschwörung lenkt. Mit diesen Vorwürfen kommt man nicht weit. Der Schlüssel ist deshalb für mich: respektvoller Umgang miteinander, egal wie absurd uns die Meinung des anderen vorkommen mag.

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@offeltoffel

Ich sehe leider gar keine Möglichkeit, mit jemandem, der eine "alternative Realität" anerkennt, über dieses Thema zu sprechen. Da fehlen doch die Grundvoraussetzungen. Es hat ja auch keinen Sinn, mit einem Veganer Rezepte zur Kaninchenzubereitung auszutauschen.

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@rlstevenson

Es zwingt dich ja auch keiner. Wenn du keine Basis für einen Austausch siehst, dann sagst du das einfach genau so. Das hat nichts damit zu tun, dass man respektvoll miteinander umgehen sollte.

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@rlstevenson

Hier kann der Fragesteller übrigens ein perfektes Beispiel für ein Opfer der "Verschwörungstheorie"kampagne sehen. 

rlstevenson ist ein Paradebeispiel für viele Menschen. 

Einfach pauschal das Wort genutzt ohne genauer zu differenzieren.

Alleine schon der Satz "alternative Realität" .. es gibt nur eine Realität und die ist oft anders als man denkt. 

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@W4hrheitsf1nder

Nun ja, es wurde ja auch pauschal nach Verschwörungstheorien gefragt. Aber die von mir angesprochene Reptiloidentheorie oder der Organmafia-Hoax sind doch gute Beispiele, findest Du nicht?

Alleine schon der Satz "alternative Realität" .. es gibt nur eine Realität und die ist oft anders als man denkt.

Anders? Also doch alternativ? Oder wie?

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@W4hrheitsf1nder

es gibt nur eine Realität und die ist oft anders als man denkt

Da würde ich sofort widersprechen. Realität entsteht in unserem Kopf. Für jeden Menschen eine eigene Realität. Wenn zwei sich des Lügens bezichtigen, muss nicht zwangsläufig einer von beiden Recht haben. Unsere Psychologie funktioniert komplexer, als uns das lieb ist.

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@rlstevenson

Ich finde, dass der Begriff "alternative Wahrheit" in der aktuellen Debatte (AfD, Donald Trump, ...) in ein ziemlich negatives Licht gerückt ist.

Auch bin ich der festen Überzeugung, dass das Gerede um "Fake News" in den USA kein politisches Kalkül, sondern psychologisch einfach erklärbare Phänomene sind.

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@W4hrheitsf1nder

Es gibt nur eine HARTE Realität. Entweder da steht ein Baum, und jeder stößt mit dem Kopf dagegen, wenn man ihm die Augen verbindet, oder da steht kein Baum.

Bei anderen Phänomenen wird es schon schwieriger, die Wirklichkeit des Gefühls wird vom Fröhlichen, Traurigen oder Wütenden auch als wahr interpretiert.

Dann kommen noch schwer definierbare Konstrukte ala "Freiheit" oder "Gerechtigkeit" hinzu.

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@offeltoffel

Nein, in Reptilianer MUSS ich mich nun wirklich nicht hineinversetzen.

Ich möchte doch keinen Dachschaden bekommen, offeltoffel - Empathie hin oder her.

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@offeltoffel

Quatsch.

"Alternative Fakten" ist eine Erfindung der Trump-Beraterin, mit der sie das Wort "Lügen" vermied.

Und "Fake News" ist in der Tat das politische Kalkül des Lügenbolds im Weißen Haus. Da gibt es nichts weiter zu erklären.

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@offeltoffel

Wenn Erdogan tausende Journalisten verhaften lässt, weil sie angeblich alle an seinem vermeintlichen Umsturz beteiligt waren, dann schrillen bei mir die Alarmglocken.

Na hoffentlich.

Aber ich behaupte nicht, dass er lügt. Er sieht die Welt aus seiner Realität.

Es gibt nicht meine, Deine oder seine Realität. Es gibt nur mein, Dein oder sein Bild von der Realität - und die Realität selbst, von denen diese Bilder unterschiedlich weit entfernt sein können.

Und da gibt es eine Faustregel: Je simpler dieses Bild ist, je mehr es mit Schuldzuweisung an z.B. ganze ethnische Gruppen zu tun hat, desto weiter ist es wahrscheinlich von der Realität entfernt und desto wahrscheinlicher auch illegitim in einem ethischen Sinn. 

Das ist aber nicht der Punkt. Das Stichwort ist „Macht“. Wenn irgendjemand in einer Kneipe irgendetwas behauptet, kann as falsch sein, ist aber meist harmlos.

Ein Staatschef mit Macht hat auch Verantwortung, und die begrenzt sein moralisches Recht, irgendetwas zu behaupten.

