Unterschied zwischen einem gesetzlichen und privaten Krankenversicherung?

4 Antworten

Ich versuchs mal kurz:

Es sind zwei gänzlich unterschiedliche Systeme:

  1. Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) Ist aufgebaut nach dem Sachleistungsprinzip. Ich lege meine Chipkarte beim Arzt vor und bekomme Medizin. Der Arzt rechnet direkt mit der Krankenkasse ab. Die Leistungen sind in Gesetzen (SGB) und Richtlinien festgelegt, die jederzeit veränderbar sind. Die Finanzierung wird im Umlageverfahren (zzgl. aktuell Steuerzuschuss) betrieben. Es kann immer nur so viel Geld ausgegeben werden wie herein kommt.
  2. Private Krankenkasse (PKV) Ist aufgebaut nach dem Kostenerstattungsprinzip. Arzt stellt mir eine Rechnung. Ich bezahle den Arzt für die Medizin, die er an mir durchgeführt hat. Ich bin Schuldner. Medizin, die ich in Anspruch nehme, soll dann von einer PKV gezahlt werden. Die Leistungen sind in einem Vertrag zwischen mir und der Gesellschaft geregelt, woraus ich wiederrum alles oder nur Teile der Arztrechnung erstattet bekomme, je nach Vereinbarung. Die Finanzierung wird als Kapitaldeckungsverfahren betrieben. Mein Geld was ich später einmal brauche spare ich bereits heute an, so dass es auch noch in einigen Jahren vorhanden ist.

Das Problem, was beide Kassen haben, ist: Die Gesundheitsausgaben steigen. Dies sind bessere Diagnosemöglichkeiten (Apparatemedizin), bessere Medikamente usw. Die daraus entstehenden Lücken werden durch Beitragsanpassungen, Beitragssatzänderungen aufgefangen. In der GKV sind dies auch Kürzungen von Leistungen. Alles weitere sind eigentlich Details. Was besser ist? Hängt davon ab, welche Medizin der Arzt mit mir machen soll. Limitierungen gibt’s in beiden Systemen. In der GKV kaufe ich mir Leistungen dazu, z.B. Wahlarzt (auch den Chefarzt) im Krankenhaus, bessere Unterbringung. In der PKV eigentlich genauso, nur wähle ich hier vorher. Was teurer ist kann man pauschal nicht beantworten.

Ein Unterschied ist auf jeden Fall der Preis. Kommt allerdings auf das Eintrittsalter an. Mehr Vorteile hast du auf jeden Fall in der PKV

weil Psychotherapie in vielen Tarifen nur begrenzt bezahlt wird?

weil für jede Person Extra-Beiträge zu zahlen sind?

  • weil in vielen Tarifen nur (einige) bestimmte Hilfsmittel bezahlt werden?

  • weil ich für jede Leistung nachträglich eine Kostenerstattung beantragen muss (und hoffen, dass die Leistung zum vereinbarten Tarif gehört)? Und die Versicherung keinen "Privat-Buchhalter" bezahlt?

  • weil bei niedrigeren Einnahmen meinerseits der Privatversicherung die Einnahmehöhe egal ist?

.....

"Auf jeden Fall" ist m.E. nicht korrekt. Es gibt Fälle, in denen die PKV deutliche Vorteile bietet, aber genau so gut auch die umgekehrten Fälle.

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@RHWWW

Drei kurze Kommentare: 1.) Es werden nicht EXTRA-Beiträge bezahlt, sondern jede versicherte Person muss bezahlen. Im übrigen ist das auch in der GKV so, wenn der Hauptverdiener (verheiratet) über der Jahresarbeitsentgeltgrenze verdient, dann fällt nämlich die Familienversicherung flach und die Angehörigen müssen als freiwillige Mitglieder in der GKV versichert werden (ca. 140,- Euro pro Nase).

