Urlaubsanspruch / Urlaubsabgelung als 450 € Jobber. Wie errechne ich meine Urlaubsabgeltung nach 8 Monaten Beschäftigungszeit?

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1 Antwort

Wie hoch ist denn Dein Urlaubsanspruch? Und wie viele Urlaubstage hast Du denn bereits bekommen - oder anders: Wie viele Urlaubstage sollen denn ausbezahlt werden? Und welche Abzüge hast Du bei Deinem Minijob?

Ohne diese Information lässt sich selbstverständlich nichts nachrechnen!

Wenn Du vom 01.01. bis zum 31.082015 dort arbeitest/gearbeitet hast, dann hast Du Anspruch auf den gesamten vereinbarten Jahresurlaub für 2015, mindestens den gesamten gesetzlichen Mindesturlaub (Bundesurlaubsgesetz BUrlG § 4 in Verbindung mit § 5 Abs. 1). Allerdings hast Du dann, wenn Du diesen Anspruch wahrnimmst, keinen Anspruch mehr gegen einen neuen Arbeitgeber in diesem Jahr - es sei denn, der Urlaubsanspruch dort wäre höher als beim alten Arbeitgeber.

Hast Du Anspruch auf den gesetzlichen Mindesturlaub von 24 Werktagen (alle Tage, die nicht Sonn- oder Feiertag sind), dann beträgt Dein Jahresurlaubsanspruch bei 2 Arbeitstagen in der Woche konkret 8 Arbeitstage als Urlaubstage (es sind immer 4 Wochen). Von diesem Urlaubsanspruch sind selbstverständlich die bereits genommenen Urlaubstage abzuziehen.

Jeder Urlaubstag ist entsprechend dem, was Du verdienst, abzugelten: pro Urlaubstag mit 7,5 Stunden mit dem Mindestlohn von 8,50 € pro Stunde.

Du solltest im Übrigen auch Deinen Arbeitgeber bitten, Dir die Berechnung der 127,92 € aufzuschlüsseln!

DianaDe 25.08.2015, 12:08

Ich habe keinen einzigen Tag Urlaub genommen! Somit steht mir mein kompletter Urlaubsanspruch /abgeltung von 8 Tagen zu. Gestern hatte ich die Steuerberatung von meinem Arbeitgeber kontaktiert und nach einer genauen Aufschlüsselung der Berechnung von den 127,92 € gefragt, aber die Dame ist nur laut geworden und meinte das ist so richtig. Heute habe ich wieder dort angerufen und wurde erst gar nicht durchgestellt. Ich solle mich an meinen Arbeitgeber in Zukunft wenden und nicht mehr dort anrufen! Leider gab es immer wieder Probleme bei den Abrechnungen. Lt. meiner Rechnung wurden mir nur 2 Tage (2*7,5Std.*8,50 €= 127,50 €) berechnet. 

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DianaDe 25.08.2015, 12:13
@DianaDe

Meine SV-rechtliche Abzüge betragen bei 450€ , 16,65 €

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Familiengerd 25.08.2015, 12:48
@DianaDe

Also:

8 Tage Urlaubsanspruch, der zu entgelten ist, wenn Du bis zum ende der Kündigungsfrist keinen Urlaub mehr nehmen kannst!

Jeder Urlaubstag mit 7,5 Stunden zum Mindeststundenlohn von 8,5 € - das ergibt einen Entgeltungsbetrag von (8 x 7,5 x 8,5) 510,00 € brutto!

Davon sind dann SV-Beiträge abzuziehen, über deren Höhe ich allerdings nichts sagen kann, da mit dem Entgeltungsbetrag die Grenze für den Geringverdienst überschritten wird, auch wenn geringfügige Überschreitungen bis zu einer bestimmten Grenze unter gewissen Voraussetzungen unschädlich sind; ob in diesem Fall hier auch Steuern anfallen würden (die über den Lohnsteuerjahresausgleich aber erstattet würden), kann ich ebenfalls nicht sagen.

Du solltest also gegenüber Deinem Arbeitgeber auf einer Aufschlüsselung bestehen, denn Du hast ein Recht auf eine nachvollziehbare und verständliche Darstellung Deiner Abrechnung.

Alle Informationen zum Minijob findest Du übrigens auf dieser Seite (falls Du sie nicht schon kennen solltest): http://www.minijob-zentrale.de/DE/Service/01_top_service_navigation/01_siteMap/sitemap_node.html;jsessionid=C2473CC86082D8DBF985D72D525A6101

Viel Glück!

