Vergewaltigung eines Familienmitglieds - komme damit nicht zurecht?

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10 Antworten

"[...] sie sagt das sie damit sehr gut klar kommt, [...]"

Das heißt, wenn ich es richtig verstehe, dass deine Mutter mit dir auch darüber reden kann und genau da könntest du ansetzen. Vielleicht kann deine Mutter dir erzählen, wie sie das Thema für sich verarbeitet hat, um schlussendlich ein Haken hinter dahinter setzen zu können.

Wichtig ist nur, ich kenne die Verfassung deiner Mutter nicht, dass du behutsam bist und nicht direkt mit der Tür ins Haus fällst, wenn es um sehr prekäre Fragen deinerseits geht. 

Weiterhin kann ich dir nur raten deine Mutter, wie sie heute ist, von dem Mädchen in der Vergangenheit zu trennen. Das ist ein gedanklicher Prozess und dieser ist sicherlich nicht einfach und braucht Zeit, jedoch ist das Bewusstsein dafür wichtig - auch im Umgang mit deiner Mutter.

Du hast deine Mutter die ganze Zeit um dich gehabt, ohne davon etwas zu wissen und genau den Blick auf sie, den du vorher hattest, solltest du dir erhalten respektive "wieder zurückholen". Es gibt für dich, wie auch deine Mutter wenig was so destruktiv wäre, wie das Stigmata "Vergewaltigungsopfer". Das ist sicherlich nicht in ihrem Interesse und reduziert sie schlussendlich auf dieses Ereignis. 

Aus persönlicher Erfahrung:

Ich war eine lange Zeit mit einer Frau in einer Partnerschaft die ebenfalls Opfer einer Vergewaltigung wurde. Das hat sie mir auch erzählt und wir haben uns darüber unterhalten - ich kannte also den Tathergang, den nachfolgenden Prozess et cetera. Sie hat mir so viel erzählt wie sie konnte und auch wollte, es war also Lückenhaft aber mehr erfragt habe ich auch nicht. 

Das einzige worauf ich darauffolgend geachtet habe, war der Verzicht, ohne Vorwarnung, bestimmte Filme einzulegen wie "Irreversible", der Beispielsweise eine Vergewaltigung in epischer Länge und Härte abbildet.

Ansonsten habe ich das Thema für mich ignoriert. Die Person, die nun vor mir Stand, hat dahinter einen Haken setzen können. "Sie lacht und denkt ebenfalls nicht immer wieder darüber nach - warum sollte ich das also tun?" war der Gedanke. Das einzige, was von der ganzen Tat noch übrig ist, ist die Erinnerung daran, die ab und an hochkommt, wenn man sie triggert - mehr aber auch nicht.

So kann man wohl gut damit umgehen, wenn man sich dies ins Bewusstsein ruft, dass der Mensch vor einen, nicht mehr das Opfer dieser Tat ist, sondern eine starke Persönlichkeit, die über einen langen Weg, dieser Tat entwachsen ist - die Tat zu einer Erinnerung gemacht hat. 

Deine Mutter hat damit viel geleistet und anstatt Mitleid verdient sie Anerkennung und auch Menschen, die sich mit ihr freuen, dass sie das geschafft hat und der Mensch geworden ist, die sie heute ist. 

Kurz gesagt - Du kannst stolz auf deine Mutter sein und aus dieser Perspektive betrachtet, machst du deine Mutter nicht mehr zu einem Opfer, sondern zu der starken Frau, eine starken Persönlichkeit, die selbst solch eine Situation überwunden hat. 

"Mitfreude, nicht Mitleiden, macht den Freund."

- Friedrich Nietzsche

Ich wünsche dir alles Gute und hoffe das du mit dieser neuen Erkenntnis zurecht kommst und bald anders darauf blicken kannst.

Liebe Grüße.

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Kommentar von medicatedkk
02.08.2016, 20:10

Ich danke dir vielmals für deine Antwort.

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Die "Wucht" einer solchen psychischen Beschädigung ist in ihrer ganzen Ausstrahlung in das Gesamtleben kaum oder gar nicht allein zu lösen - ich weiß wovon ich hier schreibe. Du kannst Deine Mutter in die Arme nehmen, kannst ihr täglich in Wort, Hand und Tat  das Gefühl von Verstehen, von tiefer Empathie, Liebe und Einfühlsamkeit geben - sie sollte Dich sehen, fühlen und hören, das Du für Sie da bist. Aber Deine Mutter sollte sich therapeutische Hilfe holen - und Du kannst Sie dabei "begleiten". Ich kenne eigentlich niemanden der es aus eigener Kraft geschafft diese traumatisierende Last aus der Kindheit auch nur annäherend auf eine gesunde Weise wieder auszugleichen - zunächst ein starkes Widerlager zu schaffen.

Es gibt heute extrem gute Therapien und Therapeuten!

Mach ihr Mut - das Schwerste für Sie wird sein dabei ist das lozuwerden, was sich zusätzlich zu dieser außerordentlich massiven Erschütterung und Verwüstung mit allen seinen oft so schmerzhaften Zuständen hinzugetan hat: Schuld und Scham - manchmal noch das Gefühl gescheitert zu sein und je älter man wird um so schlimmer wird es. Ohne Therapie würde ich heute nicht mehr leben - auch die Anbindung an eine Selbsthilfegruppe kann ein zusätzlichet therapeutischer Ansatz, aber nur ein zusätzlicher.


