Verantwortung auf der Arbeit - wie ist das bei euch?

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8 Antworten

Es gibt in jedem Beruf welche, die Verantwortung übernehmen und die anderen, die nur Befehle ausführen.

Ich bin seit rund 25 Jahren Baustellenleiter. Am Anfang bin ich da rein gerutscht, weil gerade niemand da war, der die Verantwortung übernehmen wollte. Mir fällt sowas nicht schwer, jedoch geht es auch deutlich einfacher, wenn man ein gutes Team hat auf das man sich halbwegs verlassen kann.

Das ist auf dem Bau nicht anders als bei euch Entwicklern. Denn wenn ein Projekt fertig ist und es tauchen Fehler oder Mängel auf, dann ist als erster der in der Schusslinie, der die Verantwortung hatte.

Das es stressig sein kann, besonders wenn man jung und relativ unerfahren ist, kann ich aus Erfahrung bestätigen. Seit rund 6-7 Jahren (also erst so ab 45) bin ich persönlich an dem Punkt angekommen, wo der Stress durch die jahrelange Erfahrung sehr viel weniger wird. Dadurch sehe ich meiner beruflichen Zukunft auch sehr gelassen entgegen. Selbst körperliche Defizite im Alter gleicht man durch Erfahrung aus.

Und auch nicht ganz unwichtig: die höhere Verantwortung wird ja auch durch höhere Bezahlung honoriert. Wer viel verdienen möchte muss eigentlich immer Verantwortung übernehmen.

Ich bin auch der Meinung, dass man das nicht nur lernen kann. Der eine hat die Führungsqualitäten sehr früh (das erkennt man selbst im Kindergarten oder in der Schule schon), beim anderen entwickeln sie sich langsam und der dritte hat sie nicht, merkt dass auch, und hat dann kaum Ambitionen in gut bezahlten Positionen Verantwortung zu übernehmen.

In viele Berufen, die ein Studium erfordern, kommt es allerdings automatisch, dass es erwartet wird, dass derjenige auch Verantwortung übernimmt. Das wird hier bei Fragen auf GF gerne übersehen, wenn es darum geht, welches Studium wählen und möglichst viel Geld zu verdienen.

Ich bin zwar in einer anderen Branche - mit ganz anderen Arten von Verantwortung - aber kenne das Problem. Bei mir geht es um Anlagenbau, da passieren auch mal Fehlentscheidungen, deren Folgekosten mein Jahresgehalt übersteigen. Glaube mir, da wird einem kurzzeitig mal verdammt flau im Magen und Anfangs hat mir das auch Schlaflose Nächte verursacht. Alleine das Wissen, wenn ich FAST eine Fehlentscheidung getroffen hätte, die das Projekt 100.000€ oder mehr hätte kosten können.

Aber das gehört dazu. Man lernt niemals, jeden möglichen Fehler auszuschließen. Man lernt nur, den selben Fehler möglichst kein zweites mal zu machen und man lernt auch, dass man nur Mensch ist, und das Menschen auf allen Verantwortungsebenen - vom Pförtner zum Vorstand - Fehler machen.

Darf dich das Stressen - ja! Darf es dich ärgern, wenn du Fehler machst - ja! Darf dich das frustrieren und dir den Spaß an deiner Arbeit nehmen - auf keinen Fall!

Als erstes fällt mir auf, dass die Kommunikation mit dem Kunden scheinbar nicht gut ist, was aber vermutlich nicht an dir liegt: Irgendjemand muss dem Kunden klar machen, dass Hinzufügen von Wünschen dazu führen kann, dass das ganze Projekt von Anfang an überdacht werden muss, und es entsprechende Konsequenzen bezüglich der Kosten und des Fertigstellungstermins haben wird. Dieses Problem hat man natürlich auch, wenn man selbstständig arbeitet, am besten sollte man das schon Auftragsannahme klar machen.

Wenn man angestellt ist, könnte ich mir vorstellen, dass derjenige, der für die Kommunikation zuständig ist, einfach blaues vom Himmel verspricht, ohne mit dir Rücksprache zu halten, und vielleicht auch ohne sich bewußt zu sein, welche Folgen das hat. Vielleicht solltest du mit dieser Kontakt-Person einmal darüber sprechen?!

Grundsätzlich kann selbstständig arbeiten genau so stressig sein, wie wenn man angestellt ist. Das kommt aber auf die äußeren Umstände an: Wenn man es sich finanziell leisten kann, einen stressigen Auftrag abzulehnen, ist es als selbstständiger vielleicht entspannter. Als Angestellter kann man solche Entscheidungen überhaupt nicht treffen... wenn man aber jeden Euro einzeln umdrehen muss, dürfte man als Selbstständiger noch größeren Druck verspüren, da man sich je nach Auftragslage unter Wert verkaufen muss, und auch in bisher unbekannte Themenbereiche wie das Rechtssystem und ähnliches hineinrutschen wird.

Mit Informatik habe ich übrigens nichts zu tun, aber die Probleme dürften wohl überall dieselben sein.

Ich bin ebenfalls Entwickler. Nur nicht in der Informatik.
Bei mir ist es in Grunde genauso. Bei funktionsausfällen herrscht großer Druck eine Lösung zu finden und bessere Teile zur Verfügung zu stellen. Tägliche Konferenzen mit den Kunden, der alles genau Trackt sind die Folge.

Ich glaube nicht das ein Jobwechsel viel bringt. Es kann helfen wohin zu wechseln, wo du nur Dinge für interne Anwendungen entwickelst. Wenn dein Kunde sozusagen deine Kollegen sind ist es etwas leichter. Trotzdem kannst du so auch deine Firma lahm legen beim Fehlern.

