Urknalltheorie?

...komplette Frage anzeigen

8 Antworten

Hallo ClowdyStorm,

verrückt sind die Vorstellungen nicht, aber halt sehr laienhaft und die Beobachtungsdaten nicht berücksichtigend. Das klingt eher so, als hättest Du ein paar Begriffe gehört und Dir für Dich etwas zurecht gelegt.

So funktioniert Naturwissenschaft aber nicht: In der Naturwissenschaft müssen wir uns immer überlegen: wenn meine Vorstellungen richtig sind, was müsste ich in der Natur dann beobachten - und an welchen Beobachtungen würde ich erkennen, dass meine Vorstellungen über die Natur falsch sind?

Und diese Frage scheint mir in Deine Überlegungen nicht eingeflossen zu sein: Weder hast Du Dir die Frage gestellt, was Physiker wirklich genau mit dem Urknall meinen, noch welche Beobachtungsdaten ihn belegen. Und auch nicht, ob diese Beobachtungen alle durch Dein Modell erklärt werden.

Denn das werden sie nicht. Und das ist der springende Punkt, der dann halt doch wieder für den Urknall spricht.

---------------------------------------------

In den 1920ern hat Hubble (also der Astronom, nicht das nach ihm benannte Weltraumteleskop) entdeckt, dass viele der Nebelfleckchen am Nachthimmel, die man schon lange kannte, sehr, sehr viel weiter weg sind von uns als die Sterne der Milchstraße. Es wurde klar, dass unsere Milchstraße nur eine von vielen Galaxien im Universum ist.

Während die Milchstraße einen Durchmesser von vielleicht 100 000 Lichtjahren hat, sind es Millionen oder gar Milliarden Lichtjahre zu anderen Galaxien.

Hubble entdeckte aber noch mehr: Er entdeckte, dass sich diese weit entfernten Galaxien von uns weg bewegen. Und zwar umso schneller, je weiter sie schon weg sind.

Genau das beobachtet man, wenn man annimmt, dass der Raum selbst sich ausdehnt. Es entsteht neuer Raum zwischen uns und anderen Galaxien. Die Galaxien werden wie in einem aufgehenden Hefeteig mitgerissen.

Veranschaulichen kannst Du Dir das, wenn Du einen Drucker daheim hast: Male mit einem Grafikprogramm ein paar Punkte auf ein Bild und drucke es aus. Dann ziehst Du das Bild an einer Ecke maßstabsgetreu größer und druckst es erneut aus. Lege beide Bilder übereinander und betrachte sie gegen das Licht, so dass Du im Gegenlicht beide Bilder betrachten kannst:

Egal welchen Deiner Punkte Du als "Mitte" nimmst und die beiden Bilder so aufeinander ausrichtest, dass er übereinander liegt: Es sieht immer(!) so aus, als würden die anderen von diesem Punkt wegfliegen - und zwar umso schneller, je weiter sie weg sind. Du kannst das für alle möglichen Punkte Deines Bildes ausprobieren, es kommt immer so raus.

Und genau deshalb erscheint diese Erklärung auch so naheliegend für das Universum, in dem wir eben dasselbe beobachten: Alles will weg von uns - gerade von uns? Nein! Es sähe von überall so aus!

Also: Erster Beobachtungshinweis für den Urknall: Fluchtbewegung ferner Galaxien. Kann das Dein Modell auch erklären? Nein.

Wenn man annimmt, dass das Universum größer wird, kann man zurückrechnen und kommt auf den Urknall: Der Beginn des Universums als dichtem, heißen Anfangszustand: Alles, was wir heute im Universum beobachten (auch der heutige Raum!!!) war winzig dicht zusammengepackt.

Wenn alles so dicht war, war es auch sehr heiß - und man kann ausrechnen, dass man den Nachhall dieser heißen Phase heute am Himmel sehen müsste: Das ist eine Beobachtungsvorhersage des Urknallmodelles. So, wie ich es oben beschrieben habe (wenn das Universum in einem dichten, heißen Anfangszustand war, was würde ich dann beobachten??). Die Vorhersage lautete: Man müsste eine gleichmäßig aus allen Richtungen kommende Hintergrundstrahlung nachweisen können, die bis heute abgekühlt ist auf unter 3 Kelvin.

Diese Strahlung wurde 1964 von Penzias und Wilson entdeckt und gilt bis heute als wichtiger Nachweis des Urknalls, weil sie durch kein anderes Modell miterklärt wird.

Also: Zweiter Beobachtungshinweis für den Urknall: Kosmologische Hintergrundstrahlung. Kann das Dein Modell auch erklären? Nein.

