Vergleich Thomas Hobbes / John Locke

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1 Antwort

Das mit der Vertragstheorie ist keine neue Idee. Sie wurde bereits von Epikur in der Antike vertreten und lebte ab dem 16. JH wieder auf, als das Werk "De rerum natura" von Lukrez entdeckt wurde. Spätestens ab der Epikur-Übersetzung durch Pierre Gassendi (1592-1655) war diese Theorie in gebildeten europäischen Kreisen bekannt. Mit dem Naturzustand als Ideal verwechselst Du evtl. etwas. Das stammt von Rausseau, der seinen edlen Wilden erfand als Kontrast zum verkommenen Feudalismus. Der "Naturzustand" des Hobbes war eher eine Beschreibung der Zustände seiner Zeit.

Hobbes war der mit dem Ausspruch, dass der Mensch dem Menschen ein Wolf sei. Dazu muss man allerdings wissen, dass er in der Zeit der Religionskriege lebte, wo man in Frankreich die Hugenotten zu Zigtausenden abschlachtete, in England auch niemand vor Verleumdung sicher war und in Deutschland im 30jährigen Krieg die halbe Bevölkerung hingemetzelt wurde. Da musst Du mal einen Blick in die Geschichte werfen, ohne den Hobbes und sein LEVIATHAN nicht zu verstehen ist. Einen Ausweg aus dem Chaos sah er nur noch in einem mit strengen Gesetzen geregelten Staat. Andererseits benannte er sein Buch nach dem alttestametarischen Mythos vom LEVIATHAN (Buch Hiob), eine Warnung vor dem Scheitern menschlicher Konstrukte (Bezug zu heute: Globalisierung, Bankenkrise, EURO), was sich dann in den Wirren der französischen Revolution bestätigt hat.

Dagegen ist die persönliche Geschichte von John Locke eine ganz andere. Er kämpfte für den Parlamentarismus gegen den Feudalismus und wurde darum auch verfolgt. Das kann man bei Google gut nachlesen. Evtl. noch vertiefen. Bei beiden fließt die intensive aktuelle Geschichtserfahrung in ihr Denken ein. Die unterschiedlichen Erfahrungen prägen dann auch die Unterschiede im Denken.

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