vergessen ist / wird?

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6 Antworten

Zuvörderst: besserer Stil ist es, wenn man sagt:
Jemand ist erst verstorben, wenn er vergessen ist.

Ich habe als Prädikat bewusst "vergessen wird" weggenommen.
Das geht nämlich gar nicht.

Gucken wir uns mal das Tempus (Zeit) an.
"er wird vergessen" ist Passiv Präsens, und gerade bei "vergessen" ist es ein ganz schlechter Zeitpunkt, weil die Tatsache des Geradevergessenwerdens gar nicht darstellbar ist. Im Deutschen kann man eigentlich nur feststellen: "er ist nicht vergessen" oder "er ist vergessen worden". Das Letztere ist Perfekt Passiv (als Vorgangspassiv).

Die Nichtdarstellbarkeit ist auf bestimmte Verben beschränkt. Bei einer Tür, die offen ist, kann man dies auch darstellen.
Die Tür wird geöffnet. (Passiv) --- Jemand öffnet die Tür. (Aktiv)


Die beiden möglichen Formulierungen sind also vom Zeitverhältnis her:
"Jemand ist erst verstorben, wenn er vergessen ist." (allgemein)
"Er ist erst verstorben, wenn er vergessen worden worden ist."
(historische Darstellung bei einer Person z.B. in einem Roman)

Eine Versetzung in die Vergangenheit bezieht sich gleich auf beide Prädikate (geht aber nur bei Bezogenheit auf konkrete Personen):
"Er war erst verstorben, als er vergessen worden worden war."

---

Das höchst interessante Verb "verschellen" ist auch so eins.
Präsens: "jemand verschillt"
Man kann zwar feststellen, dass jemand "verschollen" ist, aber schlechterdings nicht, wann dies gerade passiert, weil man's dann gar nicht weiß.

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Kommentar von Volens
13.06.2016, 10:20

Manche suchen ja händeringend nach unbekannten Paradoxa. Dies ist eins!

Sagt jemand, dass ein anderer gerade verschillt, kann er es ja gar nicht sagen, weil er den Aufenthaltsort in diesem Augenblick noch weiß. Weiß er ihn nicht, könnte er es sagen, machte dies aber in dem Augenblick wieder unmöglich, weil ... siehe Beginn des Satzes.

Ein Satz wie "er verschillt gerade" ist grammatisch konstruierbar, schließt sich aber selbst im Gebrauch alternierend aus.

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„Der Mensch ist erst wirklich tot, wenn niemand mehr an ihn denkt.“ (Bertlolt Brecht)

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Müsste es nicht heißen

Jemand ist erst gestorben, wenn er vergessen ist. ?

Ich bin zwar unsicher, aber mMn kann man gestorben auf diese Weise "bildlich" benutzen, aber verstorben... - das ist zumindest für mich der tatsächliche Übergang vom Leben zum Tod.

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Beides ist grammatikalisch korrekt, es existieren allerdings (kleine) Bedeutungsunterschiede.

Sagst du "wenn man vergessen ist.", drückst du aus, dass man allgemein nach einiger Zeit unwichtig ist.

Sagst du "wenn man vergessen wird." ist das eine spezifische Andeutung darauf, dass man von einem oder mehreren Menschen vergessen wird.

Ich hoffe, ich konnte dir helfen; wenn du noch Fragen hast, kommentiere einfach.

LG Willibergi

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Beides ist korrekt, aber mit leicht unterschiedlicher Bedeutung.

...wenn man vergessen ist = man denkt nicht mehr an ihn

...wenn man vergessen wird = man denkt immer noch an ihn, wird ihn aber in Zukunft vergessen

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Hallo, ja es ist eine Redewendung. Und ja es kann beides verwendet werden. Das hat mir damals meine Lehrerin so erklärt als ich eine ähnliche Frage stellte.

Ich hoffe ich konnte helfen!

Lg

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