Vereinswechsel als Fan? Ja oder Nein?

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Ich bin da etwas zwiegespalten. Früher hätte ich gesagt, dass das moralisch eher nicht geht. Speziell bei Bayern muss man auch sagen, dass sie vieles richtig gut machen (sage ich als Borusse). Wirtschaftlich gesehen ein gesunder und vor allem autarker Verein, was über die Landesgrenzen hinaus auf diesem Niveau absolut selten ist.

Arroganz ist natürlich irgendwie in diese Bayernphilosophie verankert, war es aber meiner Meinung nach schon immer - was aber irgendwie nur bei Misserfolg Probleme geben wird.

Diese Talente, die bei Bayern auf der Bank sitzen, sind ja keine Sklaven. Die Jungs haben sich das selber ausgesucht und jeder von diesen Spielern sollte kopfmäßig soweit sein, dass sie die eigenen Chancen auf Einsatzzeiten realistisch abschätzen können.

Ich war schon immer Borusse (lag allerdings auch an der erfolgreichen Zeit zu meinen Grundschulzeiten), wankte aber auch mit den Zeiten von Transferwahnsinn, Gehaltsexplosionen und Überschuldung. Ich konnte mein Fanleben auch nicht richtig ausleben, wenn die Mannschaft, die ich gerade sehe, quasi auf Pump aufläuft. Bin aber doch dabeigeblieben (unter anderem wegen der dennoch starken Fankultur) und bereue es sinnigerweise nicht. Der Wandel, der in Dortmund quasi aus der Not heraus entstand, kam genau richtig für mich. So hätte ich auch kein Problem damit gehabt zweitklassig zu spielen.

Allerdings kenne ich aus meiner eigenen Fußballerkarriere, wie schnell sich der Verein an sich ändern kann - mit seiner Philosophie, seinem Auftreten usw. Mein Heimatverein hatte mich ausgebildet und ich hätte als Jugendlicher - etwa in deinem Alter - einen Vertrag bis Lebensende unterschrieben...so blind war ich. Dann änderte sich alles. Neuer Vorstand, neuer Obmann, neue Führung. Mein kleiner bescheidener, aber ambitionierter Sportverein verfällt plötzlich dem Größenwahn. Fängt an in der Jungend Spieler aus der Region abzugrasen, ähnlich starke heimische Spieler spielen plötzlich keine Rolle mehr. Man dachte, man könnte sie auch so "bei Laune halten". Aus der ersten Herrenmannschaft kenne ich vielleicht nicht 2-3 Leute. Der Rest sind irgendwelche Söldner, die eh keine 5 Saisons dort bleiben. Ich verletzte mich als Nachwuchsspieler in meinem letzten Jugendjahr schwer (hatte schon bei den Herren mitgekickt) und plötzlich redete kein Schwein mehr mit mir. Nicht der neue Trainer, nicht der Vorstand, noch die Spieler, die ich eh kaum kannte. Als ich wieder halbwegs fit war, wollte mich keiner so recht haben. Meine Mitspieler aus der Jungend waren schon lange nicht mehr im Klub, weil sie die Schnauze voll hatten und spielten (und spielen noch) bei anderen Vereinen aus der Region und wurden vernünftig integriert. In der Öffentlichkeit gibt man sich plötzlich arrogant bzw. hochnäsig. Wie sauer ich doch teilweise auch auf mich selber war, dass ich diesen Verein so geliebt habe.

Ich fing dann unterklassig beim Nachbarverein wieder an. Spielte mit meinen Freunden und dort hat es so zwei Jahre gedauert bis ich wieder richtig fit war. Ich wechselte dann erneut, weil ich höher spielen konnte und wollte und mein alter Klub lässt mir dennoch immer eine Tür offen. Ein wirklich netter Abschied und ich bin unglaublich dankbar für diese Zeit. Jetzt spiele ich etwa so hoch wie damals im ersten Herrenjahr und ab und zu spielt man auch gegeneinander. Die Jungs, die mich quasi damals ersetzen, sind schon garnicht mehr da. Für meinen jetzigen Verein, der mich super aufgenommen hat, würde ich alles geben und auch das Umfeld ist super nett zu mir und das versuche ich auch zurückzugeben. Ich habe auch viele Freunde dort (vorher wie auch später gefunden) und bereue meine Entscheidung - auch in schlechten Zeiten (sportlich gesehen) - in keinster Weise in keiner Sekunde.

Auch wenn die Qualität des Kaders mal schlechter ist und alles nicht so professionell aufgezogen wird bzw. werden kann, bin ich super glücklich. Ich weiß aber auch, dass sich das auch wieder ändern könnte, aber der Einfluss des Teams ist darauf nun auch wesentlich größer als ich damals als einzelner Jugendlicher hatte. Keine Ahnung wie ich das erklären soll.

Also was ich sagen wollte ist, dass es nachvollziehbare Gründe gibt, dass sich die Fanzugehörigkeit ändern könnte. Speziell wenn sich die Vereinsphilosophie ändert - das ist ganz normal. Loyalität heißt nicht, dass man blind sein muss und alles gut findet, was der Verein so macht. Zumindest jeder, der selbstständig denken kann und nicht gesagt bekommen muss, was man gut zu finden hat und was schlecht, wird bei solchen Situationen anfangen nachzudenken und möglicherweise auch die Konsequenzen ziehen.

Das musst du mit dir selber ausmachen. Ich selbst bin eingefleischer Bayer-Fan und für mich kommt es überhaupt nicht in Frage den Verein zu wechseln, auch wenn nicht alles rund läuft. Ich habe den Verein schon immer geliebt und das wird so bleiben.

Also ich gebe mir Mühe, unparteiisch zu sein.

An sich finde ich es immer nicht gut, wenn man seinen Verein wechselt, ich mag das überhaupt nicht. Und eigentlich messe ich ungern mit zweierlei Maß, aber in dem Falle kann ich es irgendwie schon verstehen. Es ist in meinen Augen nämlich kein Grund, einen Verein gut zu finden, weil er erfolgreich ist, allerdings habe ich, als ich etwa 10 war, auch noch anders gedacht, nämlich genauso wie du.

Also es ist schon verständlich. Schlimm genug, dass du die Bayern so lange gut gefunden hast, aber wenigstens hast du es irgendwann mal eingesehen, besser spät als nie.

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