Unterschied zwischen Religiösitat und Wahnvorstellung?

21 Antworten

Äußerst interessante Fragestellung... Ein deutlicher Unterschied dürfte sein, dass der Begriff Wahnvorstellungen auf einzelne Personen bezogen wird, der Begriff Religion allerdings auf eine größere Personengruppe bzw. Glaubensgemeinschaft.

Einige Religionen erheben den Anspruch, dass die jeweilige Religion die einzige richtige sei und einige der Gläubigen nehmen das so an. Bei Wahnvorstellungen nimmt erst gar niemand an (außer der betroffenen Person), dass diese Vorstellungen wahr wären. Gemeinsam ist jedenfalls, dass an Überzeugungen festgehalten wird, auch wenn man man das Gegenteil belegen kann.

Wahn ist mit etwas krankhaftem und schlechten konnotiert, während Religion viel eher akzeptiert wird. Deshalb landet man in ersterem Fall beim Psychater, in letzterem aber nicht. Wahnvorstellungen als Vorstellungen "kranken Ursprungs" zu definieren würde ich als kompliziert bis problematisch bezeichnen, weil wie möchte man "krankhaft" und "normal/ gesund" voneinander deutlich unterscheiden? Wie kommt man zu einer Definition, die universell ist und daher angenommen wird?

Wahnvorstellungen dürften größtenteils stärker ausgeprägt sein als religiöse Ansichten. Gibt ja auch Gläubige, die vielleicht ihr eines Gebet täglich haben und das genügt dann auch (und dagegen gibt es ja nichts einzuwenden). Bei Wahnvorstellungen kann das deutlich weiter gehen und der/die Betroffene wird oftmals deutlich eingeschränkt. Religion kann natürlich auch (zu) weit gehen, wenn es dann in den religiösen Extremismus übergeht.

Ansonsten sind Wahnvorstellungen individueller, das heißt, eine einzelne Person entwickelt selber mit der Zeit diese eigene Art der Wahrnehmung. Bei Religion bekommt man das ja in etwa vorgegeben und glaubt dann (mehr oder weniger) daran. Ein Stück weit bestimmen Gläubige ja auch, wie weit sie sich an die Vorgaben der Religion anpassen möchten, sofern sie nicht streng religiös erzogen wurden.

Bei Religion würde ich den Ursprung bzw. die Ursache in der begrenzten Erkenntnis eines Menschen sehen. (Einige) Menschen faszinieren Antworten zu philosophischen Fragen, die sie kaum bis nicht beantwortet bekommen. Also lieferten Religionen dazu Antworten. Vor nicht allzu langer Zeit kamen noch einige Naturwissenschaften dazu, wenn es darum geht, Antworten auf Fragen der Existenz und der Entstehung dieser zu liefern.

Heute ist das vermutlich eher das "an altem Zeugs festklammern" oder so ein "wurde nun mal so erzogen", das Religion noch so weit verbreitet macht. Ich würde (deutlich ausgeprägte) Religion und Wissenschaft auf jeden Fall als äußerst konträr zueinander sehen. Und auch noch ganz wichtig, Religion lässt sich perfekt instrumentalisieren. Zumindest ging das in der Vergangenheit ganz gut.

Es gibt schon Unterschiede, man kann Religion und Wahnvorstellungen nicht gleichsetzen, auch wenn formale Kriterien übereinstimmen mögen.

Eine Wahnvorstellung setzt keinen Glauben an etwas unbewiesenes voraus sondern etwas teils unbegründetes für vor allem Außenstehende.

Die Begrifflichkeit ,,Wahnvorstellung", wird meist pejorativ verwendet und,, Religiösität" verbleibt neutral im Wortschatz. Hierbei gibt es nicht mal ansatzweise einen Vergleich da könnte man auch gleich fragen was der Unterschied zwischen Rassismus und Volksunterstützung wäre, was hierbei entweder ein Wort das negativ vermeinen soll verschönert, oder ein Wort der Norm pejorativiert.

Geht man jedoch von der genauso unstützbares Theorie aus alla': ,,Was keinen Beweis hat ist unvernünftig für wahr zu halten:" und definiert sich das Wort ,,Wahnvorstellung" einfach um zu einer Vorstellung die nicht bewiesen werden kann dann könnte es tatsächlich eine Ähnlichkeit geben.

Doch halt! Was ist mit atheistischen Religionen?

,,Religiösität" setzt ja auch nicht voraus das man an Gott glaubt, der Buddhismus in seinen verschiedenen Formen oder die Atheistische Glaubensgemeinschaft Österreichs, sowie alle erdichteten Religionen der Unbekannten folgen wohl mehr einer Ideologie bzw. Lehren die auf die Konzentration, Ruhe und ein inneres Gleichgewicht zurückführen. Die Vorstellung einer Seele als etwas geistliches mag ebenso nicht bewiesen werden können, doch das kommt darauf an was man unter ,,Seele" versteht. Denn hierbei geht es vor allem um einen vielfältigen Begriff der auch das bloße ,,Sein" sein kann welches man nicht beweisen muss da jeder weis das es existiert. (Außer man glaubt an die Matrix oder das alles eine Illusion seie)

Religiösität ist also auch bloße Lehre über Psychologie die durchaus wirkt, da hätten wir sogar schon Wissenschaft und die nötigen Beweise. Selbst dann wenn ,,Wahnvorstellung" (Glauben an unbewiesenes) bedeuten würde, dann ist es nicht dasselbe. Aber geht man konkret auf die ,,Religiösität der Theisten" ein dann wäre es genauso unbewiesener Glaube ,,nicht" an Gott zu glauben.

