Verdient das Christentum seine heftige Kritik?

17 Antworten

Zu ergänzen ist, dass keine dieser angeblich christlichen Aktionen mit den Lehren der Bibel übereinstimmten. Weder Kreuzzüge, Hexenverbrennung, Kolonisation, Bauernkriege oder Zwangsbekehrungen sind mit der Bibel in Einklang zu bringen, sondern widersprechen ihr total.

Deshalb muss unterschieden werden zwischen einem auf der Bibel basierenden Christentum und einem auf Religion (von Menschen aufgestellte Regeln, Traditionen und Rituale) aufgebauten Christentum. Man vergleiche dann die Lehre und das Vorbild von Jesus Christus mit den jeweiligen Meinungen.

Im Islam wird auch unterschieden in Muslime und Islamisten. Warum wird beim Christentum nicht diese Unterscheidung gemacht? Warum wird beim Christentum alles Negative und Böse in einen Topf geworfen und als Christentum verkauft?

Das Christentum verdient selbstverständlich Kritik. Jede Religion verdient Kritik. Und jede Religion muss in der heutigen Zeit Kritik auch zu- und über sich ergehen lassen - denn wir leben in einer säkulartisierten Welt. Die Kirchen und überhaupt keine sonstigen Instanzen einer Weltanschauung haben hier nicht mehr die Macht, zu diktieren was wahr und falsch, was gut und schlecht ist.

In Deutschland leben wir nach wie vor in einer Gesellschaft, die über Jahrhunderte lang christlich geprägt wurde. Und noch immer bestehen bei uns zwei Großkirchen, die mit dem Staat der Bundesrepublik Deutschland in Zusammenarbeit stehen. Dieses Modell funktioniert prima: Jeder Deutsche kann sich frei entscheiden, der Kirche anzugehören. Möchte er das, zahlt er Kirchensteuer, will er damit nichts zu tun haben, lässt ihn der Staat diesbezüglich auch in Ruhe. An diesem Modell finde ich nichts, was ich mir zu kritisieren erlaube: Es ist gesellschaftlich absolut fair.

Was die von dir genannten Kritikpunkte angeht, so liegen diese Jahrhunderte weit zurück - zumindest bei uns in Deutschland. Jeder Christ darf sich also einen moralischen Abstand zu Hexenwahn und Inquisition erlauben, auch zu den Kreuzzügen, die noch mal einige hundert Jahre weiter zurückliegen. Das alles ist vorbei und kein Bestandteil des Christentums mehr, jedenfalls nicht bei uns.

Andere Religionsgemeinschaften verdienen die Kritik deshalb viel eher als das heutige moderne in Deutschland verbreitete Christentum, denn dort sind Homophobie, Frauendiskriminierung, Intoleranz gegenüber Andersgläubigen, ja sogar religiös motivierter Krieg und furchtbare Gewalt und Unterdrückung im Namen eines Glaubens immer noch ein aktuelles Thema, auch bei uns in Deutschland. All dies hat das Christentum lange hinter sich gelassen, Gott sei dank.

Die Kritik an der Kirche muss aber trotzdem aufrecht und ihre früheren Verbrechen immer im Hinterkopf behalten werden: Nur wer aus dem lernt, was einmal war, kann die Zukunft so gestalten, dass sich diese Schrecken der Vergangenheit nicht noch einmal wiederholen. Somit bin ich - obwohl selbst gläubiger Christ - sehr, sehr dankbar für jeden kritischen Kommentar. Ich kann vieles von dem, was sich natürlich zuerst wie intolerante Hetze anhört, natürlich selbst nicht teilen, aber ich werde, weil ich eben auch für Demokratie und Meinungsfreiheit bin, immer dafür kämpfen, dass jeder Kirchen- und Christentumkritiker auch seine Meinung sagen darf.

Vielleicht wäre eine etwas bessere Beschäftigung mit den unterschiedlichen Epochen der Geschichte angebracht, anstatt alles in einen Topf zu werfen. Vor allem ist es sinnvoll sich mal anzusehen, wo in den einzelnen Epochen z.B. die Politische Macht lag, wer dabei Gewinner oder Verlierer war u.s.w.

Das Christentum hat z.B. zu unterschiedlichen Zeiten bei der Überwindung der Sklaverei geholfen. (Es hat zwar auch selbst mit dazu beigetragen, aber letztlich widerspricht Sklaverei dem Wesen des Christentums.

Letztlich sind es in Jeder Epoche Menschen, die andern Menschen Schaden zufügen. Wer hat die Macht und kann man als Ohnmächtiger etwas verändern....

Das Christentum beantwortet die letzte Frage mit ja: durch dass du stets dein Bestes gibst, wenn du damit nicht dem Willen Gottes widersprichst.

Was möchtest Du wissen?