Unterschied zwischen Schmerzen nicht verhindern und diese verursachen?

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6 Antworten

Schmerzen verhindern und Schmerzen verursachen, da muss man erstmal einiges differenzieren.

Manchmal ist es gut, Schmerzen zu verursachen:

  • Ein Zahnarzt verursacht Schmerzen, ein Arzt muss auch zum Heilen oft Schmerzen zufügen, ... In all den Fällen ist das Schmerz-zufügen nicht das Ziel, aber man nimmt es inkauf um des höheren Gutes willen.

  • Ein Psychologe, ein Polizist, ein Arzt,... müssen seelischen Schmerz zufügen, indem sie jemandem seinen schlimmen Zustand mitteilen oder die Nachricht von einem Todesfall übermitteln. Hier ist die Wahrheit das höhere Gut als die Schmerzfreiheit.

  • Bei der Erziehung wird oft Schmerz zugefügt (körperlich oder seelisch), um einen Menschen dadurch davor zu bewahren, dass er Schlimmes tut. Da ist der Schmerz das Mittel (Der Zweck heiligt die Mittel(?)), auch wenn man heute inzwischen weiß, dass das nicht immer das passende Mittel ist.

Jemandem seine Schmerzen nicht wegzunehmen, kann ebenfalls positive Seiten haben:

  • Bei Alkoholkranken sagt man, sie müssen erst tief genug fallen, bis sie genug Krankheitseinsicht haben. In dem Fall hilft man ihnen letztlich mehr, wenn man es vorher aushalten kann, nichts zu tun.

  • In der Erziehung kann man viele Unannehmlichkeiten dem Kind ersparen, wenn man wollte. Dann wird das Kind überbehütet, unselbständig und unerfahren. Also lässt man es zu, dass das Kind auch schmerzhafte Erfahrungen macht.

  • Wenn schmerzstillende Mittel abhängig machen könnten, sind Ärzte oft im Zweifel, ob und wieviel sie davon geben wollen.

  • Viele Operationen, die dauerhaft Schmerzen wegnehmen könnten, oder auch andere Heilbehandlungen, werden aus Kostengründen verwehrt, da sich der Hippokratische Eid lediglich auf das Lebensnotwendige bezieht, nicht aber darauf, dass sich jeder Einzelne optimal wohlfühlen kann.

  • Oft kann man aber auch erleben, dass aus personellen Gründen nicht sofort was gegen Schmerzen getan wird, dass man zB einen halben Tag warten muss, bis der Zahnarzt einen Schmerzpatienten annimmt, oder dass man am Wochenende in überfüllten Notfallambulanzen sitzt und drei bis vier Stunden warten muss, oder dass Eltern ihr Kind solange leiden lassen, bis sie sicher sind, dass es wirklich was Schlimmes ist,... Aber das sind Situationen, die nicht aus bösem Willen geschehen.

  • Dann bleibt noch die Frage, inwieweit ich mich verantwortlich fühle für den fremden Menschen, dessen Leid ich sehe oder auch nicht sehe. Wenn in den anonymen Nachbarwohnungen so und so viel unbekannte Menschen einsam und vielleicht sogar verzweifelt sind, und ich bin der Nachbar, aber klingle nicht mal bei dem einen oder anderen, um mich zu erkundigen, ob da jemand Hilfe braucht, unterlasse ich ja auch etwas, das im Prinzip kein großer Aufwand für mich wäre.

Das nur als Anregungen.

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Natürlich besteht darin ein Unterschied, ob man Schmerzen verursacht oder zulässt.

Beides ist schlimm, aber das Verursachen ist schlimmer. Der Unterschied ist, dass wenn man sich den Verursacher weg denkt, kein Leid geschieht. Denkt man sich den Passiven weg, geschieht Leid.

Es ist auch oft schwierig zu beurteilen, ob jemand in der Lage ist, Schmerzen zu verhindern. Muss dieser selbst ein Risiko eingehen? Kann ein falscher Eingriff die Schmerzen verstärken? Wer bewusst Schmerzen verursacht, der kann bewusst die Schmerzen auch mit 100%iger Sicherheit durch sich als Ursache verhindern.

Wenn allerdings kein Risiko besteht, weder für den Passiven als auch für den Verletzten und die Gelegenheit da ist, ist man schon moralisch verpflichtet, zu helfen.

Der Schweregrad unterscheidet sich aber massiv.

Kontrovers diskutiert findet sich dieses Thema bei der Hilfe zum Selbstsuizid wieder. Ist ein Arzt, der einen Schirlingsbecher neben das Bett stellt genauso zu bewerten wie jemand, der das Gift direkt in die Venen spritzt? Was ist mit dem, der keine Nahrung mehr zukommen lässt und mit dem Fall, dass die Maschinen irgendwann abgestellt werden, weil die Mittel zu knapp werden?

Das lässt sich alles in einem Satz schlecht beantworten, aber ich glaube, jeder kann schon so etwas wie ein Schweregradsgefälle erkennen, allein durch "gesundem" Menschenverstand.

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Die Voraussetzungen sind mir zu sehr an den Haaren herbeigezogen. Welcher Arzt würde so was tun? Er hat schließlich den hippokratischen Eid abgelegt.
Ansonsten: Unterlassene Hilfeleistung wird als nicht so gravierend angesehen wie absichtliche Körperverletzung.

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ZyrranM 13.11.2014, 22:42

Vermutlich ist das Beispiel etwas zu abwegig, aber ich denke mit "unterlassener Hilfeleistung" kann man es gut kürzen.

:)

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Hausmeister 13.11.2014, 22:47
@ZyrranM

Bei dem Arzt-Beispiel eher nicht - da würde wohl eher § 13 StGB greifen!

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Doesig 13.11.2014, 22:50
@Hausmeister

Was besagt denn dieser Paragraf? Hab das grad mal gegoogelt, habs aber nicht kapiert :D

"unechte" Unterlassungsdelikte ???????

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Das ist eine schwere frage, was zum beispiel, wenn die medikamente stark abhängig machen. ist der schmerz dauerhaft, rheuma oder ähnliches, oder ist es eine verletzung die wieder verheilt

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Über diese Frage haben sich schon verschiedene schlaue Köpfe Gedanken gemacht und sie beispielsweise in § 13 StGB (der wäre dein Arzt-Fall) oder § 323 StGB niedergeschrieben. Die Antwort auf deine Frage lautet also: Jein!

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Hausmeister 13.11.2014, 22:50

323 c natürlich!

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Doesig 13.11.2014, 22:51

Was besagt dieser Paragraf in verständlichen Worten?

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Hausmeister 14.11.2014, 14:46
@Doesig

Er bestimmt, wann ,,unterlassene Hilfeleistung" vorliegt.

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ja das ist auch sehr schlimm, vielleicht nicht so schlimm, meiner meinung nach, wie jemanden selber verletzen, aber ähnlich!

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