Vergleich zwischen Julikrise und Kubakrise?

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In der Julikrise 1914 und der Kubakrise Oktober 1962 spitzten sich allgemeine Spannungen akut zu. Die Konflikte bewirkten die Gefahr eines Krieges.

Die Krisen sind aber überwiegend unähnlich. Die Julikrise führet zu einem großen Krieg (Erster Weltkrieg), in der Kubakrise konnte dagegen ein Krieg vermeiden werden.

Die Julikrise wurde durch ein Attentat (Tötung des österreichischen Thronfolgers Franz Ferdinand und seiner Frau) ausgelöst. Auf dem Balkan prallten Spannungen und gegensätzliche Interessen aufeinander (Österreich-Ungarn, ein Vielvölkerstaat, hatte 1908 Bosnien und Herzegowina annektiert, die zwar unter einer Verwaltung standen, aber völkerrechtlich zum Osmanischen Reich gehörten; Nationalitäten waren zum Teil auf verschiedene Staaten verteilt und die bestehenden Grenzen wurden von ihnen nicht durchgehend akzeptiert; ein serbischer Nationalismus strebte einen großserbischen Staat an; Russland hatte eigene Interessen auf dem Balkan und fühlte sich Serbien - auch aufgrund eigene Panslawismus – verbunden).

Die Kubakrise entstand durch die Stationierung von Raketen und Nuklearsprengköpfen aus der Sowjetunion auf Kuba. Kuba wurde nach der Revolution von den USA als beunruhigendes Problem gesehen (ähnlich wie Serbien von Österreich-Ungarn). Von Kuba gingen aber keine nationalistisch argumentierenden Gebietsansprüche aus. (Fehlgeschlagene) Pläne und Versuche zu einem Attentat gab es aus den USA gegen Fidel Castro. Ein von der CIA unterstützter Invasionsversuch von Exilkubanern war 1961 gescheitert.

Die Lösung der Kubakrise gelang durch eine Mischung aus Härte und Diplomatie. Der amerikanische Präsident John F. Kennedy ließ eine Seeblockade (Quarantäne) durchführen. Der sowjetische Regierungschef und Parteichef der KPdSU Nikita Chruschtschow lenkte letztlich ein und war zu einer Entfernung der Raketen bereit, gegen eine Zusage der USA, keine Invasion in Kuba durchzuführen und etwas später Raketen in der Türkei abzubauen. Ein großer Krieg (mit der Gefahr eines Einsatzes von Nuklearwaffen) erschien keiner Seite wünschenswert, sondern sollte möglichst vermieden werden. Es gab zwar Annahmen über aggressive Absichten und Pläne für weitergehende Schritte beim Gegner, was zum Teil eine Fehleinschätzung war und zu einer Eskalation beitrug, aber die Maßnahmen blieben unter der Schwelle eines Krieges. Alternativen wurden offengehalten und Rückzugs- und Einlenkungsmöglichkeiten nicht verbaut. Allerdings traten eine Anzahl von Politikern und Militärs für weitergehende Schritte der USA ein (Luftangriffe und eine Invasion).

In der Julikrise 1914 galt Krieg als verhältnismäßig normal und seine Vermeidung hatte einen geringeren Stellenwert. Ein baldiger Krieg wurde von manchen für unvermeidlich gehalten. Eine lokale Begrenzung der Auseinandersetzung gelang nicht, weil die allgemeinen Spannungen sehr groß waren und Ultimaten, Mobilmachungen und Bündnisverpflichtungen unter den damaligen Umständen ein Räderwerk auslösten, das ohne frühzeitige echte Bemühungen zu Zugeständnissen und Verständigung seitens wichtiger Mächte kaum zu stoppen war. Die Hoffnung auf eine lokal begrenzte Auseinandersetzung, die einige hatten, war eine Fehleinschätzung.

gewisse Ähnlichkeiten:

  • Gegenüberstehen hochgerüsteter Bündnissysteme, in zwei Lagern (Zweibund Deutschland und Österreich-Ungarn - Triple Entente Frankreich, Russland und Großbritannien; Nato - Warschauer Pakt), unter starker Spannung (Zeit des Imperialismus; Ost-West-Konflikt in „Kalten Krieg“)

  • Drohungen und Fehleinschätzungen spielen eine Rolle

  • Gefahr starrer militärischer Mechanismen, durch die der Spielraum für Politik verengt wird und Friedensmöglichkeiten ausgeschlossen werden (der heiße Draht/das Rote Telefon wurde übrigens nach der Kubakrise auch wegen der damaligen Erfahrungen eingerichtet)

1914 hatten die noch nicht das "rote Telefon". 1962 konnte Kennedy das mit dem Telefonat mit Moskau in letzter Sekunde verhindern.

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