Ich glaube das es am Ende die eigene Einstellung ist die zählt. Jeder trägt seinen Teil der Verantwortung und muss sie stemmen. Egal welcher Job.
Man muss lernen gelassener zu werden. Ich habe mittlerweile so viele Fehler erlebt, dass es mich nicht mehr großartig stresst. Die Situation die du hast ist überall. Dauernd ist jemand mit dem Produkt nicht zufrieden. Mach dir klar das das normal ist und die Welt nicht dabei unter geht.
Mein chef pflegt immer zu sagen: am Ende wird alles gut.
Auch ich lasse mich noch stressen. Aber ich versuche mich in Gelassenheit zu üben.

othmarione 17.05.2017, 10:38

Ich denke auch, dass man bei der Einstellung sehr viel ändern kann. Ich finde das nur sehr schwierig, da die Erwartungen doch sehr hoch sind. Im Endeffekt muss man selbst sehr sicher sein und dazu stehen, dass man auch nur ein Mensch ist und dies nunmal grossen Schaden anrichten kann. 

Ich finde diese Einstellung sehr schwierig anzueignen.... 

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Hexe121967 17.05.2017, 11:19
@othmarione

so ist nunmal die geschäftswelt. will ich einen Job der nicht 0815 ist, so muss ich leistung bringen und verantwortung übernehmen. ist in meinem job nicht anders. ein fehler von mir kann die firma mal ganz schnell tausende euro und einen kunden kosten. dabei bin ich kein leitender angestellter, habe aber die verantwortung die mir übertragenen aufgaben eben fristgerecht und richtig zu lösen.

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janfred1401 17.05.2017, 11:44
@othmarione

Man muss oft abwägen, was den geringsten Schaden verursacht. Zum Beispiel Termintreue. Manchmal nehme ich in Kauf, dass ein Termin um ein paar Tage überzogen wird, die Qualität der Ausführung dafür aber gut und mängelfrei ist. Den überzogenen Termin haben alle Beteiligten in 1-2 Wochen vergessen. Aber ein Mangel kann richtig viel Geld kosten und wird einem dann noch monatelang oder länger nachgetragen. Bei anderen Projekten kann man den Termin nicht überziehen, da muss man dann abwägen die Qualität gerade so gut ist, dass man die Abnahme besteht.

Außerdem kann man auch von allen Fehlern lernen. Genau dass braucht man nämlich, wenn etwas nicht nach Plan läuft. Man kann sich immer daran erinnern, was man in einer bestimmten Situation mal gemacht hat. Im Idealfall gibt es dann irgendwann keine Situation mehr, die einen nervös macht.

In den Anfangsjahren braucht man eigentlich Vorgestzte, die über kleinere Fehler hinwegsehen, wenn man irgendwo jemand sitzen hat, der einem ein wenig Rückendeckung gibt. Aber einem Kunden ist fehlende Erfahrung egal, er erwartet dass das, wofür er bezahlt hat, auch in Ordnung ist. Da kann man eher nicht sagen, man hätte das noch nicht gemacht.

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ja, all das was dich stört, ist aber eben dein job wenn du irgendwelche projekte und entwicklungen übernimmst.

und ja, für mich als anwender bricht eine welt zusammen wenn irgendwas nicht funktioniert denn dann kann ich meine arbeit nicht mehr ausführen, was wiederum zu überstunden und ausfallkosten etc. führt.

und ja, du bist die informatikerin und wenn ich bei dir etwas in auftrag gebe dann beschwere ich mich auch darüber wenn etwas falsch verlinkt wurde. ich als anwender muss das nicht unbedingt können.

othmarione 17.05.2017, 10:43

Vielleicht liegt es daran, dass man als Mensch die Erwartungen an einer Rechenmaschine erfülle sollte. Die Arbeit des Menschen dahinter, ist kaum bis gar nicht sichtbar für den Endnutzer. Also ist es logisch, dass es klappen sollte.

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Erst sollest Du das nicht persönlich nehmen (sage ich dir als jemand, der schon auf der "Gegenseite" sass).

Wird denn bei euch vernünftig mit Pflichtenheften, Change Requests usw. hantiert? Wenn ja, hat das System Forderungen daraus nicht erfüllt? Wenn siwas nicht gemacht wird, ist die Ursache wohl darin zu suchen.

Ansonsten hast Du in jedem Job Verantwortung zu tragen und es geht auch immer irgendwas schief. Gibt es auch ruhigere Phasen? Nicht selten ist es eher Stress, der die Angst vor Verantwortung schürrt.

Hast Du schonmal ein Gespräch mit einem Vorgesetzten dazu geführt? Je nach Größe des Unternehmens gibt es ggf. auch Bildungsmaßnahmen, wie man mit Verantwortung und Stress umgehen kann.

Eigentlich bilden die Unternehmen ihr Führungspersonal richtig aus.

Ich musste nie wirklich Verantwortung übernehmen ohne über das dafür nötige Wissen zu verfügen.

Das ist ja sonst so, als wenn man Auto fährt aber nie Fahrschule hatte.

Ich war aber auch seit 2012 auf der Uni und in 5 Jahren hat sich bei den Firmen wohl so einiges geändert und man wird nicht mehr geschult.

Du hast die Gelassenheit eines jungen Pferdes....

Da hilft nur lernen durch Anleitung.... Echt jetzt, such Dir eine Person, die Dich anleitet, Stress gar nicht erst aufkommen zu lassen.

Du wirst in Deinem Job nie nie nie alles perfekt hinbekommen..... Entweder bist Du mit Dir unzufrieden oder ein Kunde ist mit sich und der Welt unzufrieden....

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