Utilaritismus, Religionsreferat?

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2 Antworten

Der Urvater des Utilitarismus ist Epikur. Für ihn war die Empfindung von Glück und Unglück, von Lust und Schmerz, von "gut" und "schlecht" zunächst einmal eine Einrichtung der Natur, womit wir über körperliche und emotionale Empfindungen Signale erhalten, was unserem Überleben eher dient und was ihm eher schadet. Sinneseindrücke werden über Verstand und Vernunft aufeinander bezogen und bewertet. In diese Bewertung fließt auch die Einsicht ein, dass der Mensch ein Gesellschaftswesen ist und daher in der Entwicklung menschlicher Gesellschaften sich immer Regeln mitentwickelt haben, wie man als Mensch in Gemeinschaft zu einem guten Miteinander und einem gemeinschaftlichen Überleben in einer problematischen Umwelt findet. So entwickeln sich Regeln, Gesetze des Umgangs miteinander aus den Lebensverhältnissen heraus und müssen nicht von Gott oder Göttern vorgeschrieben werden. Epikurs Moral ist also nicht religiös begründet oder gebunden.

In der späten Römerzeit bis zum Humanismus, eher sogar bis zur Renaissance wurde die Philosophie von der christlichen Religion dominiert. Erst mit Nikolaus von Kues (15. JH) und dann erst richtig mit der Aufklärung (Frankreich: La Mettrie, Rouseau, Gassendi - England: Hobbes, Hume und Locke) lebte der epikureische Empirismus und seine "Glücksmoral des Menschen in der Gemeinschaft" wieder auf. Verbunden war das mit den ersten modernen Staatstheorien und der Erforschung von Regeln modernen Wirtschaftens.

Ursprünglich war der Utilitarismus als Konsequenz der französischen und englischen Aufklärung gegen die Dominanz der Kirche und des Adels gerichtet und beanspruchte, dass die Menschen in Freiheit in der Lage sind, sich selbst Regeln zu geben. Die Kirche als einziger Interpret göttlicher Gebote und der Adel als von Gott gesetzte menschliche Richter wurden abgelehnt. Die Utilitaristen versuchten zu zeigen, dass freie Menschen in einem demokratischen Verfahren in der Lage sind, eine ethische Ordnung zu schaffen. Da die Maßstäbe des rechten Handelns und Verhaltens nicht mehr aus einer von der Kirche interpretierten göttlichen Ordnung stammen konnten, ging es im Utilitarismus darum, wie die Menschen selbst als gesellschaftliche Wesen sich miteinander selbst eine ethische Ordnung geben könnten. Wie können aus den Bestrebungen der Individuen in Blick auf das Wohl aller Werte und Maßstäbe gefunden werden, die von allen akzeptiert werden können.

Die Frage der Wirtschaftsklassiker (Adam Smith, David Ricardo und Stuart Mill) war, wie eine Wirtschaft zu organisieren ist, die aus dem Glücksstreben der Einzelnen zu einem größtmöglichen gesamtgesellschaftlichen Wohlstand kommt. Hier ist auch der Versuch von Stuart Mill anzusiedeln, Nutzen zu quantifizieren. Das Ziel der Utilitaristen war immer - ganz im Sinne Epikurs - wie kann Glück für Einzelne erreicht werden, indem ein größtmöglicher Wohlstand aller das Ziel ist. Hin und wieder wird Utilitarismus mit Egoismus gleich gesetzt, was (eine teils bösartige) Fehlinterpretation ist, da alle Utilitaristen - von Epikur angefangen - den Menschen immer als gesellschaftliches Wesen gesehen haben und die Grundüberzeugung hatten, dass es dem Einzelnen nicht gut gehen kann, wenn es der Gemeinschaft nicht gut geht.

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Kommentar von Antwortgesucht1
08.11.2015, 17:22

Wow, vielen Dank, dass du dir soviel Mühe gemacht hast!:)

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*sry, ich meine in der Überschrift natürlich den Utilitarismus..:D

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