Und darum ging es schon immer in der endlosen schieren Debatte der Nichtreligiösen und der Religiösen. Das ist wortwörtlich eine ,,Verschwörerspirale" von beiden Seiten.

Woher ich das weiß:eigene Erfahrung

Schöne Antwort, aber soetwas wie "atheistische Religionen" gibt es nicht. Ich empfehle dazu das Buch "Der Gotteswahn" von Richard Dawkins. Da erklärt er sehr gut, warum das so ist.

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@JessicaLauu

Natürlich gibt es das, wie ich schon sagte der Buddhismus (als größtes Beispiel) ist in manchen seiner Formen atheistisch. Dazu kann jeder Mensch im Land einer Religionsfreiheit seine eigene Religion erfinden darunter auch atheistische Religionen. So laufen nun mal die Begrifflichkeiten dann.

Atheismus ist nicht das Gegenteil zur Religion. Sondern beschreibt nur die Enthaltung aus dem Glauben an einen Gott oder Götter.

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@Nennez

Buddhismus ist meines Erachtens keine richtige Religion, sondern vielmehr eine Philosophie. Das gilt für mich für jede "Religion", die nicht theistisch ist.

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Na es kommt immer drauf an wie intensiv sie dafür "eingestehen" und andere Meinung noch Zulassen!!!...

Woher ich das weiß:Recherche

Es glauben auch alle anderen an etwas, für das es keine "sinnvollen" Belege geben kann: die Realität.

Alles, was Du wahrnimmst, wird in Deinem Gehirn interpretiert. Auch das, was Du spürst wenn Du es berührst... Aber ist es wirklich real?

-> https://de.wikipedia.org/wiki/Gehirn_im_Tank

Letztendlich entscheidet jeder für sich allein, ob etwas real ist oder nicht.

Für einen Psychosepatienten ist seine Realität genauso real wie sie es für einen Außenstehenden nicht ist.

Ein wesentlicher Unterschied zwischen Religiosität und Wahn ist die Wirkung auf den Betroffenen. Bei Wahn sind Emotionen wie Angst und Wut im Vordergrund, bei Religiosität überwiegt der Seelenfrieden.

warehouse14

Ich unterscheide zwischen:

Realität: Das was ist.

und

Wirklichkeit: Wie das was ist auf einem wirkt.

Der Mensch hat mit Wissen nur Zugang zur Wirklichkeit, verwechselt diese aber sehr gerne mit Realität.

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@Patrickson

Super Kommentar! Vielen Dank! Ich behaupte das auch manchmal bei GF!

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@ulrich1919

Brauchte selbst einige Zeit bis ich das erkannt habe, danach wurde mir jedoch manches klar...

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@Patrickson

Im Gegensatz zur ,,Wirklichkeit" könnte man Realität mit ,,Dinglichkeit" übersetzen. Die Dinge ,,an und für sich"; unabhängig von unserer Wahrnehmung.

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@ulrich1919

Ja, könnte man in etwa. Wobei es sich mit der Realität ähnlich verhält wie mit der Zeit, der Mensch kann sie selbst nicht wahrnehmen, er erkennt sie nur an den Veränderungen, welche sie bewirkt. Die Veränderungen jedoch gehören wieder zur Wirklichkeit, lassen uns aber Rückschlüsse ziehen auf das Wesen der Zeit, bzw. auf die Realität. Deshalb ist Gott dem Wissen und den Beweisen nicht zugänglich und somit Atheisten völlig verborgen und unbegreiflich.

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Karen Horney hat sich ausgiebig darüber ausgelassen und hervorragend argumentiert. Es gibt als Krankheit den „religiösen Wahn“ und der unterscheidet sich deutlich von gesunder Religiosität. Es ist nun halt nicht nur das Wissen und alles, was bewiesen werden kann wahr, sondern die Wahrheit erstreckt sich über einen weiten Horizont. Die Liebe kann nicht bewiesen werden, dennoch ist sie eine Wahrheit. So kann vieles mit komplexem Sachverhalt nicht bewiesen werden und ist dennoch wahr.

Woher ich das weiß:Eigene Erfahrung – Weil Erkenntnis und Verständnis wunderbare Gaben sind.

„Es gibt eine Wahrheit, die man mit dem Verstand erkennt, und es gibt eine Wahrheit, die man mit dem Herzen erkennt.“ (Blaise Pascal)

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Natürlich kann die "Leibe" bewiesen werden - und sie wurde auch schon oft bewiesen!

Das viel prekärere Problem ist, dass die, die beständig über "Liebe" schwafeln, sich bei ihrer Demonstration und praktischen Anwendung sehr schwer tun! Und genau die sind es auch, die am ehesten und am lautesten behaupten, dass "Liebe" nicht beweisbar sei!

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@666Phoenix

Deine Beurteilung ist sehr einseitig und beruht wahrscheinlich auf deinen Erlebnissen oder Vorurteilen darüber.

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@Patrickson

Meine Beurteilung kann mit vielen Expertisen, Versuchen und praktischen Erfahrungen unterlegt werden!

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@666Phoenix

Ich teile deine Meinung übrigens teilweise, aber ich habe eben auch ganz andere, bessere Erfahrungen gemacht.

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