Usa-Russland-Syrien - kann mir jemand helfen?

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6 Antworten

Eigentlich geht es dabei um die Beseitigung des iranischen Einflusses in der arabischen Welt. In den Ländern des schiitischen Halbmondes, zu dem Iran, Irak, Bahrain, der Libanon und Aserbaidschan gehören, übt Teheran entscheidenden Einfluss aus. Teilweise wird auch der Jemen dazu gezählt.

Politisch zählt man auch Syrien dazu. Hier lebt zwar eine sunnitische Mehrheit, die politische Führung wird aber von Alawiten gestellt, zu denen auch die Assad-Familie gehört. Das war auch der Grund, weshalb die Religion in Syrien weniger eine Rolle spielte und Syrien als Staat relativ säkular war, denn die Religion wäre in diesem Fall keine Machtstütze der Regierung gewesen.

Hier treffen nun verschiedene Interessen aufeinander.

Auf der einen Seite der "Westen" mit den USA, der NATO und der EU, die im Kampf gegen Teherans Einfluss auf die sunnitische Karte mit Saudi-Arabien als regionale Hauptmacht setzen. Hinzu kommt die Türkei, die unter Erdogans Führung und seiner AKP in einen religiös-sunnitischen Staat umgewandelt werden soll und pantürkische Irredentismusträume hegt. Israel komplettiert diesen Klub.

Auf der anderen Seite der Iran und die anderen Länder des Schiitischen Halbmondes, die sich unter iranischer Führung der westlichen, vor allem der US-amerikanischen Hegemonie in dieser Region widersetzen. Dabei werden sie politisch und wirtschaftlich und auch militärisch von Russland und unterstützt.

Das russische Interesse besteht dabei darin, der Einkreisung durch die NATO zu begegnen und zu verhindern, dass sich die USA langfristig wieder im Iran breitmachen. Außerdem ist der islamistische Extremismus eine ernste Bedrohung für Russlands innere Sicherheit.

Mit der Machtübernahme Baschar al-Assads schien die Situation günstig, Syrien als schwächstes Glied in der Kette der dem Iran freundlich gesonnen Staaten in der Region herauszubrechen. So begannen die USA und ihre Unterstützer, die Konflikte in Syrien zu befeuern und auszunutzen. Die syrische Opposition wurde mit Geld und Waffen versorgt und ausgebildet.

Nachdem die Situation, derart vom Westen befeuert, in den Bürgerkrieg ausartete, wurde die "Gruppe der Freunde Syriens" gegründet, die den im Ausland sitzenden oppositionellen "Syrischen Nationalrat" als einzig legitime Vertretung des syrischen Volkes anerkannte. Das klar definierte Ziel war der Sturz Assads.

Das erwies sich aber als gar nicht so einfach, denn Assad kann sich durchaus auf Unterstützung in weiten Teilen der syrischen Bevölkerung stützen. So kam immer wieder die Idee auf, dass die USA und europäische NATO-Verbündeten aktiv mit militärischer Gewalt gegen Assad in den Bürgerkrieg eingreifen sollten.

Zu diesem Zweck definierte Obama als US-Präsident eine rote Linie, die
Assad nicht überschreiten durfte, womit der Einsatz von Chemiewaffen
gemeint war. Das war im August 2012. Im März 2013 war es dann soweit,
Assads Truppen sollten Chemiewaffen eingesetzt haben.

Die Militärintervention blieb aber aus, weil sich dieses Ereignis als Angriff durch die oppositionelle Al-Nusra-Front, als Teil einer Provokation des türkischen Geheimdienstes herausgestellt hatte, die den Vorwand für das offene Eingreifen des Westens liefern sollte. Außerdem durchkreuzte Russland diese Pläne durch den Vorschlag, die syrischen Chemiewaffen unter internationaler Kontrolle zu vernichten, wozu sich Assad auch bereit erklärte.

Nun kommt der IS ins Spiel. Der IS ist der Flaschengeist, den die Saudis und Katarer unter Duldung der US-Amerikaner aus der Flasche gelassen haben, um die Ungläubigen, wozu auch nicht-sunnitische Moslems und Alawiten gehören, zu bekämpfen. Man wollte sich des IS bedienen, um den Einfluss Teherans zu bekämpfen.

