Verändert das lernen einer Sprache die Wahrnehmung?

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7 Antworten

Ich kenne die Sapir-Whorf-Hypothese, ich unterstütze sie in der schwachen Form (Sprache beeinflusst das Denken, das Denken ist aber nicht vollständig von der Sprache determiniert).

Ich würde nun nicht sagen, dass ich ein "anderer Mensch" würde, wenn ich Englisch oder Schwedisch rede. Dennoch gibt es vielleicht kleinere Aspekte, wo ich sagen würde, ja, einen gewissen Einfluss hat es schon (z.B. auf den Humor).

Auf Schwedisch wirkt z.B. ein Witz über Norweger durchaus witzig. Wenn ich denselben Witz einem Deutschen auf deutsch erzählen würde, wäre das nicht dasselbe. Oder ein Papstwitz (in Schweden gibt es kaum Katholiken).

Oder eine andere Sache: auf einer schwedischen Insel war ein Büdchen mit "Thaimat" (also mit thailändischem Essen).
Da stand "mätt på rätt sätt" frei übersetzt "satt auf rechte Art". Das ist ein Wortspiel, das den (einsilbigen) Klang der Thai-Sprache nachahmt (aber natürlich Schwedisch ist).  

Es erinnert mich an einen Kölschen Spruch, der "Klingelpütz" (Gefängnis) wird beschrieben mit "hu weng lang jeng" - das ist kein Chinesisch, sondern Kölsch ("hohe Wände, lange Gänge"). Solche Wortspiele passen nur in einer bestimmten Sprache.

Gerade beim Thema Humor finde ich schon, dass dieser "sprachspezifisch" ist. Zum Beispiel ist der britische Humor entsprechend (man denke z.B. an die "Franzosenver*rschung" im "Ritter der Kokusnuss").

Dennoch hat die These einige sehr komische Sachen hervorgebracht (jemand hatte mal behauptet, dass Unfälle in finnischen Unternehmen deswegen häufiger als in schwedischen Unternehmen passieren würden, weil die finnische Sprache bestimmte Eigenschaften habe, die das begünstige). Ich persönlich halte das aber für nicht zutreffend. 

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Kommentar von okesimese
29.06.2016, 23:33

hehe das mit den Unfällen finde ich besonders interessant. Ich könnte mir sogar vorstellen, dass es da irgendwelche zusammenhänge geben könnte. Zum Beispiel traf ich mal einen Spanischen Hundetrainer, der seine eigenen Hunde nur auf deutsch trainiert weil die Sprache als harsch, strikt und dominant aufgefasst wird, und die Hunde so besser verstehen als mit eher "weicherem" spanisch. Ich könnte mir zum Beispiel auch vorstellen, dass die Genauigkeit für die deutsche Bekannt sind mit den großen Wortschatz zusammen hängt den es im Deutschen gibt. Mir selbst passiert es ab und zu, dass ich Sachen auf einer anderen Sprache genauer beschreiben will als das die Sprache zulässt. 

Jaja, Fragen über Fragen :) 

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Mir :)
Ich kann deutsch, ungarisch, französisch, englisch und spanisch und bei jeder Sprache bin ich "anders". Allein meine Haltung und meine Gestiken sind anders. Am wohlsten fühle ich mich mit ungarisch bei meiner Familie und mit englisch und spanisch in der schule - da geh ich voll auf!
Goodbye, Szia, au revoir, adiós, bis dann!

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Kommentar von Pr1nzAlbert
30.06.2016, 04:27

Szia

Du scheinst noch recht jung zu sein. Diese Verabschiedungsform gibt es meines Wissens erst seit Anfang der 90-er. Zurückzuführen auf die die in Ungarn stationierten US-Truppen im Jugoslawienkrieg.

Die verabschiedeten sich mit "see you" was dann vom Volksmund übernommen und entsprechend "ungarisch angepasst" wurde.

Vorher habe ich immer nur "viszlát" gehört.

Aber toll daß du so viele Sprachen beherrschst. Ich komme nur auf 3 fließend und 2 weitere rudimentär.

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Kommentar von Vivibirne
30.06.2016, 10:08

Hi! Bin 17. lg :)

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ich denke das hat eventuell was mit der 2. sprache zu tun. Wenn man nicht wirklich flüssig ist und sich noch auf die sprache konzentrieren muss dann lenkt das quasi von der eigenen üblichen art ab. Ausserdem ist der wortschatz noch nicht so gross wie in der muttersprache.

Bei mir macht es nicht mehr viel unterschied und es geht streckenweis sogar soweit das es mir manchmal schwer fällt englisch und deutsch zu unterscheiden.

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Toll, dass es anderen genauso geht! Und seltsam dass es nicht allen so geht! vielleicht liegt das an dem Umfeld mit dem man die sprache spricht, aber sicherlich nicht nur. 

Bei mir geht das soweit dass ich nun ein englisches Studium beginnen werde, einfach weil ich mein englisches Ich mehr mag und mich unheimlich gerne darauf unterhalte. Vielleicht auch weil es immer wieder eine kleine Herausforderung ist sich passend auszudrücken. 

Mega cool damit nicht alleine zu sein!

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Ich spreche fast taeglich 3 Sprachen und bin immer dieselbe, finde ich.

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meine Redeart, mein Humor, mein Ausdruck ist ein ganz anderer als im Deutschen

Selbe hier..
Weiß aber auch nicht woran das liegt..

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Ohne die

Sapir-Whorf-Hypothese

bisher gekannt zu haben muß ich sagen, da ist was dran.

Ich habe z.B spanisch im Ausland gelernt. Wenn ich jetzt irgendwo spanisch spreche, dann asoziiere ich dabei automatisch auch einen Teil des beim erlernen damals erlebten, versetze mich also gedanklich wieder in die Situation in der ich ganz anders gelebt habe als in Deutschland.

Dadurch bin ich zwar in dem Moment kein "anderer Mensch", sondern ich selbst, nur in einer anderen Zeit an einem anderen Ort. Das wirkt sich dann meist unbewußt beim sprechen auch auf die Attitüde aus.

Auf jeden Fall ein interessantes Thema.

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