Unterschied zwischen sozialistisch und sozialdemokratisch?

10 Antworten

Zunächstmal, muss man dazu sagen, dass diese Unterscheidung ein speziell deutsches und mitunter auch russisches Ding ist.
In den meisten anderen Ländern, etwa in Frankreich sind die Begriffe "sozialist" und "sozialdemokrat" noch vollkommen bedeutungsidentisch, bzw. der Begriff "sozialdemokratisch" kommt dort praktisch nicht vor, da es keiner näheren Ausdifferenzierung bedarf.

In Deutschland und Russland ist dies anders, da sich hier die soziale Bewegung mit Fernwirkung bis auf den heutigen Tag infolge der Ereignisse um den ersten Weltkrieg herum spaltete.
Ursprünglich fallen beide unter den Sammelbegriff "Sozialisten", weswegen die Jugendorganisation der SPD auch heute noch "Jungsozialisten" (JUSO) heißt um ein Beispiel des Zusammenhangs zu bieten.

Mit dem Ende des Kaiserreiches spaltete sich dann aber die damalige SPD, zunächst in MSPD ("Mehrheitssozialdemokraten", umgangssprachlich auch "Rechtssozialisten") und USPD ("Unabhängige Sozialdemokraten", umgangssprachlich auch "Linkssozialisten").

Unterschiede zwischen diesen beiden lagen vor allem in der angestrebten zukünftigen Staatsform, während die (M)SPD eine parlamentarische Demokratie vorzog, machte sich die USPD vor allem für eine "Räterepublik", heißt einer direkteren Machtausübung des Volkes, insbesondere der Arbeiterschaft stark.
Aus einer Splittergruppe der USPD, dem sgn. "Spartakusbund" gink kurze Zeit später wiederrum die KPD hervor, die sich ebenso wie die USPD von der SPD nicht unbedingt von der Zielsetzung einer sozialistischen Gesellschaft unterschied, sondern in den Methoden, wie man das zu erreichen gedachte.

*Anmerkung an dieser Stelle:

Wenn hier von "sozialistischer" Gesellschaft (im Bezug auf die SPD und auch die USPD im Großen und Ganzen) die Rede ist, ist dies nicht gleichbedeutend mit den Ostblockdiktaturen, sondern noch wesentlich stärker am ursprünglichen Marxismus ausgerichtet, der einfach eine sozial gerechtere Gesellschaftsordnung, im Sinne einer demokratischen Ordnung anstrebte.

Der Schlüssel zur Unterscheidung im deutschen Sprachgebrauch liegt wesentlich in dieser Spaltung:

Die SPD setzte sich zum Ziel die sozialistische Gesellschaft auf dem Weg einer parlamentarischen Staatsform durch Reform zu erreichen.

Die USPD setze sich zum Ziel die sozialistische Gesellschaft auf dem Weg einer direkten Demokratie über ein Räterepublikanisches System zu erreichen, wobei mit dem Ende der aus dem Krieg entstandenen Räteorganisationen zu Beginn der 1920er Jahre dieser Weg und damit auch die USPD erledigt war.

Die KPD setzte sich zum Ziel die sozialistische Gesellschaft auf dem Weg einer Revolution und einer anschließenden Diktatur nach dem russischen Modell zu erreichen.

Insofern ist die Unterschiedung zwischen sozialdemokraten und sozialisten in Deutschland vor allen Dingen eine historische Kategorie, die dazu dient die Sozialdemokratie und deren Unterstützung der parlamentarischen Staatsform und ihren Reformkurs, von den republikfeindlichen und diktatorischen Praktiken der KPD und des späteren DDR-Regimes zu unterscheiden.
Eine ähliche Unterscheidung kommt vor allem noch in den Ländern vor, die in ähnlicher Form mit den selbsternannten sozialistischen Praktiken des Ostblocks in direkter Weise konfrontiert war.

Wenn z.b. die DDR behauptete ein sozialistischer Staat zu sein und sich dies in die Köpfe der Leute einbrannte, musste die SPD sich um so mehr von diesem Begriff distanzieren, weil es sonst zu der Assoziation hätte kommen können, die SPD wolle in der Bundesrepublik eine Diktatur nach Moskauer Zuschnitt errichten, was natürlich nicht der Fall gewesen ist, da man völlig andere vorstellungen davon hatte, was ein sozialistischer Staat zu sein hat, nämlich eben genau keine menschenverachtende Diktatur, die irgendeinem, bescheuerten Führer hinterherr rennt und mit ihren eigenen Bewohnern in verbrecherischer Weise umspringt, sondern ein demokratisches Modell, dass die unteren gesellschaftlichen Schichten durch entsprechende Sozialgesetzgebung vor Verelendung schütz und idealer Weise allzu krasse Vermögensunterschiede innderhalb der Bevölkerung eindämmt um somit den sozialen Frieden zu wahren (zugegeben, von den beiden letztern Punkten hat sich bis heute nciht mehr viel erhalten).

In anderen Ländern, z.b. Großbritannien fand eine derartige Differenzierung der, eine sozialistische Gesellschaft anstrebenden Kräfte entweder nicht statt oder hatte, wie in Frankreich kein allzulang andauernde historische Bedeutung, die eine sprachliche Unterscheidung nicht unbedingt notwendig macht.

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 1) die sozialdemokratische Ausrichtung (demokratisch)

2) die ökologische Ausrichtung (demokratisch)

3) die kommunistische Ausrichtung (diktatorisch)

4) die anarchistische Ausrichtung (Auflösung hierarchischer Strukturen) 

"Sozialismus" ist also ein Oberbegriff und nicht synonym mit Kommunismus.

Ein Sozialdemokrat ist üblicherweise ein Sozialist, der den Sozialismus durch demokratisch legitimierte Reform auf den Weg bringen will. Seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1989 hat man das Wort Sozialismus aus den sozialdemokratischen Programmen verschwinden lassen und kümmert sich seither nur mehr um soziale Gerechtigkeit. Also sozusagen den berühmt-berüchtigten dritten Weg zwischen Kapitalismus und Sozialismus. 

Der Sozialismus jedenfalls umfasst eine Vielzahl von Ideologien, die alle die Formung einer möglichst gerechten, egalitären Gesellschaft zum Ziel haben. 

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