Unterschiede Japanisch Chinesisch Koreanisch, wie leicht eine zweite erlernen, wenn schon Anfänger?

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Eine aehnliche Schrift macht noch lange keine Sprachverwandtschaft aus, bzw. eigentlich ueberhaupt nicht. Man kann als Deutscher ja auch nicht automatisch Finnisch, oder sogar nur Franzoesisch oder Italienisch, obwohl alle das lateinische Alphabet benutzen.

Chinesisch ist quasi das Latein Ostasiens und hat Vokabular und Formen von Kultur nach Korea und Japan gebracht. Deshalb gibt es Woerter, die sich, angepasst auf die jeweilige Phonologie der Sprache, aehnlich anhoeren und entsprechend herleiten lassen. Hier ist aber grosse Vorsicht geboten, da es durch unterschiedliche Gebrauchsweisen sehr viele falsche Freunde gibt. Ausserdem sind die ersten schriftlichen Uebernahmen viele hundert Jahre her, weswegen Lesungen von Zeichen im Japanischen und Koreanischen einen ganz anderen Bezugspunkt haben koennen, und das gleiche Zeichen im heutigen Chinesisch ganz anders gelesen wird oder sogar eine ganz andere Bedeutung haben kann.

Gleiches gilt fuer Komposita und ich bezweifle, dass ein Japaner (ein Koreaner erst recht nicht, da man in Korea nur noch ein sehr begrenztes Wissen ueber chinesische Zeichen hat) mit modernen chinesischen Woertern viel anfangen kann. Ein Japaner kann allenfalls ahnen, worum es in einem chinesischen Text geht, um es wirklich verstehen zu koennen, fehlen allerdings grammatische Kenntnisse, die ohne ein entsprechendes Studium der Sprache nicht vorhanden sein koennen.

Darueberhinaus haben sich die chinesischen Zeichen auch von ihrer Form her in Korea und Japan ganz anders entwickelt. In Korea benutzt man sie mittlerweile aber fast gar nicht mehr und in Japan gibt es Vereinfachungen, die sich von denen des Chinesischen stark unterscheiden. Und mit den Kurzzeichen im modernen Chinesisch wird auch ein Japaner nicht viel anfangen koennen. Zusaetzlich funktionieren alle drei Schriftsysteme natuerlich ganz anders:

Chinesisch verlaesst sich komplett auf chinesische Zeichen, die je nach Region andere Formen haben koennen.

Koreanisch hat sein eigenes Alphabet-System und verzichtet seit einiger Zeit im alltaeglichen Gebrauch komplett auf chinesische Zeichen.

Japanisch nutzt, aufgrund vieler Homophone, weiterhin chinesische Zeichen und hat zusaetzlich zwei Silbenschriften, die alle kooperativ zusammen in einem Satz, manchmal sogar einem Wort (z.B. 消�?�ゴム) vorkommen koennen und sich gegenseitig ergaenzen.

Ueber die Schrift kann man also sagen, dass sie lediglich ein Hilfsmittel ist. Natuerlich hat sie ihren Ursprung in China und ein Japanischlerner, der zusaetzlich Chinesisch lernen moechte, hat einen leichteren Einstieg und muss im Bereich der Schrift nicht von 0 anfangen, der Gebrauch ist aber gaenzlich anders und die Sprache lernt man trotzdem von den Grundlagen an, da sie von einem ganz anderen Sprachtyp ist. Jemand, der nur hobbymaesig Koreanisch lernt, wird bei Chinesisch und Japanisch aber in allen Bereichen komplett von 0 anfangen muessen, weil es von der Schrift her keinerlei Bezugpunkte gibt. Lediglich die aus dem Chinesischen stammenden Vokabeln koennten einem da bekannt vorkommen, muessen aber natuerlich neu gelernt werden.

Grammatikalisch und sprachtypisch muss man zunaechst Chinesisch mit Japanisch/Koreanisch vergleichen.

Chinesisch ist eine komplett isolierende Sprache, d.h., dass es kaum bis gar keine Morphologie gibt und sich ein Satz fast ausschliesslich durch die Syntax erschliessen laesst. Am Besten kann man Chinesisch mit Englisch vergleichen, denn auch Englisch ist auf dem besten Weg eine isolierende Sprache zu werden. Das einzige, was noch ein bisschen an Morphologie erinnert ist das -s in der dritten Person Singular.

