Vergangenheit - Angst Kinder zu schlagen.. Guten Psychologen finden?

9 Antworten

Die Frage ist, ob du wirklich zur Gewalt neigen würdest wie deine Mutter. Du hast dich mit dem Problem auseinandergesetzt und perfekt analysiert, auch durch deine Ausbildung. Wenn man die Ursache kennt, ist sehr viel getan. Du kannst mit deinem Mann reden, das ist doch wunderbar. Du hast psychologische Hilfe in Anspruch genommen, du hast deinen Mann davon erzählt. Warum sollte es wieder aufbrechen? Es gibt in der Psychologie den Begriff der "selbsterfüllenden Prophezeihung". Vielleicht kannst du dadurch dein Denken regulieren, umstellen. Denn es geht dir gut, warum willst du noch einmal daran rühren, d.h. die negative Prognose bei den Opfern, für dich annehmen? Die Vergangenheit kannst du nicht ändern, und nicht jeder der das durchgemacht hat, wird zum Schläger. Freue dich, dass es dir gut geht und blicke hoffnungsvoll in die Zukunft. L.G.

Zuerst einmal kann ich dich beruhigen, ich kenne eine ganze Menge Leute die geschlagen wurden und genau deshalb ihre Kinder nicht schlagen. 

In der Psychologie ist immer offen ob man das Gleiche tut oder eben genau das Gegenteil.

Aus Erfahrung kann ich dir sagen, dass mit der Fürsorge für meine Kinder die Wunden meiner Kindheit geheilt wurden. Meine Kinder sind erwachsen und finden sie haben eine wundervolle Kinderzeit gehabt.

Lass dir nichts einreden, du gestaltest dein Leben und das deiner Kinder. Du trägst auch die Verantwortung und der darf man sich mit gesundem Menschenverstand auch stellen. 

Psychologen sind keine Chirurgen, sie sind eher Trainer. Das bedeutet, dass der Therapeut nur einen Teil der Arbeit übernimmt, den Rest muss der "Patient" erledigen. Und genau wie ein Trainer muss auch ein Psychologe "hart" sein können, dich an deine Grenzen und (nach deinem Empfinden) weit darüber hinaus bringen, um dir bewusst zu machen, was in dir steckt. Kurz: das Verhältnis sollte keine zweite Partnerschaft voller Verständnis und Rücksichtnahme sein sondern eben in erster Linie harte Arbeit.

Vielleicht gibt es Selbsthilfegruppen in deiner Nähe, wo du dir sowohl praktische Tipps für den Alltag als auch Namen von Therapeuten holen kannst? Oder Kurse für werdende Eltern (auch wenn du noch nicht schwanger bist), in denen sowas aufgearbeitet wird?

Zuallererst solltest du dir aber genauer darüber klar werden, warum du immer wieder in die alte Rolle verfällst. Gelernt ist gelernt, natürlich, aber du hast auch gemerkt, dass dein Verhalten (Ja-Sagen, den Mund halten, dich selbst in Frage stellen, unterordnen, verstecken) nicht wirklich funktioniert. Und du weisst längst, was du ändern musst. Also fange im kleinen an zu üben: sag, was du denkst - und stelle fest, dass man dich weder schlagen noch "verstoßen" wird, wenn du mal jemandem widersprichst!

Lerne, damit umzugehen, andere "zu enttäuschen" oder "verletzen": wenn dein Essen kalt ist, lass es zurückgehen und ertrage die Blicke der Kellnerin! Wenn sich jemand im Supermarkt vordrängelt: sprich die Person an und brich nicht vor lauter Schuldgefühlen zusammen, nur weil es der andere furchtbar eilig hat. Geh in ein Geschäft, lass dich ausführlich beraten und sag dann, dass es dir zwar leid tut, du aber nicht gefunden hast, was du suchst. Und geh wieder. Mach das immer wieder, sobald sich die Gelegenheit bietet - es wird wirklich leichter!!!

Solche Dinge habe ich von Leuten gelernt, die mich auch nicht verstanden haben (wie ich erst dachte). Und auch, dass ich weniger Angst vor Gewalt hatte als viel mehr davor, nicht "perfekt " zu sein. Egoistisch. Anspruchsvoll. Rücksichtslos. Dass ich plötzlich im Mittelpunkt stehen und mich bemerkbar machen müsste (ich schreibe bewusst nicht rechtfertigen oder verteidigen, weil das nicht stimmen würde!)

Du fühlst dich immer noch als Opfer, und natürlich bist du das. Nur bist du weit mehr: du bist nicht mehr klein und hilflos und ausgeliefert - du bist groß und stark genug, um endlich Verantwortung zu übernehmen! Tu das, auch gegenüber einem zukünftigen Psychologen. Geh hin und erzähle nicht erst stundenlang deine Lebensgeschichte und frag dann, was er/ sie jetzt zu tun gedenkt, sondern sag offen und ehrlich, was DU willst und brauchst: Übung in Sachen Selbstvertrauen. Jemanden, der "Stopp" schreit, wenn du wieder in alte Muster fällst. Jemanden, der dich ZWINGT, mal was zu verändern. Und jemanden, der dir ehrlich zeigt, wo du gerade stehst. Der bereit ist, mit dir zu probieren und Strategien zu entwickeln. Usw. Für die Kuscheleinheiten hast du deinen Mann!

Ein Therapeut meinte mal zu mir: "Wenn Sie mit gebrochenen Beinen im Krankenhaus liegen, müssen sie wieder laufen lernen! Und ob sie selbst besoffen vom Balkon gesprungen sind oder absichtlich umgefahren wurden, ändert nichts daran, wie weh es tut oder wie anstrengend es wird. Das ist nicht fair - aber leider nicht zu ändern. Und die Psyche ist da nicht anders..."

Bitte versteh mich richtig: was dir passiert ist, ist furchtbar und grausam - und du hast völlig normal reagiert, als Kind, als Jugendliche, als Frau. Aber man kommt nur aus der Opferrolle heraus, wenn man bereit ist, den "Schutz", den sie bietet (und das tut sie, und wenn es nur in deinem Kopf ist) endgültig zu verlassen. Wenn man bereit ist, auch selbst mal zum Täter zu werden! Es ist menschlich, andere anzuschreien oder nicht genug zu beachten! Wenn dir das klar ist, kennst du "realistische" Grenzen und kannst dir Dinge verzeihen, statt ständig einem Ideal nachzurennen, das unerreichbar ist (es gibt keine Unschuld!).

Du wirst deine Kinder anschreien. Deinem Mann überlassen und dich woanders abreagieren, weil du nicht mehr kannst. Jeder tut das. Aber wenn du mit dir selbst im Reinen bist, wirst du es tun, solange du damit deine Wut noch kontrollieren kannst - und nicht erst, wenn du vor lauter Frust und Selbsthass komplett austickst und anfängst zuzuschlagen.

Und genau deswegen wirst du eine gute Mutter sein! Kämpfe dafür, du bist es wert!!!

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