US-Wahlen: Niemanden wählen?

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11 Antworten

Ich habe meine Frage nochmal durchdacht und realisiert: Das amerikanische Wahlsystem ist einfach schlecht :D (flyingcats)

Vor 200 Jahren (so alt ist das Wahlsystem schon) war es das fortschrittlichste Wahlsystem seiner Zeit. Insofern würde ich nicht sagen, dass es "einfach schlecht" ist. Es ist halt nur seit rund 100 Jahren nicht mehr zeitgemäß.

Stellt euch vor, ihr wärt US-Bürger und dürftet wählen. Viele Menschen sind der Meinung, dass man für Clinton wählen soll, auch wenn man sie eigentlich nicht wählen möchte, da sie als Präsidentin das kleinere Übel wäre, als Trump.

Aktuellen Umfragen zufolge wollen 44% Clinton wählen und 42% Trump. (Clinton stagniert, Trump steigt) Anderen Umfragen zufolge (etwa CNN) liegt Trump bereits vorn...

Ich persönlich würde mich enthalten und Niemanden wählen, da ich beide schlecht finde, doch mir wurde von vielen unterstellt, dadurch Donald Trump zu unterstützen.

Das ist naiver Unfug. Wer sowas behauptet, will einfach nur dümmlich agitieren und hat die Hintergründe nicht verstanden. 

Wenn du bei dieser Wahl nicht wählst, unterstützt du niemanden, da du, mathematisch gesehen, einfach nur dem Pool eine Stimme entziehst; gerade so, als würde es dich gar nicht geben; oder als wenn du nicht wahlberechtigt wärst. (Vorsicht! Das bezieht sich nur auf die Präsidentenwahl in den USA. Bei anderen Wahlen, vor allem bei Wahlen in anderen Ländern, kann das völlig anders wirken. Das hängt von den jeweiligen Wahlgesetzen ab.)

Eigentlich kann man dieses Argument umgekehrt auch benutzen: Wenn man niemanden wählt, unterstützt man auch Clinton, weil man seine Stimme nicht ihrem Mitstreiter gibt.

Richtig. 

Also ist man dazu gezwungen, jemanden zu wählen, den man eigentlich nicht unterstützt, nur damit Trump nicht gewinnt?

Nein. Aber es erleichtert das Verlieren für den ungeliebten Kandidaten.

Wenn man für Hillary stimmt, müsste es doch eigentlich heißen, dass man ihr zustimmt und sie unterstützt.

In einer richtigen Demokratie würde es das bedeuten, ja. In unserer Parteien-Diktatur (Deutschland) bzw. präsidial-senatorischen Diktatur (USA) ist leider sehr oft "taktisches Wählen" notwendig.

In solchen Fällen wählt man auch schon mal Leute bzw. Parteien, die man eigentlich nicht wählen will, um zu verhindern, dass der noch ungeliebtere Kandidat bzw. die noch ungeliebtere Partei Vorteile bekommt.

Wenn man das nicht macht, kommt gelegentlich sowas wie der Brexit heraus: Auch hier hatten Leute, die eigentlich gegen den Brexit waren, die Abstimmung gänzlich ausgelassen, weil sie sicher waren, dass es nie zu einem Brexit kommen würde. Wären sie hingegen hingegangen und hätten sie "Dagegen!" abgestimmt, wäre der Brexit ausgeblieben...

Ist es also verwerflich, aus Protest nicht zu wählen?

In einer echten Demokratie wäre es "verwerflich" - weil Wählen gehen ein Prinzip-Recht ist; du also "gegen die Prinzipien der Demokratie protestierst"; und nicht etwa gegen Parteien. Denn das Wesen einer Demokratie ist das Recht auf Beteiligung. Sowas bekommst du nicht geschenkt. Das haben deine Großeltern (blutig!) erkämpfen müssen und es gibt bis heute Leute, die dir dieses Recht gern wegnehmen würden (die Partei-Eliten beispielsweise), und die es deshalb beschneiden und wirkungslos machen, wo sie nur können.

Insofern wäre es in einer Demokratie deine Haupt-Aufgabe, deine Rechte zu erhalten und darüber zu wachen, dass sie dir niemand wegnimmt. Und sei es nur, dass du ins Wahllokal gehst (oder Briefwahl machst) und deine Stimme aktiv "ungültig" machst.

In unserer pseudo-demokratischen Parteien-Diktatur macht es aber - direkt gesehen - keinen großen Unterschied und wirkt sich eher indirekt aus. Die Parteien haben sich längst eingerichtet und können auf deine Stimme gut verzichten, solange du sie nicht jemand anderem gibst.

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... wenn du "protestieren" willst, solltest du daher taktisch vorgehen: In den USA gibt es auch andere Kandidaten, denen du "aus Protest" deine Stimme geben könntest: https://de.wikipedia.org/wiki/Präsidentschaftswahl_in_den_Vereinigten_Staaten_2016

Die werden zwar auch mit deiner Stimme nicht gewinnen, doch die Ergebnis-Zahlen werden noch lange in der öffentlichen Debatte herumgeistern. Ein chancenloser Kandidat, der ordentlich Prozente einfährt, ist den Gewinnern stets ein Dorn im Auge; auch, wenn er nicht gewinnt.

