Verkommt die deutsche Sprache (Anglizismen)?

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9 Antworten

Hallo,

über Begriffe, wie gebrainstormed usw. kann auch ich nur den
Kopf schütteln. Ich glaube aber auch, dass sich solche Wörter nicht in
der deutschen Sprache durchsetzen werden, zumindest nicht so schnell.

Grundsätzlich habe ich aber nichts gegen Anglizismen im Deutschen,
denn die Sprach- und Wortwanderung ist keine Einbahnstraße und auch
nicht neu.

Wir importieren nicht nur Wörter aus dem Englischen und aus anderen Sprachen – bei manchen wird die Schreibweise angepasst (dt. Keks = engl. cakes = Kuchen pl.) –

sondern exportieren genauso deutsche Wörter ins Englische – manche davon werden in der Schreibweise übernommen (kindergarten) – und in andere Sprachen.

Zu den 'ausgewanderten' deutschen Wörtern, die nach England und Amerika ausgewandert sind, gehören u.a. blitzkrieg, autobahn, kindergarten (aus der Zeit des 3. Reiches) und rucksack (ein Wort, was durch die Weltkriege in Ausland gelangte).

Aber auch: Gemütlichkeit, Zeitgeist, Wunderkind, Bauhaus, Ding an
sich, Schnitzel, Pretzel, bratwurst, sauerkraut, beerfest, Doppelgänger,
Schnaps, dachshund, gedankenexperiment, fahrvergnuegen usw.

Ganz interessante Artikel dazu kannst du ergoogeln unter:

- Deutsche Wörter ein Exportschlager

(bairische-sprache.at/Index/Zeitungsartikel/2009/MM/Deutsche%20Woerter%20-%20ein%20Exportschlager%20-%20MM%2013.7.2009.pdf)

- Diese deutschen Wörter werden im Ausland benutzt

(merkur-online.de/aktuelles/kultur/diese-deutschen-woerter-werden-ausland-benutzt-882170.html)

Denglisch für Anfänger I(fr-online.de/meinung/kolumne-denglisch-fuer-anfaenger-i,1472602,3244474.html)

- Zwiebelfisch: Weltsprache Deutsch

(spiegel.de/kultur/zwiebelfisch/zwiebelfisch-weltsprache-deutsch-a-356502.html)

Eine Liste mit Germanismen findest du unter folgendem Link:

spiegel.de/kultur/zwiebelfisch/zwiebelfisch-deutsch-als-amtssprache-der-usa-a-295157.html

Außerdem gibt es in der deutschen Sprache auch und weit mehr
lateinische und griechische Wörter als englische, worüber man sich bei
weitem nicht so aufregt, wie über die Anglizismen.

Wenn man wie so oft gefordert wird, sämtliche (Schein-) Anglizismen
aus der deutschen Sprache verbannen würde, wie es sooft von allen
möglichen Seiten gefordert wird, täte man sich schwer. Mir fallen auf
Anhieb 20 'englische' Wörter ein (Job, Sweatshirt, Gangster,
Computer, Hobby, Champion, Walkman, Camping, Band, Jeans, Popstar, Hit,
Shorts, Steak, Toast, Clown, Popcorn, Keyboard, Disco, Cornflakes
), die wir jeden Tag ganz selbstverständlich verwenden, ohne uns darüber Gedanken zu machen.

Weitere sind z.B.:

Manager, Hairstylist, Backshop, Sale, Coffee to go, coachen,
checken, Cardigan, downloaden, casten, canceln, Boxershorts, Pullover,
Wellness, Happy End, Shampoo, Babysitter, Chips, Service-Point, Counter,
McClean, Event, Performance, Highlight, cool, Teenager, Kids,
Showmaster, Quizmaster, Talkmaster, Beamer, Spleen, High Heels, Slipper,
Slip, Smoking, Pudding, Oldie, Oldtimer, Evergreen, Hometrainer,
Egoshooter

Diese Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Aber Achtung bei der Übersetzung, denn es können auch falsche Freunde dabei sein.

So heißt

- Mobiltelefon - mobile oder cell phone; handy aber praktisch usw.

- body bag - Leichensack und nicht Handtasche

- check - kontrollieren und nicht verstehen

- control - (an)steuern und nicht kontrollieren

usw.

Nett auch der undertaker (Leichenbestatter) als Unternehmer.

Dazu verweise ich immer wieder gerne auf folgenden Video-Clip mit Thomas Freitag.

