Verhalten von freilebenden Wölfen dem des Hundes ähnlicher als das von "Gehegewölfe"?

... komplette Frage anzeigen

10 Antworten

Ich habe mal deine Dokumentation gesehen, in der ein Wolfsrudel und ein Hunderudel unter den selben Bedingungen aufgewachsen ist. Mit Kontakt zu dem Menschen, aber nicht so richtig als Haustiere, so wie wir unsere Hunde normalerweise halten.
Mit beiden Rudeln wurden dann Verhaltenstests mit dem Menschen gemacht. Der Hund war viel fixierter auf den Menschen als der Wolf. Beispielsweise hat sich ein Mensch zwischen zwei umgedrehte Eimern gestellt. Unter dem einen Einer war Futter unter dem anderen Eimer war nichts. Der Mensch hat den Arm in Richtung des Futtereimers gestreckt - der Hund folgte dem Hinweis und verließ sich auf den Menschen. Der Wolf ignorierte das Handzeichen und setzte seine Instinkte und seine Nase ein. Außerdem konnte der Hund ein freundliches Menschengesicht von einem bösen Menschengesicht unterscheiden. Wie gesagt: es wurden viele Test mit den Tieren durchgeführt und das Fazit war, dass der Hund über so viele Generationen so domestiziert wurde, dass er gewisse Verhaltensweisen dem Menschen gegenüber zeigt, die ein Wolf niemals zeigen könnte.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Ich glaube nicht, dass sich das überhaupt adäquat vergleichen lässt.

Es gibt ja durchaus frei lebende, streunende Hunde. Die sind aber in vielen Fällen Einzelgänger. Das wäre ja absolut wolfsuntypisch. Und das sowohl für freie als auch für in Gefangenschaft lebende Tiere. 

Hunde haben außerdem einen angeborenen Bezug zum Menschen. Bereits ein Welpe hat die Fähigkeit, Gestik und Mimik des Menschen zu interpretieren und darauf zu reagieren. Ein glücklicher Hund wird seinen Menschen immer einem anderen Hund vorziehen. Das wäre für einen Wolf absolut undenkbar. 

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

die Gemeinschaft zwischen Mensch und Hund ist auch kein Familienverband

Das sehen mittlerweile viele Experten anders.

Nach neuesten Erkenntnissen gibt es keine Rudelstrukturen mehr bei Hunden, wie sie bei Wölfen vorkommen. Der Hund wird bereits seit über 20.000 Jahren vom Menschen domestiziert, weshalb ein Hunderudel sich mittlerweile mit einer Menschenfamilie eher vergleichen lässt, als mit einem Wolfsrudel.

Natürlich gibt es da noch Unterschiede, aber es ist stark zu bezweifeln, dass ein Mensch als "Leitwolf" vom Hund angesehen wird. Ein Hund weiß ganz genau, dass ein Mensch kein Hund ist und wird diesen daher nicht als solchen ansehen. Aber durchaus als Familienoberhaupt oder Führungsperson.

Das ist allerdings auch etwas abhängig von der Rasse. Es gibt Rassen, bei denen das Rudelverhalten noch stärker ausgeprägt ist, als bei anderen. Auch kommt es darauf an, wie diese aufgezogen werden. Ich kannte auch schon Hunde, die richtige Rudelstrukturen in ihrer Gruppe aufwiesen. Diese wuchsen aber auch anders auf, als der typsiche "Familienhund".

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Nun, wissen tue ich es nicht, aber meine Gedanken sind folgende:

Der frei lebende Wolf hat keinerlei beinflussung vom Menschen. Er kann sich also frei entwickeln und hat somit kaum irgendwelche Prägungen außerhalb seiner eigenen Spezies.

Ein Gehegewolf hat mehr oder   der weniger Menschenkontakt. Lernt sich mit dem Menschen zu arrangieren, kann nicht so weit flüchten wie Beispielsweise in der Natur.

Somit sind die Gegebenheiten zur Hundehaltung zumindestens ähnlicher. Ein Gehegewolf kann auch sein Verhaltensrepertoir nicht voll ausleben. Wie unsere Hunde. Da lebt der Golden Retriever in einer 3 Zimmerwohnung, ohne jemals jagen zu dürfen. Ersatzverhalten wird geschaffen oder er schafft es sich selbst.

