Verfallen der Deutschen Kultur und Trend zur Vereinfachung der Sprache=Nivellierung der Persönlichkeit?

15 Antworten

Ich lebe in der Schweiz und hier hat es (in der Deutsch-Schweiz) ganze Horden von Vollpfosten, die sich mit "Soziolekten" identifizieren und die die Leute sogar richtig gehend mobben, damit die ihren "Soziolekt" nachäffen.

Diese Vollpfosten meinen alle, dass ihr Kauderwelsch ein "urchiger Dialekt" ist. Den sie sogar noch für ein Weltkultur-Erbe halten und als solches schützen lassen wollen.

Die schwatzen alle von "Hochdeutsch" .. wie Du und wollen nicht akzeptieren, dass für mich "Hochdeutsch" auch ein "Soziolekt" ist ... das Wort für die deutsche Sprache, die eigentlich jeder im deutschen Sprachgebiet sprechen sollte, ist nämlich "Schriftdeutsch". 

Die Tölpel verstehen auch nicht, dass man keinen echten Dialekt damit erhalten kann, dass möglichst viele Leute, die einen anderen Dialekt sprechen, diesen nachäffen.

In der deutschen Sprache ist es so, dass man höchstens EINEN echten Dialekt lernen und sprechen kann. Sobald man einen "Dialekt", oder auch nur "Soziolekt" spricht, wird ein anderer Dialekt dadurch versaut. 

"Hochdeutsch" ist für mich ein Soziolekt ... das ist Schriftdeutsch mit einem norddeutschen Accent.

Mir gehen verfälschte Dialekte grauenvoll auf den Wecker. Je weniger autenthisch so ein Dialekt ist, um so mehr ordne ich die Leute als "Bauerntölpel" ein.

Hier in der Schweiz hat es ständig irgendwelche Fernsehsendungen, wo ein "Sauschwob" =ein Schriftdeutsch-  (bzw "Hochdeutsch"-) Schwätzer den hochstehenden Akademiker mimt, der dann mit einem Bauerntölpel, der einen nachgeäfften Schweizer-Deutschen Soziolekt spricht, diskutiert. 

Wenn der "Akademiker" dann "Schriftdeutsch" spricht, ist das eine Diskussion zwischen einem intelligent wirkenden Menschen und einem Bauerntölpel.

Wenn der Akademiker "Hochdeutschen Soziolekt" spricht, dann wirkt der auch ein wenig deppert.

Ganz schlimm wird es wenn der "Akademiker" "Schwitzer-Tütsch" nachäfft, dann wird das zu einem Dialog von 2 Deppen.

Das mit dem Duzen, geht mir eigentlich auch eher auf die Nerven ... aber nur deshalb, weil es im Deutschen noch die zwei Formen gibt ...im Englischen ist "you" für mich "neutral" ...    In französich ist das "tu" fast noch plumper als das "Du" im Deutschen.

Beim Duzen bin ich dafür, dass man das auf Freunde und Familienangehörige begrenzt ....und auf Kinder und junge Jugendliche. Für mich ist es etwas grenzwertig zu einer 20- jährigen Frau, die ich zufällig treffe "Du" zu sagen aber es ist für mich auch irgendwie daneben, eine 12-jährige mit "Sie", oder mit  "Frau Müller" anzusprechen.       

Wenn das mit dem Du und dem O.K. das Einzige ist, was Dir Sorgen macht, dann lebst Du ja noch in einer heilen Welt. Dann hast Du hier auf GuteFrage noch keine Sätze gelesen, die Du nicht verstehst, obwohl sie in Deutsch geschrieben sein sollen. Sprache ist ein lebendiger Spiegel der Gesellschaft und wie diese ständig in Veränderung. Aktuell werden gesellschaftliche Veränderungen initiiert, von denen noch niemand weiß, was da mal draus wird, wie danach "Deutsch" aussehen wird (guckst du aber hä?). Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob Du einen Original-Luther-Text ohne Hilfe verstehen würdest. Mein Großonkel hat zu seiner Muttern noch SIE gesagt: Mutter, wollt IHR heute Kaffee. Das war Ausdruck einer sehr autoritären Grundeinstellung und wäre heute total als faschistisch gebranntmarkt. Damals war das halt so und der Großonkel war nie Faschist. Aber unsere Besserwisser heute haben da halt so ihre Schubladen. 

