Vater ist massiver Alkoholiker

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7 Antworten

hallo, Alkoholismus ist eine anerkannte Krankheit. Ihr selbst könnt dagegen gar nichts machen, das ist reine Kopfsache deines Vaters. Ihr könnt ihn zwar vor die Wahl stellen, wir oder der Alkohol, aber wenn dein Vater schon so lange trinkt, wird es sehr schwer sein mit dem Alkohol aufzuhören. Er wird sich unter Druck gesetzt fühlen und wahrscheinlich seine Dosis noch erhöhen oder ihr seid ihm doch wichtig und er unternimmt was. Falls das der Fall sein sollte ist der erste Anlaufschritt eine Suchtberatungsstelle, auch wenn er betrunken dahin gehen sollte wird man ihm zuhören. Dann ein stationärer Entzug und Entgiftung. Dann wird er sich schon im Klaren werden wenn er nüchtern ist, das er alkoholkrank ist. Nun kann ihm nur noch eine stationäre Therapie helfen. Dann kann er es schaffen, ist schwer sich selbst einzugestehen das man ein Alkoholproblem hat aber nur so klappt es. Gruß

Hallo, zuerstmal ein Lob an deinen Beitrag...Du hast die Situation sehr gut und verständlich geschrieben, zudem merkt man, dass Du dich ernsthaft mit dem Thema befasst.....

Die Kruks an der Sache ist, dass Du Recht hast...dein Vater ist Alkoholiker und schon lange nicht mehr in der Lage, diese Situation zu meistern.....

Vorwürfe würde ich mir erstmal nicht machen, denn sicher beinhaltet dein Verhalten, dass er nun versteckt trinkt, oder die Menge des Getrunkenen leugnet, allerdings würde er ohne dieses Verhalten auch nicht weniger trinken.

Schlimm an dieser Sache ist, dass Betroffene oft schon selber wissen, dass sie stark abhängig sind, dies sicherlich auch in nüchternen Momenten bereuen und sich immer wieder vornehmen, dieses Verhalten zu ändern, ab morgen dann endlich nicht mehr zu trinken und es endlich sein zu lassen, aber das ist abends oft schon wieder vergessen und verdrängt, weil die Sucht ruft und der Körper nach seinem Gift schreit....sicher ist es auch so, dass dein Vater spätestens am zweiten Tag entweder schlecht gelaunt oder total müde und abgeschlafft ist, sich gar nicht mehr konzentrieren kann und vielleicht sogar emotionslos erscheint....da spätestens ist oft der Punkt, dass man wieder zur Flasche greift...man nimmt sich vor, nur eins oder zwei, damit man wieder fit wird, oder sich konzentrieren kann....aber dann ist es schon wieder vorbei...denn einmal dran geleckt, schon schaltet der Körper alle guten Vorsätze aus, das Ding beginnt von neuem....ein ewiger Kreislauf :-(

Dass er nach einem Bier schon angepitscht ist und nach 2-3 schon knülle, zeigt auch, dass er Alkoholiker ist...Ein Alkoholiker hat diese Zwischenphase, die ein normaler "mal auf ner Party" Trinker hat, nicht mehr. Es gibt nicht mehr das Ding vom lustig und angeheitert sein. Es gibt nur noch knülle und immer weiter, bis man müde ins Bett fällt, weil der Körper den "guten Pegel" erreicht hat und ENDE.....

Ein Trinker trinkt ja nicht um Spaß zu haben, er trinkt nur um seine Sucht zu befriedigen und das so schnell wie möglich :-(

Nun hast Du treffend festgestellt, dass alles bitten und betteln nichts bringt, weil er selber auf den Trichter kommen muss. Genau das ist aber die Schwierigkeit eines Alkoholikers. Er weiß was er falsch macht, geht aber in den seltensten Fällen soweit, sich selber "zu bestrafen" indem er in eine Klinik zum Entzug geht. "Soooo schlimm ist das alles doch gar nicht"! lügt er sich dann selber an.....er denkt, er hat ja dann gar nichts mehr im Leben und möchte ungern auf seinen "Spaß" verzichten...."Er hat es sich doch verdient" und "eine Sünde braucht der Mensch doch".....