Die altrömische Formel „quod licet Iovi, non licet bovi“ muss eigentlich umgedreht werden. Je mächtiger jemand ist - und da kommt es nicht auf die Größe seines Machtbereiches an, sondern auf die Machtfülle innerhalb desselben - desto weniger ist sein Reden seine Privatsache. Wenn ein Dorftrottel, der z.B. eine bestimmte ethnische Gruppe einer Verschwörung bezichtigt, einfach ein Spinner ist, so ist jemand mit Macht oder Autorität, der dasselbe tut, vielleicht schon ein Mörder.

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„Respektvoller Umgang“ miteinander setzt voraus, dass jeder sich daran hält. Tut es einer nicht, werden diejenigen, die ihn wie jemanden behandeln, der es tut, einer Situation Vorschub leisten, in der ein wirklich respektvoller Umgang nicht mehr stattfindet.

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@SlowPhil

So ist es. Das Respektvollste, was man einem Menschen, der sich der Realität verweigert, entgegenbringen kann, ist, dass man sich mit ihm über Dinge unterhält, die mit seiner Paranoia nichts zu tun haben. Das ist oft die einzige Möglichkeit, den "Familienfrieden" zu bewahren.

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@rlstevenson

Schon wieder das hässliche Wort...Realität :D

Nein, aber du hast ja recht. Es ist bereits respektvoller Umgang, wenn man demjenigen sagt "sorry, da gehen unsere Meinungen echt weit auseinander...hat keinen Sinn darüber zu diskutieren".

Und natürlich setze ich voraus, dass der andere sich auch daran hält. Aber wenn er mir an den Kopf wirft ein Idiot zu sein, weil ich die "offensichtliche Wahrheit" nicht erkenne, dann ist das kein Grund, genauso zu reagieren. Lieber lächeln und gehen.

Generell bin ich der Meinung, dass unsere Gesellschaft viel zu viel Gefallen daran hat, andere zu kränken. Aus absolut unwichtigen Gründen. Uns gehts eben zu gut.

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@SlowPhil

aber sowas von. Genau das sollte der Fragesteller, der hier Scheinfragen stellt (siehe seinen Kommentar auf Wahrheitsfinder), um seine Propaganda voranzutreiben, endlich merken. Dementsprechend wird er bereits von anderen auch behandelt.

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@offeltoffel

Höflich miteinander umgehen, am Ende des Gespräches darin übereinstimmen, daß man nicht übereinstimmen kann. Mitunter kann es auch lehrreich sein, genauer herauszufinden, warum man nicht auf einen Nenner kommen kann.

In manchen Situationen ist das ein empfehlenswertes Vorgehen.

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@HolgerSchneider

und immer dran denken:
Sowas schreiben und gleichzeitig in anderen Kommentaren die Meinungsgegner beschimpfen. Hypocrit beim Punkte-Sammeln.

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@offeltoffel

Aber wenn er mir an den Kopf wirft ein Idiot zu sein, weil ich die "offensichtliche Wahrheit" nicht erkenne, dann ist das kein Grund, genauso zu reagieren. Lieber lächeln und gehen.

Der Klügere gibt nach, heißt es. Bis er der Dumme ist. So setzt sich der durch, der dem anderen „Idiot“ an den Kopf wirft.

Generell bin ich der Meinung, dass unsere Gesellschaft viel zu viel Gefallen daran hat, andere zu kränken.

Das liegt auch an Leuten, die lieber lächeln und gehen, ebenso wie die Tatsache, dass Pappbecher irgendwo weggeworfen werden, an Leuten liegt, die nichts dagegen sagen - mich selbst übrigens eingeschlossen, mir ist das auch neulich passiert.

Immerhin kann ich zu meiner Verteidigung ins Feld führen, nur aus Feigheit und nicht aus Überzeugung geschwiegen zu haben und dieses nicht dem von Dir geforderten gegenseitigen Respekt, sondern eher dem Gegenteil förderliche Verhalten auch noch pseudomoralisch zu verbrämen.

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@SlowPhil

Also ist dein Motto: lieber mal beleidigen, damit die Dummen (weil das ja universell immer geklärt ist) sich nicht im Recht fühlen? Und wer dumm ist, den darf man auch kränken, weil er hat ja schließlich keine Ahnung.

Unsere Welt halt vielzuviele von solchen Leuten, deren Ego es nicht verkraftet, anderen nicht zu zeigen, wie überlegen sie sich doch fühlen und die notfalls beleidigend und ausfallend werden.

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Ich würde eher sagen, dass der Hexenwahn im Mittelalter den Begriff Verschwörungstheorie viel eher bezeichnet.

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Vielen Dank für die ausführliche Beleuchtung des psychologischen Aspektes, den ich nun zwar nicht für dein allein ausschlaggebenden halte, aber ich finde die Ausführungen konstruktiv.

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