Es gibt noch weitere Dinge, die der Urknall miterklären kann. Zum Beispiel die Häufigkeitsverteilung der Elemente im Universum: Warum wir überall so viel Wasserstoff finden, in etwa zu einem Viertel Helium und nur in Spuren schwerere Elemente. Auch das kann man nämlich errechnen, wenn man über Kenntnisse aus der Atom- und Teilchenphysik anschaut, wie sich im ganz, ganz jungen Universum (in den ersten Minuten nach dem Urknall) die Elemente bilden, während sich das Universum abkühlt.

Und auch diese Elementhäufigkeiten von Wasserstoff und Helium passen sehr gut zum Modell.

Also: Dritter Beobachtungshinweis für den Urknall: Häufigkeitsverhältnisse von Wasserstoff und Helium im Universum. Kann das Dein Modell auch erklären? Nein.

Wir müssen also schon mal festhalten, dass Dein Modell die Beobachtungen nicht so gut beschreibt, wie der Urknall. Und zwar fangen die Probleme Deiner Vorstellungen schon bei den Entfernungsverhältnissen im Universum an. Ein großer Teil der Beobachtungsdaten, die für den Urknall sprechen, kommen von Galaxien, die Milliarden Lichtjahre weit weg sind oder sogar von der kosmischen Hintergrundstrahlung. Beides ist ganz, ganz sicher nicht Teil der Umgebung unseres Sonnensystems.

Grüße

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Arkesilaos 12.03.2016, 07:06

Heraklit sagte : "panta rhei"- alles fließt. Der Begriff der Ewigkeit, die man doch anerkennen muss, wird ausgeschaltet wenn ich einen Anfang setze. Da erhebt sich die Frage, die hier einer stellte: "was war davor?" Es ist schwer vorstellbar, das da nichts war. Und dass sich das ganze Universum in ein paar Minuten bildete. Deine Erklärungen bzw. die der heutigen Wissenschaft muss man anerkennen, aber unsere Vorstellungswelt kommt damit nicht klar.

0
thetee99 12.03.2016, 11:35
@Arkesilaos

Interessant in dem Zusammenhang finde ich auch die Vorstellung des Hinduismus, die beschreibt, dass das Universum mit dem Ein- und Ausatmen des Gottes (Shiva?) entsteht und das es ein fortlaufender Zyklus ist. Spannende Sichtweise einer der ältesten Religionen unserer Welt im Zusammenhang mit unserer heutigen Vorstellung vom Universum.

0

Das mit den Sternenexplosionen siehst du schon richtig.

Der Urknall war aber in dem Sinne keine Explosion, da ist der Begriff tatsächlich verwirrend. 

Es gibt viele Phänomene, die im Universum tatsächlich beobachtet wurden und aus denen wurde die Theorie vom Urknall abgeleitet.

Eine Theorie kann falsifiziert werden, indem durch Messungen oder Berechnungen nachgewiesen wird, dass die Theorie falsch ist. Eine solche Messung oder Berechnung gibt es aber nicht. Auch die Kritiker des Urknalles haben kein einziges wissenschaftliches Indiz, dass die Theorie falsch sei, sie behaupten es aber trotzdem.

Eine Theorie kann dadurch belegt werden, dass sie Prophezeiungen macht und wenn diese durch Beobachtung und Messung bestätigt werden, wenn sich die Prophezeiungen also erfüllen, ist dies ein starkes Argument für die Qualität der Theorie. So geschehen beim Nachweis von Gravitationswellen bezüglich RT. Solche Bestätigungen gibt es zu Hauf  auch für die Urknalltheorie. Sie lässt sich sowohl mathematisch als auch durch Beobachtungen bestätigen. Und solange es keine bessere Theorie gibt oder die Urknalltheorie widerlegt wird, gibt es keinen nachvollziehbaren Grund, sie abzulehnen. 

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Du liegst schon mal falsch, wenn du den Urknall mit einer "Sternenexplosion" verlgeichst. Beim Urknall hat nichts "geknallt" ;) Der Begriff stammt von einem Priester, der eigentlich gegen diese Theorie war, als sie damals aufkamm. Er wollte diese Theorie mit dem Begriff "Urknall" nur ins lächerliche ziehen.

Der Urknall ist nur der Zeitpunkt, ab dem plötzlich mehr Materie als Anit-Materie im Universum war. Wie das kam weiß niemand, aber es ist der Grund das es heute Materie - in Form von Planeten, Sonnen etc. im Universum gibt. Und Materie und Anti-Materie heben sich gegenseitig eigentlich auf. Da es jetzt nicht so ist, bis in 13,7 Mrd. Lichtjahren Entfernung, kann man davon ausgehen, dass es im ganzen Universum gleich ist, da das Universum auch nur so alt sein kann.

