Wo liegt der Unterschied zwischen katholischer und evangelischer Trauung?

9 Antworten

Vorweg: es gibt keine ökumenischen Trauungen, sondern eine kath. Trauung mit Beteiligung eines ev. Pfarrers bzw. eine ev. Hochzeit mit Beteiligung eines kath. Pfarrers.

Der wesentliche Unterschied besteht darin, dass es gar keine ev. Trauung gibt, sondern das verheiratete Paar geht in die Kirche und holt sich den Segen von Gott ab. - Bei einer kath. Feier gehen die Brautleute unverheiratet (Standesamt zählt nicht!) in die Kirche und heiraten dort vor Gottes Angesicht, bekommen nachher ebenfalls den Segen und kommen als Verheiratete aus der Kirche heraus.

Es gibt keine rein evangelische Trauung? Nur mit Beteiligung eines katholischen Pfarrers??? Aha...sehr interessant. Das ist das Erste, was ich höre... So viel Blödsinn. Soll doch jeder heiraten, wie er will. Meine Freundin hat in Pakistan geheiratet und musste euch hier um die Eintragung kämpfen und viel Geld bezahlen. Eigentlich sollte eine Ehe eine Ehe sein und auch ohne Standesamt anerkannt werden! Was haltet ihr denn von der Idee? Dann soll jeder so heiraten, wie er will, halt vor einer berechtigten Person und unter Einhaltung der Gesetze. Ein Pfarrer sollte die gleichen Berechtigungen wie ein Standesbeamter haben... Dann wär das ganze Theater viel einfach. Eine andere Freundin von mir und mein Cousin haben sich jetzt gegen eine kirchliche Trauung entschieden, weil ihnen das zu kompliziert ist, eine Einigung für eine katholisch-evangelische Trauung mit den Herren der beiden Kirchen zu finden. Das müsste alles einfacher geregelt werde.

Für Euch wichtig: die sogenannte "ökumenische" Trauung gibt es in Wirklichkeit nicht. Es gibt eine katholische unter Beteiligung des ev. Pfarrers bzw. umgekehrt eine ev. unter Beteiligung des kath. Priesters. Die Standpunkte sind von raubkatze und Sonnenschnauz toll dargestellt worden. Entscheiden müßt Ihr selbst.

Der dickste Brocken ist nicht der Ablauf, der garnicht mal unähnlich ist, sondern die Bedeutung (Sakrament oder nicht?). Da kann Euch auch niemand die Entscheidung abnehmen. Egal wie´s ausgeht, Gott segne Euren Bund!

Für Luther und die Reformation ist die Ehe ein „weltlich Ding“, weil die christliche Kirche die Ehe nicht erfunden hat. Sie existierte vor der Kirche, es gibt sie auch in anderen nicht-christlichen Kulturen, dort manchmal sogar „besser“ als bei Christen. Das heißt aber nicht, dass die Ehe auf protestantischer Seite keine tiefe geistliche Dimension hat. Im Gegenteil, sie ist ein Geschenk Gottes an beide Partner, das Leben der Ehe gleicht einem Gottesdienst, sie ist grundsätzlich unauflöslich: „Was Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht scheiden!“ Luther hat sehr schöne Sachen über die Ehe geschrieben. Das Lesen lohnt sich!

Bei der protestantischen Trauung kann durchaus das Abendmahl gefeiert werden. Es gibt auch eine Reihe von Hochzeiten, wo der eigentliche geistliche Charakter sehr ernst genommen wird und wo man das Abendmahl feiert.

Zum rechtlichen Charakter: Die standesamtliche Trauung wird sozusagen „vor den Menschen“ vollzogen, die kirchliche „vor Gott“. Diese Trennung ist aber vor allem in Deutschland der Fall, seit dem Kulturkampf Bismarcks im 19. Jahrhundert, der sich vor allem gegen die römisch-katholische Kirche richtete, die er als gewissen Fremdkörper in Preußen empfand. Vorher gab es diese Trennung nicht. In den skandinavischen Ländern mit den protestantischen Staatskirchen gibt es die Trennung auch nicht. Ein anderer Unterschied ist gravierend: In der r.k. Kirche ist praktisch jede Handlung eine juristische Handlung. So ist dort auch die kirchliche Trauung juristisch zu beurteilen: Mit Zeugen, die im Fall einer späteren Annullierung gehört werden. Bei den Evangelischen ist jede Handlung zuerst eine seelsorgerliche. Wenn eine Ehe zerstört ist, hilft auch keine Juristerei mehr etwas. Luther hat, als er als junger Professor mit seinen Studenten in Wittenberg die Bannandrohungsbulle verbrannte, das römische CIC (Corpus Juris Canonici), das Gesetzbuch, gleich mit verbrannt. Das heißt für das gesamte protestantische Leben: Es geschieht geistlich, und danach erst kommen die verbindlichen Regeln, aber das Leben kann nicht einfach nach Gesetzen geführt werden.

Für die r.k.Kirche ist die Ehe ein „Sakrament“. Dieses Wort bezieht sich auf die Stelle in Epheser 5,32, wo der Autor von der Ehe sagt: „Das Geheimnis ist groß“. Im Griechischen steht für „Geheimnis“ das Wort „Mysterium“. Die Vulgata hat dieses Wort mit „sacramentum“ wiedergegeben. Daraus wurde das Sakrament.

Persönlich meine ich, da ich beide Kirchen kenne (und hoch schätze), dass ernsthafte Protestanten und Katholiken zwar unterschiedliche Begründungen haben, aber praktisch gar nicht so weit auseinander liegen. Die Zeit für ein weiteres Aufeinander-Zugehen ist reif.

Für Katholiken ist die Ehe ein Sakrament und durch das Ehegelöbnis vor Gott unauflöslich. Man kann nach einer evtl. Scheidung kein zweites Mal kirchlich heiraten. Die Ehe ist für kath. Christen deshalb erst dann gültig, wenn sie vor einem kath. Priester kirchlich geschlossen wurde.

Eine nur standesamtliche Ehe oder eine ev. geschlossene Ehe wäre kirchenrechtlich ungültig.

In begründeten Ausnahmefällen ist eine Dispens durch den zuständigen Bischof möglich. Eine "ökumenische" Ehe gibt es nicht.

Eine nicht gültige Ehe gilt als "wilde" Ehe und schließt von den Sakramenten aus.

Für ev. Christen ist die Ehe kein Sakrament, sondern nur "ein weltlich Ding". Sie heiraten bereits gültig auf dem Standesamt. Die ev. kirchl.Trauung mit dem Segen des Pfarrers ist nur eine feierliche Verschönerung.

Also das Versprechen vor der Gemeinde und der Segen der Eheschliessung ist uns schon wichtig, so nuechtern sind wir dann doch nicht...:-)

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@riara

Im Gegensatz zu Katholiken ist die kirchliche Trauung aber nicht entscheidend für die Gültigkeit der Ehe.

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@Raubkatze45

Da widerspreche ich auch nicht, mein Kommentar war lediglich eine Ergaenzung...

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@riara

Und ich, liebe GF-Freunde, "pfeife" gänzlich auf diese Zeremonien und diesen geistigen Inhalt! Mein Ethos gegenüber Ehe und Familie könnte Euch meine Frau besser erklären, von meiner Seite könnte es wie Angeberei aussehen! Und ich verstehe auch Leute, die in "wilder Ehe" zusammen halten und Kinder gemeinsam groß ziehen! Euer Gott sollte sie doch eigentlich alle lieben!

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