Hinzu kommt die Schwierigkeit: Was würden denn die anderen denken ? In diesem Moment gebe ich ja zu ein Alkoholiker zu sein. Was denken die Nachbarn, Freunde und Verwandte ?

Sicher sagt dein Vater sich auch...ich gehe doch arbeiten, mein Leben funktioniert. Ich bin doch kein Penner, der obdachlos ist oder morgens schon den Schnaps ansetzt...also ist das noch ok was ich mache, denn MIR gehts ja gut dabei......

Leider ist es so, dass dieser Konsum in solchen Massen auch bestimmte Zusammenhänge nicht mehr hergibt. Man wird stumpf, man vergisst viel, man lässt sich einfach von der Sucht leiten ohne an andere Menschen im Umfeld zu denken.....

All das kennst Du sicher ;-)

Leider kann man einen erwachsenen Menschen nicht zwangseinweisen lassen, was manchmal echt sinnvoll wäre...aber das ist in Deutschland ein no-go. Oft ist es so, dass die KoAlkis, das seit ihr, Du und deine Mutter (nicht weil ihr trinkt, sondern weil ihr sein Leben so hinnehmt und keine Grenzen setzt), viel erreichen können, wenn sie harte Maßnahmen ergreifen. Das wäre zB, dass sich deine Mutter von ihm trennt, wenn er keinen Entzug macht. Dies könnte beispielsweise so funktionieren, dass sie für ein paar Wochen auszieht und bei Verwandten oder Freunden unterkommt....klingt hart, aber so würde er evtl. mal die tatsächliche Ernsthaftigkeit in seinem Tun erleben.....wenn sie hart bleibt und er auch nach 2-3 Monaten keine Anstalten macht, sein Verhalten zu ändern oder in den Entzug zu gehen, dann würde dies allerdings das tatsächliche Aus bedeuten oder aber, dass sie es hinnehmen muss, dass ihm Alkohol und die damit verbundene Sucht tatsächlich wichtiger ist, als seine Familie.....

Vor dieser harten Maßnahme wäre vielleicht ein Gespräch zu dritt oder mit einem vierten unabhängigen Psychiater oder Alkoholberater sinnvoll. Hast Du schonmal daran gedacht, mit einem dieser Berater Kontakt aufzunehmen ? Das kannst auch Du als Angehöriger machen. Evtl. könnte man für den Anfang auch mal eine Familientherapie überlegen, in der sicherlich einiges gerade von deiner Mutter ans Tageslicht kommt, was ihm vielleicht doch noch die Augen öffnet.

Ich weiß wie Du dich fühlst und ich wünsche dir alles Glück dieser Erde, dass es hier ein gutes Ende nimmt :-D Es wäre schön, wenn Du weiter berichten würdest....

Viel Erfolg ;-)

Es gibt da eine gewisse Multiproblematik. Aber zuerst einmal vielen, vielen Dank für deine ausführliche Antwort.

Nun ist es so, dass meine Eltern ein gemeinsames Haus besitzen. Dies scheint auch der Grund, warum meine Mutter keine Grenze diesbezüglich zieht. Sie besitzt das Haus zu größeren Teilen (Erbschaft usw.) Würde sie gehen, würde er sicher das Haus verwahrlosen lassen... Seit meine Eltern in diesem Haus wohnen, hat meine Mutter KEINE EINZIGE Nacht mehr im gemeinsamen Schlafzimmer verbracht. (Sie erträgt den Gestank des Alkohols nicht mehr) Das ist nun ca. 10 Jahre her. Sie schläft seitdem in einem Gästezimmer.

