Urheberrecht bei Nähanleitungen

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2 Antworten

"1. Auf dem Gebiet der Mode können Gebrauchsgegenstände wie Zeichnungen, Entwürfe und Schnittmuster sowie die nach diesen Vorlagen angefertigten Modelle (hier: Modellzeichnung für einen Damenmantel) als Werke der angewandten Kunst Urheberrechtsschutz geniessen, wenn sie eine individuell geprägte Schöpfung darstellen, deren den Formensinn ansprechende Gehalt ausreicht, dass nach den im Leben herrschenden Anschauungen von Kunst gesprochen werden kann." Leitsatz; BGH, Urteil vom 14.12.1954 - I ZR 65/53 - "Mantelmodell" (KG Berlin)

Heute heißt das laut § 2 UrhG: "(1) Zu den geschützten Werken der Literatur, Wissenschaft und Kunst gehören insbesondere: [...] 7. Darstellungen wissenschaftlicher oder technischer Art, wie Zeichnungen, Pläne, Karten, Skizzen, Tabellen und plastische Darstellungen."

Deshalb heißt es in Foren auch zu Schnittmustern: "Burda hat das Urheberecht auf ihre Schnitte und es bedarf immer der Zustimmung, wenn man es Kommerziell nutzen will".*)

Ohne eine solche Zustimmung sollte auch schon die Herstellung des Werkes nach der Zeichnung zustimmungspflichtig sein, nicht erst ihr Vertrieb, und nicht erst ihre kommerzielle Nutzung: "Handelt es sich [...] um die Ausführung von Plänen und Entwürfen eines Werkes der bildenden Künste [...], so bedarf bereits das Herstellen der Bearbeitung oder Umgestaltung der Einwilligung des Urhebers." § 23 UrhG Satz 2.

Ob ein Nachnähen "quasi eine eigene Interpretation" ist und demnach trotz § 23 ohne Zustimmung statthaft nach § 24, wäre die nächste Frage: "(1) Ein selbständiges Werk, das in freier Benutzung des Werkes eines anderen geschaffen worden ist, darf ohne Zustimmung des Urhebers des benutzten Werkes veröffentlicht und verwertet werden."

Zum Unterschied zwischen § 23 und § 24 googele man nach "saq.htm#freinutz". Mein Tipp: Die eigenen Ideen müssen die benutzten fremden Einflüsse deutlich übertrumpfen beim neuen Werk, damit dies als Freie Benutzung durchgeht!

Dies alles gilt aber nur für den Fall, dass dieser fremde Entwurf die nötige Schöpfungshöhe hat für einen Schutz nach § 2 UrhG. Falls nicht, wäre zu prüfen, ob der Entwurf geschützt ist als Geschmacksmuster per Eintragung beim dpma.de.

Dies rät auch dieser Anwalt hier: http://tinyurl.com/cu76cw7

Gruß aus Berlin, Gerd

*) Aus den AGB von burdastyle.de: "10. NUTZUNGSRECHTE 10.1 Die im burdastyle-Webshop angebotenen Schnittmuster sind urheberrechtlich und/oder durch gewerbliche Schutzrechte geschützt. [...] ... verboten sind insbesondere kommerzielle bzw. gewerbliche Herstellungen der jeweiligen Textilie. [...] Auch eine Nachahmung des Werkes ist verboten."

Die Anleitung und deine Endergebnisse sind zwei völlig von einander unabhängige Dinge - somit ist praktisch ausgeschlossen, dass sich da was ins Gehege kommt. Sofern die verwendete Anleitung überhaupt Schutz durch das UrhG genießt, so ist dein Werk in freier Benutzung daraus entstanden und genießt u.U. seinen eigenen Schutz und berührt somit keinerlei Rechte Dritter.

Hoffe das hilft ... und lass die Nadeln glühen...

Ja, hilft schon sehr. Aber kann man das zufällig irgendwo nachlesen? Ich meine, nicht dass ich dann am Ende eine Klage am Hals habe, das würde für mein Geschäft wohl das Ende bedeuten.

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@braendlididu

Schon die Tatsache, dass die Anleitung ein Text ist und dein Werk oder Ergebnis etwas greifbares sollte dir die Logik die passende Antwort geben... es ist ja nicht so, dass du die Anleitung selbst verwertest, sondern aufgrund der Anleitung ein eigenständiges Werk schaffst.

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@stelari

In manchen Anleitungen sind aber auch Schnittvorlagen enthalten, oder Kopiervorlagen für Nähen auf Papier. Gilt hier das selbe? Sorry für meine vielen (dummen) Fragen, ich will halt aus bereits erwähnten Gründen auf Nummer sicher gehen.

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