Vergebung?

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Wikipedia sagt dazu:

Vergebung ist eine  Bewältigungsstrategie, um ein tatsächliches oder angenommenes  Fehlverhalten Anderer  mental  akzeptieren zu können, ohne irgendeine Reaktion des Anderen (etwa ein  SchuldeingeständnisReueEntschuldigung) zu erwarten oder  Gerechtigkeit ( VergeltungStrafverfolgung) zu fordern. Der Ausdruck  Verzeihung wird häufig synonym benutzt, obwohl sich dieser Ausdruck eher auf den  Gemütszustand des Verursachers bezieht  (um Verzeihung bitten), während die  Vergebung hingegen allein die  intrinsische Motivation des „Geschädigten“ bezeichnet.

Corrie ten Boom ist für mich eine Beispielperson für Vergebung. Sie und ihre Familie haben im 2. Weltkrieg in Holland Personen versteckt, die man umbringen wollte oder zur Zwangsarbeit nach Deutschland geschickt hätte. Die Familie wurde verraten. Es folgten Aufenthalte in Konzentrationslagern und Gefängnissen. Corrie ten Boom hat dabei fast alle Familienmitglieder verloren. Ihre Schwester ist in einem KZ durch Hunger und Krankheit umgekommen.

Sie hätte allen Grund gehabt, die Verursacher dieser schrecklichen Taten zu hassen. Doch sie hat das Gegenteil getan. In unzähligen Vorträgen warb sie für Vergebung für die "Feinde". Sie hat über Jahre solchen Menschen tatkräftig geholfen.

Gleich nach dem Krieg kam zuerst aber ein Pflegeheim für Kriegsopfer. Ihre Erfahrung dabei, die Menschen konnten psychisch nur dann einigermassen gesund werden, wenn sie ihren Tätern vergaben. (Biografie "Meine Zuflucht")

Wenn wir jemandem für seine Taten hassen, so schaden wir uns selber auch.

Ich selber wurde von einem ehemaligen Chef sehr schlecht behandelt. Heute bin ich dankbar, dass ich ihm vergeben habe. Nicht nur in Gedanken, sondern auch in Taten. Nicht gegen ihn, sondern für ihn zu arbeiten. Ihm die Wertschätzung zu geben, die er verweigert hat.

Niemand " sollte" vergeben. Denn es ist eine freiwillige Entscheidung. Und da spielen viele Dinge eine Rolle, ob man das für sich in Erwägung zieht

Wenn man z.B. als Kind missbraucht wurde und deshalb psychisch angeschlagen ist und diverse heftige Probleme hat im Leben, dann darf man dem " Täter" vergeben, um sich von ihm psychisch selbst zu lösen. In der Hoffnung, dass man dadurch gesünder wird, weil man losslässt.

Aber niemand darf behaupten, dass die Vergebung generell hilfreich ist und zwingend notwendig. Die geschädigte Person muss, dass für sich klären, ob ihr das zu ihrem Wohl weiterhilft. Oder ob sie niemals verzeihen will, weil die Ungerechtigkeit unverzeihbar war/ ist.

Was ist der Sinn von Vergebung

Damit abschließen und Frieden finden. Wenn du wirklich vergibst, hast du selbst mehr davon, als das Gegenüber.

Woher ich das weiß:eigene Erfahrung

Vergebung ist die Reaktion Betroffener auf die Bitte um Entschuldigung nach eigenem persönlichen fehlerhaften Verhalten ihnen gegenüber.

Sich selbst kann man nicht vergeben, auch wenn man sagt: " Ich entschuldige mich!"

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