Viel Spaß bei der Lektüre und beim Anschauen!

AstridDerPu

PS: Interessant auch, dass es sowohl in Frankreich als auch in
Deutschland inzwischen entgegengesetzte Bestrebungen zu den o.g. gibt.

So wurde in Frankreich das o.g. Gesetz zum Verbot englischer Wörter in der französischen Sprache aufgegeben (siehe: htt p://w ww.welt.de/kultur/article138497201/Frankreich-gibt-Kampf-gegen-englische-Woerter-auf.html; die Leerschritte in der URL bitte löschen)

und ist Deutsch wieder im Kommen (siehe: angehängter Artikel aus dem Münchner Merkur vom 30.01.2015.)

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Kommentar von AstridDerPu
22.04.2016, 22:59

Schön, dass dir meine Antwort gefallen hat und danke für das Sternchen!

AstridDerPu

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Die Übernahme von Anglizismen, teils mit Verdrängung etablierter, gleichlautender deutscher Begriffe, ist nur die Spitze eines Eisbergs, nämlich, dass die englische Sprache nach und nach immer mehr Sprechsituationen in Deutschland einnimmt und dabei die deutsche Sprache verdrängt.

Das hat es früher _nicht_ gegeben.

Ich nenne nur einige Beispiele:

- Studium an deutschen Universitäten teilweise schon nur noch auf Englisch

- Warenbeschriftungen und -beschreibungen in manchen Kaufhäusern schon komplett nur auf Englisch

- Gebrauchsanweisungen nur auf Englisch

- Englisch jetzt teilweise als Gerichtssprache vor deutschen Gerichten zugelassen

- Anträge auf Beteiligung an EU-Angeboten nur noch pro forma auf Deutsch möglich, wobei einem aber gleich signalisiert wird, dass nur englischsprachige eine Chance haben; Berichte anschließend auf Englisch vorgeschrieben

- Anträge wiss. Forschungsvorhaben an die Deutsche Forschungsgemeinschaft nur auf Englisch (da evtl. ausländische Gutachter "natürlich" kein Deutsch können)

- in jüngster Zeit: Gemeinden, die im Umgang mit Flüchtlingen eigenmächtig Englisch zur "Amtssprache" (neben Deutsch) machen, obwohl ein großer Teil der Flüchtlinge gar kein Englisch kann

- allgemein: selbst das kleinste "Event", sei es von privater oder behördlicher Seite, wird mit einem englischsprachigen Etikett versehen, als ob Deutsch in der "Menopause" sei. So wurde die Marienkirche in Greven/Westf., in der wohl viele Jugendgottesdienste stattfinden, von kirchlicher Seite in "Saint Mary's" umgetauft, denn, wir wissen es ja, Englisch ist die Jugendsprache.  

usw. usf.

Denkbar ist folgende Entwicklung: Zuerst fragen sich Einwanderer, warum sie überhaupt Deutsch lernen sollen, da alle Deutschen im Gespräch mit ihnen gleich umschalten und auf Englisch radebrechen und wo doch später ein Studium ohne Englisch (aber wohl ohne Deutsch) unmöglich ist.

Die Generation der deutschen Eltern, die schon Englisch in der Schule lernen musste und auch am Arbeitsplatz verwenden muss, könnte sich entschließen, ihre Kinder gleich auf Englisch großzuziehen (Wechsel der Muttersprache). "Deutsch kann man ja auf der Straße lernen." Wer heute etwas auf sich hält, schickt sein Kind sowieso 1 Jahr in die USA, und sofern es wiederkommt, bringt es die US-amerikanische Lebensweise, Einstellung und Sprache mit. Vorher besucht das Kind am besten eine "internationale" (lies: englischsprachige) Grundschule.

Deutsch wird so zum Eingeborenenidiom wie heute Plattdeutsch gegenüber dem Hochdeutschen. In Irland ist im 19. Jahrhundert der Sprachwechsel von Irisch nach Englisch nach jahrhundertelangem Widerstand binnen einer einzigen Generation erfolgt, nachdem die englischen Besatzer eine Schulausbildung nur noch auf Englisch anboten. Genauso hat Hochdeutsch auch Plattdeutsch verdrängt. Quo vadis, Germany?