Ein Hund, der in seiner Prägungsphase keine Menschen kennenlernt, ist auch nur bedingt als Haushund zu sozialisieren.

Ergo - die Nähe zum Menschen verändert das Verhalten der Tiere auf der Grundlage ihrer Möglichkeiten.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Ich sehe das eher so:

Warum muss der Mensch immer alles vergleichen und irgend etwas hineininterpretieren? Kann man nicht etwas so hinnehmen wie es ist?

Ja, der Hund stammt vom Wolf ab aber hat er noch wirklich viel mit ihm gemein?

Es ist leider nun mal so, dass Forschungen und Studien oft, je nach Auftraggeber, in bestimmte Richtungen gelenkt werden.

Wie kommt man also darauf, dass das Verhalten eines freilebenden Wolfes dem des Hundes mehr entspricht, als das eines Gehegewolfes?

Der Wolf in freier Wildbahn lebt weitestgehend unabhängig. Artgerecht für den Hund ist hingegen, eng mit dem Menschen zusammenzuleben.

Der Wolf im Gehege lebt nicht artgerecht. Vielleicht ist dies das Ausschlaggebende für die Aussage.

Gehegeforschung kontra ­Freilandstudien Vor Kurzem noch war es selbstverständlich, sämtliche Studienergebnisse aus der Gehegewolf-Forschung als Gradmesser zur Erläuterung von Hundeverhalten zu akzeptieren. Die Mär vom Alphawolf nebst Rudelkonzept lässt grüßen. Neuerdings überraschen den gemeinen Hundehalter faszinierende Verhaltenseinsichten, die auf Erkentnissen aus der Freiland­forschung fußen. Unglaublich aber wahr: Im Handumdrehen wird alles, was aus der Gehegeforschung kommt, pauschal zur „altbackenen Ansicht” erklärt. Andererseits erhalten wir viele, inhaltlich recht ähnliche E-Mails: Sollen Hundehalter Wölfe in freier Wildbahn oder in Gefangenschaft lebende Tiere zum Maßstab nehmen? Gegenfrage: Zum Maßstab wofür? Den schon erwähnten Fehler einer Gleichsetzung von Wolf und Hund sollten wir tunlichst vermeiden. Schwarz-Weiß-Malerei bringt uns nicht weiter. Beide Forschungsformen haben nach wie vor ihre Berechtigung.
(http://www.wuff.eu/wp/wolfsforschung-zur-%C2%ADentschluesselung-von-hundeverhalten/)

Wolfs-, Hundekenner gibt es viele. Wer wie recht hat kann ich nicht sagen aber ich hatte mal das Vergnügen Gunther Bloch auf einer Veranstaltung über die zurückgekehrten Wölfe auf dem Truppenübungsplatz Munster bzw. in der Lüneburger Heide kennen zu lernen.

Es war ein extrem spannender und interessanter Abend.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von Revic
12.10.2016, 14:04

Kann man nicht etwas so hinnehmen wie es ist?

Ja aber wie ist es denn? Ich möchte das Thema einfach besser verstehen und nicht irgendwem meine Meinung aufdrücken.

Das, was ich bisher über diese Forschungen gehört habe war, dass sich die Ergebnisse nicht auf den Hund projezieren lassen weil die beobachteten Wölfe ja nicht in Freiheit leben würden. Aber welches Argument haben denn dann die "Freilandforscher", warum ihre Beobachtungen angeblich besser zu denen des Hundes passen? Das verstehe ich nicht, eben weil sich diese beiden Arten kaum vergleichen lassen.

0

Ich würde Hund und Wölfe nicht vergleichen auch wenn sie Verwandt sind. Hunde wurden domestiziert und das seit über 10'000 von Jahren. Ein Wolf ob frei oder nicht ist trotzdem ein wildes Tier.

Auch Wolfshunde sind um einiges wilder und brauchen mehr Konsequenz in der Erziehung als "normale" Haushunde. Sie sind eigenwilliger und brauchen viel mehr Auslauf.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von Revic
12.10.2016, 13:17

Danke, aber darum geht es in meiner Frage nicht. Ich möchte nur wissen, ob die Forschungen von damals zu recht so arg kritisiert worden oder ob sie vllt. doch ihre Daseinsbegründungen hatten.