Kann sein das es außerhalb unseres Universums, andere Universen gibt in denen es anders ist. Wenn du das rausfinden willst, solltest du jetzt losfliegen.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
martinzuhause 11.03.2016, 15:03

eine sehr eigenwillige interpretation. bisher wird angenommen das mit dem urknall unser universum, materie, energie und zeit erst entstand

0
thetee99 11.03.2016, 15:12
@martinzuhause

Universum ist nur der Oberbegriff von allem was da ist. Aber irgendwas muss ja schon da gewesen sein, denn von nichts kommt nichts, wie bespw. Protonen in Form von Energie. Raum + Zeit sind ab diesem Moment des Urknalls entstanden, weswegen man auch von der Raumzeit spricht. Beides hängt miteinander zusammen.

0

Dein Erklärungsversuch berücksichtig nicht, dass sich auch ferne Gestirne, Galaxien usw. in der Regel voneinander entfernen, dass sich das Universum also als Ganzes ausdehnt.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

"Wir scheinen zu "wissen" dass das universum durch einen urknall entstanden ist, "

bisher wird nur davon ausgeggangen das unser derzeitiges universum bei einem urknall aus einer singularität entstanden ist. mehr nicht

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Bringe den Beweis was vor dem Urknall war und du löst eines der größten Rätsel unserer Zeit. Keiner weis auch genau was auserhalb des Universums ist, da wir nicht alles sehen können.

Unmöglich ist es nicht. Jedoch bringt der Urknall einfach die verständlichsten und besten Grundlagen für alles. Ist nur die Frage, "Was war davor?".

Gruß Ashuna

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
martinzuhause 11.03.2016, 15:02

"Bringe den Beweis was vor dem Urknall war und du löst eines der größten Rätsel unserer Zeit."

damit löst man kein rätsel. wo kam das her was vorher da war und wohin verschwand es mit dem urknall? haben wir statt einer frage dann gleich zwei

0

Ja, das könnte auch so sein, das seit Ewigkeiten es immer nur Supernovae gab, nie ein Urknall der das ganze Universum erschaffen hat. So richtige Beweise für den Urknall habe ich auch nicht gefunden, der einzige Beleg soll die Hintergrundstrahlung sein. Die Hintergrundstrahlung erkläre ich mir so, das das Vakuum im Weltraum pro Kubikmeter eigentlich doch ein paar Atome enthält, also nicht ganz leer ist. Die Hintergrundstrahlung könnte genau die Temperatur dieser Atome sein, die überall rumfliegen. Die Gesamtmasse dieser Atome dürfte doch recht beträchtlich sein.

Auch ist ja weder ein Rand des Universums, noch ein Zentrum zu beobachten, das passt auch nicht so richtig zum Urknall. Und ein 4-dimensionaler Raum, in dem unsere 3 Dimensionen nur die Oberfläche sind, ist auch nicht empirisch nachweisbar (das ist die offizielle Erklärung, warum kein Zentrum des Universums beobachtbar ist).

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
uteausmuenchen 11.03.2016, 19:05
Die Hintergrundstrahlung erkläre ich mir so, das das Vakuum im Weltraum pro Kubikmeter eigentlich doch ein paar Atome enthält, also nicht ganz leer ist. Die Hintergrundstrahlung könnte genau die Temperatur dieser Atome sein, die überall rumfliegen.

Das würde dann aber zu ganz anderen Beobachtungen führen als wir machen.

Die Hintergrundstrahlung käme dann nämlich überall aus dem Universum; sie wäre nicht das Entfernteste, was man sieht. Ist sie aber.

Dafür müsste auch eine sehr geringe Atomdichte auf größere Entfernungen zu Absorptionseffekten führen - also, dass die Atome Licht schlucken. So, wie unsere Atmosphäre Licht schluckt. Genau solche Effekte beobachten wir aber nicht. Wir sehen vielmehr auch hier das Gegenteil.

Und nein, da der Urknall keine Explosion im Raum ist, ist ein Zentrum schon aus ganz anderen Gründen nicht zu erwarten: Es gibt kein Zentrum, weil jeder Ort im heutigen Universum bereits im jungen Universum enthalten ist: Der Urknall fand überall statt.

Grüße

2
Maimaier 12.03.2016, 12:24
@uteausmuenchen

Die Hintergrundstrahlung käme dann nämlich überall aus dem Universum;  sie wäre nicht das Entfernteste, was man sieht. Ist sie aber.


Wie stellt man die Entfernung der Hintergrundstrahlung fest? Mit welchem Experiment kann man die beiden genannten Fälle unterscheiden?

Wenn es kein Zentrum gibt, dann gibt es auch kein Rand, das Universum ist also Zyklisch? Oder wie kann man sich das Vorstellen?

0

Was möchtest Du wissen?