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DianaDe 25.08.2015, 13:51
@Familiengerd

Vielen Danke für die schnelle und tolle Hilfe! 

Ich muss noch dazu sagen, dass ich eigentlich vom 1.1.15 bis Ende Juni auf  200 €  und 5 Std. wöchentl. angemeldet war, habe aber seit Beginn an 2 Tage wöchentlich mit je 7,5 Std. gearbeitet. Ich habe dann Ende Juni gegen alle  Abrechnungen Widerspruch eingelegt und somit wurde alles rückwirkend auf 450 € korrigiert und meine "Mehrarbeit" bzw. zuviel geleisteten Stunden, werden mit dem Monat Juli und August verrechnet. Seitdem bin ich auch freigestellt. Dies war ein Angebot seitens meines Arbeitgebers und deren Steuerkanzlei, ansonsten wäre ich schon Ende Juni ausgeschieden und es wäre zu viel zur Nachzahlung gewesen. Von einer Freistellung seitens des AG bleibt ja mein Urlaub unberührt und außerdem habe ich meine Arbeitskraft weiter zur Verfügung gestellt. Dies hab ich auch so meinen AG und seinem Steuerbüro schriftlich mitgeteilt.

Ich hoffe ich liege hier richtig!? Desweiteren habe ich bis heute noch keinen schriftlichen Arbeitsvertrag.

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Familiengerd 25.08.2015, 14:49
@DianaDe

Von einer Freistellung seitens des AG bleibt ja mein Urlaub unberührt und außerdem habe ich meine Arbeitskraft weiter zur Verfügung gestellt

Der Arbeitgeber kann Dich - als einseitige Entscheidung - selbstverständlich freistellen, muss dann aber - ebenso selbstverständlich - Dein Entgelt weiterhin bezahlen.

Deinen Urlaub darf er nur dann mit der Zeit der Freistellung verrechnen, wenn die Freistellung ausdrücklich als "unwiderruflich" erklärt worden ist. Ohne eine solche Unwideruflichkeitserklärung muss er Deinen Urlaubsanspruch trotz Freistellung entgelten.

Der Hintergrund:

Bei einer nicht als unwiderruflich erklärten Freistellung kann der Arbeitgeber Deine Arbeitskraft jederzeit bis zum Ende der Kündigungsfrist wieder einfordern. Würde bei einer solchen widerrufbaren Freistellung der Urlaub mit verrechnet, könntest Du diesen Urlaub tatsächlich aber gar nicht "realisieren" (also z.B. verreisen), weil Du jederzeit damit rechnen müsstest, vom Arbeitgeber wieder zur Arbeitsaufnahme aufgefordert zu werden; dazu gibt es in diesem Sinne viele Gerichtsentscheidungen bis zum Bundesarbeitsgericht BAG

Des Weiteren:

Wenn der Arbeitgeber Dich einseitig freigestellt hat, ohne Dich weiter zu bezahlen, Du Deine Arbeitskraft sogar noch ausdrücklich angeboten hast, gerät er in den sogenannten "Annahmeverzug" nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch BGB § 615 "Vergütung bei Annahmeverzug und bei Betriebsrisiko":

Kommt der Dienstberechtigte mit der Annahme der Dienste in Verzug, so kann der Verpflichtete für die infolge des Verzugs nicht geleisteten Dienste die vereinbarte Vergütung verlangen, ohne zur Nachleistung verpflichtet zu sein.

Du bist in diesem Fall also - trotz Nichtarbeit - so zu bezahlen, als hättest Du gearbeitet, und musst die tatsächlich nicht gearbeitete Zeit auch nicht nachholen oder - wegen der Beendigung des Arbeitsverhältnisses - die entsprechende Entlohnung nicht mit anderen Ansprüchen Deinerseits (z.B. die Urlaubsabgeltung) verrechnen lassen.

Da es offensichtlich keine arbeitsvertraglich vereinbarten Ausschlussfristen (mindestens 3 Monate) gibt, nach deren Verstreichen Deine Ansprüche verwirkt wären, hast Du nach dem BGB § 195 "Regelmäßige Verjährungsfrist" 3 Jahre (ab Ende des Jahres, in dem Deine Ansprüche entstanden sind oder fällig waren) Zeit, Deine Ansprüche geltend zu machen, also bis zum 31.12.2018!

Dass Du keinen schriftlichen Arbeitsvertrag vorliegen hast, Tut Deinen Ansprüchen keinen Abbruch, da dann die gesetzlichen oder richterrechtlichen Bestimmungen (z.B. beim Urlaubsanspruch, bei Fristen zur Geltendmachung von Ansprüchen, bei Kündigungsfristen, beim Annahmeverzug) gelten.