Japanisch und Koreanisch sind agglutinierende Sprachen, die vor allem auf die Morphologie wert legen. Das Verb ist in beiden Sprachen das wichtigste und traegt fast alle wichtigen Informationen des Satzes. Die Aufgabe der Nomen wird durch Partikeln angezeigt und diese koennen so auf das Verb bezogen werden. Agglutinierende Sprachen sind in der Regel sehr logisch und fast frei von irgendwelchen Unregelmaessigkeiten.

Fuer einen deutschen oder englischen Muttersprachler ist es deshalb so schwer, weil die Grammatik an sich fremd ist und man schwer mit der eigenen Sprache vergleichen kann. Fuer einen Ungarn, Finnen oder Tuerken ist es zumindest einfacher, sich an diese Sprachen zu gewoehnen, weil der Sprachtyp (agglutinierend) aehnlich ist. Aber Sprachtyp ist ungleich Sprachverwandtschaft!!!

Ob Koreanisch und Japanisch verwandt sind, darueber ist man sich unklar, ich bin aber der Ansicht, dass keine Verwandtschaft herrscht. Der Grund ist, dass das Basisvokabular in beiden Sprachen anders ist und keine Gemeinsamkeiten aufweist. Ausserdem ist Koreanisch teilweise fusionierend. Das heisst, an die Verben wird nicht nur angefuegt, sondern es treten auch viele Verschmelzungen auf, die sich nicht mehr sauber trennen lassen. Im Japanischen gibt es das nur in ganz wenigen Ausnahmefaellen, die man an einer Hand abzaehlen kann. Darueberhinaus ist das Hoeflichkeitssystem ganz anders.

Wenn du eine der Sprachen nicht schon mindestens ueber 6-7 Jahre intensiv lernst und entsprechend fit bist, dann lasse bitte die Finger von einer weiteren. Dadurch schadest du deinem Fortschritt in beiden Sprachen und du wirst keine auf ein brauchbares Niveau bringen koennen.

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Besser als M1603 hätte man es sowieso nicht schreiben können. Wer kennt das nicht im Alltag, wenn man gefragt wird: "Du lernst japanisch? Ist doch genau dasselbe wie Chinesisch und Koreanisch etc. Wo liegt denn da der Unterschied?" Puuh... Französisch und Deutsch sind doch auch zwei Paar verschiedene Schuhe...

Hätte es hingepasst, hätte man ansonsten noch das Tonsystem im Chinesischen erwähnen sollen. Aber die Zeichenbegrenzung... :-)

Schrift =/= Verwandtschaft. Europäer haben doch auch alle dasselbe Alphabet. Und ich finde auch schon vom Klang sind das ganz andere Welten zwischen Japanisch, Chinesisch und Koreanisch.

Ein Tipp, wenn du nicht weißt, was du lernen sollst. Schau dir doch einfach mal jeweils eine Doku über das Land an, hör ein bisschen Musik oder Dialoge, schau mal nen Film mit Untertitel und entscheide dann, was dir besser gefällt und was dir zusagt. Denn ich denke immernoch, dass man das, woran man Spaß hat, auch einfacher lernt und aufnimmt.

Dein Tipp ist sehr wertvoll und wichtig. Im Grunde gibt es keine einfachen oder schweren Sprachen, denn je nach eigener Muttersprache gibt es ueberall Aspekte, die man sich einfacher oder schwieriger merken kann.

Wichtig ist, dass man jederzeit Spass daran hat, selbst in Krisenzeiten, in denen man am Verzweifeln ist. Und gerade diese Zeiten sind bei ostasiatischen Sprachen sehr haeufig. Wenn dann von Anfang an nur "Ist wirtschaftlich wichtig!" oder "Dann kann ich Anime ohne Untertitel gucken!" die Gruende waren, wird man sehr schnell aufgeben...

(Schade, dass die Fragensteller hier fast nie ein Feedback geben....)

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Also ich habe im Sommer einen Koreanisch für Anfänger Kurs an der Uni belegt und meine Professorin meinte, dass man mit der Basis von einer dieser Sprache die anderen zwei leichter erlernt. Chinesisch ist halt immer so eine Sache, weil man da ja auch Tonhöhen unterscheiden muss. Aber wenn du eine kannst, hast du zumindest schon ein Gefühl für eine asiatische Sprache erlangt und somit werden die anderen zwei auch kein allzu großes Problem darstellen :) Ich besuche im Winter dann auch einen Kurs "Koreanisch im Vergleich zu Chinesisch und Japanisch" wenns dann nicht schon für dich zu spät ist kann ich dich dann gern auf dem Laufenden halten :D

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