Vermieter will Kaution einbehalten und verlangt Schadenersatz?

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10 Antworten

Das, was der alte Vermieter fordert, ist doch etwas zu pauschal. Nun kannst Du als erstes verlangen, dass er Dir alle Mängel auflistet und Dir Gelegenheit gibt, diese Mängel selbst zu beheben.

Damit muss er Dir auch die Möglichkeit geben, in die Wohnung zu kommen. Diese Möglichkeit kannst Du nutzen, um noch einmal für Dich (am besten mit Zeugen) genau aufzunehmen, in welchem Zustand was wirklich ist. Es läge dann allerdings an Dir, zu beweisen, dass vorhandene Mängel oder Schäden entweder schon vor Deinem Einzug waren oder nach der Übergabe an den Vermieter erst verursacht wurden. Gibt es so etwas wie ein Übergabeprotokoll vom Einzug und von Deinem Auszug?

Bevor der Vermieter also Deine Kaution in Anspruch nimmt und auch noch Deine Küche pfändet, muss er Dir Gelegenheit geben, alles was zu Deinen Lasten geht, auch selbst zu beheben. Entweder indem Du die Arbeiten selbst ausführst oder entsprechende Handwerker beauftragst.

Ist es so, dass Du nicht beweisen kannst, dass die Schäden nicht von Dir sind und ist es so, dass Du nicht in der Lage bist, die Schäden selbst zu beheben oder beheben zu lassen, kann es gut sein, dass Deine Kaution bei weitem nicht ausreicht, um die Reparaturkosten zu decken. In dem Fall hat der Vermieter auch das Recht, Deine Küche zu pfänden. Da sie immer noch in der Wohnung ist, darf er annehmen, dass diese nicht existenziell wichtig ist. Und schließlich kann Kaution und Restwert der Küche zusammen immer noch nicht ausreichen, um die Kosten zu decken. Also kann er darüber hinaus natürlich auch noch Schadensersatz verlangen.

In jedem Fall ist natürlich die Frage, inwieweit Du wirklich für die einzelnen Beanstandungen aufkommen musst und da kommt natürlich auch Deine private Haftpflichtversicherung ins Spiel, der Du zumindest schon mal vorsorglich die Ansprüche anmelden kannst. Die Haftpflichtversicherung wird dann prüfen, inwieweit der Vermieter z. B. Schadensersatz für kaputte Fußböden verlangen kann. Da geht es dann immer auch um den Zeitwert. Sie wird vermutlich selbst einen Gutachter schicken wollen, der sich das alles anschaut. Und sie muss unberechtigte Schadensersatzansprüche auf ihre Kosten abwehren.

Für die Erstattung eines Mietausfalls müßte der Vermieter nachweisen, dass er tatsächlich einen Mietausfall hat. Z. B. einen Mietvertrag, der abgeschlossen war, aber nun nicht oder nicht rechtzeitig erfüllt werden kann. Oder das tatsächliche Bemühen, einen Nachmieter zu finden, Mietinteressenten, die besichtigt haben, aber aufgrund des Zustands der Wohnung erst einmal abgelehnt haben o. ä.

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Kommentar von chucknils
02.11.2015, 14:02

Die Sache war so, dass ich eine Vereinbarung mit dem Vermieter getroffen hatte, dass er die Wohnung selbst streicht (Was tatsächlich meines Erachtens notwendig war) und er dafür im Gegenzug weniger für die Küche bezahlt (Die ich auf meine Kosten eingebaut hatte)

Als ich danach noch einmal da war, hatte er schon längst mit der Sanierung angefangen, den Boden entfernt, das Bad zerlegt usw., und kam dann an von wegen, dass ich das bezahlen soll.

Ergo gab er mir eben keine Gelegenheit mehr, die angeblichen Schäden zu begutachten oder gar festzuhalten.

Wenn es nun so ist, dass der Vermieter selbst die angeblichen Schäden nicht dokumentiert hat,(die an den Haaren herbeigezogen sind) hat er sich dann nicht selbst die Möglichkeit genommen, Schadenersatz zu verlangen?

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So kann man sich irren: Ich vermute, die Wahrheit liegt irgendwo in der Mitte zwischen "tadellosem" und "desaströsem" Zustand :-)

Tatsächlich muss der, der einen Forderungsanspruch stellt, diesen glaubhaft machen. Dummerweise liegt die Beweislast aber bei dir, wenn du den Einbehalt deiner Kaution und EBK aus Rechtgrund ungerechtfertigter Bereicherung herausklagen wolltest :-(

Und da dürfte der VM Zeugen und Fotos des Zustands vorlegen, um genau diese Rechtmäßigkeit seines Einbehalts glaubhaft vorzutragen :-O

Wieso verzichtet man auf ein unterschriebenes Übergabeprotokoll oder versichert sich wenigstens eines Zeugens, wenn "die  Wohnung sich, von ein paar Kleinigkeiten mal abgesehen, in einem tadellosen Zustand befand"?