In diversen Streits wurde uns schon gesagt, dass wir ja gehen könnten, wenn uns sein Verhalten nicht passt. Hinzu kommt zusätzlich noch, dass mein Vater sich in keinster Weise irgendeine Form von Fehlverhalten eingestehen kann. In seinen Augen macht er grundsätzlich IMMER ALLES besser. Von jüngeren Menschen bzw. Frauen lässt er sich erst recht nichts sagen. Er begründet das mit Erfahrung und Alter. Selbst studien, die das komplette Gegenteil von dem Beweisen, was mein Vater zu wissen glaubt, überzeugen ihn nicht. Es ist das richtig, was er für richtig hält. Meine Mutter hatte bereits gesagt, dass er eine Therapie machen soll oder sie gehe. Da meinte er nur "Ach so ein quatsch!" Es ist absolut und in keinster Weise möglich, eine vernünftige Konversation zu führen auch nüchtern nicht! Er entgeht jedem ernsten Gespräch! Und zieht alles ins lächerliche. Es findet im Haus allgemein ken Austausch mehr statt. Man geht an sich vorbei, schafft es manchmal 1-2Tage kein Wort miteinander zu sprechen. Meine Mutter "versteckt" sich und mein Vater trinkt eben so lange, bis er ins Bett geht. So sieht auch keine Ehe aus!

Ich bin mir sicher, würde eine dritte Person (Mediator, Psychologe, usw.) am Tisch sitzen, würde mein Vater einfach aufstehen und gehen o.ä. - sich der Situation entziehen!

Er ist jedoch noch NIE handgreiflich geworden. Ich vermute das liegt unter anderem daran, dass ich ihm an Größe, Körperbau und Kraft überlegen bin und er genau weiß, wenn er einen von uns anpackt, zeige ich ihm seine Grenzen. Jedoch hat er in der Vergangenheit seine Wut mehrfach an Gegenständen ausgelassen, diese auch zerstört. (Wut worüber, kann ich nicht genau sagen. Vermutlich Selbsthass und Zweifel)

Ich bin schon mehr oder weniger aus dem Haus! Das ist nur noch eine Frage der Zeit, da es mich beruflich in eine andere Stadt ziehen wird...

Ich bin kein Einzelkind. EIn Familienmitglied hat das Haus schon vor 5 Jahren verlassen. Jedoch ebenfalls aus beruflichen Gründen...

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@DerChris84

Sein Vater war im übrigen genauso ein Trinker. Meine Mutter meinte, dass mein Vater sich damals auch tierisch darüber aufgeregt habe und immer gesagt habe, dass er niemals so werden wolle. Dies scheint er jedoch ebenfalls nicht mehr zu realisieren!

Ich habe darüber gelesen, dass solche Suchtproblematiken vererbt werden können.

Ich selbst habe bei mir auch festgestellt, dass ich unheimlich intensiv auf Alkohol anschlage. Ich habe ständig über den Durst gesoffen (oft bis zum erbrechen) und in meiner Jugend allgemein über der Maßen getrunken. Deswegen habe ich seit nunmehr drei Jahren nichts mehr getrunken. Ich verabscheue Alkohol in jeglicher Form -Parfüm, Soßen, Medizin, Kuchen usw...

Bei meinem Vater ist es auch so, dass er von Alkohol nicht erbricht. Jedenfalls hat das weder meine Mutter noch ich jemals mitbekommen!

Wenn ich zu viel getrunken habe, kam bei mir fast immer der Punkt, an welchem ich mich übergeben musste!

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Nachdem ich die bisherigen Antworten und Deine Kommentare gelesen habe, denki ich, es hilft nur Eines: Ihr müsst zusehen, dass ihr deinen Dad aus dem Haus bekommt, denn sonst geht IHR kaputt. Das klingt hart, ist aber so. Und wenn er Sachen zerdrischt - Polizei rufen und ihn aus dem Haus wegweisen lassen (funktioniert nach dem Gewaltschutzgesetz!!). Die Wegweisung gilt zwar nur maximal 14 Tage, zeigt aber, dass es euch ernst ist!! Er muss erst sehen, dass ihn seine Familie tatsächlich fallen lässt wie eine "heisse Kartoffel". Vielleicht ist das dann sein persönlicher Tiefpunkt, den ein Alkoholiker/Süchtiger braucht um einzusehen, dass er keine Kontrolle mehr über sich hat und professionelle Hilfe braucht - und diese letztendlich auch annimmt. Nicht nur bei a-connect gibt es gute Tipps, auch hier: http://www.caritas.de/hilfeundberatung/onlineberatung/suchtberatung/suchtberatung

Übrigens: ich bin selbst Alkoholiker und seit 5 Jahren trocken. Ich weiss, wovon ich rede ...

