Urheberrecht bei einem perönlichen Foto

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4 Antworten

"Ein Foto von mir". A) Hast du es geknipst? B) Oder wurdest du geknipst? AB) Oder beides, per Selbstauslöser?

Bei A) greift das UrhG, zur Frage der Strafe § 106 Unerlaubte Verwertung urheberrechtlich geschützter Werke: "(1) Wer in anderen als den gesetzlich zugelassenen Fällen ohne Einwilligung des Berechtigten ein Werk oder eine Bearbeitung oder Umgestaltung eines Werkes vervielfältigt, verbreitet oder öffentlich wiedergibt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft. (2) Der Versuch ist strafbar."

Bei B) greift das KunstUrhG § 33: "(1) Mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer entgegen den §§ 22, 23 ein Bildnis verbreitet oder öffentlich zur Schau stellt. (2) Die Tat wird nur auf Antrag verfolgt."

Bei AB) greift für dich beides. In allen Fällen per Strafanzeige bei der Polizei. Falls die Sache eingestellt wird mangels öffentlichen Interesses, kannst du noch den Weg der Privatklage beschreiten.

Soweit zum Strafrecht. Daneben bleiben in allen drei Fällen noch die zivilrechtlichen Wege offen, insbesondere bezüglich Unterlassung und Schadensersatz bzw. zwecks Vernichtung der Vervielfältigungsstücke.

Gruß aus Berlin, Gerd

PS. Der Fall B) kann flach fallen, falls du etwa bei einer öffentlichen Veranstaltung fotografiert worden bist - sowie unter ähnlichen Umständen, vgl. das Posting von stelari.

205Koenigstiger 21.10.2012, 20:31

Es ist ein Foto von mir, welches in meiner Wohnung stattfand. Es war ein Selbstauslöser meiner Kamera. Der Friseur schnitt aus dem Bild nur mein Gesicht und etwas vom Oberkörper aus. Er veröffentlichte es mit einem Rahmen auf seiner Wand. Obwohl er, laut meiner Freundin, es schön findet, finde ich es nicht in Ordnung, dass er das Bild für alle veröffentlicht. Da das Bild auch etwas älter ist, bestimmt über ein Jahr, weiß ich nicht wie lange er das Foto schon zur Schau stellt.

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GerdausBerlin 22.10.2012, 17:38
@205Koenigstiger

Unter diesen Umständen kann ich kein Recht erkennen, mit dem der Frisör das Portrait an die Wand eines öffentlichen Ladens hängt.

Aber mir wäre das auch egal. Als Fotograf könnte man aber einen Schadensersatz geltend machen, bei einem Jahr schon etwas mehr als die 40 Euro hier: http://medien-internet-und-recht.de/volltext.php?mir_dok_id=1877

Und Unterlassung kann man auch verlangen, mit großer Aussicht auf Erfolg, sowohl als Fotograf als auch als abgebildete Person. Wenn einem das die Mühe wert ist ...

Gruß aus Berlin, Gerd

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Das Urheberrecht wird hier weniger tangiert - dieses kann sowieso nur der Urheber oder der Inhaber eines ausschließlichen Nutzungsrechtes durchsetzen. Was hier berührt wird ist das Persönlichkeitsrecht am eigenen Bildnis - das KunstUrhG.

Nach § 22 KunstUrhG muss die abgebildete Person einer Veröffentlichung zustimmen, was aber auf unterschiedliche Arten passieren kann. Wir Fotografen machen das bestenfalls immer schriftlich, wer entlohnt wurde - auch in Naturalien - oder auch durch konkludentes (schlüssiges) Handeln erteilt man diese Erlaubnis.

Natürlich gibt es auch Ausnahmen, die einer Erlaubnis regelmäßig entbehren und das ist der Knackpunkt an deiner Frage! Fällt das Bild ggf unter diese Ausnahmen?

  1. Bildnisse aus dem Bereiche der Zeitgeschichte;

  2. Bilder, auf denen die Personen nur als Beiwerk neben einer Landschaft oder sonstigen Örtlichkeit erscheinen;

  3. Bilder von Versammlungen, Aufzügen und ähnlichen Vorgängen, an denen die dargestellten Personen teilgenommen haben;

  4. Bildnisse, die nicht auf Bestellung angefertigt sind, sofern die Verbreitung oder Schaustellung einem höheren Interesse der Kunst dient.

Die Ausnahmen sind aber nur auf den eigentlichen Urheber anwendbar - also auf den, der die Aufnahme gemacht hat. Trifft das nicht zu, so kann Unterlassung gefordert werden vom Störer. Ein Schadensersatz zu bekommen ist eher selten - zumal dieser auch konkret beziffert werden muss und auch entstanden sein muss - wahrscheinlicher ist eher ein kleines Schmerzensgeld. Dem Gesetz nach drohen dabei bis zu 1 Jahre Haft oder eher die doch zutreffende Geldstrafe...

Es gibt nicht sehr viele Fälle in der Deutschen Rechtsprechung wo die begehrende Person auch Erfolg hatte - prominentestes Beispiel ist Caroline von Hanover, sie konnte sich durchsetzen - andere jedoch nicht.

Es kommt auch mit darauf an, in welchem Kontext das Bild veröffentlicht wird - Ehrverletzung und beleidigend versteht sich von selbst.

Frage also - wie ist es zu dem Bild gekommen? Wie kommt der Störer an das Bild? wurde es ggf durch den eigentlichen Urheber veröffentlicht und hat gar der Störer sogar die Erlaubnis dazu vom Urheber?

Das wäre gut zu wissen um das noch näher und abschließender Beurteilen zu können

Als erstes musst du herausfinden, ob das stimmt, was deine Freundin gesagt hat. Wenn es stimmt, fordere den Frisör auf, das Foto sofort zu entfernen. Wenn er das nicht tut, kannst du zum Anwalt gehen.

205Koenigstiger 21.10.2012, 17:14

Kann ich auf Schadensersatz klagen?

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stelari 21.10.2012, 18:33
@205Koenigstiger

Auf Schadensersatz nur, wenn auch konkret ein nachweisbarer Schaden entstanden ist - eher ein Schmerzensgeld und das auch nur, wenn es ehrverletzend oder diffamierend veröffentlicht wurde

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Er darf das nicht. Urheberrechtsverletzung.

205Koenigstiger 21.10.2012, 16:57

Danke für die schnelle Antwort. Wie hoch sind die Strafen?

Sein Laden ist ca 200km von meinem Wohnort entfernt. Soll ich einen Anwalt einschalten oder wie soll ichs am besten machen

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mineralixx 21.10.2012, 17:01
@205Koenigstiger

Ohne Anwalt wirst du nichts erreichen können. Ich kenne einen ähnlichen Fall, da musste der Nutzer des Fotos 2000 DM an den Aufgenommenen bezahlten. Es geht nicht um Strafe. Lies im BGB darüber nach.

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stelari 21.10.2012, 18:30

Nö - das wäre nur dann der Fall, wenn die abgebildete Person das Bild mit Selbstauslöser aufgenommen hat - das Urheberrecht ist hier nicht einschlägig für den Fragesteller

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mineralixx 21.10.2012, 19:12
@stelari

In dem entsprechenden Fall tauchte das Foto in einerm Werbekatalog eines Unternehmens auf. Das Foto war unberechtigterweise am Arbeitsplatz aufgenommen worden. die 2000 DM waren eine "außergerichtliche Einigung".

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