Handelt es sich bei den "paar Kleinigkeiten" etwa um hinterlassene Einbauten, Flecken und Beschädigungen des Bodenbelags, übermäßige Abnutzung (Kratzer an Türrahmen), knallige Wandfarben, abblätternde Türlackierungen, verblichene Tapeten, dutzende Bohrlöcher in Badfliesen zur Wandbefestigung von Möbeln, Küchendunst an Decke und Wand, an Fensterrahmen angebohrte Gardinenstangen, ...?

Richtigerwesie hat der VM dann ein Einbehaltungsrecht deiner Kaution und kann ein Vermieterpfandrecht an eingebrachten Sachen geltend machen, wenn er die "zur Wiederhersetllung in den vertrgsgemäßen, ordnungsgemäßen Zustand" benötigt.

G imager761



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... aber genau für solche Fälle leisten sich doch die Mieter bzw. deren Eltern eine PH. Was sagen die denn zu den Anwürfen? Zudem haben wir Vermieter einen etwaigen Schaden gerichtsfest zu belegen und auch die Verjährungsfrist von 6 Monaten ab Schlüsselrückgabe einzuhalten. Abwarten, also?????

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Er muss Dich unter Fristsetzung auffordern die Mängel zu beheben, erst nach Ablauf der Frist darf er die Kaution dafür verwenden.

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in so einem desaströsen Zustand, dass eine komplette Sanierung unausweichlich wäre.

er müsste schon konkret Fakt für Fakt aufführen, was denn zu beanstanden ist. Bedenke auch, dass möglicherweise die Klauseln zu Schönheitsreparaturen unwirksam sind. Bitte schreib sie deshalb hier wörtlich auf. Auch will ich wissen, ob die Wohnung bei Bezug renoviert war oder erst von dir hergerichtet wurde. Danach mehr von mir.

P. S.: Wann hast du die Wohnung zurückgegeben`?

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Wenn es tatsächlich Mängel gibt, muss der Vermieter dich zunächst auffordern, die Mängel selbst zu beseitigen. Er kann nicht einfach eine Firma damit beauftragen.

Erst wenn Du dieser Aufforderung nicht nachkommst, kann der Vermieter eine Fachfirma beauftragen.

Eine Küche kann der Vermieter nicht pfänden. Nach § 811 ZPO gehören Küchen(-Geräte) zu den nicht pfändbaren Sachen.

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Kommentar von chucknils
02.11.2015, 14:04

Genau das hat er nicht gemacht. Er hat einfach losgelegt, ohne mich darüber zu informieren. Ich hatte überhaupt nicht die Gelegenheit dazu, irgendwelche Mängel zu beheben. (Noch mal um es deutlich zu sagen: Mängel, die nicht existierten!)

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Da steht nun Aussage gegen Aussage. Vor der Schlüsselübergabe macht man mit dem Vermieter eine Besichtigung, man macht ein Übergabeprotokoll, möglichst noch im Beisein eines Zeugen, hält alle beanstandeten Punkte fest,mit entspr. Fotos,  alle unterschreiben. Du kannst nun nicht beweisen, in welchem Zustand die Wohnung bei Beendigung des Mietverhältnisses war. Ich fürchte, da hast Du schlechte Karten. Versuche eine gütliche Einigung über die Kaution-

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Wenn du keine Einkünfte hast, dann kannst du Prozesskostenhilfe, bzw. Verfahrenskostenhilfe beantragen.

Wenn er den Zustand Einzug/Auszug jeweils belegen kann, dann sieht das eher schlecht aus für dich.

Deswegen macht man auch zusammen mit jeweils einem Zeugen, zum Beginn und zum Ende des Mietverhältnisses eine gemeinsame Wohnungsbegehung.

So vermeidet man solche Schwierigkeiten.

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Hi,

für ein Rechtsstreit bekommt man ja Prozesskostenhilfe, die die Kosten abdeckt.

Hast du denn kein Übergabeprotokoll gemacht?

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Wie ist denn die Übergabe abgelaufen?

Gibt es ein Protokoll? Wenn nicht, warum nicht?

Beweisen muss immer der, der was will.

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