Statt Autorität haben wir heute die flache Kollegialität, was nicht hindert, dass wir dem Kollegen, wo möglich, ein Beinchen stellen. Gesellschaft ist ein Spiel, nicht selten ein falsches. Und das Sprachspiel wird aufgeblasen von Werbetextern, die überall die Revolution wittern, von Medienautoren, denen es nicht dramatisch und sensationell genug sein kann. In diesem Sektor findet eine extreme Entstellung unserer Sprache statt - wir achten meist nicht mehr drauf. Und im Politischen? Wer wird da nicht alles mit den Politkeulen "Rassist", "NAZI" usw. bearbeitet ohne Rückversicherung, was diese Begriffe bedeuten. Zwei Kampagnen weiter müssen wieder neue Schmutzbegriffe als Politkeule erfunden werden, weil "Rassist" z.B. schon so abgegriffen ist und inzwischen nahezu jeder damit verunglimpft wurde. Dazu kommen die haufenweise wissenschaftlichen Doktoranden, die als Beweis ihrer Wissenschaftlichkeit ständig neue Fachbegriffe definieren oder noch schlimmer, Alltagsbegriffe umdefinieren. 

Das ging aber schon dem Schopenhauer so, als er seine Welt-Urkraft "Wille" nannte und darum bis heute meist missverstanden wird. Heidegger mit seiner verschwurbelten Sprache verlangt nach einem eigenen Wörterbuch, dass man ahnt, was er wirklich gemeint haben könnte. So ganz neu ist das also nicht. Was viele in der digitalen Kommunikation unterschätzen: Man kann selten direkt wie im Gespräch nachhaken, wie was gemeint ist sondern macht sich auf die zukommunizierten Begriffe halt seinen eigenen Reim und dem Missverständnis sind Tür und Tor geöffnet. Das schafft Gewaltpotential, wo wir doch sonst gerne so friedlich sind.

Der Clinch zwischen Siezen und Zwangsduzen hat mich im Berufsleben auch aufgeregt, da man durch das Du in eine Pseudo-Nähe gezwungen wurde und sich  -ausgelöst vom Du-  anders verhielt, was je nach Position ungewollte, durch diese Schein-Nähe bewirkte Aussagen zur Folge haben konnte.  Zuviel Nähe durch 'technisches Duzen'! (meine Bezeichnung)

Da habe ich für mich entschieden, mich sprachlich abzugrenzen - denn wenn alle sich  im dumpfen stilfreien kasusbereinigten Plattmodus befinden, nach Gehör schreiben und ansonsten die Wortvervollständigungsfunktion ihres Smartphones unreflektiert nutzen,  dann ist jemand, der die Sprache noch im althergebrachten Sinne verwendet, sowieso ein Exot.

Solange ich Sprachäußerungen durchschaue und selbst mit  Sprache umgehen kann (und nicht nur mit meiner!)  finde ich nicht, dass da eine Nivellierung der eigenen Persönlichkeit droht.

Äußerungen wie 'alles gut?' gehören für mich zur erweiterten Teletubby-Sprache - damit kann man sich schon bei der Begrüßung outen. Ich versuche dann bei der Antwort, mein 'danke, ganz ok' nicht so erstickt klingen zu lassen, um dem Fragenden nicht so den Spiegel vorzuhalten.

Hier in der Anonymität finde ich das DU ganz angebracht, denn jeder hat ja die Möglichkeit, sprachlich oder gedanklich auf Distanz zu gehen (oder gar nicht zu antworten).


Noch ein Gedanke dazu: ich gehe gelegentlich in mich und hinterfrage Sprachliches und meine Gefühle und das Wieso - da fiel mir mal auf, dass dieses unaufgeforderte Duzen bei mir wie so eine Art Majestätsbeleidigung ankommt: da spielt das alte Standesdenken mit hinein, das ich bei meiner Mutter gern kritisiert habe, das aber auch in mir noch vorhanden ist: 'Wer glaubt er zu sein, dass er mich duzt'.

Dieses Denken beruht auf dem gesellschaftlichen Stand der Familie, generationenübergreifend gesehen, und funktioniert am besten immer noch dort, wo die Familie ansässig ist und ihr Familiengrab für die vergangenen Generationen hat.

Durch das Loslassen von Familiensitz und solchen Traditionen wird mit einem beruflich bedingten Ortswechsel dieses gesellschaftliche Gerüst erschüttert - und schon ist man dem ungefragten 'Du' ausgesetzt und ausgeliefert und macht den Verlust noch deutlicher.

Es hat also auch mit der eigenen Herkunft und mit Ansehen zu tun, wenn es für jemanden bitter wird, sich duzen zu lassen.

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Zitat: "Hier in der Anonymität finde ich das DU ganz angebracht, denn jeder hat ja die Möglichkeit, sprachlich oder gedanklich auf Distanz zu gehen (oder gar nicht zu antworten)."

Das ist auch meine Meinung, obwohl ich in der Außenwelt Wert darauf lege, von Unbekannten gesiezt zu werden. Am meisten regt mich (sichtbar alten Mann) die Anrede mit "junger Mann" auf. Das ist der Ton von Pflegekräften ...

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@RudolfFischer

Da stimme ich dir voll zu: manchmal sprechen Ärzte auch so - bei mir aber dann nur einmal! :)

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