Unterschiedliche Versorgungsformen?

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Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Hallo,

das sind ziemlich unterschiedliche Instrumente, die allerdings allesamt das Ziel haben, Krankenkassenkosten zu senken (so viel zur Gemeinsamkeit).

Ich würde sagen, man könnte die intergrierte Versorgung (iV) als eine Art Oberbegriff nehmen, da es hier heißt, Krankenkassen handeln direkte Verträge mit den Leistungserbringern (d. h. Ärzte, Krankenhäuser, Therapeuten aus). Das ist deswegen so besonders, da der normale Fall im ambulanten Bereich ist, dass dazwischen noch eine Mittlerstelle der Kassenärztlichen Vereinigung mitmischt. Die fällt hier weg. iV-Verträge sind i. d. R. unabhängig von der Bedarfsplanung der KV.

Im Rahmen von iV gibt es verschiedene Bausteine. Zwei davon hast du genannt, nämlich das eine ist die hausarztzentrierte Versorgung, d. h. man setzt bei den Leistungserbringern an und ordnet da ein bisschen, damit die Leute nicht gleich immer zu irgendwelchen Fachärzten rennen, sondern es einen (den Hausarzt) gibt, der ein bisschen Überblick in der Sache behält. Dorthin geht ein Patient dann in jedem Fall immer als Erstes in einer Behandlung.

Das zweite Beispiel setzt bei der Art der Erkrankung an, nämlich speziell für chronische Erkrankungen gibt es die Disease Management Programme (DMP) z. B. für Diabetes oder Herzerkrankungen. Da gibt es spezielle zusätzliche Maßnahmen, wenn man an so einer Erkrankung leidet.

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Vielen Dank, du hast mir damit echt geholfen!

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Könntest du mir evtl. die iV noch ein wenig näher erklären?

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@DoctorL

Gerne, ich mach es mal an einem Beispiel:

Zustand aktuell:

Psychische Erkrankungen sind echte Geldfresser für Krankenkassen, weil Leute nicht selten lange krankgeschrieben sind (kostet Krankengeld) und die Krankenhausaufenthalte verhältnismäßig lang sind (kostet täglich viel Geld).
Deswegen wollen Krankenkassen, dass möglichst viel der Therapie von psychischen Erkrankungen a) darauf abzielt, dass Leute wieder zurück in den Job kommen und b) ambulant abläuft und ohne teure Krankenhausaufenthalte auskommt.
Nun ist das ambulante Psychiatrie-/Psychotherapie-System allerdings darauf gar nicht eingestellt, nämlich Therapien folgen ihren eigenen Gesetzen und Ärzte und Therapeuten haben auch manchmal für den Patienten eben NICHT das Ziel, dass sie möglichst schnell wieder arbeiten, egal wie. Und da es (anders als die Kassenärztliche Vereinigung behauptet) kaum ausreichend ambulante Therapieplätze gibt, müssen Leute eben häufig doch in ein Krankenhaus gehen, statt dass sie gar keine Therapie bekommen.

Jetzt kommt die iV ins Spiel:

Die Krankenkassen heuern quasi ihre eigenen Erfüllungsgehilfen an, indem sie mit bestimmten Ärzten ambulant oder auch mit Krankenhäusern einen direkten Vertrag abschließen, wo sie selbst mehr oder weniger direkt in das Geschehen eingreifen können und z. B. die Ziele wie Vermeidung von stationären Behandlungen mit in das Konzept reinschreiben können. Das ist sonst nicht möglich. Krankenkassen kriegen mit Ausnahme ganz weniger Daten so gut wie NICHTS davon mit, wofür sie dann aber zahlen müssen (und nicht darauf Einfluss nehmen können, in welche Richtung es läuft).

So können die Kassen bestimmte "Therapieprogramme" selbst anbieten bzw. durch spezielle Träger/Anbieter/Ärzte anbieten lassen. Für Patienten hat das natürlich auch Vorteile, weil die Patienten meist viel schneller in Therapie kommen und nicht monatelang auf irgendwelchen Wartelisten "vergammeln".

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