Ursachen für den ersten Weltkrieg?

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Während des 19. Jahrhunderts und bis ins 2O. Jahrhundert hinein strebten die Großmächte danach, möglichst viele Gebiete der noch "herrenlosen Kontinente" an sich zu nehmen. Der Kampf um die Kolonien in Übersee verschärfte die Gegensätze zwischen den europäischen Mächten. Um in diesem Ringen bestehen zu können, baute jede Nation ein starkes Heer und eine schlagkräftige Flotte auf.

Mit dem Imperialismus prägte sich auch wieder stark der Nationalismus in den europäischen Völkern aus (= starkes Empfinden für die eigene Nation); Bei manchen Gruppen war der Nationalismus so stark ausgeprägt, dass sie andere Nationen nicht mehr anerkannten oder respektierten. Nationalismus in seinen extremsten Formen gefährdete den internationalen Frieden.

1892 schloss Frankreich mit Russland einen Bündnisvertrag. 19O4 verständigten sich Frankreich und Großbritannien über ihre Interessen in Afrika. Dadurch verhinderten sie einen Krieg untereinander. Sie schlossen einen Bund, dem sich 19O7 Russland anschloss. Durch diese Veränderungen war es dazu gekommen, dass Deutschland nur noch ein Bündnis mit Österreich-Ungarn und Italien hatte. Allerdings hatte Italien mit Frankreich schon 19O2 einen geheimen Nichtangriffspakt abgeschlossen.

Darstellung der zwei Bündnissysteme in einer einfachen Zeichnung:....

Auf dem Balkan (heutiges Gebiet des ehemaligen Jugoslawien) lebten viele Völker mit- und nebeneinander: Serben, Kroaten, Albaner, Bulgaren, Griechen usw. Die einzelnen Völker forderten nun unabhängige Staaten für das eigene Volk. Es kam zu einigen kriegerischen Auseinadersetzungen.

und letztliches "Zünglein an der Waage" war der Mord in Sarajavo..

teils mithilfe: http://www.paedagogik.net

danke für den Stern!

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Die Ermordung des Thronfolgers war nur der äußere Anlass. Es kochte schon lange, Deutschland fand sich als zu kurz gekommen mit den Kolonien, das Saarland u.A. waren Zankäpfel mit Frankreich. Eine Neuaufteilung verschiedener Gebiete dieser Erde war das erklärte Ziel. Die Pfründe behalten, und noch weiter auszubauen, das wollten die sogenannten Gegner. Also unüberbrückbare Gegensätze. Den Krieg wollten eigentlich mehrere Länder, ein einzelnes Land als Buhmann, währe zu kurz gefasst.

Die Ursachen für den Ausbruch des Ersten Weltkriegs sind vielfältig und verwickelt.Spannungen und Gegensätze in einem von Imperialismus gekennzeichneten Zeitalter hatten sich schon länger aufgebaut und eine krisenhafte Situation war dann ein Funke, der sie entzündete.

Expansion, vor allem auch mittels Kolonien, galt (von der Anschauung eines Sozialdarwinismus angetrieben) zunehmend als notwendig, um die Existenzmöglichkeit des eigenen Staates zu sichern.

wesentliche Ursachen:

  • verfestigte Bündnisblöcke, die sich gegensätzlich gegenüberstanden: Deutschland und Österreich waren verbündet (Mittelmächte), ihnen stand Frankreich und Russland gegenüber, die jeweils mit Großbritannien verbunden waren (Entente).

Der Stil deutscher Weltpolitik mit Versuche des Auftrumpfens und eine Vernachlässigung von Verständigungsmöglichkeiten führte in eine zunehmende Isolation. Frankreich gelang 1892 - 1894 ein Verteidigungsbündnis mit Russland, 1899 ausgeweitet, 1904 fand ein britisch-französischer Interessenausgleich in fast allen überseeischen Fragen (Entente Cordiale) statt, 1907 ein britisch-russischer Interessenausgleich in Asien. Die italienisch-österreichischen Gegensätze verstärktem sich immer weiter und die Verbindung mit Deutschland und Österreich-Ungarn im Dreibund (seit 1881) nahm an Tragfähigkeit immer deutscher ab. Das Mächtesystem polarisierte sich und der Zusammenhalt der eigenen Bündniskoalition wurde wichtiger als Ausgleichsversuche, welche die Blöcke ins Bröckeln bringen konnten.

  • Wettrüsten und Militarismus: die Großmächte befanden sich in einem Rüstungswettlauf (z. B. deutsche und britische Flotte, deutsches und französisches bzw. russisches Landheer).

  • gesteigerter Nationalismus: Nationalismus trat stark in einer gegen äußere Feinde ausgerichteten Art auf. Prestigedenken und das Streben nach Weltmacht und Hegemonie hatten großes Gewicht.

  • grundsätzlich zum Krieg bereite Mentalität: Krieg galt als normales Mittel der Politik, ein Krieg war für manche einen gewünschte Art der Konfliktlösung und der Durchsetzung von Machtansprüchen.

In der Julikrise wäre eine diplomatische Einigung möglich gewesen, aber die tiefsitzenden Gegensätze waren hinderlich. Die genauen Schuldanteile können im Einzelnen untersucht werden. Es gab eine Bereitschaft, von einem „kalkulierten Risiko“ zu einem „Sprung ins Dunkle/Ungewisse“ weiterzugehen. Bei einigen deutschen Entscheidungsträgern gab es auch ein subjektives Empfinden einer Art Präventivsituation (jetzt ist noch einen Gelegenheit unter günstigen Bedingungen, ein Zusammenstoß kommt später auf jeden Fall und dann mit schlechteren Chancen).

Am Ende vollzog sich ein Räderwerk von Mobilmachungen und Bündnisverpflichtungen.

Ein Überblick zum Thema steht in Büchern, z. B.:

Jost Dülffer, Der Weg in den Krieg. In: Enzyklopädie Erster Weltkrieg. Herausgegeben von Gerhard Hirschfeld, Gerd Krumeich, Irina Renz. Aktualisierte und erweiterte Studienausgabe. Paderborn ; München ; Wien ; Zürich : Schöningh, 2009 (UTB ; 8396). ISBN 978-3-8252-8396-4 (UTB); ISBN 978-3-506-76578-9 (Schöningh), S. 233 - 241

Das beste Buch, was ich darüber gelesen habe, ist das Buch des früheren Geschichtsprofessors der Uni Freiburg: Der Anfang vom Ende des alten Europas 1914 - 1919. uebermorgen 29

Also, um es kurz zu machen: Es gab ein Staatenbündnis zwischen Deutschland und Österreich (beides 'Kaiserreiche'). In Sarajevo wurde der österreichische Thronfolger Franz-Ferdinand durch einen Attentäter getötet. Da dieser (sofort verhaftete) Serbe war, wurde ein Staatsstreich vermutet, was aber eine alberne Annahme war. Nichts dergleichen hat sich später als annehmbar heraus gestellt. Es wurde aber der Staatsstreich angenommen, worauf Deutschland Österreich zur Hilfe kam. Dann hat wenige Monate später niemand mehr wirklich durchgeblickt, wer jetzt wem zur Hilfe kam. Es waren damals die Bündniserklärungen auch sehr schwierig und auch ungenau (>Russland). Im Effekt hat sich dann jeder mit jedem gestritten mit dem Ergebnis, dass gar nichts dabei heraus gekommen ist. Ausser einem Chaos auf allen Seiten und später der > Vertrag von Versailles.

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