Utobie und die Bibel

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3 Antworten

Man kann bei der Bibel nicht von "Utopien" sprechen. Eine Utopie ist ein "Nicht-Ort", eine Fiktion, ein Wunschtraum, der sich nicht verwirklichen lässt.

Ich würde bei der Bibel eher von "Visionen" sprechen, aber von solchen, die kraftvoll sind und sich, zumindest teilweise, haben verwirklichen lassen.

So gibt es in der Bibel von Anfang an den Gedanken von der "einen" Menschheit. Eine Metapher dafür ist "Adam". Sogar im "Sündenfall" bleibt diese eine Menschheit doch vereinigt. Dieser gedanke von der Einheit ist nie aufgegeben worden: Israel ist ein Licht für alle Völker, und einmal werden alles diese Völker zusammenkommen, unter einem Gott, als ein einziges Volk.

Dieser Gedanke von der Einheit der Menschheit setzt sich dann fort in der "einen, allgemeinen, christlichen Kirche" (3. Artikel des Glaubensbekenntnisses). Auch hier hält die eine Christenheit diesen Gedanken, trotz aller Rückschläge durch.

Sie hält auch durch in der Vision vom "himmlischen Jerusalem". Es gibt zwar die "Apokalypse", das heißt eine Welt, die vergeht und die in endzeitlichen Kämpfen vergehen muss, aber am Ende steht die Einheit.

Das "Reich Gottes", das Jesus predigt und lebt, ist keine Utopie. Es ist eine neue Gesellschaftsordnung, die realisierbar ist, die sich auch durch ihn und seine Jünger hat realisieren lassen, und die in die "Kirche" einmündet. Der "Reich Gottes"-Gedanke ist sozusagen die Antizipation dessen, was einmal sein wird. Dieses Neue ist schon da, aber es ist noch nicht vollendet.

Ich denke, dass dies der wichtigste Gedanke in der Bibel zu deinem Thema ist.

Utopie entstammt dem Griechischen und bedeuet "Nicht-Ort" und wird im allg. Sprachgebrauch als "Wunschtraum" verstanden. In Verbindung mit der Bibel können natürlich viele "Wünsche" und dort enthaltene Aussagen über Paradies, ewigem Leben etc. als Utopie betrachtet werden.

Es kommt sehr darauf an, wie man zu den Aussagen der Bibel steht. Die einen verstehen sie als Märchenbuch, für die anderen ist es DIE Offenbarung, DIE Erleuchtung und DER Maßstab aller Dinge. Bibelgläubige werden sich mit dem Begriff "Utopie" nicht anfreunden können. Für sie sind die Aussagen über Paradies, ewigem Leben etc. viel mehr als Utopie. Für die Überzeugung, dass es DIE Wahrheit ist, sind manche als Ketzer und Märtyrer gestorben (Stephanus, Polykarp, Jan Hus, William Tyndale, Felix Manz und viele andere).

„Ich habe in meinem Leben viele kluge und gute Bücher gelesen. Aber ich habe in ihnen allen nichts gefunden, was mein Herz so still und froh gemacht hätte, wie die vier Worte aus dem 23. Psalm: Du bist bei mir.“ (Immanuel Kant)

Ja, die gibt es: allerdings sind sie recht einseitig und nicht klar ausgearbeitet.

Eine Utopie ist die, dass bestimmte Menschen nach dem Tod ins Paradies gelangen. Es ist aber eine sehr vage Utopie und nicht viel mehr als eine unbestimmte Hoffnung, die geschürt wird, selbst wenn das vielen zu reichen scheint. Zu dieser Utopie passt die Erwartung vom Reich Gottes, was nicht unbedingt dasselbe wie das Paradies ist: es gibt aber Überschneidungen.

Eine andere Utopie ist ein durch Gott eingeleitetes furchtbares Weltende, das immer noch von vielen Gläubigen sehnsuchtsvoll erwartet wird, und zu Utopie 1 führen soll.

frank1968 05.01.2012, 11:41

Interessant ist, dass die biblischen Utopien ohne Tod und Verderben nicht zu haben sind. Das ist sehr auffällig und sollte genauer betrachtet werden.

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x3beax3 05.01.2012, 11:44
@frank1968

Vielen Dank! Nun stellt sich noch die Frage, ob man es auch mit der Nächstenliebe vergleichen kann. barmherzige Samerita , der verlorene Sohn ... Da man in diesen Bibelstellen darauf hingewiesen wird humanisch zu handeln ..um das Paradis zu erschaffen oder so ähnlich?

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frank1968 05.01.2012, 11:58
@x3beax3

Gut, das wäre der Versuch, sozusagen "das Paradies auf Erden" zu schaffen. Genau das ist aber explizit nicht das Ziel des Ganzen! Man kann aus bestimmten(längst nicht aus allen!) Idealen Jesu eine Art humanistischer Utopie ableiten, was auch viele redlich Glaubende versuchen. Die Bibel ist aber da sehr deutlich, und alles Weltliche ist höchstens zweitrangig.

Hier kann man sich die Interpretation der Zeugen Jehovas anschauen, die meiner Meinung nach bei diesem Thema dem biblischen Willen eher nahe sind, selbst wenn ich ihr Weltbild nicht im Geringsten teile.

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