2.) Du beschreibst das so, als müsste für jeden Arztbesuch ein Bitte-Bitte-Brief geschrieben werden. Das ist falsch. Es wird die Rechnung an den Krankenversicherer geschickt und der zahlt dann in der Regel innerhalb von zwei Wochen (während man beim Arzt 4 Wochen Zahlungsziel hat). Hinsichtlich des "Hoffens", wer zu dumm ist sich durchzulesen, was er versichert hat, der sollte sich professionelle Hilfe (Makler/Versicherungsberater oder von mir aus Stiftung Warentest oder Verbraucherzentrale) zur Hilfe nehmen. 3.) Das mit den niedrigen Einnahmen ist kein Problem der PKV sondern der GKV. Wenn Du weniger als ca. 1900,- Euro im Monat verdienst interessiert das die GKV wenn Du selbstständig bist herzlich wenig. Du zahlst immer ca. 280,- Euro Beitrag.

Viele Grüße

Andreas

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Hallo,

ich denke der Hauptunterschied ist vor allem die Art der Leistungen. Während in der gesetzlichen Krankenversicherung die Leistungen einheitlich und klar umrissen sind, kann man sich in der privaten Krankenversicherung den Krankenversicherungsschutz aussuchen. Leider nutzen das nur wenige Kunden wirklich richtig und versuchen für sich nur das billigste Angebot zu ergattern, mit dem Hintergrund, dass sie in wichtigen Fällen, wie RHWWW es teilweise richtig beschrieben hat, schlecht versichert sind.

Mögliche Unterschiede sind zudem folgendes:

  • Die Beiträge der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) werden nach dem Einkommen berechnet (derzeit 14,9% vom Brutto, wovon der AG 7% und der AN 7,9% zahlt, bei Selbstständigen wird das natürlich voll vom Versicherten bezahlt).
  • Die private Krankenversicherung bemisst ihre Beiträge grob gesagt nacht Alter, Geschlecht, Gesundheitszustand (Vorerkrankungen) und natürlich gewählten Leistungen und hat zudem das Recht, Personen abzulehnen, die ein zu hohes Risiko darstellen, was zur Stabilisierung der Beiträge führt, denn kranke Menschen kosten Geld.
  • In der gesetzlichen Krankenversicherung gibt es eine Möglichkeit der beitragsfreien Mitversicherung von Angehörigen (Familienversicherung), in der privaten Krankenversicherung muss für jeden Versicherten ein eigener Beitrag gezahlt werden.
  • Die GKV kann jederzeit die Beiträge beliebig erhöhen. Seitdem es den Gesundheitsfonds gibt, liegt die Beitragshoheit nicht mehr bei den Krankenkassen, sondern wird vom Staat vorgeschrieben (die nächste Erhöhung kommt bald).
  • Die PKV muss ihre Beiträge erhöhen, wenn die Kosten mehr als 5% gestiegen sind, das muss allerdings von einem unabhängigen Treuhänder geprüft und bestätigt werden.
  • Die GKV darf ihre Leistungen kürzen. Dies ist in der Vergangenheit des öfteren geschehen und nannte sich dann Gesundheitsreform. Auf deutsch, viele Leistungen werden von der GKV nicht mehr erstattet oder müssen anteilig vom Versicherten bezahlt werden.
  • Die PKV darf ihre Leistungen nicht kürzen. Hier greift das Vertragsrecht, der Vertrag darf nie schlechter sein, als er anfänglich war. Leistungsverbesserungen sind erlaubt.
  • In die GKV darf grundsätzlich jeder und sie muss jeden nehmen (es gibt Ausnahmen).
  • In die PKV darf man, wenn man Beihilfeempfänger ist (Beamter), als Angestellter über der Jahresarbeitsentgeltgrenze verdient (auch hier gibt es besondere Bedingunen, wann) oder als Selbstständiger.
  • Ach ja, im Schnitt leben privat Versicherte etwa 5 Jahre länger und sterben gesünder als gesetzlich Versicherte, aber das ist nur eine Statistik.

Es gibt noch viele andere mehr oder minder polemische Argumente zu dem Thema. Wie Du sicherlich merkst bin ich ein Verfechter der PKV, selbst PKV-versichert und froh darüber.

Viele Grüße

Andreas

DH ,sehr gute Antwort ! HG DerMakler

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