Hallo, es tut mir Leid, dass ihr unter Co-Alkoholismus leiden müsst. Wenn ich mir deinen Text so druchlese, kann man wirklich Verzweiflung herauslesen - verständlich!!! Es ist nun wirklich an der Zeit, dass ihr mal ein paar Ausrufezeichen setzt. Damit meine ich, dass ihr dringend professionelle Hilfe sucht. Sodass ihr eure Probleme ein wenig besser verarbeiten könnt und vielleicht auch dein Vater. Es wird wohl darauf hinauslaufen, dass ihr oder er, eine Zeit lang auszieht. Du hast gut erkannt, dass das leugnen der Alkoholmenge ein Anzeichen für eine Sucht ist. Er ist aber nach dieser Alkoholkarriere nicht erst seit kurzem abhängig, sondern schwerer Alkoholiker. Er schlittert jetzt langsam aber sicher, wenn er nicht schon drin ist, in die letzte Phase des Alkoholismus, die unbehandelt in 99% der Fällen zum Tod führt. Chronische Phase: jede alkoholische Flüssigkeit wird getrunken tagelange Vollräusche Geistesstörungen (Delirien, "Weiße-Mäuse-sehen") Alkoholpsychosen starke Angstzustände Selbstmordabsichten der Körper verträgt weniger Alkohol Zusammenbruch wird zugegeben (Zitat:A-connect E.v.)

Hier mal eine Seite auf der ihr professionelle Hilfe bekommen kannst. http://www.a-connect.de Und wenn euch dort nicht ausreichend geholfen wird, bitte ich euch, dass ihr euch direkt bei Beratungsstellen erkundigt. Und ja, es stimmt, dein Vater kann nur trocken werden und vom Alkohol wegkommen wenn ER einsieht, dass er krank ist und hilfe benötigt. Alles Gute.

vlt kannst du ihn aufmerksam machen in dem du die bierflaschen zählst und im wohnzimmer ne strichliste mit datum und der anzahl der biere aufhängst um ihm das sozusagen vor augen zu halten

Ich denke dadurch würde ich die Situation auch nur verschlimmern. Außerdem hat mein Vater bereits diverse verstecke. Die tatsächliche Trinkmenge ist vermutlich um einiges höher, als das, was wir sehen.

Oft finden wir leere Flaschen an den wildesten Orten...

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@DerChris84

Die Trinkmenge ist auch nicht entscheidend, sondern die Auswirkungen; da ist es egal ob es von 4 oder von 15 bier kommt, jedes davon ist zuviel! Dein Vater scheint unbelehrbar zu sein und wird es auch bleiben solange man ihn nicht vor klaren Konzequenzen stellt. Das würde für dich und deine Mutter ganz klar die Trennung bedeuten, das mag hart klingen, aber ist es nicht umso schlimmer sich das Trauerspiel Tag für Tag anschauen zu müssen? Ich find es sehr stark von dir, dass du Hilfe suchst und deine Äußerungen zeigen, dass du dich wirklich mit der Thematik auseinander setzt. Das wichtigste nur kurz zusammen gefasst: Niemand ist schuld an der Situation in der ihr seid, es zählen nur Handlungen (Beratungsstelle,Entgiftung,Therapie ggf. Trennung) Kontrolle und Vorwürfe sind Kontraproduktiv. Ich wünsche dir und deiner Familie viel Stärke und Mut, denn das braucht man um sowas durchzustehen! (ps. Trocken seit 15.10.2012 und keinen Tag bereut!!!!)

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das ist die sucht, vernünftig kann man mit ihn nicht reden. versuch es (wenn er nüchtern ist) ihn zu überreden eine suchtberatungsstelle aufzusuchen. solange er nicht die realität begreift, wird er sich nicht ändern...

Wenn er selber nicht aufhören will, dann könnt ihr leider nichts machen. Aussedem ist die Familie die schlechteste "Beratungsstelle" da Ihr alle leider schon Co- Abhängig seid. Ihr solltet von Ihm Abstand nehmen und an eine Trennung denken. Nur so "könnte" es vielleicht klappen das er wach wird.

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