Und auch in Deutschland kannst du "Protest wählen", indem du eine der kleineren Parteien mit deiner Stimme beglückst ( https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_politischen_Parteien_in_Deutschland ); oder indem du taktisch wählst. Eine kluge "taktische Wahl" beantwortet die Frage: "Was ärgert die Etablierten am meisten bzw. was schadet ihnen am meisten; schadet mir aber am wenigsten?"

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Zitat von flyingcats   ----  "Ich habe meine Frage nochmal durchdacht und realisiert: Das amerikanische Wahlsystem ist einfach schlecht :D"


JA!

Die so moderne, fortschrittliche und erfolgreiche Nation USA hat gerade einmal 2 Parteien! Das ist doch nur um eine mehr wie bei den Kommunisten!

Da kann man ja nur wählen zwischen "Not und Elend" oder "Tod und Teufel"!

Gleich wie in Deutschland müsste/sollte der amerikanische Präsident von einer Volkskammer (Kongress) gewählt werden!

Das momentane amerikanische "Präsidentschaftswahl-System" ist nicht nur gefährlich für die USA, sondern für die ganze Welt!

Warum? Weil dieser Wahlkampf so immens teuer ist! Jeder Kandidat benötigt mehr als 1 Milliarde Dollar dafür! Und wenn Kandidaten auf Wahlspenden angewiesen sind, dann sind sie später nicht frei und unabhängig in ihren Entscheidungen!

Es ist ja unbestritten, dass die größten Wahlkampfspenden von den Waffen- und Rüstungskonzernen kommen! Aber es sind eigentlich keine Spenden, sondern "Verbindlichkeiten", die man zurück zahlen muss!  Das ist so ähnlich, wie wenn man sich was von einem "Kredithai" borgt! 

Wenn man zurück blickt, merkt man, jeder amerikanische Präsident hat entweder Krieg geführt, oder hat zumindest militärisch interveniert!

Ein Präsident wurde schon richtig nervös, weil kein relevanter "Kriegsgrund" zu finden war ...  bis zum Glück 9/11 "passierte"!^^

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George W: Bush: "Findet mir eine Möglichkeit gegen den Irak loszuschlagen"

Quelle:  http://concept-veritas.com/nj/04de/politik/irakluege.htm




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Nicht zu wählen halte ich persönlich auch nicht wirklich für ein geeignetes Mittel, wenn man die Geschichte bedenkt.

Für das Recht dass heute die Menschen in Amerika und auch sonst wo auf der Wel wählen dürfen sind Menschen gestorben und dieses Recht nicht wahr zu nehmen ist so als würde man deren Opfer bzw  der Kampf nicht schätzen.

Wählen gehen zu dürfen ist ein Privileg dass man sich erkämpft und von da her empfinde ich nicht wählen zu gehen als falsch.

In den USA ist leider das Problem, dass es dort nur zwei wirkliche Parteien gibt und man so mangels alternative nicht viel anderes Wählen kann.

Ich persönliche würde dennoch Clinton wählen, weil ich absolut gegen die Politik und die Ansichten von Trump bin.

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Kommentar von Latosius
15.09.2016, 22:26

Man kann. Jill Stein (Green Party) und Gary Johnson (Libertarian Party) stehen auch auf dem Wahlzettel (in mehr als 50% der Bundesstaaten). Auch wenn ihre Chancen gering sind, fände ich es immernoch sinnvoller, einen der beiden zu wählen, als nicht zu wählen.

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Die Leute die zu Hillary tendieren (wie vermutlich du), sich aber unsicher sind, wählen niemanden. Die Leute, die allerdings zu D***** T**** tendieren, sich aber unsicher sind, wählen IHN. Das glaube ich, da die Trumpler ganz anders (vom Charakter ) sind.

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Da die eingefleischten Trump-Anhänger auf jeden Fall wählen, stimmt es schon, dass jeder Trump-Gegner, der nicht für Hillary Clinton stimmt, in gewisser Weise Trump unterstützt.

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In den USA sind zahlreiche Menschen klug genug nicht zu wählen, nämlich knapp die Hälfte der Bevölkerung.

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Wenn es keine Partei gibt, die einem zusagt, ist es keine Schande, nicht zu wählen. Oft wäre es ja so, als ob man zwischen Teufel oder Beelzebub entscheiden müsste. Leider.

Aus gutem Grund kann sich hierzulande die AfD erfreuen an den guten Wahlergebnissen. Warum? Weil sich sonst niemand traut, sich klar zu positionieren.

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Kommentar von PatrickLassan
15.09.2016, 20:01

Die Wahlergenisse der AfD sind zu einem großen Teil auf Protestwähler zurück zu führen, die mit der Politik der etablierten Parteien nicht zufrieden sind. Wenn sich die Leute mal das Wahlprogramm der Partei ansehen würden, würden sie merken, dass die AfD keinerlei sinnvolle Lösungen anzubieten hat.

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Du kannst ja einen anderen Kandidaten wählen. Es muss ja nicht Clinton oder Trump sein.

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Kommentar von Latosius
15.09.2016, 22:27

Jill Stein oder Gary Johnson stehen noch zur Wahl.

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Ich habe meine Frage nochmal durchdacht und realisiert: Das amerikanische Wahlsystem ist einfach schlecht :D

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Es gibt noch eine dritte wahl Möglichkeit, aber komischerweise wird diese nie erwähnt

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Kommentar von adabei
15.09.2016, 20:02

Der dritte Kandidat ist in allen Staaten chancenlos. Somit sind diese Stimmen auch verloren.

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Dein Argument stimmt, man kann es gegen jeden der Kandidaten verwenden.

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