0

Das Verhalten von Gehegewölfen und freilebenden Wölfen ist komplett verschieden. Verschiedene Gehegewölfe wurden eingefangen und mit anderen, die sie vermutlich noch nie zuvor gesehen haben eingesperrt. Ihnen fehlt Raum, sie können sich bei Streitigkeiten nicht aus dem Weg gehen. Ein normales Rudel besteht aus dem Elternteil, den Jungen vom vorangegangenen und diesem Jahr, die Rudelführer liegen also fest.

Hunde wurden von dem Menschen gezüchtet. In der Wildnis würden sie sich vermutlich nicht zurecht finden, wenn sie zum Beispiel potentieller Beute laut bellend nachjagen. Sie hängen zwar an ihrer Menschenfamilie, sind ansonsten jedoch Einzelgänger, ein Rüde kümmert sich nicht um seine Jungen, sondern verlässt die Hündin.

Wölfe und Hunde sind zwar unterschiedlich, doch ich würde sagen ihr Verhalten gleicht sich mehr als mit dem von gefangenen Wölfen. Zwar suchen Hunde die Nähe des Menschen, während Wölfe sich nicht für Menschen interessieren und eher scheu sind, aber sie sind beide zu sozialen Bindungen und leben in Familien.

Ich hoffe, ich konnte dir deine Frage irgendwie beantworten, LG

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Ich hatte 2x die Gelegenheit eine Hundewanderung mit Erik Zimen im Bayrischen Wald zu machen.

Die Essenz seiner spannenden Berichte war folgende: Im ersten Jahr unterscheiden sich Hund und Wolf gar nicht so sehr. Die Wölfe sind zwar dem Menschen fremder, aber es gibt auch Hunderassen, vor allem bei streunenden Hunden, die sich in vielen Dingen ähneln.

Nach dem ersten Jahr entfremdet sich der Wolf dem Menschen, selbst wenn er auf ihn geprägt wurde immer mehr. Er versucht auszubrechen, sucht seine Artgenossen. Ist nicht mehr als Haustier haltbar (es gibt wohl wenige ausnahmen)

Der Hund bleibt seiner Ansicht nach auf einer recht unreifen, unselbständigen Stufe stehen. Das macht es überhaupt erst möglich, den Hund nicht nur perfekt in eine Menschenfamilie einzugliedern, sondern auch ihm eigntlich artfremde Aufgaben beizubringen.

Er glaubte ausserdem, dass Hunde sich selbst überlassen schon nach wenigen Generationen sehr Wolfsähnlich wären.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Hunde kannst du weder mit Gehegewölfen noch mit freien Wölfen vergleichen.  Mal ähnelt sich Verhalten, mal unterscheidet es sich. Manche Rassen, die es über Generationen gewohnt sind, selbständig zu denken und zu handeln, werden bei der Frage der Toleranz und des Konfliktverhaltens wohl eher frei lebenden Wölfen ähneln. Bei Gehegewölfen hast du ja immer den Stressfaktor beim Verhalten mit dabei. 

Der entscheidende Faktor ist doch, dass Wölfe keine Strafen und kein aus ihrer sicht unhöfliches Verhalten dulden, was du bei Hunden durch entsprechende Zuchtauswahl kaum mehr findest. 

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Wölfe wie auch Hunde sind instinktgesteuert. Fressen ist für sie Leben und dafür tun sie täglich alles. Deshalb kann ich nicht glauben, dass ein freilebender Wolf in Bezug auf das Verhalten eher einem Hund entspricht. Ich würde eher das Gegenteil behaupten, da ich Hunde habe und auch mit Wölfen zu tun hatte, allerdings in einem Freigehege, aber in Gefangenschaft. Ich kann mir vorstellen, dass ein freilebender Wolf anderes gepolt ist als ein Hund.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von Revic
12.10.2016, 13:15

Danke. Das Hunde und Wölfe sich in vielen Aspekten voneinander unterscheiden ist klar, aber meinst du, dass das Verhalten von freilebenden Wölfen denen eines Hundes noch eher entspricht, als das von Gehegewölfen?

0

Was möchtest Du wissen?