Urheberrecht vs. Patent: Hat UNIX das Patent gefehlt?

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3 Antworten

Hallo

Hat UNIX das Patent gefehlt?

Zuerst ja, dann nein

Um das zu erklären muß man weiter ausholen.


  • UNICS hatte kein Patent, weil es kaum fünf Computer auf der Welt gegeben hat und somit gar kein Markt da war.
  • Später wurde daraus dann UNIX und auch für das gab es bis zur Version 4 keine Patentierung, es wahr Allgemeingut, jeder der danach verlangte hat es zur Verfügung gestellt bekommen.
  • Es gab ja nichts anderes zu diesem Zeitpunkt weil bis dahin Computer nur den Universitäten und großen Konzernen vorbehalten waren. Als es dann immer beliebter wurde, hat man sich bei AT&T entschlossen die neuen Systeme zu schützen.
  • Die ersten Heimcomputer waren im Grunde genommen nur Spielkonsolen, mehr war weder Preislich noch vom Platzbedarf her umsetzbar.
  • In den 1980er Jahren dann kamen die ersten "richtigen" PCs, kosteten aber deutlich mehr als 10.000,- DM ohne Laufwerk, Monitor, Tastatur usw.! Auch hier war Unix schon aus Kostengründen nicht in Frage gekommen.
  • An der Uni hatte er, dank seines Vaters, Zugang zum Rechner der Uni und kam so mit Unix in Berührung, dann mit Minix und so beschloss er ein Betriebssystem zu schaffen das kompatibel aber günstiger war. (Linux war keineswegs der erste Versuch Unix zu kopieren!)
  • Auch Linux sollte ursprünglich ein kommerzielles System sein.
  • Linux kam der Bewegung von Richard Stallmann (GNU-Projekt, 1983) gerade Recht und so wurde aus Linux (dem Kernel) und mit GNU (Software) eine Symbiose, endlich konnten die Programmierer Ihre freien (Unix)-Programme mehr Menschen anbieten als nur den Großrechner-Betreibern.
  • Diese Software aber war unter der GPL, also nicht kommerziell und so konnte/durfte man das gemeinsame Produkt (GNU/Linux) nicht verkaufen, ergo wurde es ebenfalls unter GPL gestellt, was dann jedem der sich einen PC leisten konnte zur Verfügung stand.
  • Damit war der Zug dann ins rollen gekommen und hat dann Fahrt aufgenommen.

Wäre sonst alles anders gekommen?

Mit Sicherheit wäre es das.

  • Alleine die Zugrunde liegende POSIX-konforme Struktur machte es möglich es an nahezu jede verfügbaren Hardware anzupassen.
  • Das Portable Operating System Interface ist ein gemeinsam von der IEEE und der Open Group für UniX* entwickeltes standardisiertes Application Programming Interface, das die Schnittstelle zwischen Anwendungssoftware und dem Betriebssystem darstellt.*
  • Die Computer in den 1980er Jahren hatten ein Problem das potentiell mit jedem neuen Gerät anwuchs, sie waren nicht binär-kompatibel zueinander. Jeder Hersteller hatte sein eigenes Betriebssystem das nur auf seiner Hardware lief, weil eben daran angepasst.
  • Apple, Atari ST und Amiga Computer hatten zwar den selben Prozessor, (Motorola 68000) aber sonst nicht viel gemeinsam auf Binärebene.

Linuxhase

Im Patentrecht gibt es Regeln, die man bei allen Betrachtungen beachten muss. Eine davon ist, dass eine Erfindung neu sein muss, man kann also nicht Wochen, Monate oder gar Jahre nach einer Veröffentlichung ( auch die Benutzung ist eine Veröffentlichung) ein Patent anmelden.

Ein Betriebssystem wächst von den ersten Befehlen bis zu einer breit anwendbaren Variante. Was ist aber in der Zwischenzeit geschehen? Wurden patentfähige Teile nicht schon in anderen Varianten benutzt, also veröffentlicht? Oft beleibt keine Möglichkeit, dann noch ein Patent erteilt zu bekommen. "Generische" Patentanwälte sind öfter damit beschäftigt, Beweise für die Abwehr zu finden als eigene Patente zu formulieren.

Eine Weitere Regel ist die maximale Laufzeit von 20 Jahren.

UNIX ist in den 70-er Jahren entstanden und stand somit zur Zeit der ersten Linux-Version bereits kurz vor den Ende eines möglichen Patentschutzes.

Wenn man weiß ( oder ahnt ) welchen Aufwand die Formulierung eines Patentes erfordert, der weiß auch, das die kleinste Unachtsamkeit, anderen die Möglichkeit gibt, so ein Patent zu umgehen, es aber praktisch zu benutzen.

Bei Programmen ist es daher unmöglich, einen Code so zu schreiben, dass ein Patent irgendetwas schützt. Andere dürfen "ungeschützten" Programm-Code aber auch nicht einfach abschreiben, das ist durch andere Rechte nicht zulässig.

Das wird daher versucht, solche Dinge in "Verfahren zur ... " verpacken.

War Unix nicht patentgeschützt? Oder was sonst musste passieren, dass Linux neben Unix herlaufen kann/ darf?

"Anfangs, bis 1979 die Unix-Version 7 erschien, war Unix ein praktisch fast frei verfügbares System." http://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_von_Linux.

Aber: "Die in den folgenden frühen 1980er Jahren immer mehr aufkommende kommerzielle Denkweise drängte auch AT&T dazu, das gesamte System, bestehend aus eigenem geistigem Eigentum sowie aus frei beigesteuerten Erweiterungen, als proprietäres AT&T Unix zu vermarkten." (Ebenda.)

Deshalb wurde Linux entwickelt als ein Unix-ähnliches Betriebssystem, das auf Unix-Servern lief, aber Unix nicht so ähnlich war wie BSD, also keinen Code von AT&Ts Unix enthielt:

"Ein anderes Projekt rund um ein Betriebssystem aus freier Software war in den 1980er Jahren auch die Berkeley Software Distribution, kurz BSD. Diese hatte sich aus Eigenentwicklungen der Universität Berkeley aus den Unix-Versionen der 4er Edition und folgender von AT&T entwickelt. Da aber in den BSD-Versionen noch immer Code von AT&Ts Unix enthalten war, kam es Anfang der 1990er Jahre zu einem Rechtsstreit zwischen AT&T und der Universität Berkeley, der die Entwicklung von BSD stark einschränkte und einige Jahre stark verlangsamte." (Ebenda.)

Gruß aus Berlin, Gerd

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