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DianaDe 01.09.2015, 12:22
@Familiengerd

Also, mein Arbeitgeber und sein Steuerberater sagen immer noch, dass die Berechnung von 8 Urlaubstagen gesamt: 127,50 € ist. Eine genaue Aufschlüsselung wollen sie mir nicht geben. Sie meinten nur dass meine Urlaubstage wohl an einem statistischen Wert von wöchentlich 5 Stunden berechnet wird und das es sich eh nur um einen Minijob handelt. 

Ich wurde damals auf 200 € monatlich mit 5 Stunden wöchentlich eingestellt. musste aber von Beginn an 2 mal wöchentlich mit jeweils 7,5 Std. arbeiten. Hiergegen hab ich im Juni Widerspruch eingelegt und ich wurde rückwirkend auf 450 € erhöht, allerdingst wurde nicht meine tatsächliche wöchentliche Arbeitszeit in den Abrechnungen angepasst. Dies schlägt sich jetzt wohl auch nieder auf die Berechnung von meiner Urlaubsageltung!?

Der Steuerberater hat mir gedroht, dass wenn er nochmals neu Berechnung /Abrechnung muss, dann stellt er mir dies komplett in Rechnung! 

Ich weiss nicht was ich jetzt machen soll. Hat er recht mit der Berechnung, darf er das alles so einfach?

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Familiengerd 01.09.2015, 13:40
@DianaDe

Ich weiss nicht was ich jetzt machen soll. Hat er recht mit der Berechnung, darf er das alles so einfach?

Selbstverständlich nicht!

Gehe einfach davon aus, dass er meint, Dich gemeinsam mit seinem Steuerberater einschüchtern oder "für dumm verkaufen" zu können!

Halte Deinem Arbeitgeber - der ist in dieser Sache der Ansprechpartner für Dich - einmal die (kurze) "Entgeltbescheinigungsverordnung EBV" unter die Nase.

Er ist grundsätzlich zur Aufstellung einer aufgeschlüsselten Abrechnung verpflichtet; § 2 "Verfahren" Abs. 1:

Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer erhalten eine Entgeltbescheinigung nach § 1 in Textform für jeden Abrechnungszeitraum mit der Abrechnung des Entgeltes.

Das schließt dann selbstverständlich auch eine entsprechende Bescheinigung mit den Merkmalen des § 1 für die abgerechneten Urlaubstage ein!

Der § 1 führt auf, welche Angaben die Abrechnung enthalten muss (Du findest die Verordnung hier: http://www.gesetze-im-internet.de/entgbv/BJNR271200012.html ).

Und noch einmal:

Wenn Du seit dem 01.01.2015 mit der geänderten Arbeitszeit arbeitest, dann bist Du auch entsprechend zu bezahlen - und das gilt auch für die Entgeltung Deines Urlaubsanspruchs!

Sie meinten nur dass meine Urlaubstage wohl an einem statistischen Wert von wöchentlich 5 Stunden berechnet wird und das es sich eh nur um einen Minijob handelt. 

Wenn Du seit dem 01.01.2015 mit 2 x 7,5 Stunden wöchentlich gearbeitet hast, dann ist von 7,5 Stunden auch für jeden Urlaubstag auszugehen, denn diese längere Arbeitszeit gegenüber der vorherigen darf der Arbeitgeber Dir nicht auf eine Freistellung seit Juli anrechnen, für die Du auch wie bisher zu bezahlen bist; das tun die aber wohl, um auf den "statistischen Durchschnitt" von 5 Stunden zu kommen (wie Deine ursprüngliche Arbeitszeit).

Du solltest dem Arbeitgeber gegenüber Deine Forderung (>> nachvollziehbare Abrechnung, >> Bezahlung für den Freistellungszeitraum auf Basis der bis dahin geleisteten Arbeitszeit von 2 x 7,5 Stunden wöchentlich, >> Abgeltung Deines gesamten bestehenden Urlaubsanspruch mit eben diesem Geldfaktor) schriftlich erheben, eine angemessene Zahlungsfrist setzten (ca. 2 Wochen) und für den Fall der Nichtreaktion oder Weigerung die Einschaltung eines Anwalts und Klage beim Arbeitsgericht androhen.

Ob Du dann einen Anwalt tatsächlich einschaltest und Klage erhebst, ist dann noch eine andere Sache.

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