Das erklärt nicht nur den Erfolg des IS, sondern auch dessen lange währende Unterstützung durch die Türkei, weil der IS auch die Kurden in Syrien bekämpfte und somit auch nützlich war, für die Unterdrückung der kurdischen Unabhängigkeitsbestrebungen in der Türkei.

Allerdings hat so ein aus der Flasche gelassener Geist auch den Nachteil, nicht mehr vollständig kontrolliert werden zu können. Das ficht den Westen aber nicht an, aus der Situation trotzdem noch einen Vorteil zu schlagen. So nimmt man die Bekämpfung des IS zum Vorwand, offen in Syrien militärisch einzugreifen und die Souveränität und territoriale Integrität Syriens zu verletzen. Das eigentliche Ziel dabei ist nicht der IS, sondern der Sturz Assads.

Deshalb ist die Beteiligung Russlands bei der Bekämpfung des IS in Syrien auch nicht willkommen. Das würde nämlich den angestrebten Sturz Assads erschweren. Dabei scheint es auch billigend in Kauf genommen zu werden, was Prof. Dr. Albert A. Stahel im Juli 2013 schrieb:

Es besteht durchaus die Gefahr, dass der Krieg in Syrien am Ende zu einer überstaatlichen Anarchie und zu einer Destabilisierung des gesamten Mittleren Ostens führt. Jeder arabische Staat und vermutlich auch die Türkei könnte in den Sog des Chaos geraten. Anstelle eines Arabischen Frühlings wäre in der arabischen Welt der Winter der Salafisten eingebrochen.

http://strategische-studien.com/2013/07/23/der-krieg-in-syrien-und-die-geopolitischen-ziele-der-usa/

Seit Oktober letzten Jahres greift nun Russland auf Bitten der legitimen syrischen Regierung offen in den Konflikt ein und bekämpft den IS und die anderen salafistisch-islamistischen Gruppierungen sehr erfolgreich. Assads Truppen gewinnen Oberwasser und drängen den IS zurück.

Erst diese militärische Wendung machte die Waffenstillstandsverhandlungen möglich, die zuvor von der syrischen Opposition immer wieder abgelehnt wurden.

Das passt den USA , Saudi-Arabien und der Türkei  nun gar nicht, weshalb das russische Engagement mit allen Mitteln diffamiert wird. Dabei muss klar gestellt werden, dass Russland in diesem Konflikt die einzige völkerrechtlich legitimierte Macht ist, die in Syrien agiert.

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Kommentar von PeVau
01.03.2016, 16:09

Im letzten Satz muss es heißen:

"... einzige völkerrechtlich legitimierte ausländische Macht ..."

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Kommentar von Mojir
01.03.2016, 18:04

Wenn Du als Freigeist unter einem Herrscher wie Assad leben müsstest, würdest Du dann auch noch so schreiben?

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Kommentar von surfenohneende
01.03.2016, 18:25

Oh JA, wie wahr

DH! + Danke

die USA sind (neben dem 3. Reich) wirklich der Macht gierigste Staat der Welt seit Ende 19. Jh 

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Die beiden Regierungen führen ihren Kampf um weltpolitische Machtansprüche auf anderem Staatsgebiet fort ( Syrien) wie schon zu Zeiten des kalten Krieges.

Ich dachte der Mensch lernt aus der Geschichte, dass Zwietracht und Misstrauen eine Menge Zerstörung anrichten kann. Aber was sich zur Zeit in Syrien abspielt, bringt das gegenteilige Zeugnis zu Tage.

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In Syrien herrscht das Assad-Regime mit diktatorischer Allgewalt über die Bevölkerung, plündert diese seit Jahrzehnten zum eigenen Vorteil aus und verfolgt jede oppositionelle Regung, die den eigenen Herrschaftsanspruch in Gefahr bringen könnte mit brutalsten und widerlichsten Mitteln und Methoden.

Im Rahmen des "Arabiscen Frühlings" hat sich auch in Syrien demokratisch orientierter Protest gegen das Assad-Regime in Demonstrationen Luft gemacht. Das Regime hat daraufhin diese Proteste mit brutaler militärischer Gewaltanwendung versucht zum Verstummen zu bringen und dabei Hunderte von Toten in Kauf genommen. Die syrische Opposition hat sich ihrerseits daraufhin bewaffnet und den Kampf gegen das Regime aufgenommen.