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nein ist es nicht. Hört sich aber nach "Fachleuten" geil an. Und manchmal geht es auch in die Hose: Douglas: Come in and find out (Komm rein und finde wieder raus?); Tchibo wollte hippe Taschen als Body Bags verkaufen, sind aber leider Leichensäcke;  Deutschland findet ja auch Public Viewing so toll , nur bedeutet das im englischen Sprachbereich etwas anderes: der letze Blick auf einen Toten im Sarg. Ich konnte noch viel mehr Beispiele aufzählen, nur frage ich mich was soll das? Hausmeister = Facility Manager, wow, was für ein imposanter Titel.  Mich k otzt so etwas an. Es gibt für fast alles deutsche Begriffe ,warum werden die nicht genommen?    

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Die deutsche Sprache hat sich seit Jahrtausenden (v. a. aufgrund ihrer Lage), darauf spezialisiert, sich den Gegebenheiten anzupassen. Sie richtet sich nach uns Sprechern – was wir ausdrücken wollen, was nicht etc. Deswegen ist das Deutsche nicht ausgestorben, sondern eine Weltsprache (in dem Sinn, das sie immer wieder alles aufsaugt, was sie benötigt). 

Und wenn die deutsche Sprache diese oder jene Nuance nicht besitzt, dann holt sie sich das eben aus der gerade dominanten Sprache. Das ist ganz natürlich.

Was du da oben schreibst, sind übrigens keine ganzen deutschen Wörter, da musst du noch ein bisschen dran arbeiten: Partizipien (Perfekt) haben im Deutschen für gewöhnlich eine t-Endung.


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Sprache ist ein dynamisches System. Außerdem muss sie auch dem Anlass angepasst werden. Im richtigen Rahmen ist das also völlig in Ordnung. Dass man Anglizismen "verdeutscht" passiert ja vor allem im internationalen Arbeitskontext, wo man es gewohnt ist, mit Kollegen viel auf Englisch zu kommunizieren. Ich finde, dass sich das sonst in einem vernünftigen Rahmen bewegt. 

Grundsätzlich ist es gut, wenn eine Sprache fließende Grenzen hat, da sie sich zusammen mit einer Gesellschaft (weiter)entwickeln muss, um zeitgemäß zu bleiben.

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Ich finde dieses Sprachdiskussionen ziemlich unnötig. Sprache ist ein Kommunikationsmittel, nicht mehr und nicht weniger. Und wenn dann mal wieder ein paar ausländische Wörter reinkommen, was schadet es? Es ist ja nicht so, als würde es irgendeinen realistischen Grund geben Sprache zu "schützen". 

Außerdem kommen mit diese ganzen Sachen, von wegen "wertvoller deutscher Sprache" ziemlich nationalistisch vor. Das geht mir ein wenig gegen den Strich.

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Kommentar von ParkSoMin
19.04.2016, 20:08

Stimme dir zu, Thema :Golbalisierung der Sprache, jungendsprache

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Kommentar von Johann242
19.04.2016, 20:39

Wo kommen wir hin, wenn wir schon das Recht an der eigenen - durchaus SCHÖNEN und WERTVOLLEN - deutschen Sprache verleugnen, weil es NATIONALISTISCH ist? Was soll denn das?

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Wenn ich manche Fragen hier lese glaube ich nicht, dass die Anglizismen ein Problem sind. 

Die Rechtschreibung dagegen ist oft schon bis zur Grenzwertigkeit kreativ- 

aber die ungeregelte Aneinanderreihung von Wörtern, die nur durch das Fragezeichen als Frage gelten, machen der deutschen* Sprache endgültig den Garaus. 

Diese sinnfreien Gebilde Sätze zu nennen, fällt mir schwer.

* und auch der englischen Sprache 


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Du benutzt doch selbst einen Anglizismus! Übrigens einen, der nicht zu meinem aktiven Wortschatz gehört.

Spiel dich also nicht als Sprachhüter auf.

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Verkommen?

Die Sprache verändert sich, wie immer schon!

Ja und englisch wird immer wichtiger. Du kannst heute keine "Karriere" machen ohne Englisch sprechen zu können.

Flugverkehr; Internet; internaltionales Geschäft; Studium, die Liste könnte man noch weiter führen.

Ich glaube Deutsch wird in 50 Jahren nur noch eine Mundart sein wie bayerisch oder Platt.

LG

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Kommentar von EdnaImmers
19.04.2016, 20:12

... wäre ja schön, wenn es Englisch  wäre .... dann hättest Du vollkommen recht . 

Nur leider wird auch viel denglischer Unsinn produziert - zum Glück setzt sich nicht alles durch.

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