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Nimm dir ein Beispiel an deiner Mutter. Rede mit ihr. Wenn du das nicht möchtest dann mit einem Psychologen. Aber da finde ich ein Gespräch mit deiner Mutter besser. Sie scheint eine starke Frau zu sein. Sag ihr was dich bedrückt

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Hey^^

Ich kann nicht sagen, dass ich weiß wie du dich fühlst, weil ich nicht du bin. Aber mir hilft es immer, wenn ich höre, dass manche die selben oder  ähnliche Probleme haben. Ich kann dir hiermit sagen, dass ich auch jemanden in meiner Familie habe, die vergewaltigt wurde, zweimal. Ich kann auch gar nicht damit umgehen, oder konnte es nicht. Ich liebe diese Person nämlich unheimlich. Ich kann mir also ungefähr vorstellen, wie du dich fühlst.

Ich kann dir nur raten deine Sorgen irgendwo abzulassen, das hat mir geholfen. Du musst ja nicht gleich erzählen, wem es passiert ist. Du kannst zum Beispiel zu sehr guten Freunden oder, wenn du welche hast, zu Geschwistern gehen und ihnen erzählen, dass dir eine alte Freundin von früher oder so erzählt hat, dass síe vergewaltigt wurde. So lässt du deinen Sorgen Dampf. Oder du schreibst dem Kummerkasten oder rufst dort an.

Das beste, was du aber glaube ich tun kannst ist mit deiner Mutter selbst zu sprechen. So muss sich deine Mutter vielleicht nicht mal Sorgen um dich machen, weil sich bei dir die Sorgen so angestaut haben und du kannst auch deine Sorgen los werden ohne dann noch Schuldgefühle zu haben, dass du es jemand anderen erzählt hast. Außerdem ist deine Mutter ja auch die Betroffene, also die richtige Gesprächspartnerin.

Ich hoffe dir geht's bald besser                                                                         Viel Glück!

Bye^^

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Ein solches Thema geht sehr nah und tief. Erst recht wenn es jemand betrifft den man kennt, sprich deine Mutter.

Oft redet die Betroffene nicht darüber weil sie nicht kann oder nicht will. Deine Mutter redet aber darüber und sie gibt dir damit auch die Chance mehr über das Thema Vergewaltigung zu erfahren. Sie ist für dich die Person welche dir jetzt am Besten Auskunft geben kann.

Das Thema von dir fernhalten ist grundsätzlich falsch und abschliessen brauchst du auch nicht mit diesem Thema, das hat, wie du schreibst, deine Mutter gemacht, in dem sie sagt "damit komme ich sehr gut klar." Sprich mit deiner Mutter darüber, frage sie und lasse sie erzählen. Nur so kommst du weiter und kommst mit diesem Thema auch zurecht. Sage deiner Mutter was du fühlst, was du denkst und was dich beschäftigt. Sie kann dir weiterhelfen.

Ich wurde als Kind missbraucht und meinen Kindern ging es gleich wie dir als sie es erfahren haben. Ich konnte ihnen weiterhelfen in dem ich mit ihnen oft darüber sprach und sie mir auch Fragen stellen durften die für mich nicht immer so angenehm waren, aber sie lernten damit klar zu kommen. Ich bin überzeugt das kann deine Mutter auch.

Und noch was ganz wichtiges, Bemitleide deine Mutter nicht, sondern bewundere sie für das was sie heute ist trotz ihrer tragischen Vergangenheit.

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Rede mit deiner Mutter oder such halt einen Psychologen auf das du es einfach raus lässt und mit jemanden drüber sprichst was dir halt weh tut in deinem fall das deine Mutter früher Vergawaltigt worden ist 

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Kommentar von Goodnight
02.08.2016, 19:13

Schlechte Idee das Opfer zu belasten. Für die Mutter ist es vorbei, so soll es auch bleiben.

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Dann suche dir einen Therapeuten. Deine Mutter weiter damit zu belasten ist nicht fair.

Noch besser lass es einfach ruhen. Niemandem ist geholfen, wenn man alte Geschichten aufwärmt von denen du gar nie betroffen warst. 

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Hey ich verstehe dich vollkommen
Ich würde selbst vergewaltigt das beste was du machen kannst ist für deine Mama da zu sein und wenn sie es kann mit ihr reden

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Das ist ein außerordentlich schwieriges Thema. Das erste ist woran ich denke, dass deine Mutter hoffentlich eine Therapie machen konnte, die das schreckliche Ereignis aufarbeiten konnte, ihr eventuell jegliche Schuldgefühl nehme konnte und ihr ein Leben danach aufzeigen konnte, denn ein Verdrängen hilft nicht, es belastet das ganze Leben danach viel zu stark.

Du kannst mit einer Person deines Vertrauens darüber sprechen, du fühlst Anteilnahme , doch keiner kann die Zeit vor dem Ereignis zurückdrehen. Es geschehen auf der Welt schlimme Dinge, dieses ist eines davon, wenn (z.B )ein Therapeut da war der deiner Mutter half irgendeine Möglichkeit zu sehen danach nicht dauerhaft in Verzweifelung zu Leben, denn geschah das was unbedingt passieren musste (auch ein Opfer von Gewalt - muss nach Aushalten des Leids und des Schmerzes - eine Perspektive vermittelt bekommen andernfalls wird das Leben unerträglich)

Es gibt auch Hilfsorganisationen wie den weißen Ring , die auch für Angehörige da sind, ich denke dort gäbe es bestimmt jemanden mit dem du darüber reden könntest, es gibt viele, zu viele Opfer von Gewalt auf dieser Welt, Leiden hat viele Gesichter

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Vllt. hilft es dir mit deiner Mutter zu sprechen. Wenn nicht solltest du vielleicht fachliche Hilfe in Anspruch nehmen.

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