Nicht zuletzt aufgrund massiver finanzieller und militärtechnologischer Hilfe durch Saudi-Arabien und die Türkei erstarkten vor allem islamistische Oppositionsgruppen, die selber keinen Deut "besser" als das Assad-Regime sind.

Seither tobt im Land ein erbitterter Bürgerkrieg gegen das Regime aber auch zwischen einzelnen Oppositionsgruppen.

Das Assad-Regime wäre dabei vermutlich mittlerweile schon vernichtet worden, wenn die Russen diesem verbrecherischen Regime nicht mit massiver Militärunterstützung ab dem Spätsommer 2015 unter die Arme gegriffen hätten.

Die USA halten sich momentan auch wegen dem hausinternen Präsidentschaftswahlkampf in diesem Konflikt weitgehend zurück und beschränken sich im Wesentlichen auf gezielte Luftschläge gegen den IS und weitere radikalislamistische Gruppierungen und verwenden momentan das meiste Gehirnschmalz im Verbund mit der EU auf die Suche nach einer dauerhaften Befriedung des Gebietes.


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Die russische Föderation hat hier Interessen die sie dort vertreten und die usa haben sie 

Ich will nicht sagen das Russlands Bomben da unten besser sind,  da sie neben dem IS auch viele Zivilisten treffen,  aber Auslöser für das gesamte Chaos da unten ist die usa/ Nato seit 1953 

YouTube die Anstalt IS Entstehung 

Die Russen wollen Assad an der Macht halten um ihre Basis tartus zu schützen 

Und wollen verhindern das die ca 7000 Russen auf der Seite des IS wieder über die Grenze können!  Deshalb lässt man Grade besonders gerne die Grenzen in zb Tschetschenien ( Südrussland)  offen   und lässt Freizügig Terroristen per Extremisten und Leute die deshalb auf einer Verdachts Liste stehen auswandern,  denn die bombardiert es sich in Syrien besser als auf eigenem Staatsgebiet 

Die usa hat ihre Interessen die Lage wieder unter ihre eigene Kontrolle zu bekomme.,  davor waren es vorallem Ressourcen,  bevor man alles ausser Kontrolle verlor 

Das Verhältnis zw der USA und Russland sind schon seit der ultranationalistischen UdSSR zerüttet,  da beides Weltmachte sind,  die ihre Ansprüche vertreten,  und Grade alle gemeinsam wieder kalter Krieg spielen 

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Syrien = Kalter Krieg ist zurück

Die USA waren auch dann unersättlich als 1990 Russland mit sich selber beschäftigt war 

... Die USA hat auch die NATO in der Zeit massiv ausgedehnt nach Osten entgegen den Zusagen mit der Sowjet-Union

Jetzt lassen sich die Russen nicht mehr alles gefallen 

Syrien ( & deren Regierungen) ist alliiert mit Russland / UdSSR seit den 1970s

die USA führen Krieg gegen Syrien mit Hilfe von FSA / ISIS / IS / ISIL / Daesh

Syrien lehnte US-Dollar (für ÖL) & USA gesteuerte Zentralbank ab ... es gibt auch keine USA-Proxy-Regierung & keine USA Firmen die das ÖL kontrollieren -> das kann die USA-Regierung überhaupt nicht leiden ... die USA vergessen, dass sich Terror-Organisationen oft verselbstständigen ( wie auch in Afghanistan)

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Was ist mit den anderen Staaten? Immerhin sind ja wohl inzwischen 66 Staaten dort direkt oder indirekt beteiligt, das Ganze hat das Potential zu einem WK3 zu werden, zwar hoffentlich begrenzt, aber......

USA und Russland liegen seit Jahrzehnten im Zwist und das wird sich auch nicht ändern, die Russen wollen einfach nicht ihre Ressourcen von den Amerikanern ausbeuten lassen, wie es z. B. unter Boris Jelzin möglich war, und Russland wird wieder eine Supermacht, neben China und den USA werden.

In Syrien selber geht es in erster Linie um die Interessen der Saudis, Sturz von Assad, siehe zu Tage gekommene Dokumente der Saudis, und den USA um Öl und Einschränkung russischer Verbündeter.

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Kommentar von VMakarov1Acc
01.03.2016, 13:09

Trifft es ziemlich genau,  und einfach zu verstehen 

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